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ERASMUS-Erfahrungsbericht - Trinity College Dublin

Im August 2011 fiel meine Entscheidung für ein Auslandssemester. Ich habe dann an einer Erasmus-Informationsveranstaltung teilgenommen. Der nächste Weg führte mich zu den Erasmus-Koordinatoren der einzelnen Institute. Hier ist Eigeninitiative gefragt! Man muss die Verantwortlichen anschreiben, sich persönlich vorstellen und Bewerbungen abgeben. Gut ist es, wenn man sich selber schon gut auf der Internetseite des akademischen Auslandsamt informiert hat und mögliche Partnerunis kennt, damit man konkrete Wünsche äußern kann. Die ganze Bewerbungsphase war relativ spannend, da das Trinity College lange mit seiner Zusage auf sich warten ließ und ich mich mittlerweile schon auf die Universität in Upsala in Schweden eingestellt hatte. Kurz bevor alles schon unter Dach und Fach gewesen war, kam dann doch noch das OK von Dublin. Ich musste eigentlich nicht lange überlegen und entschied mich um. Nachdem alle wichtigen Dokumente (ausgefüllte Bewerbung, Learning Agreement, Leistungsübersicht, Nachweis über Auslandskrankenversicherung) dann nach Irland versendet wurden, hieß es Warten. Ende Juni/Anfang Juli kamen dann die ersten Lebenszeichen vom Trinity College. Man erhielt einen Uni-Account mit Passwort und eine Broschüre mit Informationen zum Studienbeginn und dem Leben in Dublin allgemein.


Studienfach: Lehramt Geschichte/Mathe

Aufenthaltsdauer: 09/2012 - 12/2012

Gastuniversität: Trinity College Dublin

Gastland: Irland

Zu Beginn des Semesters fand dann am Trinity College eine Orientierungswoche, die Freshers‘ Week statt. Diese Woche hatte ein buntes Programm und bot den Studenten alles, was sie wissen mussten. Man wurde von älteren Studenten über den Campus- und durch die Bibliothek geführt, konnte seinen Studentenausweis abholen und einen eigenen Uni-Account einrichten. Für ausländische Studenten wurden Vorlesungen zu den Besonderheiten der irischen Kultur und Sprache angeboten. Ein feierlicher Sektempfang und ein Willkommensessen in der holzgetäfelten (Hogwarts-) Mensa für die Studenten wurde auch organisiert. In dieser Woche konnte man nach Belieben jeden Abend zu einer anderen Willkommens- und Kennenlern-Party gehen. Zahlreiche Stände auf dem Campus warben für verschiedene Societies, in denen man sich engagieren sollte. Da war für jeden Geschmack etwas dabei. Sport, Kochen, Mode, Kunst, Musik oder debatieren mit der Philosophical und der Historical Society, die zu den ältesten Studentenorganisationen der Welt gehören. Spaß hat der Pub auf dem Campus gemacht, wo die Studenten nach Vorlesungsschluss ihr Guinness trinken und über Dublin blicken. Spaß macht auch das neugebaute Sportzentrum mit Schwimmbad, Sauna und Kletterwand.

