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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Bordeaux

Die Vorbereitung zum Erasmusaufenthalt verlief relativ schnell und unkompliziert. Mit der Abgabe des Lebenslaufs und des Motivationsschreibens hatte ich Glück, meinen Erstwunsch zugesagt zu bekommen. Das International Office der Sciences Po Bordeaux benötigte vorab wenige Dokumente für die Erstellung des Studentenausweises und war immer verfügbar und offen für Fragen. Zudem gab es relativ früh Empfehlungen für studentische Unterkünfte in Wohnheimen innerhalb und außerhalb Bordeuax zu verschiedenen Preisen.  Die Kurse für das kommende Semester an der Sciences Po Bordeaux standen bereits fest, sodass ich einen guten Einblick auf der Homepage der Gastuniversität bekam. Im Großen und Ganzen ist die Homepage sehr klar gegliedert und verfügt über eine gut strukturierte Übersicht der Austauschprogramme innerhalb des Erasmus-Programms.


Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 05/2017

Gastuniversität: Sciences Po Bordeaux

Gastland: Frankreich

Der Alltag an der Gasthochschule

Es gibt an der Hochschule die Möglichkeit englische Kurse zu belegen sowie französische Veranstaltungen im Rahmen des „English Track“ oder „French Track“ Programms (für Studierende, die ein oder zwei Semester bleiben) zu besuchen. Studierenden, die vorhaben zwei Semester an der Sciences Po zu bleiben, lege ich das Certificat d’Études Politiques nahe, das ein B2-Niveau an Französisch durch einen gesonderten Einstufungstest, nach der Ankunft in Bordeaux voraussetzt. Dabei sollte man immer motiviert sein, Herausforderungen anzunehmen und sich keine Sorgen darüber machen, dass die Französischkurse zu schwer sind, da die Bewertung für Erasmusstudierende sehr entgegenkommend ist. Zudem sind die Klausurtermine anders, als die der französischen Studierenden und die Klausurfragen sehr allgemein gestellt. Die Vorlesungen werden in sehr traditioneller Art und Weise gehalten, was bedeutet, dass der Dozent keine PowerPoint-Folien nutzt und es auch keine anderen Visualisierungen gibt. Der Professor liest sein Skript runter, während die französischen Studierenden simultan in ihre Laptops jedes Wort notieren. Hier ist es zu empfehlen, am Ende des Semesters die französischen Studierenden nach ihrem Skript zu Fragen, falls man dem Frontalunterricht nicht immer folgen konnte. Am besten ist es, sich über das Buddy-Programm jemanden zu suchen der Aufsätze korrigieren, oder eigene Aufzeichnungen verbessern kann. Das Studium an der Sciences Po Bordeaux unterscheidet sich sehr von dem, der Universität Potsdam. Die Sciences Po Hochschulen in Frankreich bilden die Verwaltungseliten von morgen aus und werden in Deutschland als vergleichsweise exklusiv betrachtet. Nach einem sehr schwierigen Einstufungstest schaffen es nur rund sechs Prozent der Franzosen nach dem Baccélauréat oder Bac (Abitur) angenommen zu werden. Natürlich ist Sciences Po Paris die begehrteste von allen acht Sciences Po Hochschulen in Frankreich. Danach bezeichnet Bordeaux sich als die zweitplatzierte in Frankreich, vor allem durch die internationale Ausrichtung des Studiums. So müssen die Franzosen im zweiten Studienjahr obligatorisch ein Auslandssemeter absolvieren und eine weitere Fremdsprache lernen. Trotzdem sind die durchschnittlichen Studenten sehr viel jünger als in Deutschland, da sie mit 17 Jahren das Studium beginnen. Hinzu kommt, dass mir die französischen Studierenden vergleichsweise unselbstständiger erschienen. Vermutlich mag es damit zusammenhängen, dass eine Vielzahl der deutschen Abiturienten nach dem Schulabschluss ein sogenanntes Gap Year verbringt, eine Weltreise, ein FSJ oder ein ÖFJ. Die Sciences Po in Bordeaux hat nur rund 2000 Studierende und wirkt vermeintlich wie ein großes Gymnasium. Man sieht zwar täglich dieselben Leute, was aber auch von Vorteil sein kann, da es so leichter fällt, Kontakte zu knüpfen.

Kontakt zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Ich war sehr vom inneruniversitären Engagement der französischen Studierenden an der Sciences Po begeistert, was das Mitwirken in Assoziationen betrifft, wie z.B. die Association Oenologique, MUN (Model United Nations), Eurofeel (Rollenspiel des EU-Palaments) oder Erasmix. Außerdem gibt es verschiedene uniinterne Fußballmannschaften, in der man mit wöchentlichem Training und Turnieren sehr schnell Kontakt zu Franzosen findet und die Sprachkenntnisse verbessert. Zudem gab es hin und wieder „soirées“ zu denen ich eingeladen wurde und bei denen man sich zusätzlich auch näher kennenlernen konnte. Ich rate euch jedoch, um wirklich Franzosen kennenzulernen, nicht in Erasmus-Gruppen zu versinken. Bei der Sciences Po Bordeaux gibt es sehr viele Studierende, die im zweiten Studienjahr nach Deutschland gehen. Von daher gab es eine Facebook-Gruppe zwischen Deutschen und Franzosen, die in Deutschland waren, um abwechselnd auf Deutsch oder Französisch zu sprechen.  Selbst mit den anderen Erasmus-Studierenden, mit denen ich zu tun hatte, hatten wir immer Französisch gesprochen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Erasmus-Aufenthalt hatte ich einen UniCert 2 Kurs belegt, um mich perfekt auf das Auslandssemster vorzubereiten. Ich war damals auf einem B1/B2 Niveau und konnte mich in Bordeaux schon gut verständigen, wobei technische Begriffe und die französische Umgangssprache jedoch noch etwas schwer verständlich waren. Das Certificat d’Études Politiques verhalf mir weiterhin meine Sprachkenntnisse im mündlichen und schriftlichen zu verbessern. Zusätzlich hilft es einfach, mit anderen Erasmus-Studierenden oder Franzosen konsequent kein Englisch zu sprechen, sondern sich ausschließlich auf Französisch zu unterhalten. Ich hatte von September 2016 bis Mai 2017 nur französischsprachige Kurse belegt, die vom Niveau her zwar leicht zu bewältigen, jedoch von der Lernquantität vergleichsweise aufwendig waren. Ich kann nur jedem empfehlen, ausschließlich französischsprachige Kurse zu belegen und vor allem zwei Semester zu bleiben. Viele Erasmus-Studierende, die nur ein Semester blieben, hatten Schwierigkeiten Kontakte zu knüpfen oder konnten ihr Französisch kaum verbessern. Ein Praktikum kann man im Anschluss immer noch machen, dazu sollte man aber das bestmögliche Sprachniveau vorweisen können, was nur durch einen längeren Aufenthalt funktioniert. Schließlich bekommt man als Studierender den Aufenthalt in Frankreich durch den DAAD und Erasmus+ gefördert . Am Ende der acht Monate hatte ich kaum noch Schwierigkeiten einer Vorlesung zu folgen und das Verfassen eigener französischer Texte wurde allmählich immer leichter und flüssiger.

Wohn-  und Lebenssituation

Die schwierigste Aufgabe war mit Abstand die Wohnungssuche Anfang September 2016 in Bordeaux. Nachdem ich und mein Kommilitone einige Tage ein Airbnb gemietet hatten und tagelang über Leboncoin.fr und lacartedescolocs.fr Vermieter, Agenturen und andere Studenten erfolglos kontaktiert hatten, mussten wir den Traum einer gemeinsamen WG mit Franzosen leider begraben. Glücklicherweise bot die Sciences Po Bordeaux noch freie Zimmer im Studentenwohnheim in Pessac an. Ich hatte anfänglich ein 9 Quadratmeter großes Zimmer in Village 3 bei der Tramhaltestelle „Unitec“, eine Station von der Uni entfernt „Montaigne-Montesquieu.“ Das Zimmer war renoviert, hatte WLAN, eine Dusche, ein Bett und einen Schreibtisch. Für 250 Euro im Monat konnte man hier viel Geld sparen, da man normalerweise Wohngeld in Höhe von 90 bis 150 Euro vom französischen Staat als „CAF“ bekommt. Zusammen mit meinem Kommilitonen mussten wir uns diese 9 qm für einen Monat auf engstem Raum teilen, da wir zu spät mit der Wohnungssuche begonnen hatten. Zum Glück kannte aber ich eine Französin aus Deutschland, die ebenfalls ihren Master in Bordeaux begann und so konnte ich mit ihr wenig später eine Wohnung im sehr schönen Chartons-Viertel, nördlich vom Zentrum „Quinconces“ beziehen. Es war eine 60 qm große Altbauwohnung für 430 Euro im Monat. Die Studentenviertel „St Michel“, Victoire/Marché des Capucins und Cours de la Marne haben die günstigsten Mietpreise (zwischen 330 bis 400 Euro im Schnitt). Aber auch hier nochmal von mir der Hinweis, falls ihr nicht im Studentenwohnheim unterkommen wollt, bemüht euch frühzeitig um eine gute Unterkunft. Im Studentenviertel gibt es viele Vermieter, die auf Anfrage auch gerne an internationale Studierende vermieten. Agenturen und Franzosen vermieten meistens aus rechtlichen Gründen eher an Franzosen. Man muss schließlich einen Bürgen vorweisen können, um einen Mietvertrag unterschreiben zu können. Wer früh sucht findet wirklich schnell was, vor allem ab Mai/Juni, wenn die meisten Studierenden wieder ausziehen und Bordeaux verlassen. Stellt euch aber auch auf einige wohnungstechnische Probleme ein. So gab es in meiner Wohnung beispielsweise an manchen Tagen keinen Strom oder warmes Wasser. Außerdem ist Bordeaux ist voll von Studierenden und es gibt viele Vermieter, die deshalb die Preise in die Höhe steigen lassen. Die Altstadt von Bordeaux ist aber traumhaft schön. Die klassizistischen Sandsteinbauten beeindrucken von Anfang an. Das Wetter war eigentlich immer sehr schön, sodass wir von September bis Oktober immer zwischen 25 bis 30 Grad hatten. Ab März schien bis Ende Mai konstant die Sonne und erschwerte das Lernen, da man immer motiviert war an den Atlantik zu fahren. Die Hauptattraktion ist ungeschlagener Weise die „Dune du Pilat.“ Europas höchste Düne mit 114 m. Diese kann man mit dem ÖPNV besichtigen. Man muss den Zug von Gare St Jean bis in die Bucht von „Arcachon“ nehmen und dann in den Bus umsteigen, der jede Stunde einmal fährt. Die Carte Jeune (ähnlich der Bahncard 25) kann man als Studierender für 50 Euro bei dem Gare St Jean für ein Jahr günstig erwerben. Sie ist für Ausflüge innerhalb Frankreichs wirklich lohnenswert. Ein schönes Reiseziel ist auch St. Émilion, die Weinregion und UNESO-Kulturwelterbe, was 30 Minuten von Bordeaux entfernt ist. Von Bordeaux aus fährt man mit dem Zug für 6 Euro hin. Für Ausflüge nach Spanien bieten sich Ryanair, Easyjet, Flixbus und Ouibus in Bordeaux an. Man muss auch unbedingt Toulouse gesehen haben, das „la ville en Rose“ des Südens. Innerhalb Bordeaux sollte man gleich von Anfang an die Monatskarte der TBM (Transport de Bordeaux) und ein Vécub-Abonnement für die Citybikes kaufen. Nach 1 Uhr nachts fahren die Bahnen und Busse innerhalb der Woche nicht mehr, also sind die Citybikes eine perfekte Lösung. Das Abonnement macht man mit der TBM Monatskarte Online über die Vcub-Webseite (https://www.vcub.fr/). Was die finanzielle Versorgung vor Ort angeht, kann ich die Bank BNP Paribas empfehlen, eine Bank mit sehr gutem Service. Mit einer Visakarte der BNP Paribas kann man europaweit kostenlos abheben, ohne Gebühren zu zahlen. Viele Internetbuchungen können nur mit Französischen „Cartebleue“ gemacht werden, also sollte man gleich im September, nach der Ankunft sofort einen Termin machen, um ein Konto zu eröffnen. Vor allem bei Ouibus, Blablacar und Ryanair muss man mit der französischen Visakarte Zahlungen tätigen. Was die Lebenshaltungskosten  und die Lebensmittelpreise generell angeht, so sind diese wesentlich höher als in Deutschland, sodass es sich empfiehlt, viel zu Hause zu kochen. Beim Ausgehen sind auch eher Hauspartys zu empfehlen, da ein Bier in einer Bar im Schnitt 5,50 Euro kosten kann.

Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 05/2017

Gastuniversität: Sciences Po Bordeaux

Gastland: Frankreich


Rückblick

Am Ende meines Aufenthalts kann ich nur positiv zurückblicken und sagen, dass Bordeaux eine sehr gute Entscheidung war. Bordeaux ist nicht wie Paris, eine sehr große oder internationale Stadt, aber eine durchaus lebenswertere Stadt im schönen Südwesten Frankreichs. Man lernt sehr schnell Französisch, da kaum Bordelais Englisch sprechen und man von der Ankunft an gezwungen ist, Französisch zu lernen. Ich war zwar mehrmals in Paris und liebe die Stadt wegen ihrer Angebote und Historie. Aber aufgrund der hohen Preise und Überdimensionalität der Stadt, bietet Bordeaux eine weitaus höhere Lebensqualität. Obwohl Bordeaux, anders als Paris oder Berlin, eine kleine Studentenstadt ist, ist sie aufgrund des lebendigen Nachtlebens und den vielen Freizeitangeboten in der Region keinesfalls langweilig. Zwar findet man nicht dasselbe alternative Hipsterklima wie in Berlin, aber es gibt viele Klubs und Bars, die sehr viel zu bieten haben, auch über ein Jahr hinweg. Ich habe durch die Assoziationen, die Fußballmannschaft und die Erasmus-Community viele neue und interessante Leute kennengelernt. Dabei musste ich auch stets proaktiv bleiben und immer neugierig sein, neue Bekanntschaften zu machen. Auch akademisch gesehen war Sciences Po Bordeaux durch die Größe ein guter Ort, um zu studieren und mein Französisch zu verbessern. Ich werde die Stadt und die Leute auf jeden Fall sehr vermissen und kann nur empfehlen, für ein Jahr nach Bordeaux zu gehen und einfach eine tolle Zeit zu haben.

 

 

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