uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Erasmus in Paris

Ich habe mich für einen Auslandsaufenthalt für ein Semester in Paris, an der Sorbonne Nouvelle 3 für das Wintersemester 2016/17 entschieden. Freunde von mir hatten bereits mit dem Erasmus-Programm tolle Erfahrungen gemacht und kein Auslandsaufenthalt wird so unterstützt und finanziert, wie ein Erasmus-Semester während des Studiums. Aus diesem Grund und in erster Linie für den Lebenslauf, habe ich mich im Oktober des vorherigen Jahres für verschiedene französische Hochschulen beworben. Ich wollte eine weitere Sprache neben Englisch auf akademischem Niveau beherrschen und hatte mich damals mehr „auf gut Glück“ beworben, ohne wie viele diesen großen Traum vom Ausland zu haben. Wirklich verliebt habe ich mich ins Reisen erst, als ich wirklich da war.


Studienfach: Germanistik und Soziologie

Aufenthaltsdauer: 07/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Sorbonne Nouvelle 3

Gastland: Frankreich

Dennoch lief ab diesem Zeitpunkt alles wie von selbst – Frankreich ist bei den Studierenden scheinbar weniger beliebt als alle englischsprachigen Ziele, von daher konnte ich mir bei der Bewerbung bei den Koordinatoren (ich probierte es sowohl bei meinem Erstfach und meinem Zweitfach) letztendlich aussuchen, wohin ich wollte. Paris stand als Hauptstadt und Metropole in Frankreich natürlich ganz oben auf meiner Liste. Auf der Webseite der Uni Potsdam sind alle Dokumente vermerkt, die für Erasmus-Bewerbungen einzureichen sind, unter anderem ein Motivationsschreiben. Dieses hatte ich bereits vorbereitet, aber letzten Endes war es nicht notwendig. Wichtiger sind zu allererst die Einschreibung in das Portal des Akademischen Auslandsamtes, das Ausfüllen des Formulars zum Antrag auf Mobilität und die entsprechenden Unterschriften zu beidem von den Verantwortlichen. Eine Komplettliste findet sich hier.

Gerade dort helfen bereits die Professoren, es lohnt sich einen persönlichen Termin bei dem Koordinator/der Koordinatorin zu machen. Meine Dozentin Frau Freywald war unheimlich nett, immer zur Stelle und hat es mir sehr leicht gemacht, den Aufenthalt anzutreten. Hat man sich bereits über die Gastuni und die dort bestehenden Kurse informiert, kann das nur von Vorteil sein. Die einzige Herausforderung ist dabei das Learning Agreement – von den Studierenden wird verlangt, ihre Module mit denen des Auslands zu verknüpfen und mit einer entsprechenden Auflistung ihre Mobilität zu begründen. Dabei gibt es ein Learning Agreement BEFORE MOBILITY – das heißt, die Auswahl per Informationen der Webseite der Gastuni und ein Learning Agreement DURING MOBILITY, welches man vor Ort mit den wirklich angebotenen Kursen abstimmt. Meiner Meinung nach besteht hier noch Verbesserungsbedarf der Gastunis – beziehungsweise meiner ausgewählten Sorbonne Nouvelle 3. Die Liste der Kurse lässt sich sehr schwer finden, vor Ort musste ich sicher 50% meiner Auswahl ändern, weil Kurse nicht angeboten werden oder die Liste nicht mehr aktuell war. Dennoch ist der Weg zur Mobilität erst einmal verhältnismäßig einfach. Ein Hinweis: Für Frankreich ist der Beginn des Wintersemesters der September, nicht der Oktober, alles ist um einen Monat verschoben. Man hat vor Beginn wenig freie Zeit zur Planung, nach der Mobilität warten jedoch lange Ferien.

