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Zwei Semester in Toulouse

Bereits während meines Bachelorstudiums hatte ich  über das Erasmus-Programm ein Auslandssemester in England gemacht und war absolut begeistert gewesen. Da ich aber nicht nur Englisch sondern auch Französisch studiere und da ich unbedingt noch weitere wertvolle Auslandserfahrungen sammeln wollte, war für mich schnell klar, dass ich mich für einen weiteren Erasmusaufenthalt bewerben wollte - diesmal jedoch in Frankreich. Außerdem entschied ich direkt, mich für 2 und nicht nur für 1 Semester zu bewerben. Die Bewerbung beim Institut für Romanistik hätte einfacher nicht sein können und war schnell abgeschickt. Einige Zeit später bekam ich dann meine Zusage für einen Platz an meiner Wunschuniversität in Toulouse.


Studienfach: Fremdsprachenlinguistik 

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 05/2017

Gastuniversität: Université Toulouse Jean Jaurès

Gastland: Frankreich

Auf die Zusage folgte ein nicht unerheblicher administrativer Aufwand – da ich aber all dies schon einmal erlebt und erfolgreich gemeistert hatte, ging ich mit einer gewissen Gelassenheit an die Sache heran. Das Learning Agreement war schnell ausgefüllt, selbst wenn genaue Informationen zu den Kursen, die in den entsprechenden Semestern angeboten werden würden, nicht zu finden waren. In diesem Fall kann man erst mal Kurse von früheren Semestern, die meist auf der Webseite der Uni zu finden sind, eintragen. Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall die ausgezeichnete Betreuung durch das Akademische Auslandsamt der Uni Potsdam, insbesondere durch Frau Kettmann. In mehreren Informationsveranstaltungen wurden alle offenen Fragen geklärt und man erhielt auch zeitnah ein Paket mit allen wichtigen Unterlagen wie beispielsweise den Antrag auf ein Urlaubssemester. Einige Zeit später erhielt ich auch eine Mail von der Gastuniversität, in der man informiert wurde über die Aktivitäten und Veranstaltungen während der Einführungswoche und in der es auch schon erste Informationen zum Thema Unterkunft gab.

Studium an der Gastuniversität

Während der Einführungswoche wurden alle Erasmusstudenten herzlich begrüßt und man konnte bereits erste Kontakte knüpfen. Die Studentenorganisation EIMA, die sich für die Belange ausländischer Studenten einsetzt, organisierte viele interessante Aktivitäten wie zum Beispiel Stadtführungen und vieles mehr. Es stellte sich jedoch während dieser ersten Woche auch heraus, dass es eine ziemliche Herausforderung sein würde, seinen Stundenplan zu erstellen. Als Erasmusstudent hat man online keinen Zugriff auf die Stundenpläne, was bedeutet, dass man von Gebäude zu Gebäude rennen muss, sich vor riesige Pinnwände stellen muss und kleine Zettel abfotografieren muss, auf denen die einzelnen Kurse, Kurszeiten und Räume notiert sind. Das ganze war sehr unübersichtlich gestaltet, so dass viele der internationalen Studenten anfangs sehr orientierungslos durch die Gebäude liefen. Auch die Einschreibung war recht kompliziert, denn man unterscheidet hier zwischen der „Inscription administrative“ und der „Inscription pédagogique“. Für die „Inscription administrative“ muss man einen Anmeldebogen ausfüllen, wobei man allerdings Hilfe bekommt durch die netten Mitarbeiter der Relations Internationales. Diesen Bogen muss man dann im Studentensekretariat abgeben. Dabei ist wichtig, dass man eine europäische Krankenversicherungskarte hat, denn sonst kann man sich nicht einschreiben. Bei der „Inscription pédagogique“ handelt es sich um die Anmeldung für die Kurse. Man trägt dafür seine Kurse, wenn man sie endgültig ausgewählt hat, auf einem Zettel ein den man wiederum beim Studentensekretariat abgibt. Die Einschreibung sowie die Kursauswahl war  eine der größten Hürden, denn danach lief alles relativ glatt. Zum Studiensystem in Frankreich ist zu sagen, dass überwiegend frontal unterrichtet wird mit wenig Beteiligung seitens der Studenten. Dies ist auch in den Seminaren so. In den vielen Sprachwissenschaftsseminaren, die ich belegt habe, habe ich mich immer gefühlt wie in einer Vorlesung. Dies war für mich allerdings nicht weiter schlimm, da ich die Kursthemen und auch die Auswahl an Kursen sehr interessant fand. Deutlich interaktiver sind die Sprachpraxiskurse vom DEFLE, dem Institut für Französisch als Fremdsprache. Es gibt fünf Niveaustufen, in die man auf Basis seines OLS-Testergebnisses eingestuft wird. Diesen Onlinetest sollte man daher sehr ernst nehmen, wenn man nicht in ein völlig falsches Niveau eingestuft werden möchte. Die DEFLE Kurse kann ich sehr empfehlen, denn gerade die internationale Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen. Ansonsten muss man sich als deutscher Student ganz schön umstellen, was die Kurszeiten betrifft. Diese sind nämlich in Toulouse sehr anders. Es gibt einen Block von 08:30 bis 10:30, der dann ohne Pause übergeht in einen nächsten Block von 10:30 bis 12:30. Danach gibt es eine anderthalbstündige Mittagspause, bevor es weitergeht mit weiteren zwei Blöcken von 14:00 bis 16:00 und (wieder ohne Pause) von 16:00 bis 18:00. Wenn man also zwischen zwei Kursen das Gebäude wechseln muss, ist Zuspätkommen vorprogrammiert, was aber in den meisten Fällen kein Problem ist, da viele Studenten und teilweise auch Dozenten zu spät kommen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Bereits vor meinem Frankreichaufenthalt war mein Sprachniveau recht gut, aber ich konnte schnell feststellen, dass mein Aufenthalt in Toulouse mich sehr viel weitergebracht hat. Ich denke jedoch, dass es sehr von einem selbst abhängt, wie viele Fortschritte man macht. Deshalb sollte man offen sein und auf viele verschiedene Leute zugehen, insbesondere auf die französischen Mitstudenten und nicht nur auf die anderen deutschen Erasmusstudenten. Wenn man sich daran hält, kann man selbst in kurzer Zeit große Fortschritte machen und bekommt nebenbei einen noch größeren Einblick in die andere Kultur.

