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ERASMUS-Erfahrungsbericht - Cork

Was für ein grandioses Jahr. 9 Monate Irland sind im Nachhinein nicht einfach zu beschreiben. Viele neue Freunde, Eindrücke und Selbsterkenntnisse nehme ich mit. Nach dem ganzen Papierkram ging das Semester im September etwas chaotisch los. Ich musste vor Ort nicht viel für die Uni organisieren und alle wichtigen Informationen wurden in den 2 Einführungswochen bekanntgegeben, jedoch mit der Umstellung auf „Semester“ war in meinem Institut noch nicht ganz klar, wie wann was genau wo sein wird. Besonders bemerkbar war dies, bei der Kurswahl und Planung für das zweite Semester, aber dazu später mehr. Die Einführungswochen und das International Office waren sehr große Hilfen und brachten auch viel Verständnis und Zeit mit, auch wenn hundert andere Studis vor der Tür standen. Im Grunde gibt es viel zu berichten, aber vieles sollte man selbst erleben. Irland ist kein Kulturschock, aber viele kleine Details machen das Land zu etwas besonderem. Man durchlebt viele Hoch und Tiefs während des ganzen Aufenthalts. Die Erfahrung ist es definitiv wert. Im Folgenden beschreibe ich nicht alle Erfahrungen und Erlebnisse, sondern versuche auf spezielle Gebiete hilfreiche Erfahrungen wiederzugeben.


Studienfach: Geowissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 06/2015

Gastuniversität: University College Cork

Gastland: Irland

Ich wollte die volle Packung Irland und habe mich gegen das Wohnheim entschlossen. Der organisatorische Aufwand mit dem Wohnheim ist sehr gering und man wohnt meist mit anderen Auslandsstudenten zusammen. Der Plan war eine Woche eher anzureisen und mich auf die Suche nach einer irischen WG zumachen. Verwöhnt von der deutschen Plattform WG-gesucht, habe ich die Wohnungssuche in Cork etwas unterschätzt. Auf daft.ie gibt es viele inaktuelle Wohnungsanzeigen. Mehr weitergeholfen hat mir eine Liste von der Accomodation Office der Universität. Nach hunderten Anrufen, Absagen und nur 3 Besichtigungen habe ich mit viel Glück ein kleines Zimmer in der Glasheen Road bekommen. Dabei war die größte Schwierigkeit den Cork-Akzent zu verstehen und eine Wohnung zu finden mit ohne Schimmel. Die hohe Luftfeuchtigkeit zieht dieses Thema leider nach sich, ebenso dauert das Wäsche trocknen länger. Die Entscheidung, wer in ein Haus einzieht, trifft der Vermieter, sodass ich anfangs überhaupt nicht wusste, mit wem ich für die nächste Zeit zusammen wohnen werde. Im Vergleich zum Wohnheim war ich preislich etwas günstiger und von Wohnheimregeln unabhängig. Meine 3 Mitbewohnerinnen waren sehr freundlich, jedoch ist die Ansicht von Sauberkeit und Ordnung ein sehr häufiges Leidthema gewesen. Ebenso muss man einen Vertrag für 9-12 Monate unterschreiben. Eben mal so umziehen, gestaltet sich schwierig. Im Nachhinein bereue ich es aber keinesfalls, denn Englisch mit Muttersprachlern zu reden (vor allem außerhalb der Uni) ist komplett anders, als mit anderen Fremdsprachlern und der Kontakt zu den Mädels war sehr hilfreich. Meine Empfehlung: Wer gerne in WG-Häusern leben möchte, der sollte sich frühzeitig kümmern, am besten schon im Mai und am besten keine 7er WG.

Fahrrad

Meine Wohngegend war sehr ruhig und die nächste Einkaufsgelegenheit war gleich um die Ecke, nur habe ich nicht berücksichtig, dass meine Kurse auf dem Nordcampus stattfanden, welcher zu Fuß ewig weit weg war. Folglich habe ich mir ein Fahrrad geleistet. Gebrauchte Fahrräder gibt es beim manchen An- und Verkaufsläden in der Stadt oder beim Bike Shed. Um die 150€ kostete mich ein einfaches Rad (ohne Licht und Schutzblech). Es kommt einem recht teuer vor, jedoch im Vergleich zu allem anderen in Irland ist das ein „normaler“ Preis. Fahrradfahren im irischen Linksverkehr stellt sich einfacher heraus als gedacht und rote Ampeln werden bei Fußgänger /Fahrradfahrer eh ignoriert. Jedoch viele Autofahrer denken sie wären alleine auf der Straße, daher sollte man immer mit Vorsicht durch die Gegend radeln. Gesetzmäßigkeiten was die Ausstattung des Fahrrads angeht, gibt es nicht wirklich. Ich empfehle aber ein Helm, Warnweste und Licht zur eigenen Sicherheit.

