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Ein Semester in Thessaloniki

Ich habe mein Erasmussemester vom 15.09.2016 bis 04.02.2017 an der „Aristotle University of Thessaloniki“ gemacht. Als ich mich für ein Erasmussemester entschied, informierte ich mich zunächst auf den Internetseiten der Universität Potsdam über Fristen, Kriterien und Partneruniversitäten meines Fachbereichs. Anschließend suchte ich das Gespräch mit dem zuständigen Erasmuskoordinator meiner Fakultät, um mich nach den Bewerbungsunterlagen zu erkundigen.  Auf dem ersten Bewerbungsbogen konnte ich drei Universitäten auswählen, die ich mir als Gastuniversität vorstellen könnte. Tatsächlich war Thessaloniki nur meine Zweitwahl.  Nach der ersten kleinen Enttäuschung, (denn ich wollte ursprünglich an die „Universidad de Valéncia“) war ich durchaus auch mit Griechenland sehr zufrieden, da mein Wunsch, ein Erasmussemester in einem südlichen Land zu machen somit dennoch erfüllt wurde.


Studienfach: Bachelor Lehramt Sport und Geschichte, Sek. I&II

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Aristotle University of Thessaloniki

Gastland: Griechenland

Die darauffolgenden Monate waren geprägt vom Ausfüllen und Einsenden verschiedenster Formalien, wie etwa das vorläufige Learning Agreement oder das Grant Agreement. Bei Fragen konnte ich mich immer an meinen Erasmuskoordinator Herrn Dr. Wienick oder an Frau Kettmann aus dem Akademischen Auslandsamt wenden. Mit Problemen war ich nur auf griechischer Seite konfrontiert, da ich dort lange keinen Einblick in das Vorlesungsverzeichnis erlangen konnte. In erster Linie, weil der Stundenplan nur auf Griechisch zur Verfügung stand. Nach langem Suchen und mit Hilfe des Erasmusbüros der griechischen Universität fand ich schließlich eine Ansprechpartnerin, die mir Kurse aus den vergangenen Semestern zuschickte. Das vorläufige Learning Agreement basierte daher auf bereits vergangenen Semestern das sich, wie sich vor Ort herausstellte, komplett ändern würde. Rückblickend betrachtet war die Kurssuche aus Deutschland bei Weitem das komplizierteste an dem ganzen Bewerbungsverfahren. Die anderen Unterlagen konnten schnell erledigt werden, da es sich lediglich um genauere Angaben zum Auslandsaufenthalt handelte, wie zum Beispiel der genaue Beginn und das geplante Ende des Auslandsaufenthalts sowie Angaben zur eigenen Person und Sprachkenntnissen, die bereits erworben wurden oder noch erworben/eingereicht werden sollten.

Studienfach: Bachelor Lehramt Sport und Geschichte, Sek. I&II

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Aristotle University of Thessaloniki

Gastland: Griechenland

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der Aristoteles Universität erfordert kurz nach der Ankunft das Erfüllen einiger organisatorischer Aufgaben. Eine persönliche Anmeldung im Erasmusbüro und Fakultäts-Sekretariat sowie das Anlegen eines Benutzer- und Emailkontos sind nötig. Diese sind wiederum die Voraussetzung für den Zugriff auf die E-Learning-Plattform und die Beantragung des sogenannten Pasos. Der sogenannte Paso berechtigt zum Kauf von Studierenden Bustickets oder einer ermäßigten Monatskarte und ermöglicht zudem den Zutritt zur Mensa. Die Mensa bietet täglich drei kostenlose Mahlzeiten an. Die Beantragung des Pasos forderte eine Menge Geduld -  in erster Linie, weil die notwendigen Websites oftmals auf Griechisch waren und in einigen Fällen nur mit externer englischer Anleitung genutzt werden konnten. Auch funktionieren viele Benachrichtigungssysteme per SMS, die dann leider ebenfalls auf Griechisch sind. Besonders chaotisch und langatmig stellte sich die Organisation meiner Kurse an meiner Fakultät heraus. Mein Ansprechpartner im Sekretariat konnte kein Englisch, was bedeutete, dass wir uns mit Händen und Füßen verständigen mussten, was wiederum dazu führte, dass ich nie mit einer Fahrt (leider war das Sekretariat meiner Fakultät 50 Minuten von der Innenstadt Thessalonikis entfernt) alles erledigen konnte. Somit war ich ein oft gesehener Gast im Sekretariat. Trotz all dem Chaos, wurde ich immer freundlich behandelt. Dennoch muss ich zugeben, dass ich manchmal an die Grenzen meiner Geduld gekommen bin, weil ich im Sekretariat nie klare Antworten bezüglich Kursmöglichkeiten bekommen habe. Es stellte sich heraus, dass ich nur zwei Kurse, die ich auf meinem Learning Agreement eingetragen hatte tatsächlich wahrnehmen konnte. Da ich schon im fünften Semester bin, war dies ziemlich ungünstig, weil ich bereits viele Kurse an meiner deutschen Universität besucht hatte und dementsprechend nicht mehr so viele Kurse offen hatte. Da ich mich aber vor meiner Ankunft ausgiebig über die Kurse informiert hatte und sich auch einige noch für mich anboten, war es umso ärgerlicher, dass ich sie vor Ort plötzlich nicht mehr wahrnehmen konnte. Dies lag nicht nur daran, dass ich eine Erasmusstudentin war. Auch die einheimischen Studenten beschwerten sich über die Organisation der Kurse an der Universität. Als sich nach langem Hin und Her meine Kurse schließlich herauskristallisiert hatten, wurde ich von sehr netten Dozenten und Kommilitonen aufgenommen und hatte sehr viel Spaß. Die Sprachbarriere war zwar recht groß, aber mit Händen und Füßen und brüchigem deutsch, englisch und griechisch entstand ein sehr angenehmes Klima. Die Kurse selbst waren auch interessant gestaltet und ich bin gerne hingegangen. Über die Leistungsanforderung sprach ich mit jedem Dozenten einzeln und in jedem Kurs gab es andere Anforderung, bei denen ich jedoch immer gut betreut wurde und die leicht zu erfüllen waren. Auch bei der Leistungsbewertung waren die Dozenten immer fair und mir gutgesinnt.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Durch meine Kurse hatte ich glücklicherweise viel Kontakt zu einheimischen Studierenden, da ich meistens die einzige Erasmusstudentin war. Allerdings bezog sich der Kontakt meistens nur auf die Kurszeit und war selten auch außerhalb der Uni. Außerhalb hatte ich hauptsächlich mit anderen Erasmusstudenten zu tun. Insbesondere weil meine Mitbewohnerinnen auch Erasmusstudentinnen waren. Auch wenn man an den ESN (Erasmus Student Network) Veranstaltungen teilnahm, sind dort in der Regel leichter Kontakte mit ausländischen als mit einheimischen Studierenden zu knüpfen. Eine gute Möglichkeit Kontakt mit Einheimischen zu knüpfen ist beispielsweise Sport. Es gibt ein sehr großes Sportangebot an der „Gym“ der Universität, das ich durchaus empfehlen kann. Von Fitness über Basketball, Volleyball, Fußball und unterschiedlichen Tanzkursen ist für jeden etwas dabei. Zwar muss man sich dafür extra einen Gymausweis ausstellen lassen, aber das geht sehr schnell und kostet im Jahr nur 20 Euro.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Bevor ich nach Griechenland ging, besuchte ich einen A1 Griechisch Kurs an einer Volkshochschule, weil ich kein griechisch konnte und nicht in ein Land gehen und dort leben wollte ohne irgendetwas von der Sprache zu verstehen. Der Kurs ging knapp zwei Monate und hat mein Interesse an der griechischen Sprache geweckt, obwohl es gerade durch die anderen Schriftzeichen ziemlich kompliziert war. Vor Ort besuchte ich auch einen von der Universität angebotenen Sprachkurs. Einmal die Woche für 2 ½ Stunden besuchte ich den Kurs, was sehr intensiv war. Besser gefunden hätte ich zwei Einheiten pro Woche über eineinhalb Stunden, da meine Konzentration häufig nach spätestens zwei Stunden nachließ und ich bis zur nächsten Woche vieles wieder vergessen hatte. Einerseits war dies natürlich meine eigene Schuld, weil ich mich nicht täglich drangesetzt habe, andererseits bot sich für mich auch selten die Gelegenheit Das Sprechen zu versuchen, da ich hauptsächlich mit ausländischen Studierenden zu tun hatte und mein Griechisch nicht ausreichend war, um mich mit meinen griechischen Kommilitonen zu unterhalten. Doch obwohl ich nicht viel zum Sprechen kam, kann ich jedem empfehlen einen Sprachkurs zu machen. Denn besonders im Griechischen macht es Spaß und ist ein Erfolgserlebnis, wenn man wenigstens das Alphabet beherrscht (auch wenn man nicht alle Wörter versteht).

Wohn-  und Lebenssituation

Als ich meine Bewerbungsunterlagen abgeschickt hatte, setzte ich mich zunächst mit der Wohnungssituation in Thessaloniki auseinander. Die Wohnungssuche gestaltete sich als wesentlich unkomplizierter als gedacht. Die Aristoteles Universität stellt eine Seite mit Wohnungsanzeigen speziell für ausländische Studierende zur Verfügung, die ich nur empfehlen kann. Wer hier nicht fündig wird, kann zudem die verschiedenen Facebook-Gruppen für Erasmusstudenten in Thessaloniki nutzen. Zu Semesterbeginn und -ende werden dort eine Vielzahl an Unterkünften angeboten. Dank dieser Möglichkeiten hatte ich bereits im Juli die Zusage für ein Zimmer in einer zentralen Wohngemeinschaft. Für mein gemütliches, aber nicht sehr großes Zimmer zahlte ich 270 Euro (alles mit dabei), was ich zuerst sehr günstig fand. Während meiner Zeit stellte sich jedoch heraus, dass es durchaus günstigere Wohnungen gibt. Allerdings war meine Vermieterin wunderbar verlässlich und half sofort aus als beispielsweise die Waschmaschine auslief oder der Herd kaputtging. Auch die Kaution bekam ich ohne Probleme am Ende meines Aufenthalts wieder, was viele andere Erasmus Studierenden nicht behaupten können.

Anschließend kümmerte ich mich um eine Kranken- und Unfallversicherung im Ausland. Hier rief ich den ADAC an, bei dem ich nett und hilfsbereit über Auslandsversicherungen informiert wurde. Ich schloss schließlich eine einjährige Versicherung für 13,90 Euro ab, die alles inklusiv hatte, was man bei einem Notfall braucht. Rückblickend würde ich meinen, dass eine normale Gesundheitskarte ausreicht, da sie überall im europäischen Raum gültig ist.

Nachdem ich meine Wohnungssituation, das Einzugsdatum und die Versicherungen geklärt hatte, buchte ich einen Flug (zunächst nur den Hinflug). Dies war ebenfalls unkompliziert und günstig. Ich entschied mich jedoch dazu, vier Tage bevor ich in die Wohnung einziehen konnte bereits nach Thessaloniki zu kommen und in einem Hostel (Little Big House) zu schlafen, um die Stadt schon einmal kennenzulernen und andere Leute zu treffen. Das kann ich auch nur weiterempfehlen.

Während meines Aufenthalts eröffnete ich kein Konto in Griechenland, sondern benutzte die ganze Zeit meine DKB Kreditkarte, was ich sehr empfehlen kann. Ich hatte nie Probleme und konnte überall umsonst abheben. Um einen Handyvertrag kümmerte ich mich dann vor Ort. Die Tarife bei Vodafone sind sehr günstig und unkompliziert.  

Die Lebenshaltungskosten in Griechenland sind sehr unterschiedlich. Im Großen und Ganzen sind die Supermärkte im Vergleich zu Deutschland sehr teuer. Masoutis, eine griechische Supermarktkette würde ich eher umgehen und stattdessen bei Lidl, Happy Market oder im Discount Markt einkaufen gehen. Essen zu gehen dagegen ist in den meisten Restaurants sehr günstig und in manchen Wochen bin ich eher Essen gegangen als einkaufen, weil es kaum einen Unterschied gemacht hat bzw. oft sogar günstiger war. Außerdem lebt das gemeinsame Essen gehen in der griechischen Kultur so stark, dass es einfach schön ist und Spaß macht daran teilzuhaben.

Mein Alltag setzte sich meist aus Kursteilnahmen in der Universität und anschließenden Nachmittagen in der Stadt zusammen. Cafés und Bars aller Art sind in Thessaloniki sehr beliebt – nicht selten sitzt man mehrere Stunden beisammen, spielt Karten und trinkt Frappé, einen Pulverkaffee auf Eis. Besonders der Hafen und die Promenade in Thessaloniki laden sehr dazu ein, sich mit einem Kaffee und einem Buch in die Sonne zu setzen und den Blick auf das Meer zu genießen. Auch abends ist in Thessaloniki, relativ unabhängig vom Wochentag, viel los. Die Stadt gilt nicht umsonst als Party-Hochburg. Die Griechen selbst gehen bevorzugt in Tavernas, in denen nicht nur das Essen, sondern besonders die gesellige Runde im Vordergrund steht. Außerdem gefällt mir an Thessaloniki, dass man die Innenstadt sehr gut zu Fuß durchqueren kann. Es ist zwar sehr hügelig und man läuft 20 Minuten überall hin (zumindest von der Altstadt Ano Poli, wo ich gewohnt habe), aber es ist schön die unterschiedlichen Gassen zu sehen. Zudem war das Busfahren meistens eine Qual, weil die Busse zu klein für die Mengen an Menschen waren und man gestapelt durch die vollen Straßen Thessalonikis fahren musste. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens in der Stadt, stand der Bus meistens genauso lange im Stau wie man zu Fuß unterwegs war. Der Bau einer Metro ist zwar bereits seit Jahren im Gang, allerdings werden die Bauarbeiten durch Geldmangel, Ausgrabungen oder politische Uneinigkeiten ständig aufgehalten. Es kann demnach, so sagen die Griechen, noch 10 Jahre dauern bis man von Bussen auf die Metro umsteigen kann.


Rückblick

Am Erasmusprogramm teilzunehmen ist definitiv eine Erfahrung wert und sollte trotz des anfänglich viel erscheinenden Papierkrams nicht gescheut werden. Die fünf Monate in Thessaloniki sind unfassbar schnell vergangen, was ich zu Beginn gar nicht erwartet habe. Das Leben in einem anderen Land, in einer anderen Kultur, das Kennenlernen neuer Strukturen und Ideen, das Knüpfen von Kontakten und insbesondere das südländische Lebensgefühl, welches man in Deutschland nie finden wird, haben mein Semester zu etwas Besonderem gemacht. Doch auch für mich selbst als Person war es eine sehr gute Erfahrung, die ich nicht missen wollen würde. Die Herausforderungen, die ein längerer Auslandsaufenthalt mit sich bringt, lassen einen über sich hinauswachsen und sich selbst noch einmal anders kennenlernen. Auch wenn ich glaube, dass ich mich nie ganz an das griechische Chaos, die Laissez-faire Einstellung in allen Bereichen gewöhnen könnte, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich jederzeit noch einmal für länger nach Thessaloniki gehen würde.

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