Wohn-  und Lebenssituation

Durch mein Erasmussemester in England wusste ich, dass es für Erasmusstudenten im Normalfall am unkompliziertesten ist, in einem Wohnheim unterzukommen. Da ich in England diesbezüglich sehr positive Erfahrungen gemacht hatte, entschied ich mich, auch in Frankreich ins Wohnheim zu gehen. Die Bewerbung war sehr einfach: man musste eine kurze Bewerbung ausfüllen und an die Relations Internationales schicken. Danach wurde es allerdings sehr viel komplizierter. Ich hätte nie damit gerechnet, in Frankreich auf derartige bürokrative Hürden zu stoßen. Um seinen Schlüssel für das Wohnheimzimmer erhalten zu können, musste man sich schon im voraus darum kümmern, alle der gefühlt hunderten Unterlagen, die verlangt wurden, zusammenzusuchen. Hierzu zählten nicht nur eine Kopie des Ausweises, sondern auch die unterschriebene Hausordnung, ein Versicherungsnachweis und vieles mehr. Unter anderem braucht man ein Bürgschaftsformular, wenn man nicht die komplette (!) Miete des gesamten Aufenthalts direkt am Anfang zahlen will. Ich hatte alles vor Abflug ausgedruckt und sorgfältig eingepackt in der Hoffnung, ohne Probleme meinen Schlüssel zu erhalten. Ich kam an einem sehr heißen Tag im September an. Mein Zimmer war in der Cité universitaire Chapou, die sehr schön ist und auch eine sehr gute Lage hat am wunderschönen Canal der Brienne und in der Nähe der Innenstadt. Bevor ich meinen Schlüssel erhalten konnte, musste ich zum Sekretariat, wo die ganzen Unterlagen überprüft wurden. Die Mitarbeiterin im Sekretariat war allerdings extrem freundlich und verständnisvoll, sodass selbst diejenigen, bei denen noch Unterlagen fehlten, ihren Schlüssel bekamen. Die Zimmer in Chapou sind mit 9qm sehr klein, was aber in Frankreich nicht unüblich ist. Sie sind aber modern und man kann sagen, dass der vorhandene Platz super ausgenutzt wurde.  Ich war im Bâtiment 4 mit Gemeinschaftsküche und eigenem kleinen Bad und habe es dort sehr gut ausgehalten. Ich persönlich fand es sehr gemütlich. Die Miete ist mit knapp 300 Euro recht teuer, was sie aber überall in Toulouse ist. Ein Problem ist sicherlich, dass man sich sowohl Küchenausstattung als auch Bettzeug selber besorgen muss. Am Anfang fehlte mir so ziemlich alles – weder Decke noch Kissen und Töpfe hatten in meinen Koffer gepasst. Bettzeug ließ sich aber schnell in der Stadt besorgen und es gibt eine große Solidarität unter den Studenten, sodass man mit ein bisschen Glück die Töpfe und Pfannen von früheren Bewohnern bekommen kann, die sie nicht mehr brauchen. Allgemein hat mir das Leben in Toulouse total gefallen. Die Stadt ist groß, hat unglaublich viel Charme und hat für jeden etwas zu bieten. Gerade abends ist die Stimmung an den Ufern der Garonne super und es gibt Unmengen an Bars und Restaurants. Auch kulturell hat Toulouse einiges zu bieten. Es gibt eindrucksvolle Kirchen, interessante Museen und vieles mehr. Für Aeronautik-Fans bietet sich ein Besuch des Airbus-Werks an. Wunderschön sind auch die beiden Kanäle in Toulouse: der Canal de Brienne und der Canal du midi. Dort kann man wunderschön spazieren gehen oder sich einfach nur entspannen. Die Innenstadt ist immer sehr belebt und in der Fußgängerzone lässt es sich gut shoppen. Auch bietet sich der Besuch eines Wochenmarktes an, von denen es in Toulouse sehr viele gibt. Von Toulouse aus lassen sich außerdem viele Ausflüge machen, beispielsweise an die Mittelmeerküste, in die wunderschöne mittelalterliche Stadt Carcassonne oder nach Barcelona. Viele Exkursionen werden auch von der EIMA organisiert. Das Netz an öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr gut, gerade weil man nie lange auf Bus oder Bahn warten muss. Die Metro kommt sogar alle zwei Minuten. Dazu muss man aber auch sagen, dass die Metro immer sehr voll ist, und gerade morgens um acht war es schon manchmal unangenehm, wie sich in der Metro gequetscht wurde. Ein großer Vorteil ist allerdings, dass die öffentlichen Verkehrsmittel sehr günstig sind. Empfehlenswert ist die Anschaffung einer Carte Pastel, die man sich an einer „Agence Tisseo“ besorgen kann und die einmalig 8 Euro kostet. Danach muss man die Karte nur einmal im Monat mit 10 Euro aufladen und kann dann sämtliche Verkehrsmittel unbegrenzt nutzen. Wenn man über 25 ist, ist es allerdings teurer. Was für Studenten sicherlich auch interessant ist, sind die Fahrräder von VeloToulouse, die man sich an Stationen überall in der Stadt ausleihen kann. Dies ist sehr praktisch, gerade wenn man sich mal nicht in die Metro quetschen möchte.

Studienfach: Fremdsprachenlinguistik 

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 05/2017

Gastuniversität: Université Toulouse Jean Jaurès

Gastland: Frankreich


Rückblick

Ich kann jedem nur wärmstens ans Herz legen, die Chance zu nutzen, einige Monate im Ausland zu studieren. Auch wenn die Organisation mitunter aufwendig ist, und auch wenn natürlich nicht immer alles perfekt klappt, ist es doch eine unvergessliche Erfahrung, die man später nicht mehr missen möchte. Was ich wohl am allermeisten schätze, sind die vielen Dinge, die ich in dieser Zeit gelernt habe, aber vor allem auch die vielen tollen Freunde aus aller Welt, die ich kennengelernt habe und mit denen ich nach wie vor in Kontakt bin. Ich werde nie vergessen, wie viel Spaß ich hatte mit meinen Kommilitonen aus England, Tschechien, Finnland, Spanien, Portugal, Mexiko, Chile und vielen vielen weiteren Ländern. Natürlich war auch die Begegnung mit französischen Studenten toll, denn diese waren allesamt sehr herzlich und offen und konnten wichtige Einblicke geben in die französische Lebensart. Nicht zuletzt war es natürlich auch schwer, nach 9 Monaten tschüss sagen zu müssen und sich von all den liebgewonnenen Freunden zu verabschieden. Denn auch das bedeutet Erasmus: nach einer intensiven Zeit mit vielen bereichernden Erfahrungen im Gepäck wieder nach Hause zu reisen.

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