uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Erasmus+ in Nantes

Für mich war bereits zu Beginn des Studiums klar, dass ich während des 5. Semesters ein Auslandsstudium einlegen wollen würde. Der Zeitpunkt erschien mir insofern ideal, als das man bereits einen Großteil seiner Bachelorstudienzeit hinter sich gebracht hat und vor dem Abschluss noch einmal ein anderes Studiensystem kennenlernt. Auch die Entscheidung für Frankreich als Gastland fiel mir nicht schwer, da ich bereits auf ein zweisprachiges deutsch-französisches Gymnasium gegangen bin und meine Sprachkenntnisse weiter festigen wollte. Für den Studiengang Sportmanagement gibt es an der Universität bislang nur einen französischen Standpunkt in Nantes, dessen Erasmusplätze begrenzt sind. Was in Anbetracht unserer Studierendenanzahl zuerst einschüchternd wirkte, stellte sich im Verlaufe der Bewerbung als unbegründet dar, denn auf die zwei einzigen freien Plätze gab es, mich eingeschlossen, nur zwei Bewerber. Das geringe Interesse an französischen Partneruniversitäten in nicht-französischen Studiengängen ist wohl mit dem Mindest-Sprachniveau B1 zu erklären, das mittels DAAD-Sprachtest oder ähnlichem zur Bewerbung nachgewiesen werden muss.


Studienfach: Sportmanagement

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Université de Nantes

Gastland: Frankreich

Die Bewerbungsphase lief insgesamt reibungslos ab und Anfang Januar gab es von der Universität Potsdam die Nominierungsbestätigung für den Auslandsaufenthalt. Infolgedessen musste man sich online über die Immatrikulationsseite der Université de Nantes einschreiben (diese wurde vergleichsweise spät online gestellt) und fristgerecht die geforderten Dokumente erst per Mail, dann postalisch einsenden. Nach der Annahmebestätigung der Auslandsuniversität meldete sich erstmals mein Erasmuskoordinator persönlich bei mir, um mich mit den ersten Informationen zu versorgen. Trotzdem kam ich noch mit der großen Unwissenheit nach Nantes, welche Kurse ich genau belegen würde. Ein Learning Agreement wurde von mir zwar ausgefüllt, dieses konnte jedoch auf der Bewerbungsseite nur als vorläufig bezeichnet werden. Da man mir aber im Vorhinein keine klaren Versprechungen zur Übernahme der Studienleistungen machen konnte, sah ich meiner finalen Kurswahl gelassen hin.