Studium an der Gastuniversität

Zu allererst muss ich anmerken, dass ich sehr überrascht von den Verhältnissen der Gastuniversität war. Es ist wirklich wichtig sich vorher klarzumachen, dass Frankreich nicht unbedingt für seine gute Organisation bekannt ist, genau genommen herrscht dort ein Bürokratiekrieg und es war ein einziges Ärgernis. Trotzdem: Nie würde ich auf diesen Aufenthalt verzichten wollen, die Organisation ist etwas, bei dem man sich durchkämpfen muss, den Lohn erhält man, nachdem alles abgesegnet ist. Zuerst einmal gibt es in Paris mehrere Sorbonnes – mit meinem Leichtsinn hatte ich etwas anderes erwartet und als ich ankam, fand ich den Campus der Sorbonne Nouvelle 3 weniger schön und klein - man kann nicht auf einer riesigen bildschönen Anlage wie am Neuen Palais sitzen, das muss klar sein. Vielleicht bin ich jedoch auch ein wenig verwöhnt von Potsdamer Verhältnissen. Meine größere Kritik gilt dem Wählen der Kurse. Nichts scheint per Internet zu funktionieren und nichts ist einzusehen. Die Kurse sind mit einem Papierformular zu wählen und auch dieses sagt nichts darüber aus, wann die Kurse stattfinden werden, was der Inhalt sein wird und ob sie in diesem Semester von Lehrkräften angeboten werden. Dies liegt daran, dass für meinen Studiengang LEA – Langues étrangères appliquées, alle Studierenden einen einheitlichen Stundenplan haben, die Auswahl ist nicht so individuell wie in Deutschland. Somit ist eigentlich gewährleistet, dass sich die Kurse nicht überschneiden. Für Auslandsstudenten, die auch noch aus anderen Départements – Instituten – wählen dürfen, ist das nicht so einfach. Der einzige Weg seine Leistungspunkte zu erhalten und einen anständigen Stundenplan zu erlangen, ist es, Ruhe zu bewahren und sich in den stundenlangen Warteschlangen an den Büros anzustellen. Die Existenz dieser Büros wird vermerkt auf einer Kopie, die man bei einer Vollversammlung bekommt und auf die man unverzichtbar angewiesen ist. Die Orientierung ist somit, wie ich ungern sage, manchmal Glück. Nachdem man also versucht, das meiste seines Learning Agreements zu belegen, beginnt der Prozess des ewigen Anstehens. Hat man seinen Stundenplan, erfährt man erst später, dass nicht jeder Kurs stattfindet, dass Lehrer zwei Wochen nicht auftauchen (E-Mails für Abwesenheit schreiben die wenigsten) oder man die falsche Sprache gewählt hat. Das heißt: Zurück zum Büro. Um es abzukürzen: Mein Stundenplan war letztendlich drei Wochen nach Unibeginn komplett. Ich habe in einem Kurs, den ich nur aus Not gewählt habe (meine eigentliche Wahl war nicht verfügbar), somit bei meiner ersten Anwesenheit einen Zwischentest schreiben müssen, von dessen Existenz ich keine Ahnung hatte und dessen Broschüre ich, durch einen Verwaltungsfehler, erst weitere zwei Wochen später erhielt.  Dies ist etwas, was man von Potsdam gar nicht kennt. Man lernt die deutsche Bürokratie lieben.

Nach diesem Kulturschock ging es allerdings bergauf. Nur muss man am besten alles nochmal kontrollieren. Ich musste ein letztes Mal zum Büro, da ich aus Zufall bemerkt habe, dass keine meiner Änderungen ins System aufgenommen worden war und ich in keinen meiner Kurse eingeschrieben war. Bemerkt man dies am Schluss der Mobilität, wäre es sehr ärgerlich. Bei der Vergabe von Leistungspunkten ist zu bedenken, dass Frankreich mehr Arbeit für weniger LP verlangt. Manche Kurse die man in Potsdam mit 4 oder 6LP abschließen kann, geben in Paris nur 2 oder 4LP. Das Notensystem ist auch anders: Man erhält zwischen 0 und 20 Punkten, bei 10 Punkten ist „le moyenne“ erreicht – man hat bestanden. Allerdings sind durch andere Abgaben weniger als 10 Punkte meist auszugleichen, welche per deutschem Notensystem etwa eine 2,5 sind. 18 Punkte sind schon eine 1+, 19 und 20 Punkte werden nur sehr selten vergeben. Die Umrechnung ins deutsche Notensystem ist also etwas verwirrend, aber gut auf CAMPUSFRANCE.org einzusehen.