Die Betreuung am Trinity College war phantastisch. Die Professoren sprachen ihre Studenten mit Vornamen an und die meisten von ihnen beantworteten E-Mails innerhalb weniger Minuten. Bei den Historikern galt ein Seminar mit über 20 Studenten als überfüllt. Man bekam für alle gestellten Aufgaben ein direktes und persönliches Feedback. Auch die Ausstattung der Bibliothek und der Computerräume war sehr gut. Für zielstrebige Studenten gab es 24-Stunden-Lesesäle. Die Anforderungen an der traditionsreichen Universität waren sehr hoch. Das College mit seinen 15.000 Studierenden gehört laut Ranking der britischen Zeitung "Times" zu den 50 besten Hochschulen der Welt. Und das merkt man auch. Wöchentliche Tests und Assignments, die immer pünktlich abzugeben sind und in die Endnote einfließen. In Geschichte hatte man ein sehr hohes Lesepensum und die übliche Form der Bewertung waren ein oder mehrere Essays. In Mathematik stand eine große Klausur am Ende des Semesters und zahlreiche Aufgaben waren über das Semester zu bearbeiten. Für Erasmus Studenten wurde übrigens eine Ausnahme gemacht. Man musste nicht zwingend im Prüfungssemester im Mai die Prüfungen schreiben, die Dozenten waren da sehr entgegenkommend und ließen sich auch auf alternative Prüfungsformen oder einen früheren Prüfungstermin ein.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Während meines Auslandssemester habe ich so viele tolle, faszinierende Leute kennengelernt. Das war auch überhaupt kein Problem, da man durch die zahlreichen Einführungsveranstaltungen und Erasmus-Parties ständig neue internationale Bekanntschaften geschlossen hat. Ich habe außerdem in einer WG gewohnt, in der sich auch öfter mal die Besetzung geändert hat, so dass man dort auch immer wieder neue Leute kennengelernt hat. Insgesamt muss ich aber sagen, habe ich mich teilweise wie in einer Blase gefühlt. Man blieb nämlich größtenteils immer in der Gruppe der internationalen Studenten. Es war schwierig mit irischen Studenten Freundschaft zu schließen. Das hing vor allem mit dem irischen Studiensystem zusammen. Das Studium am Trinity College ist nämlich genau durchorganisiert. Es ist exakt festgelegt, was die Studenten in ihrem ersten, zweiten, dritten und vierten Studienjahr zu belegen haben. Durch dieses relativ „schulische“ System haben sich bei den Studenten feste Gruppen gebildet. Sie belegen wie in größeren „Klassen“ gemeinsam jeden Tag die gleichen Fächer. Als Erasmus Student fällt man da aus dem Raster. Wir konnten unsere Kurse frei wählen und kamen dadurch immer nur sporadisch mal zu ein oder zwei Kursen in diese „Klassen“.

