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In dem integrierten Studiengang Deutsch-Französisches Recht ist im 5. und 6. Fachsemester das Studium an der Universität Paris X Nanterre La Défense vorgesehen, um die Licence en Droit abzulegen. Diese Licence wird an der Universität Potsdam anerkannt als Bachelor of Laws mit dem Schwerpunkt Deutsch-Französisches Recht. Dadurch ist die Vorbereitung an sich recht einfach: Man muss nur die nötigen Klausuren bestehen. Bezüglich der Einschreibung in Nanterre gab es einen internen Termin für meinen Studiengang, wo wir den Immatrikulationsantrag zusammen ausfüllten. Über Frau Lechner (zuständig für den Deutsch-Französischen Studiengang) sowie Frau Kettmann (Erasmus-Koordinatorin) erhielten wir alle restlichen Informationen bezüglich Erasmus- Anträgen und auch zur Befreiung der Semestergebühren. Dies klappte alles problemlos und liess sich innerhalb kurzer Zeit am Neuen Palais erledigen.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Université Paris Ouest Nanterre La Défense

Gastland: Frankreich

Bezüglich der Wohnung bewarb ich mich im Cité Universitaire und im Studentenwohnheim von Nanterre und suchte parallel noch privat nach Zimmern. Viele Angebote im Internet waren nicht echt, sondern nur Lockangebote. Schliesslich hatte ich aber Glück und fand über die Facebook-Gruppe des Studiengangs ein Angebot für ein Zimmer in Bois Colombes mit einer Studentin des Jahrgangs über mir, die den Master in Nanterre machte, mit der Bahn 10 Minuten von der Uni entfernt. Finanzieren konnte ich mir diesen Auslandsaufenthalt nur durch die beiden Stipendien die ich erhielt, das Erasmus-Stipendium und das Stipendium der DFH. Hochgerechnet auf 10 Monate erhielt ich ca. 500 Euro pro Monat. Finanzielle Unterstützung erhielt ich von meinen Eltern, ausserdem hatte ich mir über einen Nebenjob eine kleine Summe angespart. CAF kann man theoretisch auch beantragen, das kostet aber viele Nerven da man sich mit der französischen Verwaltung herumschlagen und viele Nachweise mehrfach abschicken muss. Ausserdem braucht man einen offiziellen Nachweis, dass man in der Wohnung wohnt, den ich selber nicht hatte (Untermiete).

Studium an der Gastuniversität

Das Erste was mir auffiel: Wow, es gibt viel mehr Studenten hier ! Am Griebnitzsee sind zum Grossteil nur Juristen und Informatiker. In Nanterre gibt es nur einen grossen viereckigen Campus, auf dem von Sport bis Mathe alle Fachrichtungen vertreten sind. In der Mitte befinden sich Sportplätze, ein Schwimmbad, das maison d’étudiant (in dem Arbeitsgemeinschaften stattfinden und es eine kleine Cafeteria gibt) und eine grosse Grünfläche. Aussen herum sind die Gebäude der verschiedenen Studiengänge. Da sich eine Farm hinter dem Campus befindet, sieht man öfters eine kleine Schafherde mitsamt Schäfer und Hütehund über den Campus ziehen. Es gibt auch mehrere Pfaue. Die erste Veranstaltung findet für alle ausländischen Studenten gemeinsam statt. Man erhält einen Umschlag mit Infobroschüren und seinem Studentenausweis, mit dem man sich zu Prüfungen ausweisen muss, in Paris viele Reduktionen erhält und den man mit Geld aufladen kann um essen zu gehen (nach Aktivierung im Internet). Die Veranstaltung ist mit Vorsicht zu geniessen: Sie ist in erster Linie reinen Erasmus-Studenten gedacht. Für die Studenten des Deutsch-Französischen Studiengangs gelten teilweise andere Regeln für das Ausfüllen der ERASMUS-Formulare wie zum Beispiel das Learning Agreement. Die Veranstalter wussten nicht, dass unser Studiengang überhaupt existiert, deswegen ist bei abweichenden Informationen stets auf Frau Dijoux oder Frau Lechner zu hören. Der Stundenplan erscheint zunächst sehr voll, allerdings hat man viele Wahlmöglichkeiten: Man kann sich aussuchen, welche Fächer mit TD (Arbeitsgemeinschaft) belegt werden. Diese Fächer haben dann einen höheren Koeffizienten. Auch in der Arbeitsgemeinschaft muss man mitarbeiten: Es gibt mündliche Noten, schriftliche Noten in dem man Tests schreibt und eine weitere für die Bearbeitung eines Falls. Diese ergeben die TD-Note, die zusammen mit der Note der Endklausur der Vorlesung die endgültige Note bildet. Zusätzlich zu französischem Recht gibt es deutsche Vorlesungen, die ca. 4 Wochen dauern und mit einer schriftlichen Endklausur beendet werden. Davon gibt es pro Semester 4 Stück, einige können schon in Potsdam vorgemacht werden. Ausserdem gibt es einen Kurs zur mündlichen Übersetzung, zunächst konsekutiv und im zweiten Semester parallel. Dieser Kurs hat mich persönlich sehr gefordert und war sehr interessant. Dadurch erhält man die Möglichkeit nach dem Erhalt der Licence zum Goethe-Institut in Berlin zu gehen und sich ein Übersetzer- Zertifikat ausstellen zu lassen. Ein Computerkurs (C2i) muss auch besucht werden, dieser findet meist abends statt. Man erhält Aufgaben, die am Computer zu lösen sind: Man arbeitet mit Word, Excel und PowerPoint. Es ist am Anfang knifflig, das Programm auf Französisch zu verstehen, aber wer gerne mit Computern arbeitet wird sich dort schnell zurechtfinden. Der Kurs wird mit einer praktischen Prüfung am Computer und einem Multiple-Choice-Quiz abgeschlossen, das im Februar stattfindet.

Die Arbeitsatmosphäre ist anders als in Deutschland: Die Studenten gehen zu Vorlesungen um dort jedes Wort mitzutippen, das meist ohne Absatz. Der Professor redet und die Studenten versuchen jedes Wort mitzuschreiben. Es bleibt keine Zeit das Gesagte nachzuvollziehen, da die Professoren auch kaum Rücksicht darauf nehmen ob das Gesagte verstanden wurde oder nicht. Die Hörsäle haben meist keine Fenster, sodass es im Sommer sehr heiss und im Winter oft sehr kalt ist. Es gibt aber auch positive Ausnahmen: Die Professoren in Völkerrecht (Mme Chaumette und M. Latty) gestalteten ihre Vorlesungen einen Hauch lebendiger, da man in diesen Vorlesungen viel über geschichtliche oder aktuelle politische Ereignisse lernt. Viele Professoren antworten auch relativ zügig auf Mails und Nachfragen, so zum Beispiel M. Thibierge (RGO). Für die integrierten Studiengänge ist M. Fernandez zuständig. Er sitzt im ersten Stock in einem grossen Büro gleich am Fenster. Er hat uns dieses Jahr besonders bei den Nachprüfungen viel geholfen und ist sehr kompetent. Es ist aber besser mit ihm persönlich zu reden, denn auf Mails reagiert er eher nicht.

Die Notenvergebung ist um einiges strenger als in Potsdam: Dass man ausländischer Student ist, wird kaum in Rücksicht genommen. Das ist einerseits ganz gut, weil man wirklich gefordert wird, andererseits zögern die französischen Professoren auch nicht, einen durchfallen zu lassen. Ich hatte aber auch das Gefühl, dass viel vom Glück abhängt - ich hatte in einer Klausur exakt dasselbe geschrieben wie eine Kommilitonin, ich bestand, sie nicht. Auch in den Arbeitsgemeinschaften hängt die mündliche Note und die Bewertung des Vortrags von der Sympathie des AG-Leiters ab. Was ziemlich gut funktioniert ist den AG-Leitern zu zeigen, dass man sich für das Fach interessiert, indem man Nachfragen stellt. In den Prüfungen wird zum Grossteil theoretisches Wissen abgefragt, das Auswendiglernen des Skripts ist der Schlüssel zum Bestehen. Ich fand es schade, dass nur in wenigen Fächern eigenes Nachdenken gefragt war. Auch bestanden praktische Fälle eins zu eins aus Teilen des Skripts. In Deutschland geht es mehr darum, die Methodologie zu lernen, sodass in einer Endklausur auch Unbekanntes abgefragt werden kann, was eine logische Herangehensweise erfordert. In Frankreich ist es Auswendiglernen.

Wohnen und Leben

Ich fand meine Wohnung relativ schnell über die Facebook-Gruppe des Studiengangs. Dennoch gab es viele Probleme: Die ersten drei Wochen konnte ich nicht in der Wohnung sein, da noch Bauarbeiten durchgeführt wurden sollten. Während dieser Zeit lebte ich aus dem Koffer bei den Eltern des Freundes meiner Mitbewohnerin und später bei einem Freund meiner Mitbewohnerin. Dies war vor allem in der Anfangszeit, was viel Stress bedeutete. Später konnten wir zurück, allerdings war nur eine einzige Bauarbeit durchgeführt worden. Nur mit viel Überzeugungskunst konnten wir die Vermieterin überreden, die Wohnung wieder freizugeben.

Die Wohnungssituation in Frankreich ist komplett anders als in Deutschland: Bis auf die Studentenwohnheime sind alle Zimmer die ich gesehen habe alt, das bedeutet hellhörige Wände, schlecht schliessende Türen und Fenster, alte Böden sowie altmodische Bäder. Das was mich wirklich am meisten gestört hat war die Heizsituation: Mein Zimmer hatte ein schlecht isoliertes Fenster und lag an der Aussenmauer. Ausserdem „vergass‘ die Immobilienagentur uns die Schlüssel für den Hof zu geben, wo die Mülltonnen standen sodass wir immer schauen mussten wann sie rausgebracht wurden, um herunterzurennen und den Müll herauszubringen. Viele hatten Kummer mit ihrer Wohnsituation, sei es wegen dem Zimmer an sich, wegen Vermietern oder wegen Mitbewohnern. Am Besten schien mir das Wohnen in einem Studentenwohnheim und dazu rate ich auch, um Probleme zu vermeiden.

Ich habe mir die Carte ImagineR gekauft, was grosse Mobilität bedeutet: Man kann problemlos Bus und Bahn nutzen und der Preis war auch in Ordnung (ca. 400 Euro für 1 Jahr). Ich hatte kein französisches Konto oder Mobilfunktarif: Die Carte ImagineR habe ich per Scheck bezahlt und einer Freundin das Geld überwiesen, für meinen Handyvertrag habe ich monatlich einen Aufpreis von 15 Euro bezahlt um alles in Frankreich normal nutzen zu können. Ziemlich teuer ist das Essen in Frankreich: Ich hatte direkt vor meiner Tür den „Intermarché“. Dort lohnt sich die Kundenkarte, man kann Angebote per App herunterladen und sammelt Geld auf seiner Karte. Ich konnte dann ca. alle 3 Monate für 10 Euro umsonst einkaufen. Früchte und Gemüse sind dort sehr lecker und frisch, die Käsetheke ist auch immer ein Traum. Alkohol, verarbeitete Produkte (z.B. Saucen), Fleisch und Kosmetik sind sehr teuer. Ich hatte einen Vorrat an Duschgel, Shampoo und Deo mitgenommen, wenn man mit dem Auto kommt lohnt sich das. 100ml Duschgel kosten locker 2 Euro und so kann man noch ein bisschen sparen, um an anderer Stelle zu investieren, zum Beispiel in den Druckservice in Nanterre, der um einiges teurer ist als in Potsdam.

Ich habe mir zudem eine Carte Jeune bei der SNCF (Äquivalent zur Deutschen Bahn) gekauft für ca. 50 Euro und mehrmals Tagesausflüge mit der Bahn unternommen. Ich habe Le Havre, Mulhouse, Nancy und Colmar besucht, hin und zurück kostet die Fahrt dann um die 30 Euro. Die Züge fahren direkt von Paris zum Ziel und es dauert nicht lange. Das sind einige der besten Erinnerungen, die ich von meinen 2 Semestern in Paris mitnehmen werde. Ausserdem habe ich durch Facebook an einer Wochenendreise zum Mont Saint-Michel, Saint-Malo und Rennes teilgenommen, das hat 80 Euro gekostet. Die Veranstalter sind jung und kontaktfreudig, so lernt man viele andere Studenten oder Berufsanfänger kennen. Der Mont Saint-Michel ist sehr beeindruckend, und Saint-Malo ist eine wunderschöne Hafenstadt. Diese kleinen Wochenendreisen kann ich jedem nur ans Herz legen. Die Veranstalter heissen zum Beispiel „we love paris“.

Kultur und soziale Kontakte

Die Pariser Innenstadt ist wunderschön: Alte Gebäude, verschnörkelte Balkone und alte Strassenlaternen, der Duft von frischgemachten Croissants in den Strassen. Wenn man ausgeht, ist es anders als in Berlin: Man trifft sich eher in Bars oder Restaurants um den Abend ausklingen zu lassen. Richtig feiern gehen wie in Berlin ist relativ teuer, und da die Metro nicht die ganze Nacht lang fährt, muss man dann schon bis 5 Uhr morgens in der Stadt bleiben. Das ist selten drin, da das Lernpensum doch hoch ist. Wenn ich doch mal ausgegangen bin, war ich zum Beispiel auf der Gala von Nanterre vor dem Musée d‘Orsay, sie fand auf einem Schiff statt. Es war tatsächlich mehr Party als Gala, es war aber toll auf der Seine auf dem Partyboot zu tanzen. Ansonsten kann ich nur empfehlen, sich Pariser Restaurants anzusehen und dort das Essen zu probieren - himmlisch. Zum Beispiel gibt es die beste Zwiebelsuppe der Stadt in der Nähe vom Odéon, es lohnt sich mal vorbeizuschauen. Paris ist die Stadt der Liebe und des Essens, und das sollte man ausnutzen. Als „Luxusinvestition“ habe ich mir eine Jahreskarte für das Disneyland zugelegt. Mit einem Preis von 180 Euro schon sehr happig, lohnt es sich dennoch da ein Tagesticket für 2 Parks 90 Euro kostet. Wen man plant, mehr als zweimal hinzugehen ist es die Investition wert. Ausserdem gibt es oft Aktionen, bei denen man bis zu 5 Personen zu einem stark reduzierten Preis in beide Parks hereinbringen kann (dann nur noch 35 Euro pro Person). Hat man Besuch der sich dafür interessiert, lohnt sich die Investition - besonders die Achterbahnen machen viel Spass. Es ist einfach in den Vorlesungen (oder besser danach) französische Studenten kennenzulernen. Alle sind sehr offen und gerne zu einem Gespräch bereit. Besonders gut war es, dass die Studenten nach den Vorlesungen ihre Mitschriften bei Facebook hochgeladen haben, also würde ich empfehlen die entsprechende Jahrgangsgruppe zu finden und dort beizutreten. Auch für andere Infos wie Raumänderungen, Nachprüfungen oder administrative Angelegenheiten war die Gruppe sehr nützlich. Da man als kleine deutsche Gruppe in Nanterre ankommt, ist der erste Reflex oft in der Gruppe zu bleiben und es ist ja auch normal, dass man mit seinen Freunden zusammen die Stadt erkunden möchte. Ein Picknick vor dem Eiffelturm ist eben schöner in der Gruppe! Trotzdem sollte man mutig sein und Paris auch auf eigene Faust erkunden - ich bin oft an der Seine alleine spazieren gegangen, habe Museen besucht (freier Eintritt mit dem Personalausweis) oder habe einen kostenlosen Kochkurs in den Galeries Lafayette gemacht. Dort werden oft gratis Schnupperkurse zu den verschiedensten Themen angeboten - Sport, Mode, Technik oder Kochen.

Sprachfähigkeiten

Auf diesen Ausflügen habe ich auch Franzosen kennengelernt und ein bisschen geredet. Die älteren Franzosen sind sehr nett und reden gerne über Essen. Überhaupt ist Essen und seine Zubereitung das Thema, über das man mit fast jedem Franzosen reden kann. Auch im Cité Universitaire lernt man viele Studenten aus aller Welt kennen. Besonders toll war daran, dass dort alle mehrere Sprachen sprechen. Man wechselt also zwischen Französisch, Englisch und Deutsch hin und her. Dabei ist auch zu sagen, dass man grundsätzlich immer auf Französisch sprechen sollte. Englisch kommt nicht gut an, vor allem bei Kellnern oder Verkäufern kann es schon mal sein, dass die auf einmal recht unfreundlich werden wenn man ein Wort nicht weiss. Ich habe den Grossteil meiner Zeit auf Französisch gesprochen, da ich auch einen französischen Freund gefunden habe. Durch ihn habe ich andere Franzosen kennengelernt, seine Freunde und Familie. Es ist sehr interessant dadurch in die französische Kultur einzutauchen, denn wer hätte gedacht dass es ein Schweinesteak in Frankreich gar nicht gibt?

Mein Französisch ist wirklich viel besser geworden, bis auf sehr technische Gespräche über Autoteile zum Beispiel, kann ich wirklich fast alles verstehen und mich auch gut ausdrücken. Auf Sprachtests würde ich mich nicht zu sehr verlassen, worauf es ankommt ist, ob man sich mit den Franzosen vor seiner Nase spontan unterhalten kann. Ich habe schon öfters erlebt, dass Deutsche, die in den Prüfungen gut abgeschnitten haben, kein richtiges Wort rausbekamen wenn es drauf ankam. Vor allem in der Verwaltung der Bank, Bahn oder Uni sollte man schon ausdrücken können, warum man dort ist.

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Université Paris Ouest Nanterre La Défense

Gastland: Frankreich


Frankreich ist eine eigene kleine Welt. Es gibt Franzosen, die nur französisch sprechen und sich nur für Frankreich interessieren. Es hat mir Spass gemacht, in die französische Kultur einzutauchen und für eine Zeit dazuzugehören. Ich bin sehr dankbar für die Zeit in Paris, ich werde sie nie vergessen.

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