Die Kooperation mit LEA und meinem Studiengang Germanistik ist im Ansatz gut – nachdem ich nun jedoch dort war, wird mir bewusst, dass es sich hierbei um zwei völlig verschiedene Studiengänge handelt und sich eine Anrechnung schwierig gestaltet. Bei LEA lernt man Deutsch als Fremdsprache, die linguistischen Komponenten befinden sich auf einen sehr geringen Niveau, sodass die Kurse meistens in den ersten Semestern schon absolviert sind (ich bin in meinem fünften Semester gegangen). Eine Kooperation mit dem Département franco-allemande wäre meiner Meinung nach viel sinnvoller, aber glücklicherweise ist es möglich 50% der Kurse aus einem anderen Institut zu wählen. Nachdem ich viele negative Punkte genannt habe, ist über die Dozenten und Mitarbeiter sowie Studierende anzumerken, dass sie unheimlich hilfsbereit und nett sind. Gerade durch das verhältnismäßig große Chaos hat man gelernt sich zu entspannen, wenn etwas nicht glatt läuft und das Problem zu lösen. Dozent_innen sind sehr kompetent und wissen viel, man kann davon sehr profitieren. Die Mitarbeiter_innen sind meistens per Du mit Studierenden, es herrscht ein freundschaftliches Verhältnis (die Securité am Eingang gibt morgens den meisten Studierenden einen Handschlag, das fand ich sehr sympathisch). Wer behauptet, Franzosen seien arrogant, hat meiner Meinung nach unrecht – ich habe kaum jemanden kennen gelernt, der nicht sofort bereit war, mir zu helfen. In den Kursen hat man auch sofort Kontakt zu den Einheimischen gefunden und wurde wie selbstverständlich zum Mittagessen mitgenommen.

Die Bibliothek war ein guter Ort zum Lernen und hatte lange geöffnet, die Franzosen sind sehr fleißig und man hat sich oft gemeinsam zum Lernen getroffen. Die Gerätschaften wie Computer, Drucker oder Scanner sind sehr veraltet und kompliziert, nicht selten kaum zu benutzen. Ein Copyshop über die Straße hat jedoch alles angeboten, was man brauchte.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Wie bereits erwähnt, ist der Kontakt zu Einheimischen sehr leicht gewesen. Ich hatte Angst nur mit den Erasmus-Absolvent_innen Englisch zu sprechen, aber mein Freundeskreis bestand genau zur Hälfte aus Franzosen und zu Hälfte aus ausländischen Studenten. Franzosen habe ich vor allem auch außerhalb der Universität kennen gelernt, für Erasmus-Student_innen wird unheimlich viel angeboten, jede Woche kann man irgendwo hin und Neues entdecken. Die Stadt ist eine Fülle an Möglichkeiten, ich  habe einfach wahnsinnig tolle Erfahrungen gemacht. Auch bei der Wohnungssuche habe ich viele Bekannte kennengelernt und man hat sich gegenseitig unterstützt.

Was Freizeit angeht, sollte auf der To-Do-Liste mindestens ein Museumsbesuch in der Kunststadt Paris stehen (der unter 25 Jahren gratis ist, einfach nur zum Eingang mit dem Ausweis in der Hand). Außerdem eine Boot-Party auf der Seine, da kann man unheimlich viel finden (sowohl für Erasmus als auch für die Einheimischen). Dann ein Petit-déjeuner am Canal Saint-Martin und ein Wein im hippen Carré Marais. Geld ausgeben kann man hier mit vollen Händen, es gilt mit seinen Ressourcen zu wirtschaften. Eine Monatskarte kostet für die Métro zum Beispiel 73,00 Euro, für Studenten gibt es allerdings einen Jahresrabatt der sich ab 5 Monate Aufenthalt lohnt (insgesamt 341,90 Euro).

Wenn ich anfangs auch verzweifelt war, weil es so unheimlich schwer war, eine Unterkunft zu finden (siehe unten), haben mich die Leute immer wieder aufgerichtet. Beispielsweise hat mich eine französische Studentin, die in Potsdam ein Auslandssemester gemacht hat und mich daher flüchtig kannte, einen Monat bei sich aufgenommen und mich bei jedem Behördengang gerettet – ich wüsste nicht, was ich ohne diese selbstlose Freundlichkeit getan hätte. Zudem habe ich jetzt so viele unterschiedliche internationale Freunde aus aller Welt, die mich besuchen wollen oder zu denen ich reisen kann und mit denen ich hoffentlich noch weiter in Kontakt bleibe. Ich denke diese Kontakte sind das, wovon man am meisten profitiert, welche Toleranz und andere Perspektiven beibringen und die unheimlich für die nächsten Jahre inspirieren. Man bekommt zum Beispiel einen wunderschönen britischen Akzent von einer Erasmus-Freundin aus Oxford beigebracht, lebt wie in einer Gastfamilie bei einer italienisch-francophonen Freundin, kann nach Lima reisen, weil man zufällig mit einer Peruanerin zusammenwohnt oder bekommt am Ende eine Wohnung fünf Stationen vom Eiffelturm, weil eine italienischen Kommilitonin an einen gedacht hat.

Jeder der ein Erasmus-Semester macht, wird dasselbe sagen: Niemals würde ich diese Zeit eintauschen wollen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Wie unschwer zu erraten ist, habe ich mich durch Paris auch was meine Sprachkompetenz angeht, um 180 Grad gedreht. Ich wollte mein Französisch unbedingt verbessern und mit meinem Unicert-Kurs habe ich mich leider nur schriftlich, nicht mündlich verbessert. Meine Lehrerin sah mich, denke ich, immer als das schwächste Glied – sie hat mir empfohlen, nicht nach Frankreich zu gehen, als ich sie gebeten habe, mein Motivationsschreiben zu kontrollieren. Könnte sie mich heute sehen, ich hoffe sie würde anders denken. Innerhalb von zwei Monaten, lernt man wie aus Zufall unheimlich viele neue Vokabeln, man muss nicht mehr ewig überlegen, wenn man dem Gegenüber etwas mitteilen will. Natürlich ist es anfangs schwer und man kann nicht erwarten, mit 1,0 abzuschließen – trotzdem ist man gezwungen seine Sprachkompetenz zu verbessern, wenn man akademische Texte schreiben muss. Man lernt nicht mehr nur im Alltag sprechen, sondern auch Konnektoren und Redewendungen im universitären Feld. Meine Phonologie ist das, worauf ich, denke ich, am meisten stolz bin. Wer nur im Unterricht zuhört, kann nicht wirklich lernen, zu sprechen - im Ausland hat man keine Wahl. Man hat auch kleine Misserfolge: Man wird unsicher, wenn das Gegenüber unverständlich das Gesicht verzieht, weil man etwas falsch ausspricht – man ist in der Klausur aufgeschmissen, weil man kein Wörterbuch benutzen darf oder man nickt ohne zu verstehen. Dennoch ist man ohne Zweifel viel weiter mit sich selbst und der Sprache. Das größte Kompliment bleibt, nach dem Weg gefragt zu werden, ohne als Ausländerin erkannt zu werden und auch noch die Antwort zu wissen.

Wohn-  und Lebenssituation

Was die Unterkunft angeht, habe ich beinah aufgeben wollen – niemals habe ich solche Probleme gehabt. Ich habe Monate vorher von Deutschland versucht, etwas zu finden, aber dies ist ein nahezu aussichtloses unterfangen. Wer nicht sofort kommen kann, um die Wohnung zu besichtigen, ist schon mal raus – es warten noch mindestens 20 andere Bewerber. Die Mieten sind Wucherpreise. Ich hatte mir ein Budget von 500,00 gesetzt, letzten Endes wird klar, dass man unter 650-700 meistens nichts Annehmbares finden kann. Aber halt – nicht verzweifeln, es gibt immer einen Weg. Wie gesagt, hatte ich anfangs bei meiner französischen Freundin gewohnt, dies war ein riesiger Vorteil. Hätte ich ein Hostel zahlen müssen, ich wäre wohl arm geworden. Zudem hat mir mein RBNB-Zimmer einen Tag vor Abreise abgesagt und ich hatte keine Wahl. Um ein französisches Konto zu eröffnen oder in die Unibibliothek zu können, braucht man eine französische Adresse. Um eine Wohnung zu mieten, braucht man ein französisches Konto. Nun. Paradox, nicht wahr? Jedenfalls half mir meine französische Freundin. Das Studentenwohnheim und jedes andere private Wohnheim waren hoffnungslos überfüllt, es lohnt sich, sich früh zu bewerben. Die Antwort kam allerdings erst zwei Tage nach meiner Abreise, als hat man normalerweise einen Plan B. Als ich ankam, habe ich einen Monat mit der Suche verbracht. Ich habe mir nie Vorstellungen gemacht, wie dramatisch die Wohnsituation in Paris ist, aber es ist nicht unmöglich. Hinterher bin ich nun um eines schlauer.

Was ich das nächste Mal tun würde:

- mich früher beim Studentenwohnheim bewerben (über die Webseite der Uni, bei weiteren privaten Wohnheimen und sehr früh bei der wunderschönen Cité Universitaire)

- auf jeden Fall eine Agentur beauftragen, die mir eine Wohnung in meinem Budget sucht! Man spart sich Nerven und man hat mir gesagt, die Kosten wären zu verkraften

- die CAF (die Wohnungshilfe, die nach Mietpreis, Mitbewohnern und eigenen Rücklagen berechnet wird) früher beantragen

Was ich getan habe:

- mich zu spät beim Studentenwohnheim beworben

- mich von Antworten auf meine Anzeige auf WG-gesucht.de beinah betrügen lassen – für eine Wohnung die nicht existiert

- unmoralische Angebote ausgeschlagen, von Vermietern, die sich dachten, dass es okay wäre, in einem gemeinsamen Bett zu schlafen und das für 500 Euro monatlich

- zwischenzeitlich in einem Zimmer mit 4 anderen Personen gewohnt, was in Anbetracht der Größe unwürdig war

Letztendlich hatte ich riesiges Glück: Nach einem Monat der Suche habe ich eine Wohnung bei Métro Pasteur gefunden – eine wirklich gute Gegend, mit drei wirklich tollen Mitbewohnerinnen. Ich habe 630,00 Euro im Monat gezahlt. Für mich normalerweise kaum zu bezahlen, aber mit CAF und dem Erasmus-Geld (für Frankreich bekommt man glücklicherweise den Höchstsatz!) war es zu bewältigen. Was man über Paris Wohnungsmarkt sagen kann: Er ist grausam, es dauert lang etwas zu finden und die Vermieter glauben, sich alles erlauben zu können. Was also tun...?

- man muss viele Angebote ausschlagen und darauf vertrauen, dass etwas Besseres kommt. 

- man muss sich bemühen, etwas zu finden, das keinen französischen Garant verlangt (einen Franzosen, der für die Miete bürgt – als Auslandsstudent hat man solche Kontakte meistens nicht)

- man sollte nicht frei heraussagen, dass man nur für ein halbes Jahr bleibt – die wenigsten lassen sich darauf ein, man wird abgelehnt. Es mag unfair sein, dennoch ist es in Frankreich möglich jeweils eine Monat vor Auszug zu kündigen (mit einem Lettre Recommandée, Beispiele finden sich online), somit ist man nicht gebunden. Sucht man dann noch einen Nachmieter, lassen sich die Eigentümer schnell besänftigen und man kann gut auseinander gehen.

- man sollte, wenn möglich, einen französischsprachigen Freund oder Buddy zum Unterschreiben des Vertrags mitnehmen.