Studienfach: Sportmanagement

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Université de Nantes

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Meine Partnerfakultät und Äquivalent zu den Sportwissenschaften war das U.F.R. S.T.A.P.S. (Sciences et techniques des activités physiques et sportives). Der Campus befindet sich direkt an der Tramstation „Recteur Schmitt“ und umfasst drei große Hörsäle, eine Vielzahl an Seminarräumen sowie eine Gymnastikhalle. Außerdem steht ein Aufenthaltsraum inklusive Computerpool zu Verfügung. Da der Studiengang im Vergleich zu anderen doch recht klein ist, findet man dort eine familiäre Atmosphäre vor. Nach dem ersten persönlichen Kontakt mit meinem Erasmuskoordinator Claude Leveau hatte ich eine Woche Zeit, meinen persönlichen Stundenplan zu entwerfen. Das ist leichter gesagt als getan, da das Belegungssystem im Gegensatz zur Potsdamer Universität sehr strikt ist. Unterteilt werden die Studierenden in drei „Licences“ mit jeweils 2 Semestern. Es gibt einen festen und vorgefertigten Stundenplan ohne Wahlmöglichkeiten, der sich von Woche zu Woche ändern kann. Für mich bestand also die Schwierigkeit darin, die Kurse herauszufiltern, die ich sonst auch in Deutschland hätte belegen wollen und gleichzeitig darauf zu achten, dass es zu keinen Überschneidungen während der Folgewochen kam. Ich wählte deshalb nur einen praktischen Kurs aus der Licence 2, der schon Mitte Oktober beendet sein würde und die restlichen Kurse aus der Licence 3. Ratsam ist es, eine Excel-Tabelle für die kommenden 4 Wochen zu erstellen, um nicht den Überblick zu verlieren und bei möglichen Überschneidungen den Professoren frühzeitig Bescheid geben zu können. Über den Link https://edt.univ-nantes.fr/staps/ kann man nach einem Log-In die verschiedenen Stundenpläne des Semesters einsehen. Die Veranstaltungen an der Fakultät sind in drei Kategorien unterteil: CM (Vorlesung), TD (Seminar) und TP (Paxiskurs). Meist werden Fächer wie beispielsweise Sportsoziologie oder Sportrecht in zwei Abschnitte unterteilt, beginnend mit einem CM und abschließend mit einer Übung im TD. CMs dauern in der Regel zwei Stunden, TDs anderthalb. Zu meiner Überraschung nutzen hier gerade einmal die Hälfte der Professoren Powerpoint-Präsentationen. Es kann daher gerade zu Anfang schwierig werden, den Vorträgen zu folgen. Man sollte in solchen Situationen nicht zu schüchtern sein und einfach die anderen Studierende um ihre Mitschrift bitten, um zu Hause den Stoff wiederholen zu können. Das Unterrichtssystem an französischen Hochschulen gleicht eher dem einer Schule, als einer Universität. Das lag vor allem an den klassenzimmerähnlichen Räumen, der Anzahl an Studierenden sowie dem Frontalunterricht der Professoren. Mein Potsdamer Kommilitone und ich hatten das Glück, vor allem von der Licence 2 sehr gut aufgenommen zu werden. Für den Praxiskurs Segeln muss man zum Beispiel ins anliegende Carquefou fahren, in das wir regelmäßig mit dem Auto mitgenommen wurden. Abseits vom S.T.A.P.S. habe ich auch noch zwei Kurse an der Ökonomie/Management-Fakultät (IEMN-IAE) belegt, da diese thematisch genauer auf mein Potsdamer Curriculum abgestimmt waren (Link zu den Kursen ohne Einschreibung: https://edt.univ-nantes.fr/iemn_iae/finder.xml). Dort muss man aber deutlich mehr Zeit und Arbeit investieren, da sich die Vorlesungen doch sprachlich und inhaltlich für einen Nichtfranzosen auf einem hohen Niveau befinden. Prüfungstechnisch war die Unterteilung auf die beiden Fakultäten aber hervorragend. An der Sportfakultät hatte ich meine Abschlussprüfungen alle im Dezember, in Ökonomie/Management wurde ich nach den Weihnachtsferien im Januar geprüft. Abschließend sei noch zu erwähnen, dass es Mitte Semester zu Zwischenprüfungen kommen kann, die meist zu 1/3 in die Gesamtnote miteinfließen.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Wie bereits erwähnt, gab es vor allem mit dem Sportjahrgang L2 engere Kontakte. Die Einladungen zu gemeinsamen Abenden oder zum Feiern gehen waren eine gute Möglichkeit, die Studierenden auch außerhalb der Uni kennenzulernen. Insgesamt waren sie alle sehr gastfreundlich, offen und interessiert. Außerdem ist es eine spannende Herausforderung gewesen, ihre Alltagssprache verstehen und sprechen zu lernen – mittlerweile habe ich mir aber auch ein umgangssprachliches Vokabular zugelegt. Die Kontakte halfen mir auch, meinen Geburtstag in der Wohnung eines Kommilitonen feiern zu dürfen. Dafür war ich sehr dankbar, da ich mit dieser Gelegenheit im Vorhinein nicht gerechnet hatte. Auch mit den Ökonomen und Managern des anderen Campus hatte ich ein gutes Verhältnis, sie haben mir öfter Kursmaterialien oder ältere Abschlussklausuren zur Verfügung gestellt. Des Weiteren gab es die Möglichkeit, Bekanntschaften im Studierendewohnheim zu schließen. Neben den französischen Bekanntschaften sind es natürlich die vielen Erasmusbekanntschaften, die meinen Aufenthalt hier in Nantes geprägt haben. Angefangen hat der Kontakt über eine gemeinsame Facebook-Gruppe, über die man sich in den ersten Wochen kennenlernen und verabreden konnte. Natürlich hat auch das ESN-Netzwerk Aktionen arrangiert, zu Beginn meist Stadttouren oder Barabende. Je länger man miteinander Zeit verbracht hatte, desto mehr bildeten sich auch feste Gruppen heraus. Das ist in Anbetracht der über 100 Erasmusstudierenden nicht weiter verwunderlich und auch hilfreich, um engere Freundschaften zu schließen. Vor allem vor der Prüfungszeit waren wir sehr oft unterwegs, sei es für Kino, Sport, Nachtleben oder gemeinsames Kochen. Ich bin auch schon vor meinem Erasmussemester viel gereist und sah mich darin bestätigt, wie schön internationale Freundschaften sein können. Nicht nur die Zeit in Nantes wird unvergessen bleiben, ich gehe auch davon aus, dass man sich in Zukunft nicht ganz aus den Augen verliert. Die ersten Zusammenkünfte sind schon für den Sommer geplant und auch unabhängig davon hat man sich ein internationales Netzwerk geschaffen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Begründet durch meinen zweisprachigen deutsch-französischen Schulabschluss brauchte ich kein Sprachzertifikat mehr. Trotzdem war nach drei Jahren ohne Schulfranzösisch doch Einiges an Grammatik und Wortschatz verloren gegangen, weshalb ich als Vorbereitung für den Austausch einen Französisch-Unikurs C1 besucht habe. Im Zuge der Bewerbung konnte man sich zusätzlich für einen Französisch-Intensivkurs zu Beginn und einen weiterführenden Kurs innerhalb des Semesters einschreiben. Trotz des unterschiedlichen Niveaus der Lehrkräfte würde ich den Kurs für all diejenigen empfehlen, die Grammatik wiederholen oder an Diskussionen teilnehmen möchten. Nach Ende des Auslandsaufenthalts kann ich erfreut feststellen, dass ich wieder deutlich flüssiger und elaborierter sprechen kann. Dazu habe ich ein erweitertes Fachvokabular aus Bankenlehre, Buchführung sowie Sportrecht erworben. Geholfen hat es auch, dass wir uns in unserem Freundeskreis recht strikt ans Französischsprechen gehalten haben und nur teils ins Englische gewechselt sind. Es ist wirklich eine enorme Gelegenheit, eine Fremdsprache im Zielland anwenden zu können. Ich würde daher abraten, zu sehr nach deutschen Studierende zu suchen und hin zu gemischten internationalen Kontakten zu gehen.