Krankheiten und Arzt

Unfälle, Verletzungen oder Krankheiten erlitt ich zum Glück keine. Am Anfang wurde jeder schnell leicht erkältet. Lange Nächte, die Umgewöhnung und die Feuchtigkeit schlagen schnell an. Nach ein paar Wochen und der ersten „Kälte“ war auch ich verschnupft, aber da reichte der Gang zur Apotheke oder zum Supermarkt für ein paar Hustenbonbons und sonstigen Pillen. Arztbesuche kosten gleich 50€ (Krankenhaus 100€). Es gibt innerhalb der Woche Sprechzeiten für einen Arzt in der Uni, jedoch soll er immer überfüllt gewesen sein. Zur eigenen Sicherheit hatte ich bei der ENIVAS eine Zusatzauslandskrankenversicherung abgeschlossen. Überraschend für mich war eine Mumps-Epidemie in der Uni dieses Jahr. Von uns wurde jeder in der Regel zweimal geimpft, aber viele irische Studenten nicht und waren deswegen eine lange Zeit krank.

Busse und Autovermietung

Das öffentliche Nahverkehrssystem ist sehr ausbauwürdig. Es gibt Busse und die bringen einen fast überall hin, jedoch sind sie selten, teuer und langsam. Es war oft frustrierend einen Ausflug machen zu wollen, aber nicht die Infrastruktur dafür zu haben. Jedoch kann man, wenn man will, überall hin. Ein Auto zu mieten ist eine sehr günstige Alternative. Beschränkungen sind nur das Alter (über 25) oder mehr als 6 (Hertz-Vermietung) oder 8 Jahren (andere) den Führerschein zu haben (Vorsicht: LEST DIE AGBs!). Persönlich hatte ich viel Glück, die richtige Leute zu kennen, mit denen ich viel unternommen habe, wandern oder reisen war. Ebenso gibt es im Sommersemester bei den Geologen viele Exkursionen, mit denen ich überaus weit herumkam.

Atmosphäre und Organisation Studium

Besonders die Organisation der Exkursionen im zweiten Semester war recht umständlich. Ich habe frühzeitig schon bei allen Dozenten angefragt, ob ich mitfahren kann und habe mich dann regelmäßig nach den Daten informiert, sodass ich so viel mitnehmen konnte, wie möglich. Die Geologie liegt in Irland gleich vor der Haustür, sodass auch viele Tagesexkursionen auf dem Tagesplan standen. Zu allen Exkursionen mussten natürlich Aufsätze geschrieben werden. Zusätzlich kamen noch weitere Übungsaufgaben und Aufsätze zum Ende des Semesters hinzu, sodass das Arbeitspensum ganz schön groß war. Nicht zu vergessen sind die Klausuren, die schon im Anschluss geschrieben wurden. Ich hoffe die Dozenten lernen ein wenig aus den vergangenen beiden Semestern und die Belastung wird etwas mehr verteilt, denn alle Übungen etc. fließen zu einem gewissen Teil in die Endnote mit ein. Dies bietet den Vorteil schon zur Klausur mit max. 50% das Fach bestanden zu haben.

Das Notensystem ist eh sehr ungewöhnlich. Mit 70% ist eine sehr gute Note erreicht, jedoch wird so auch bewertet. Ohne dieses Wissen ist es echt deprimierend, viel Energie in die Aufgaben zu stecken und nur mit um die 70% belohnt zu werden. Ansonsten hat das Studieren viel Spaß gemacht. Die Dozenten sind sehr freundlich, entspannt und kennen jeden Studenten. Es sind alles kleine Klassen und der „Unterricht“ dauert nie länger als 1h. Jedoch ist das System recht schulisch. Gefühlt ist man wenig selbstständig, was die Bearbeitung von Aufgaben angeht oder die Verwaltung von Studienleistungen. Schritt für Schritt wird alles erklärt und Hausaufgaben sind an der Tagesordnung. Wenn man sich schnell in dieses System einfindet, dann ist das Studieren in Irland kinderleicht.
Als Erasmusstudent hatte ich die Freiheit mir Kurse aus verschiedenen Jahrgängen herauszupicken. Ein paar Masterkurse sowie Kurse aus dem dritten und vierten Studienjahr waren für mich sehr lehrreich. Leider bin ich erst so richtig in die Klassenverbände im zweiten Semester hereingerutscht (vor allem durch die Exkursionen). Mit den Masterstudenten kam ich schnell in Kontakt, denn diese waren auch neu an der Uni. Folglich habe ich das erste Semester mit vielen anderen Erasmusstudenten verbracht. Das war vor allem ein Resultat der Einführungsphase, in der man sehr sehr sehr viele Erasmusler kennenlernt und mit ihnen viel erlebt. Als Gaststudent liegt der Fokus auch auf das Kennenlernen des Gastlandes, welches bei Einheimischen mehr oder weniger schon bekannt ist. Zum zweiten Semester gingen viele neue Freunde zurück an ihre Heimatuniversität und ich war das ganze neue Erasmuskennengelerne, Partymachen etc. müde. Hier und da konnte ich viele neue Kontakte zu einheimischen Studierenden knüpfen, welche ich nun sehr traurig verabschieden musste.

Campusleben

Rings um das Studium wird viel organisiert. Viele Feste werden auf dem Campus gefeiert und viele Societies organisieren viel Spaß. Filmnächte, Kneipenquiz, Ausflüge, Vorträge und mehr wurden von den rund 100 Societies organisiert. Nebenher gibt es noch an die 60 Clubs in denen man sich sportlich betätigen kann, von Fechten, Yoga, Schwimmen bis hin zu den gewöhnlichen Ballsportarten. Einerseits bereue ich nicht wirklich aktiv in einer Society oder in einem Club gewesen zu sein, sondern nur einige Events solcher mitgenommen zu haben, jedoch als Erasmusstudent ist das Alltag sehr unregelmäßig. Viele spontane Ausflüge, Exkursionen etc. hinderten mich auf ein Eingehen von regelmäßigen Verpflichtungen wie Training oder Sitzungen. Ich glaube, dass hätte mir viel Spaß bereitet, jedoch muss man sich entscheiden und bereuen tue ich diese Entscheidung definitiv nicht. Mein Tipp ist es, sich einfach auf den Einführungsveranstaltung zu informieren und sich überall mit einzuschreiben. Datenschutz wird in Irland eh anders definiert, sodass mit einem einfachen Scan des Uniausweises die Registrierung einfach gemacht wird bzw. man nach einer langen Nacht aufwacht und tausend neue Facebookeinträge hat. Facebook und Google bestimmen das soziale Leben in der Uni, leider.

Außerhalb der Uni und Sprachverbesserung

Die Pubkultur ist etwas Einzigartiges in Irland. Im Vergleich zu Deutschland ist es sehr teuer in den Kneipen, jedoch lohnt es sich. Neben den ganzen internationalen und sonstigen Studi-Partys findet man etwas entfernter in ruhiger gelegenen Ecken viele Gespräche mit lokalen Einwohnern. Ebenso war es sehr ungewöhnlich alleine Aus zugehen, doch schon nach nur wenigen Minuten findet man sich in einem Gespräch mit fremden Personen wieder und am Ende des Abends kennt man mehr oder weniger sogar den ganzen Pub. Iren sind sehr offen und reden gerne mit Fremden über die privatesten Geschichten.

Der Kontakt zu den Einheimischen verbesserte meine Sprachkenntnisse intensiv und schloss das Land in mein Herz. Zwar war es sehr hart den Cork-Akzent zu verstehen und zu verinnerlichen, jedoch sind die Gespräche ganz anders als zu den anderen Auslandsstudenten. Generell habe ich die Barriere gebrochen und fühle mich nach dem Aufenthalt in Irland recht sicher im Englischen. Ein halbes Jahr wäre für mich zu kurz gewesen. Nach dem ersten Semester hatte ich das Gefühl, erstmals ein Gefühl für die Sprache entwickelt zu haben, welches ich in der zweiten Hälfte ausbauen konnte. Ich kann nur jeden empfehlen sich nicht vor Gesprächen zu scheuen und sich nicht zu verstecken. Ebenso möchte ich den Einführungskurs ins „Moderne Irisch“ empfehlen. Die Sprache wird so gut wie kaum gesprochen, obwohl Gaelic/Irish eine Amtssprache in Irland ist. Ein paar Worte schaden nie und bringen einem die Kultur viel näher.

Studienfach: Geowissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 06/2015

Gastuniversität: University College Cork

Gastland: Irland


Rückblick

Das Jahr in Irland hat mich vieles gelehrt. Nicht nur im Anreichern von Fachwissen und der Intensivierung der Sprachkenntnisse, sondern auch persönlich hat mir der Auslandsaufenthalt viel gebracht. Man geht durch Hoch und Tief, durch verschiedene Phasen, aber man ist nie alleine. Allen ergeht es so. Das Leben im Vergleich zu Deutschland ist nicht so verschieden. Es gibt viele feine kleine Unterschiede, die diesen Aufenthalt zu etwas Besonderem machen. Die Liste von Erfahrungen und Tipps ist eigentlich noch länger, aber schließlich soll jeder selbst seine Erfahrungen machen. Ich kann nur jedem empfehlen dies zu machen, aus sich herauszukommen und die Welt zu entdecken. Vielen Dank für diese Möglichkeit!

Irland

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