- man sollte alles Nötige mit der Kaution klären, bevor man zurück nach Deutschland geht – meine Vermieterin mag meine Rettung gewesen sein, aber auch sie würde die Kaution sehr gerne behalten, also Vorsicht...!

Studienfach: Germanistik und Soziologie

Aufenthaltsdauer: 07/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Sorbonne Nouvelle 3

Gastland: Frankreich


In Kürze

Ich möchte das Wichtigste noch einmal zusammenfassen und weitere Tipps geben:

- die Wohnungssuche in Paris kann schrecklich sein, aber mit genug Geduld und etwas Hilfe ist es möglich, man sollte sich nur früh darum kümmern – Agenturen lohnen sich wirklich

- man darf sich nicht unterkriegen lassen, das Unisystem ist anders und die Organisation kann jeden Nerv rauben – man muss sich dies nur vorher klar machen und eine entspannte Einstellung zu all dem entwickeln, dann arrangiert man sich mit der Situation

- Pläne die vorher gemacht wurden, sind gut, aber in der Umsetzung gestaltet sich sowieso alles anders – man lernt, flexibel zu sein

- es lohnt sich, mutig zu sein und mit den Einheimischen zu reden, wenn man die Sprache wirklich verbessern will – als Hilfe kann man sich vor Augen halten, dass man immer noch etwas Besonderes gilt, die Leute neugierig sind und man daher in den meisten Fällen sehr gut ankommt

- wenn man Zugang zu so vielen verschiedenen Kulturen hat, wie bei Erasmus, empfehle ich es, jeden neuen Kontakt mitzunehmen und diese zu pflegen – sie werden in der Zukunft nützlich sein und bilden die eigene Person ungemein

- das Learning Agreement ist das Wichtigste, um die Grundvoraussetzung für den Aufenthalt zu schaffen – trotzdem muss klar sein, dass es sich ändern kann und eine Regelstudienzeit unter Umständen überschritten wird (hierzu ist es sehr sinnvoll, ein Urlaubssemester zu nehmen)

- die Anrechnungsmöglichkeiten der Kurse sind erst nach der Mobilität klar, die Kooperationen sind keine Garantie – wer ins Ausland geht, sollte sich dies bewusst machen. Interessant ist dabei vielleicht auch, dass man zu keiner Anrechnung gezwungen ist, wenn die Noten nicht wie erwartet ausfallen: Der Student ist sehr frei in seinen Möglichkeiten, was ich toll finde

- das Gerücht, als Erasmus-Student besser bewertet zu werden, ist nur teilweise wahr. Man darf nicht zu viel Nachsicht erwarten, dennoch sollte der Vermerk „étudiant/e Erasmus“ auf der Klausur nicht fehlen

- Vorurteile gegenüber Franzosen bestätigen sich meiner Meinung nach kaum, sie sind unheimlich freundliche, offene Menschen – aber sie essen viel Baguette und sagen „oh la-la“, das stimmt...!

- für die Verbesserung der Sprache ist der Auslandsaufenthalt die allerbeste Option (zu Beginn reicht es meiner Meinung nach, B2 zu haben – man erwirbt sehr schnell mehr Kompetenzen)

- sollte es finanziell möglich sein, empfehle ich, ein Jahr zu bleiben (sich in einem halben Jahr zu organisieren und einzufinden bedeutet, sich meist erst nach etwa 4 Monaten komplett entspannen zu können). Ich bin für ein Semester und die darauffolgenden Ferien geblieben, auch das ist wunderbar, aber ein Jahr bedeutet meist, mehr freie Zeit für sich im entsprechenden Land zu haben

- man hat 12 Monate Anspruch auf Förderung in der Studienzeit – somit ist es im Studium auch für finanziell weniger ausgestatte Familien möglich, den Traum vom Ausland wahr zu machen. Die CAF ist in Frankreich eine sehr gute Hilfe einen Teil der Miete zurückerstattet zu kommen!

Frankreich

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier