uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Erfahrungsbericht zum Auslandsstudium

Für mich stand schon immer fest, dass ich irgendwann mal mit dem Erasmusprogramm ins Ausland gehen würde, allerdings war es eine sehr kurzfristige Entscheidung dies schon im dritten Semester zu tun. Es gab noch Restplätze in Frankreich und ich habe mich einfach mal auf gut Glück beworben und wurde genommen. Ich hatte die Wahl zwischen Paris, Rennes und Toulouse. Paris war mir zu teuer und zu groß und über Rennes wusste ich nur, dass es dort sehr viel regnet und so habe ich mich für Toulouse entschieden. Im Nachhinein bin ich der Meinung, dass es die beste Stadt in Frankreich ist, die ich hätte wählen können. Es ist eine super Studentenstadt, es gibt viele kulturelle Angebote, die Pyrenäen, das Mittelmeer und der Atlantik sind nicht weit und das Wetter ist wunderbar.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Université Toulouse Jean Jaurès

Gastland: Frankreich

Nach der Bewerbung an der Uni Potsdam für das Erasmussemester musste man sich noch bei der Gastuniversität einschreiben und die nötigen Unterschriften für das Learning Agreement before the Mobility sammeln. Die Formalitäten mit der Uni Potsdam gingen reibungslos. Einen Tag später hatte man die Antwort auf seine Fragen oder die nötige Unterschrift, was ich spätestens nachdem ich mit der Uni Toulouse Kontakt aufgenommen habe, sehr zu schätzen wusste. Hier heißt es erstmal: Kopf hoch, nicht aufgeben! Gerne auch mal die fünfte Mail wegen einer Unterschrift schreiben und Deadlines eher als Richtlinien interpretieren. Generell lernt man in Frankreich die funktionierende, deutsche Bürokratie zu schätzen. Allerdings ist es immer bewundernswert, dass dann doch alles noch klappt. Am 14. September bin ich dann furchtbar aufgeregt nach Toulouse geflogen. Es war schon ein seltsames Gefühl alleine aufzubrechen, zu wissen, dass man niemanden und nichts kennt und das man da jetzt für fast ein Jahr bleibt. Noch am selben Tag bin ich zur Uni gefahren. Die Vorlesungszeit hat erst die nächste Woche begonnen, allerdings gab es für die ganzen Erasmusstudenten schon eine Vorbereitungswoche. Es war sehr beruhigend die ersten Erasmusstudenten kennenzulernen und zu bemerken, dass sich alle mit dem gleichen Papierkram rumschlugen.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe in meiner Zeit in Frankreich im Studentenwohnheim Chapou gewohnt und kann das nur jedem empfehlen. Das Wohnheim ist 10 Minuten zu Fuß von der Innenstadt entfernt und liegt fast direkt an der Garonne, ein Fluss der Toulouse einmal durchquert. Die Zimmer sind zwar sehr klein, neun m², es ist aber alles vorhanden, Bad und Küche. Der Platz ist sehr gut genutzt, mein Bett ließ sich beispielsweise hochfahren. Nur bei Besuch wird es eng, aber auch das geht. Man hatte die Wahl zwischen einer Gemeinschaftsküche und einer eigenen Küche. Zum Leute Kennenlernen sind die Gemeinschaftsküchen besser, ich hab es allerdings für zwei Semester vorgezogen zwei eigene kleine Kochplatten im Zimmer zu haben. Die Miete betrug ca. 200 Euro mit Hilfe der caf, eine Unterstützung des Staates, die jeder Student in Frankreich bekommt, wenn er die nötigen Papiere einreicht. Zu den Papieren gehört und anderem auch die Geburtsurkunde. Das wusste ich zum Beispiel nicht und musste sie mir umständlich nachschicken lassen. In Chapou leben sehr viele Erasmusstudenten und es war sehr leicht Kontakte zu knüpfen. Die Lebenskosten sind hier höher, vor allen Dingen, wenn man Wert auf Gemüse und Obst legt. Das Essen an der Mensa war an sich ganz günstig, allerdings für Vegetarier nicht wirklich geeignet. Das Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr günstig, wenn man unter 25 ist. Man zahlt einmalig 10 Euro für eine Karte und danach monatlich 10 Euro und darf alles benutzen. Um das Geld von der caf zu bekommen, braucht man ein französisches Konto. Ich hab ein Konto bei der banque populaire aufgemacht, was im Nachhinein vielleicht nicht die klügste Wahl war, da die Kontogebühren dort relativ hoch waren. Die meisten anderen Auslandsstudenten, die ich kenne, haben ein Konto an der banque postale geöffnet und das war weniger umständlich und weniger teuer.

Studium

Mein Studium an der Gastuniversität fing klischeehaft französisch mit 3 Wochen Streik der Psychologiefakultät an. In Frankreich gibt es offiziell noch keine Restriktionen für das Psychologiestudium wie bei uns der Numerus clausus. Allerdings fangen viele Unis in Frankreich an nicht mehr alle Bewerber zu nehmen, so auch viele Städte im Umkreis von Toulouse. Die Uni Toulouse nimmt noch alle Studenten und ist daher für Psychologie komplett überlaufen. Es gibt 1850 Erstsemestler in Psychologie 2016, das muss man sich erstmal vorstellen. Der hauptsächliche Streikgrund war ein Arbeitskraftmangel. Als die Vorlesungen dann endlich begonnen, gab es sehr viele Nachholvorlesungen, die sich bei mir alle überschnitten, da ich Kurse aus verschiedenen Semestern gewählt hatte. Generell kann man zum Psychologiestudium hier sagen, dass alles sehr strikt ist. Die Studenten bekommen am Anfang des Semesters einen fertigen Stundenplan. Zu jeder Vorlesung gibt es ein dazugehöriges Seminar, in dem man nur zu 25 sitzt und in dem Anwesenheitspflicht herrscht. Diese Seminare habe ich sehr zu schätzen gelernt, viele Experimente wurden dort nachgemacht und die Inhalte der Vorlesungen vertieft. Die Inhalte unterscheiden sich auch leicht, man merkt, dass Psychologie eher als Geisteswissenschaft als als Naturwissenschaft gesehen wird. Der Fokus liegt sehr auf Pathologien, was dadurch zu erklären ist, dass Psychologen schon nach ihrem Studium fertige Psychotherapeuten sind (wenn sie den klinischen Master wählen) und keine Ausbildung mehr machen müssen. Außerdem ist vielleicht auch noch interessant zu erwähnen, dass die psychologische Fakultät von Toulouse eine Hochburg der Psychoanalyse ist. Die Hauptgrundlage der klinischen Psychologie sind Freud und Lacan. Wer sich für Psychoanalyse interessiert, dem kann ich Toulouse nur empfehlen. Wem es, wie mir eher gegen den Strich geht, dem kann ich empfehlen eher Kurse in Neuropsychologie, Sozialpsychologie und Kognitionspsychologie zu belegen. Die Prüfungen sind anders als in Deutschland seltensten Multiple choice Tests. In den Vorlesungen muss man meistens Aufsätze schreiben oder mehrere offene Fragen beantworten und in den Seminaren sind es meist mündliche Prüfungen und eine Hausarbeit. Der Aufwand war allerdings etwa der gleiche wie zuhause. Allerdings kann ich gleich alle vorwarnen, dass es sehr schwierig ist äquivalente Kurse zum Kursangebot zur Universität Potsdam zu finden. Die Franzosen haben jedes Jahr die Fächer Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie, Statistik, Neuropsychologie, Klinische Psychologie und Kognitive Psychologie. Die Kurse geben häufig 3,5 ECTS Punkte, so dass es immer gerade so nicht für eine Anerkennung einer Vorlesung in Potsdam reicht. Wer wirklich sicher gehen will, dass ihm alles anerkannt wird, muss echt vorher die Dozenten an der Universität Potsdam abklappern und vorher nachfragen. Die beste Möglichkeit ist es wahrscheinlich sein Nebenfach in Toulouse zu machen. Wirklich super an der Uni Toulouse ist das Sportangebot. Im Winter war ich fast jedes Wochenende Skifahren/Snowboard fahren mit der Uni und im Mai Windsurfen am Mittelmeer. Da die Sportfakultät alle Materialen selber hat (Skier, Snowboards, Surfbretter, Segel etc.), kosten die normalerweise teuren Aktivitäten sehr wenig. Das Wochenende Windsurfen hat zum Beispiel mit Übernachtungen und Essen 35 Euro gekostet. Es war garkein Problem Anfänger zu sein. Ich war zum Beispiel noch nie Windsurfen und noch nie Snowboarden. Man bekommt den Unterricht von anderen Studenten, die Punkte für die Kurse bekommen. Generell war die Stimmung immer sehr nett.

Kontakte mit einheimischen und ausländischen Studenten

Den Kontakt mit ausländischen Studenten zu knüpfen war sehr einfach. Wir sind alle neu angekommen und kannten niemanden, unter dieser Bedingung lernt man leicht Leute kennen. Die Freunde, die ich gefunden habe, sind mir sehr ans Herz gewachsen und wir haben auf jeden Fall vor, den Kontakt zu halten. Die Franzosen sind allerdings nicht sehr offen, vor allen Dingen nicht an der Universität. Aus meinen Kursen hatte ich kaum enge Freunde. Die französischen Psychologiestudenten sind sehr höflich und nett und für die ganzen Gruppenarbeiten offen, aber in der Mittagspause traf sich jeder mit seinen privaten Freunden aus anderen Fakultäten. Davon können leider die meisten Erasmusstudenten ein Lied singen. Meine französischen Freunde habe ich eher abends beim Weggehen, im Studentenwohnheim und beim Sport an der Uni kennengelernt.  Deswegen kann ich jedem, der in Toulouse Erasmus macht nur raten, das Sportangebot zu nutzen und generell auch an anderen Aktivitäten teilzunehmen. Viele Erasmusstudenten waren auch ganz begeistert von den kostenlosen Tanzkursen an der Universität und im Studentenheim und haben darüber viele Franzosen kennengelernt.

Sprachkompetenz

Ich war relativ überrascht, wie gut dass mit dem Verstehen der Kurse an der Universität geklappt hat. Ich hatte gar keine Mühe den Vorlesungen sprachlich zu folgen. Das Fachvokabular ähnelt sich halt doch irgendwie. Man muss dazu sagen, dass ich schon sehr gut Französisch konnte als ich in Toulouse angekommen bin. Die einzigen, sprachlichen Hürden an der Universität für mich waren die mündlichen Prüfungen. Ich hatte insgesamt zwei Referate und eine mündliche Prüfung und bin davor gefühlt vor Aufregung gestorben. Letztendlich war es natürlich alle drei Male ganz ok. Wer allerdings absolut keine mündliche Prüfung machen möchte, kann sich einfach vorher die Prüfungsmodalitäten anschauen und  nur die Kurse mit schriftlichen Prüfungen aussuchen. Das haben die meisten meiner Erasmusfreunde so gemacht. Die Professoren waren eher sehr nett und zuvorkommend. Generell hatte ich das Gefühl, dass viele Psychologiedozenten sich über die Anwesenheit von Erasmusstudenten freuen. Das kann auch gut daran liegen, dass es eher wenige Erasmusstudenten in den Psychologieveranstaltungen gab, verglichen mit anderen Fachbereichen. Ich habe generell nur vier andere Psychologieerasmusstudenten kennengelernt. Mein Französisch hat sich natürlich das Jahr über verbessert, vor allen Dingen in der Umgangssprache hab ich viel dazugelernt. Die Universität hat außerdem noch Sprachkurse für alle Auslandsstudenten angeboten, wofür man auch ETCS Punkte bekommen hat. Ich habe zwar persönlich an keinem Kurs teilgenommen, aber es gibt wohl viele interessante Kurse auch zu speziellen Themen und ich habe viel Gutes über die Kurse gehört.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Université Toulouse Jean Jaurès

Gastland: Frankreich


Fazit

Frankreich ist ein wunderschönes Land und Erasmus ist eine super tolle Möglichkeit relativ unabhängig ins Ausland zu gehen. Wer nach Toulouse geht, sollte auch unbedingt die Gelegenheit nutzen ein bisschen im Süden Frankreichs zu reisen. Die Atlantikküste und das Mittelmeer sind nicht weit weg und man kommt sehr günstig mit dem Bus hin. Mein Tipp ist also vor allen Dingen: Profitiert und nehmt so viel mit wie möglich!!!

Frankreich

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier