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Ein Semester in Montpellier

Schon zu Beginn meines Studiums stand für mich fest, dass ich auf jeden Fall ein Semester im Ausland studieren möchte. Unter Jurastudenten ist es nicht allzu verbreitet, ein Auslandssemester zu machen, deshalb habe ich mir überlegt, welches Fachsemester sich dafür am besten anbietet. Ich habe mich dann auf der Erasmus-Internetseite über das Angebot der Gastuniversitäten informiert und mich daraufhin an die zuständigen Lehrstühle gewendet. Es ist dringend zu empfehlen, dabei auf die Bewerbungsfristen zu achten, in der Regel muss man sich mindestens ein Jahr vorher mit der Bewerbung befassen. Für die Universität in Montpellier gab es nur zwei Plätze zu vergeben, allerdings ist die Nachfrage im Studiengang Rechtswissenschaften nicht sonderlich groß. Nachdem ich das Bewerberformular abgegeben hatte, erfolgte die Kontaktaufnahme mit der Uni in Montpellier über den in Potsdam zuständigen Lehrstuhl. Es wird einem dann auch genau mitgeteilt, welche Unterlagen eingereicht werden müssen. Das wichtigste bei den Bewerbungsunterlagen war der Nachweis über ein B2-Sprachniveau, das die Universität Montpellier für ausländische Studenten voraussetzt.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 04/2017

Gastuniversität: Université de Montpellier I

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Ich hatte mich dafür entschieden, im 8. Semester nach der Schwerpunktbereichsprüfung und scheinfrei nach Frankreich zu gehen. Somit war ich in der Wahl der Veranstaltungen in Montpellier relativ frei. Ich wollte allerdings die 18 ETCS in den außerjuristischen Profilfächern für den integrierten Bachelorstudiengang während dieses Semesters belegen, so dass ich die Kurswahl mit der Bachelorbeauftragen Anne Voigt abgestimmt habe. Das gesamte Veranstaltungsangebot der Fakultät für das aktuelle Semester findet man online. in der Regel kann man sich daran auch für die Kursauswahl für die kommenden Semester orientieren. Letztendlich hatte ich dann zwei Vorlesungen à 3 Stunden und drei 2-stündige Veranstaltungen. Alle Vorlesungen sehen am Semesterende für die ausländischen Studierenden eine 10-minütige mündliche Abschlussprüfung vor und für jeden bestandenen Kurs erhält man 6 ETCS. Da Erasmusstudenten keine TDs (travaux dirigés) belegen dürfen, handelt es sich bei den Veranstaltungen ausschließlich um Vorlesungen. In Frankreich besteht eine Vorlesung aus einem zwei- oder dreistündigem Monolog des Professoren, von dem die französischen Studenten Wort für Wort auf dem Computer mittippen. Niemand hat ein Gesetz dabei, die wichtigsten Normen werden diktiert. Daran musste ich mich erst gewöhnen.

Insgesamt werden in der Vorlesung keine Fälle behandelt, sondern vielmehr werden Fakten und Theorie vermittelt. Zu Beginn erscheint es fast unmöglich, der Vorlesung zu folgen, alles zu verstehen und zugleich Notizen zu machen. Deshalb ist es überaus empfehlenswert, einen französischen Studenten nach seinen Aufzeichnungen zu fragen. Auch wenn einige diese nicht besonders gerne herausrücken mögen, wenn man deutlich macht, dass man ‚hors compétition’ ist und mit einem freundlichen Lächeln findet sich immer jemand! Außerdem kann es hilfreich sein, wenn man sich direkt zu Beginn bei dem Professoren kurz als Erasmusstudent vorstellt, schließlich prüft derjenige einen am Ende.

Im französischen Notensystem gibt es 0-20 Punkte, wobei 10 Punkte zum Bestehen einer Prüfung erforderlich sind. In der mündlichen Abschlussprüfung werden einem Fragen zum Inhalt der Vorlesung gestellt,  auf die man (meist ohne Vorbereitungszeit, je nach Professor) in einem kurzen Vortrag antwortet. Das heißt: auswendig lernen, auswendig lernen, auswendig lernen. Wenn das bei der Fülle an Stoff auch unmöglich erscheint, wenn man einigermaßen gut vorbereitet in die Prüfung geht, haben die Professoren auch kein Interesse daran, ausländische Studenten durchfallen zu lassen. Bei der Prüfung kommt es auf das Gesamtverständnis der Materie an. Hauptsache man zeigt, dass man der Vorlesung gefolgt  und den generellen Inhalt verstanden hat.

In das BRI (Bureau des relations internationales) geht man direkt am ersten Tag nach der Ankunft, um alles Organisatorische erklärt zu bekommen. Während des gesamten Semesters kann man sich mit all seinen Fragen persönlich (in Frankreich immer die Öffnungszeiten beachten!) oder per E-Mail an die Mitarbeiter wenden. Die juristische Fakultät liegt in der wunderschönen Altstadt von Montpellier nahe der Kathedrale und hat damit eine super Lage. Die zwei Gebäude, in denen die Vorlesungen stattfinden und wo es auch eine Cafeteria gibt, liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt. Die große Bibliothek liegt am Campus Richter, direkt am Fluss und ist mit dem Rad oder der Tram gut vom Zentrum aus zu erreichen. Unter der Woche ist die Bibliothek von 8:00 bis 19:00, am Samstag von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet und sonntags geschlossen.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Es gibt am Freitag vor Semesterstart ein Willkommenstreffen vom BRI für die ausländischen Studierenden. Leider kam die Einladung dafür erst sehr spät, ich hatte meinen Flug schon gebucht und konnte leider nicht teilnehmen. Es ist also zu empfehlen, ein paar Tage vor Semesterbeginn anzureisen, um beim ersten Treffen dabei zu sein und so ganz leicht die anderen Erasmusstudenten zu treffen. Ich habe einige von den Erasmusstudenten dann in der ersten Woche bei den Vorlesungen oder im Wohnheim kennengelernt. Darüberhinaus gibt es ein breites Angebot vom ESN, auf der Facebookseite finden sich immer die anstehenden Veranstaltungen. Wesentlich schwerer ist es, einheimische Studierende kennenzulernen. Leider ist das Interesse der französischen Studenten nicht sonderlich groß, Kontakt zu ausländischen Studenten aufzubauen. Wenn man sie in den Vorlesungen anspricht, bieten einige gerne ihre Hilfe an, über die Uni hinaus kommen da aber so gut wie keine Treffen zustande. Etwas anderes könnte sich über den Uni-Sport ergeben, aber auch da bleibt der Kontakt mit den französischen Studenten meist auf einen kurzen Gesprächsaustausch begrenzt. Ich habe meine französischen Freunde alle mehr oder weniger durch Zufall (Abschiedsabende von anderen Studenten etc.) oder im Wohnheim kennengelernt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich hatte in der Schule fünf Jahre Französischunterricht und habe nach dem Abitur ein halbes Jahr in Paris gelebt. Im dritten Semester habe ich dann an der Uni Potsdam einen Französischkurs belegt, um meine Sprachkenntnisse aufzufrischen. Am Ende habe ich dort das Unicert B2 Niveau bescheinigt bekommen, was für die Bewerbung dann sehr praktisch war. Natürlich erscheint es innerhalb der ersten Wochen schwierig, die gesamte Vorlesung zu verstehen, geschweige denn brauchbare Notizen anzufertigen, aber das bessert sich dann im Laufe des Semesters, also bloß nicht zu Beginn verzweifeln! In Montpellier gibt es eine Reihe an Sprachschulen, die Kurse für ausländische Studenten anbieten. Über das BRI kann man sich für einen kostenlosen FLE-Sprachkurs anmelden. Dieser umfasst einmal die Woche abends zwei Stunden Sprachkurs und am Ende muss auch eine Prüfung abgelegt werden. Allzu hohe Erwartungen darf man an den Kurs nicht haben, aber ich fand es eine nette Begleitung zu der Sprachpraxis im Alltag. Außerdem trifft man dort natürlich auch wieder auf Studenten aus der ganzen Welt. Nach dem halben Jahr in Montpellier hat sich mein Französisch auf jeden Fall noch einmal gebessert, insbesondere natürlich was das (juristische) Fachvokabular angeht.

Wohn-  und Lebenssituation

Ich habe in der Cité Universitaire Boutonnet gewohnt. Das Bewerbungsformular dafür habe ich direkt zusammen mit den sonstigen Unterlagen für die Universität in Montpellier eingereicht. Die Zimmervergabe für ausländische Studenten erfolgt jeweils über die Fakultät, die ein bestimmtes Kontingent an Zimmern in den Wohnheimen für ihre Auslandsstudenten reserviert. Mit dem Wohnheim Boutonnet habe ich meine Erstwahl bekommen, aus Berichten anderer Studenten weiß ich aber, dass es zum Wintersemester hin schwieriger sein kann, einen Platz zu bekommen. Die juristische Fakultät vergibt in Boutonnet ausschließlich Zimmer (und keine Studios). Ein Zimmer ist 9m² groß. Die verschiedenen Gebäude in Boutonnet unterscheiden sich nach ihrem Modernisierungsstand, wobei man bei der Bewerbung keinen Einfluss darauf hat, in welchem Gebäude man untergebracht wird. Mein Zimmer hatte eine integrierte Duschkabine (es war mir wichtig, ein eigenes Bad zu haben, diese Option kann man bei der Bewerbung angeben). Auf jedem Flur befindet sich eine Gemeinschaftsküche, die allerdings nur sehr notdürftig – 2x2 Herdplatten und 2 Waschbecken, Tisch und Stuhl – ausgestattet sind. Im Zimmer stehen ein Kühlschrank, Tisch, Stuhl, Bett, Schrank und Regale (Stauraum gibt es wirklich ausreichend). Damit ist das Zimmer dann auch voll, aber ein halbes Jahr kann man dort wirklich gut leben! Die Miete für mein Zimmer betrug 244€ pro Monat, wobei der Preis je nach Gebäude leicht variiert.

Die Altstadt von Montpellier kann man gut zu Fuß durchlaufen. Von Boutonnet läuft man etwa 15-20 Minuten ins Zentrum. Allerdings bietet es sich in Montpellier sehr an, ein Rad zu haben, so spart man auch viel Zeit! Ich habe mir über die Seite https://www.leboncoin.fr/ein Rad gekauft und kann dies wirklich jedem nur ans Herz legen!! Zum einen für den Alltag in der Stadt, zum anderen, um die wunderbare Radtour zum Strand in Palavas zu machen. In Montpellier gibt es auch vier Tramlinien. Zu Beginn ist es zum Beispiel praktisch, mit der Linie 1 bis Odysseum zu IKEA zu fahren, vor allem im Frühling und Sommer braucht man die Tram im Alltag allerdings nicht wirklich. Ein Monatsticket kostet zwischen 25 und 30€. Für gelegentliche Einzelfahrten bietet es sich an, ein Carnet mit 10 Tickets für 10€ zu kaufen. Eine Auslandskrankenversicherung habe ich über meine deutsche Krankenversicherung abgeschlossen. Für das Wohnheim ist es allerdings erforderlich, vor Ort eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Die Broschüren der französischen Versicherungsunternehmen bekommt man im Wohnheim. Für eine ganz einfache, klassische Versicherung für ein Jahr habe ich um die 30€ bezahlt. Insgesamt ist das Leben in Frankreich spürbar teurer als in Deutschland. Wie überall gilt aber auch hier, dass es sehr vom Einzelnen abhängig ist, welche Produkte man kauft und wie viel ‚Luxus’ man sich leistet. Neben den klassischen französischen Supermärkten gibt es in Montpellier beispielsweise auch Lidl und Aldi. Das große Angebot an Märkten, Reisen und Ausflüge in die Umgebung verleiten allerdings sehr zum Geldausgeben. Vor Freizeitangeboten kann man sich in Montpellier kaum retten. Sport, Chor, Theater, Tanz ... da ist für jeden etwas dabei. Ich habe mich zu Semesterbeginn für den Uni-Sport angemeldet. Es werden zahlreiche Kurse angeboten, allerdings finden diese überwiegend tagsüber statt. Das war mir vorher nicht so ganz klar und hat sich dann häufig mit meinem Stundenplan überschnitten. Zudem wurde auch im Wohnheim ein Sportprogramm angeboten. Montpellier hat im modernen Stadtteil Antigone ein richtig gutes Schwimmbad und es lässt sich auch ausgezeichnet entlang des Flusses (le Lez) joggen.

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 04/2017

Gastuniversität: Université de Montpellier I

Gastland: Frankreich


Rückblick und sonstige Hinweise

Aufgrund der Überschneidung mit dem Wintersemester in Deutschland musste ich im Februar zurück nach Berlin bzw. Potsdam fliegen, um die Schwerpunktklausur zu schreiben. Das hat lange im Vorhinein einen höheren Arbeitsaufwand und viel Stress bedeutet, nun bin ich aber unheimlich froh, dass ich mich davon nicht habe abschrecken lassen. Die ganze Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt! Montpellier ist eine wunderbare Stadt und ich kann jedem nur empfehlen, dort für ein Semester zu studieren! Mit vielen kleinen Plätzen, Cafés und Märkten kann man perfekt in das französische Leben eintauchen und dazu lernt man viele neue Menschen kennen. Außerdem eignet sich Montpellier als idealer Ausgangspunkt für Ausflüge und Reisen in die Umgebung. Dafür macht sich die Carte jeune dann auch sehr bezahlt, die man bis zum 25. Lebensjahr für 50€ bei der Bahn (SNCF) kaufen kann und mit der man immer Rabatte auf die Bahntickets bekommt.  

Sowohl generell zum Erasmusjahrgang in Montpellier und Veranstaltungen in der Stadt als auch zum Wohnheim und den einzelnen Lehrveranstaltungen – für fast alles gibt es eine Facebookgruppe – danach zu suchen kann beim Kontakteknüpfen helfen und außerdem für die Lebensgestaltung (insbesondere in den ersten Wochen) sehr wertvoll sein. Um Haushalts- und Küchenutensilien muss sich jeder Wohnheimbewohner selbst kümmern. Also direkt zu Ikea fahren oder aber schon im vorhinein bei Facebook gucken, ob jemand aus dem Wohnheim sein ‚Haushaltsset’ verkauft. Ganz neu wurde in Boutonnet auch ein Laden eingerichtet, in dem ehemalige Bewohner ihre Haushaltsgegenstände abgeben und Neuankömmlinge diese dann für die Dauer des Aufenthalts ausleihen können. Eine prima Sache, die für mich leider zu spät kam.

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