Wohn-  und Lebenssituation

Gleichzeitig zur Immatrikulationsbestätigung der Université de Nantes bekam ich ein Angebot für einen Wohnheimplatz in der Cité Bourgeonnière. Dieses musste ich innerhalb von drei Tagen akzeptieren oder ablehnen, eine weitere Option würde von Universitätsseite nicht zur Verfügung gestellt, hieß es in der Mail. Da ich mir somit die lästige Wohnungssuche sparen konnte und in dem Preissegment (254,00 €) wahrscheinlich nichts Besseres gefunden hätte, entschied ich mich für das Studierendenwohnheim. Wie in einer folgenden Mail angekündigt, muss man vor dem Einzug im Guichet Unique vorbeischauen, um dort unter anderem eine obligatorische Versicherung (Attestation d’assurance) abzuschließen. Außerdem ist das der richtige Ort, um Fragen rund um die Wohnsituation, Versicherung oder Wohngeld zu stellen. Letzteres ist ein wichtiger Punkt und sollte schnellstmöglich beantragt werden, da das Verfahren bis zu zwei Monate dauern kann. Die dafür zuständige Behörde heißt CAF (Caisse d’allocations familiales) und hat meinen Mietbeitrag von 254,00 € monatlich mit 92,00 € unterstützt. Voraussetzung für den Beitritt sind unter anderem ein französisches Bankkonto, das kostenlos für Erasmusstudierende eröffnet werden kann (Tip: BNP Paribas bei Commerce, nettes Personal und guter Service) sowie eine Wohnbescheinigung, Passbilder und einige Formulare. Zurück zur Unterkunft: Das Wohnheim Cité de la Bourgeonnière befindet sich ca. 18 min mit der Tram vom Zentrum (Commerce) entfernt und besteht aus drei Häuserkomplexen. Die meisten Zimmer sind 9m² groß, mit kleinem Badezimmer/WC; eine Gemeinschaftsküche befindet sich auf dem Flur. Es gibt auch teurere 18m² Wohnungen, für die kann ich aber keine weiteren Informationen liefern. Für eine Person reicht das Zimmer völlig aus, man ist ja auch viel unterwegs und als Student hoffentlich nicht zu anspruchsvoll. Zwei Fußminuten entfernt gibt es einen Supermarkt, einen Bäcker und die Tramstation der Ligne 2, drei Tramstationen weiter liegt die Station Facultés und die Studierendemensa. Das Wohnheim bietet außerdem einen Gemeinschafts-TV-Raum sowie ein kleines Fitnessstudio (nicht zu viel erwarten), über Nacht gibt es mindestens in einem Häuserkomplex immer eine Person am Empfang. In meiner Zeit gab es einen Mix aus Franzosen und Erasmusstudierenden in den Etagen, zum Kennenlernen empfiehlt sich die Gemeinschaftsküche oder der Wohnheimabend zu Beginn des Semesters. Abschließend noch ein kleiner Blick auf die Verkehrslage in Nantes: Wie angesprochen gibt es ein Tram-Netzwerk (Tan) bestehend aus vier Linien. Ein 1h-Ticket kostet 1,60 €, ein Monatsticket 38,00 €. Für das Monatsticket benötigt man zusätzlich eine Art „Trägerkarte“, die man sich kostenlos bei Commerce in der Tan-Zentrale ausstellen lassen kann. Unter der Woche verkehren die Trams bis 0:30 Uhr, am Wochenende bis 2:30. Im Notfall stehen aber auch einige Nachtbusse zur Verfügung. Eine Alternative oder ein Zusatz zur Tram wäre das Bicloo, ein mobiles Fahrradsystem. Nach Anmeldung am Automaten (entweder Tageskarten oder Jahreabonnement) kann man sich an einer der vielen Bicloo-Stationen ein Fahrrad ausleihen und nach folgenden Tarifen fahren: http://www.bicloo.nantesmetropole.fr/Abonnements/Tarifs/Consultez-les-tarifs. Zusammengefasst sind die ersten 30 min. frei, danach wird im halbstunden Takt abgerechnet. Es kommt eine Aktivierungsgebühr und eine Kaution hinzu, die mit Kreditkarte bezahlt werden müssen. Zum Ende der Fahrt kann man sich eine Bicloo-Station am Zielort aussuchen. Die zweite Option für die Fahrradfraktion ist der Vélo-Campus an der Tram-Station Petit-Port. Dort leiht man sich ein Fahrrad entweder für ein Semester (35,00 €) oder zwei Semester  (50,00 €)  aus und kann es dort sogar kostenlos reparieren lassen. Hinzu kommt eine Kaution von 180,00 €, die bei guter Führung auch erstattet werden. Man sollte keine Wunderdinge von diesen Fahrrädern in Einheitsgröße erwarten, für den Preis war ich aber letztendlich sehr zufrieden.


Rückblick

Die fünf Monate in Nantes waren bislang meine längste Auslandserfahrung am Stück  und hätten nicht besser verlaufen können. Nantes ist eine exzellente Stadt zum Studieren, da sie genau das Mittelmaß zwischen Metropole und Lebensqualität abbildet. Das Zentrum und besonders das Studierendenviertel Bouffay sind bei warmen Temperaturen überfüllt von Menschen in Cafés oder Bars, die beiden Flüsse Loire und Erdre sowie die zahlreichen Parks runden das Stadtbild ab. Die Franzosen sind sehr gastfreundlich und sehen es gern, wenn man mit ihnen auch auf Französisch kommuniziert. Es wird sicherlich nicht mein letzter Aufenthalt hier gewesen sein und ich kann sehr dankbar sein, dass ich durch die geknüpften Kontakte jederzeit problemlos zurückkehren kann. Für alle noch zweifelnden Studierenden muss ich noch anmerken, dass es auf der Île de Machine einen durch mechanischen Antrieb gesteuerten übergroßen Elefanten zu bestaunen gibt. Das Wahrzeichen von Nantes kann sich sogar mit Personen auf seiner Plattform bewegen und besticht durch einen wassersprühenden Rüssel sowie den passenden Tönen. Wem das nicht genug ist, dem ist  auch nicht mehr zu helfen!

Frankreich

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier