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Mein Auslandssemester an der Ivane Javakhisvili Tiflis State University im WS 2014/15

Ich absolviere derzeit den Master Verwaltungswissenschaft an der Universität Potsdam und habe kürz-lich mein drittes Semester als Auslandssemester in Tiflis abgeschlossen. Oft wurde ich gefragt, wes-halb ich mich gerade für Georgien als Gastland entschieden habe – ein Land, das einem sicherlich nicht als erstes für ein Auslandsstudium in den Sinn kommt. Hauptgrund für die Entscheidung war bei mir die Neugierde auf ein weitgehend unbeachtetes Land auf dem „Balkon Europas“, das weder Euro-pa noch Asien so recht zuzuordnen ist und schon aufgrund seiner Lage von unterschiedlichen Kultur-kreisen stark beeinflusst wird. Georgien mit seiner bewegten Geschichte, vielfältig geprägten Kultur und eigenen Sprache schien mir schon bald Begründung genug, mich auf das Abenteuer einzulassen.


Studienfach: Verwaltungswissenschaft (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 04/2015

Gastuniversität: Ivane Javakhishvili Tbilisi State University (TSU)

Gastland: Georgien

Nachdem ich eine Zusage für den gewünschten Studienplatz an der Ivane Javakhisvili Tiflis State University vom Akademischen Auslandsamt der Universität Potsdam bestätigt bekam, fing die eigent-liche Planung des Auslandssemesters an. Zunächst war es nicht schwer, ein Stipendium für Georgien zu bekommen. Mit Hilfe des Akademi-schen Auslandsamtes war es auch kein großer bürokratischer Aufwand und ich habe schließlich sehr unkompliziert ein Auslandsstipendium des DAAD erhalten. Falls man nicht die gleiche Unterstützung von Seiten seiner Uni bekommt, sollte man jedoch unbedingt daran denken, sich möglichst frühzeitig über bestehende Möglichkeiten zu informieren.

Eine WG in Tiflis zu finden, ist dagegen nicht so einfach und von Deutschland aus fast unmöglich. Glücklicherweise habe ich eine georgische Bekannte, die mir bei der Wohnungssuche behilflich war, sodass ich direkt bei meiner Ankunft eine Wohnung beziehen konnte und nicht zunächst in einem Hostel unterkommen musste. Allerdings weiß ich von meinen internationalen Kommilitonen, dass es gut möglich ist, vor Ort innerhalb weniger Tage eine Wohnung zu einem angemessenen Preis und in Zentrumsnähe zu finden.

Studienfach: Verwaltungswissenschaft (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 04/2015

Gastuniversität: Ivane Javakhishvili Tbilisi State University (TSU)

Gastland: Georgien

Um zumindest einen ersten Einblick in die georgische Sprache zu bekommen, habe ich einen 12-wöchigen Sprachkurs beim Sprachenatelier in Berlin besucht. Dabei hatte ich großes Glück, dass die-ser Kurs überhaupt zustande kam, da die Nachfrage nach Georgisch doch sehr begrenzt ist. Aufgrund des Kurses sowie einigen Stunden Selbststudium war ich vor meiner Abreise zumindest in der Lage, die georgische Schrift zu entziffern und konnte mich mit ein paar einfachen Sätzen verständigen.
Eine deutlich größere Hürde ergab sich aus den neuen Visaregelungen des Gastlandes, die erst kurz vor meiner geplanten Abreise eingeführt wurden. Studierende, die sich über 90 Tage in Georgien auf-halten, benötigen demnach ein Visum (zuvor konnte man sich bis zu 360 Tage visafrei in Georgien aufhalten). Problematisch war insbesondere, dass sich die Anforderungen für das Visum häufiger än-derten und man sich in Konsulat und georgischer Regierung nicht einig zu sein schien, was im Detail von den Antragsstellern verlangt wird. Ich habe mein Visum schließlich nach nervenaufreibenden Wochen 3 Tage vor Abflug bekommen. Andere Kommilitonen hatten jedoch nicht so viel Glück und mussten während des Auslandssemesters Georgien verlassen, um das Visum in ihrem Heimatland erneut zu beantragen.

Ankunft in Georgien

Der Flughafen Tiflis befinde sich ein wenig außerhalb, sodass man sich ein Taxi nehmen muss, um nach ca. 20 minütiger Fahrt ins Stadtzentrum zu gelangen. Dabei sollte sich darauf einstellen, dass die Taxifahrer gerne mal den doppelten Fahrtpreis von Touristen verlangen. Den ersten bleibenden Ein-druck hat dann gleich der chaotische Verkehr hinterlassen, durch den sich der Taxifahrer unter Nicht-beachtung sämtlicher Verkehrsregelungen hindurchgekämpft hat.

Nachdem ich meine Wohnung bezogen habe, konnte ich mich gleich ein bisschen mit der Stadt ver-traut machen. Tiflis wirkte auf mich auf den ersten Blick spannend und einfach anders als alle europäi-schen Städte, in denen ich bisher war. Auffällig waren schon zu Beginn die Gegensätze, die Tiflis prägen und als Stadt so besonders machen. Neben sichtbaren Gegensätzen zwischen alt und neu, erlebt man europäische Einflüsse neben sowjetischer Architektur und internationales Flair in Kombination mit einem ausgeprägten georgischen Selbstbewusstsein. Bevor mein Semester losging, hatte ich noch ausreichend Gelegenheit, die Stadt auf mich wirken zu lassen und „anzukommen“. Erste Kontakte mit georgischen sowie internationalen Studierenden haben mir die Ankunft dabei erheblich erleichtert und mir die anfängliche Unsicherheit genommen.

Studieren an der Ivane Javakhisvili University

Aufgrund fehlender Informationen über das Studienangebot an der Gastuniversität, habe ich die Kurswahl letztlich erst vor Ort vornehmen können. Das englischsprachige Lehrangebot war dabei hauptsächlich auf die beiden Master „European Studies“ und „South Caucasian and Eurasian Studies“ beschränkt. Ich habe mir aus beiden Programmen meine Veranstaltungen nach Interesse zusammenge-stellt. Neben Veranstaltungen, die für mein eigentliches Studium relevant sind, erschienen mir Kurse wie „Conflict and Security in the South Caucasian Region“ interessant, um einen Einblick in die poli-tische Situation meines Gastlandes zu bekommen. Insofern habe ich die für eigentliches Studium „un-passenden“ Seminare nicht als Zeitverschwendung gesehen, sondern als Bereicherung meines bisheri-gen Studiums um neue Sichtweisen. Zudem bin ich nicht mit der Erwartung in das Auslandssemester gegangen, dort ausschließlich studienrelevante Kurse zu belegen; ich wollte das Urlaubssemester vielmehr dazu nutzen, die georgische Sichtweise auf europäische und internationale Herausforderun-gen kennen zu lernen.

An die (Un)Organisation des Studiums musste ich mich hingegen erst gewöhnen. Mit meinem deut-schen Verständnis von langfristiger Planung, festen Klausurterminen etc. ist es mir gerade am Anfang schwer gefallen, mich mit der recht chaotischen Semesterplanung in Georgien zu arrangieren. Irgend-wann habe ich mich jedoch auf das System einlassen können und bin nicht zuletzt in einigen Punkten entspannter geworden. Ein weiterer großer Unterschied zum deutschen Unisystem besteht in dem deutlich höheren „Workload“. Während ich es gewohnt bin, das Semester mit jeweils einer Klausur oder Hausarbeit pro Veranstaltung abzuschließen, werden im Laufe des georgische Semesters zusätz-lich Tests, Mid Terms, Referate, Paper etc. verlangt. Am Anfang erschien mir diese Prüfungsdichte v. a. als lästige Kontrolle; am Ende konnte ich in dem Ganzen jedoch auch den Vorteil erkennen, dass die Endnote möglicherweise gerechter ist und man sich so permanent mit den Lerninhalten auseinander-setzt.

Ungewohnt für mich war außerdem, dass fast alle Seminare abends oder am Wochenende stattfanden, da Studierende ebenso wie Dozenten tagsüber häufig arbeiten. Für mich war es nur schwer vorstellbar, neben all den Prüfungen noch einer Vollzeitstelle nachzugehen und ich habe großen Respekt vor den georgischen Studierenden, die gar keine andere Wahl hatten, um die Studiengebühren aufzubringen.
Einige Eigenarten des georgischen Studiensystems haben mich zwar bis zum Schluss zum Staunen gebracht. Insbesondere habe ich aber feststellen dürfen, dass das deutsche Unisystem keine Selbstver-ständlichkeit ist und wir Studierenden in vielen Fällen privilegiert sind.

Land & Leute: The Georgian Way of Life

Vom Badeurlaub in Batumi bis zum Skifahren in Gudauri ist in Georgien alles möglich. Weitgehend unberührte Natur findet man dagegen im Kaukasusgebirge und in mehreren georgischen National-parks. Von Tiflis aus kommt man mit Sammeltaxen (sog. Marschrutkas) recht unkompliziert zu allen größeren Städten und Sehenswürdigkeiten des Landes. Wenngleich die Fläche Georgiens nicht größer ist als die Bayerns, muss man aufgrund der schlecht ausgebauten Infrastruktur jedoch deutlich längere Fahrtzeiten einplanen.

Tiflis selbst bietet daneben ausreichend Sehenswürdig-keiten und Kuriositäten, von denen man viele häufig erst wahrnimmt, wenn man die Gelegenheit hat, eine Zeit lang dort zu wohnen. Ich bin in Georgien auf eine ausgeprägte Gastfreundschaft und Offenheit gestoßen. Die Menschen, denen ich begegnet bin, waren meist interessiert an ihren europäischen Gästen und haben sich große Mühe gegeben, dass man sich in „ihrem“ Land wohlfühlt. Es war auch sehr leicht, mit georgischen Studierenden in Kontakt zu kommen. So hatte ich ausreichend Gelegenheit, mehr über den georgi-schen Alltag zu erfahren und meine Georgisch-Kenntnisse in der Praxis anzuwenden. Besonders ge-freut habe ich mich über die Einladung einer Kommilitonin, das georgische Weihnachtsfest am 7. Januar bei ihr und ihrer Familie zu verbringen. Auch hier hat die Gastfreundschaft einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Gleichzeitig habe ich jedoch auch immer wieder gemerkt, wie stolz die Georgier auf ihre Geschichte und ihre Heimat sind. Dieser Stolz äußert sich in einer ausgeprägten Pflege der georgischen Kultur, mit ihren Tänzen, polyhonen Gesängen, der herausragenden georgischen Küche und vielem mehr. Es lohnt sich in jeden Fall, mehr über die georgische Kultur zu erfahren – ob bei Konzertbesuchen, Tanzaufführungen oder beim Erlernen der georgischen Sprache.

Sprache

Einige mag die Sprache davon abhalten, sich für einen Auslandsaufenthalt in Georgien zu entscheiden. Für mich war die Entscheidung jedoch andersherum mit der einmalige Gelegenheit verbunden, sich intensiv mit einer völlig fremden Sprache auseinanderzusetzen, zu der man sonst nie einen Zugang gefunden hätte. Es hat mir großen Spaß gemacht, mir Grundkenntnisse in dieser besonderen Sprache anzueignen und ich möchte meine bisherigen Kenntnisse auch nach meinem Auslandssemester gerne weiter ausbauen. Sollte man jedoch weniger an der georgischen Sprache interessiert sein, kann man sich fast überall gut auf Russisch verständigen; gerade die ältere Generation spricht die Sprache meist noch fließend. In Tiflis und an der Uni sollte man in der Regel auch mit Englisch keine Probleme haben.
Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass die Georgier sich sehr darüber freuen, wenn man sich bemüht, ihre Sprache zu erlernen und sich dadurch neue Türen öffnen, das Land kennen zu lernen.


Rückblick

Die Entscheidung für ein Auslandssemester in Georgien hat sich im Nachhinein als absolut richtig herausgestellt und ich würde mich ohne zu Zögern wieder dafür entscheiden. Ich möchte Georgien jedem als Gastland empfehlen, der bereit ist, sich auf ein kleines Abenteuer einzulassen und einen geringeren Lebensstandard in Kauf zu nehmen, um mit vielen intensiven Eindrücken im Gepäck zurückzukommen. Dieses verrückte und liebenswerte Land wird für mich hoffentlich auch noch in den nächsten Jahren eine Rolle spielen – ich kann mir bspw. sehr gut vorstellen, noch ein längeres Praktikum in Georgien zu absolvieren und dieses mit dem Schreiben meiner Masterarbeit zu verbinden.

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