Geht man jedoch auf die irischen Studenten zu, dann sind sie sehr offen und hilfsbereit. Insgesamt muss ich aber sagen, fiel es mir leichter mit internationalen Studenten Freundschaft zu schließen, auch schon weil das Sprachniveau ein ähnliches war.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Sehr zu empfehlen ist ein Englischkurs über das Semester (In-sessional English for Academic Purposes). Für insgesamt 50€ bekommt man viel geboten. Man hat die Möglichkeit einmal in der Woche am Abend zwei Stunden mit anderen ausländischen Studenten sein akademisches Englisch zu verbessern. Fragen, mit denen man sich über das Semester beschäftigt sind zum Beispiel: Wie schreibt man im akademischen Kontext angemessene Emails? Wie schreibt man Essays und drückt Kritik aus? Gibt es nützliche Wendungen für Präsentationen? Wie argumentiert man richtig? Man hält zwei Präsentationen und wird dabei auch gefilmt. Außerdem gibt es die Möglichkeit dem Lehrer einen Ausschnitt seiner Essays zuzusenden, um persönliches Feedback zu bekommen. Insgesamt hat sich mein Englisch, vor allem auch mein geschriebenes Englisch sehr verbessert. Wohn- und Lebenssituation Das Leben in der irischen Hauptstadt kein Schnäppchen. Ein WG-Zimmer kostet rund 300 bis 600 Euro pro Monat, ein Abendessen in einem gewöhnlichen Restaurant etwa 30 Euro. Dublin ist eine sehr junge Stadt. Im Süden auf der Grafton Street gibt es teure Boutiquen, ringsum hippe Bars, und die vielen dicken Autos passen kaum auf die engen Straßen. Das Gegenstück dazu im die O’Connell und Henry Street im Norden. In Temple Bar, dem Weggehviertel, reiht sich eine Kneipe an die nächste, in den kühlen Monaten brennt fast in jeder ein Kaminfeuer. Ausgleich vom Studienstress und der Stadt kann man sich an den langen Sandstränden und Steilküsten holen, die nur 20 S-Bahn-Minuten von Dublin entfernt liegen. Beliebte Ziele sind die Halbinsel Howth und Dun Loghaire. Es gibt auch tolle Angebote für Studenten, um die anderen irischen Großstädte wie Galway, Cork oder Limerick zu erkunden. Es lohnt sich hier auch bei privaten Busunternehmen zu schauen und online zu buchen.
Die Wohnungssuche in Dublin macht nicht besonders viel Spaß. Ich komme aus Berlin und bin vollkommen andere Preise gewöhnt. Ein Zimmer im Studentenwohnheim beginnt bei 400€, vorausgesetzt man bleibt ein ganzes akademisches Jahr. Ich bin bereits im August nach Dublin geflogen, um in Ruhe Wohnungen zu suchen. Eine Freundin und ich haben die ersten Tage unseres Aufenthaltes in Dublin im Four-Courts-Hostel übernachtet (by the way: das Generator Hostel ist absolut genial) Nach einigen Absagen und zahlreichen Besichtigungen von dreckigen, mülligen Wohnungen, haben wir dann ein Zimmer in einer modernen, hellen Wohnung am Smithfield Market gefunden. Insgesamt haben wir dort zu siebent gewohnt. 2 Bäder, 2 Balkone, 3 Zimmer und ein großer Wohn- und Essbereich. Ich habe mir ein Zimmer mit meiner Freundin geteilt, das waren ca. 6m² und jeder hat dafür 300€ bezahlt. In dem Preis waren die Nebenkosten, Strom, Internet und eine wöchentliche Reinigung enthalten. Generell sind in Dublin sogenannte Twin-Bedrooms üblich für Studenten. Will man sein eigenes Zimmer oder gar eine eigene Wohnung haben, muss man entweder tief in die Tasche greifen (600€ aufwärts) oder man ist nicht so anspruchsvoll. Es ist auch nicht untypisch pro Woche Miete zu zahlen. Viele irische Studenten kommen nämlich nur zum Studieren nach Dublin und fahren am Wochenende wieder nach Hause. Mietverträge gibt es so nicht. Wir bekamen jeden Monat eine Quittung, die bestätigte, dass wir Miete gezahlt haben. Bei der Wohnungssuche sollte man außerdem darauf achten, nicht zu weit vom Zentrum entfernt zu mieten, da das öffentliche Verkehrsnetz nicht so gut ausgebaut ist und die Busse vor allem auch nachts nicht regelmäßig fahren. Dublin hat aber eh ein relativ kleines Stadtzentrum, so dass zu Fuß fast alles zu erreichen ist. Sehr zu empfehlen sind Dublin Bikes. Es handelt sich dabei um schicke blaue Fahrräder, die überall im Zentrum verteilt stehen und von jedem genutzt werden können. Eine Mitgliedschaft kostet 10€ im Jahr (eine 3-Tages-Karte 2€). Die erste halbe Stunde kann man das Fahrrad kostenlos fahren, danach werden ca. 50Cent pro halber Stunde verlangt. Ich bin nie über die halbe Stunde hinaus gekommen.

Studienfach: Lehramt Geschichte/Mathe

Aufenthaltsdauer: 09/2012 - 12/2012

Gastuniversität: Trinity College Dublin

Gastland: Irland


Rückblick

Vielleicht noch ein paar abschließende Worte. Ich kann jedem ein Auslandssemester nur empfehlen! Irland als Gastland ist auf jeden Fall eine sehr gute Wahl. Die Menschen und die grünen Landschaften sind wahnsinnig toll, das Trinity College eine sehr gute Universität. Auch Limerick und Galway haben renommierte Universitäten. Ich habe während dieser Zeit sehr viel gelernt, mein Englisch wesentlich verbessert und super viele faszinierende neue Leute kennengelernt, die mich sehr inspiriert haben. Meine Einstellung zum Leben und verschiedenen Themen hat sich grundlegend verändert. Der Aufenthalt in einem anderen Land gibt einem selber mal die einzigartige Möglichkeit, das eigene Handeln in Deutschland als Außenstehender zu betrachten. Man lernt neue Sachen kennen und lieben, aber andere Sachen auch wieder richtig zu schätzen. Man kann hier wirklich klischeehaft von einer „Horizonterweiterung“ sprechen. Natürlich ist es auch nicht immer leicht, so weit weg zu sein, von Familie und Freunden. Doch dann ist das große Wiedersehen nur umso schöner.

Irland

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