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Mein Auslandssemester in Jyväskylä

Ganz in diesem Sinne entschied ich mich innerhalb des Studiums ein Auslandssemester zu absolvieren, denn von allen, die ein Auslandssemester speziell über das ERASMUS-Programm absolviert hatten, hörte ich nur Positives. Dies sollte sich auch bei mir bestätigen. Zunächst kurz zu meiner Person. Ich studiere Geographie und Mathematik im Lehramt Gymnasium an der Universität Potsdam. Mein Auslandssemester war mein erstes Mastersemester nach einem 6-semestrigen Bachelor. Das offizielle Auslandssemester ging von Anfang September bis 21. Dezember 2013. Ich habe aber bereits ab 5. August an einem vierwöchigen Finnischsprachkurs an der Gastuniversität Jyväskylä teilgenommen.


Studienfach: Geographie und Mathematik im Lehramt Gymnasium

Aufenthaltsdauer: 09/2013 - 12/2013

Gastuniversität: University of Jyväskylä

Gastland: Finnland

Die Vorbereitung startete etwa ein Jahr im Vorfeld, aufgrund verschiedener Fristen. Zunächst standen die Auswahl des gewünschten Landes und die Bewerbung darauf an. Zum allgemeinen Ablauf für ein Erasmus-Semester bietet das AAA viele hilfreiche Informationen und eine kompetente Beratung. Die Bewerbung auf einen Platz an einer „Partneruni“ (Liste der Partnerunis abhängig vom Institut, online einsehbar) lief dann über den ERASMUS-Koordinator im jeweiligen Institut. Nach positiver Zusage bewarb ich mich dann online bei der Partneruniversität, in meinem Fall University of Jyväskylä. An der University of Jyväskylä erhält man für das Bewerbungsverfahren einen Online-Account, wodurch die einzelnen Schritte der Bewerbung einfach und transparent dargestellt sind. Die Unterlagen für die Gastuniversität sind dabei in der Regel einfach einzuscannen und hochzuladen. Die Kontaktaufnahme der Gastuniversität per E-Mail bei jeglichen Fragen lief problemlos.

Insgesamt nimmt die Vorbereitung hier und da einige Zeit in Anspruch, hält sich aber im Großen und Ganzen im Rahmen.

Mein Eindruck war, dass das Studium an der Gastuniversität ruhiger ablief als an der Heimatuni. Natürlich hängt das immer auch von den persönlichen Motiven ab, die man an das Studium innerhalb eines Erasmussemesters stellt. Ich entschied mich, dieses Semester nicht in meinen normalen Studienplan zu integrieren, sondern es sozusagen zusätzlich zu machen. Daher wählte ich in der Regel nur Kurse, die mich interessierten und brach auch Kurse ab, wenn ich sie für mich als nicht sinnvoll empfand. ERASMUS verlangt im Vorfeld ein sogenanntes Learning Agreement abzuschließen, ein Abkommen über die Kurse, die man absolvieren möchte. Dieses Abkommen schließt man aber auf der Grundlage des Vorlesungsverzeichnisses des vorangegangen Semesters ab, sodass sich dort meist Änderungen ergeben. Ich denke, es ist sinnvoll, sich im Vorfeld Gedanken über seine Studienmotive zu machen und dann alles Konkrete erst vor Ort zu regeln. Die Lehrenden an der Universität Jyväskylä sind sehr freundlich und hilfsbereit. Das Studienklima ist sehr locker, sowohl unter den Studierenden als auch die Beziehung zu den Lehrenden, die man alle duzt. Die Betreuung insgesamt ist unter anderem durch die Lehrenden, das International Office und ein Tutorenprogramm sehr gut.

Mein Eindruck war, dass die Leistungsanforderungen im Durchschnitt niedriger waren als die an meiner Heimatuniversität. So verlangte man in vielen Veranstaltungen lediglich ein sogenanntes Learning Diary, in dem man über jede Sitzung einer Veranstaltung schreibt, was man so gelernt hat, welche Aspekte interessant waren usw. Dieses Learning Diary wurde dann bewertet. Die Kurse liefen auch nicht über das ganze Semester, sondern waren oft kürzer, so hatte ich einige Veranstaltungen nur vier Sitzungen, andere nur sechs. Die technische Ausstattung der Uni ist gut. Sie bietet eine große Bibliothek mit vielen Computerarbeitsplätzen. Die Organisation der Veranstaltungen läuft über ein leicht bedienbares Onlinesystem.

Kritisch ist die Auswahl der englischsprachigen Veranstaltungen. In der Mathematik gab es nur zwei englischsprachige Veranstaltungen und auch in anderen Studienbereichen ist die Auswahl der englischsprachigen Veranstaltungen nicht riesig. Die über das Learning Agreement angestrebten 30 Credits nur in seinem Studienfach zu absolvieren, fällt dadurch schwer, aber es bietet sich zum Beispiel an einen Sprachkurs oder Veranstaltungen speziell für ERASMUS-Studenten über Finnland zu besuchen.

Ein paar Worte zum Thema Sprache. Ich selbst hatte ein wenig Befürchtung, ob meine nicht gerade guten Englischkenntnisse ausreichen, um sowohl im Alltag aber gerade auch in der Uni die Erwartungen zu erfüllen. Im Nachhinein muss ich klar sagen: No problem! Und ich würde behaupten, jeder deutsche Abiturient hat ausreichende Englischkenntnisse, um im Ausland klar zu kommen. Der Smalltalk mit anderen ERASMUS-Studierenden stellt überhaupt kein Problem dar und in den Veranstaltungen muss man sich einfach trauen, auch wenn es dann mal falsch ist. Beim Lesen und Schreiben von englischen Texten braucht man mehr Zeit, aber im Endeffekt verbessert man seine Englischfähigkeiten dadurch nur. Im Alltag kommt man in Finnland sehr gut mit Englisch durch, weil fast jeder in Finnland Englisch versteht und sprechen kann.

Ich enstschied mich im Vorfeld des Semesters einen Finnischsprachkurs an der Gastuniversität zu absolvieren. Diesen kann ich nur jedem empfehlen. Einerseits lernte ich auf angenehme weiße die Sprache meines Gastlandes und außerdem lernte ich gleich von Anfang an ziemlich leicht viele andere Erasmusstudierende kennen. Diese Kontaktaufnahme war rückblickend betrachtet der gewinnbringenste Effekt des Sprachkurses und ist deshalb nur jedem zu empfehlen. Mit vielen dieser Leute verbrachte man das gesamte Semester und es entstanden viele Freundschaften. Schwieriger war es, wie häufig im ERASMUS-Semester, Kontakte zu einheimischen Studierenden zu bekommen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Mit den anderen Erasmus-Studenten befindet man sich in der gleichen Lebenssituation, in meinem Fall lebten wir Erasmusstudenten alle in der gleichen Anlagen vom Studentenwohnheim und die Finnen haben eine eher distanziertere aber dennoch sehr freundliche Mentalität. Die Kontakte zu den Finnen begrenzten sich daher bei vielen auf den Tutor, die Lehrenden oder Bekanntschaften z.B. aus Sportkursen oder Ähnlichem.

Die Suche nach einer Wohnung gestaltete sich ziemlich leicht, denn innerhalb des Onlineformulars für die Bewerbung an der University of Jyväskylä kann man zwischen zwei Wohnheimanlagen (Kortephoja und KOAS) auswählen. KOAS ist sozusagen unser Studentenwerk und vermietet für ERASMUS-Studierende die Zimmer in der Wohnheimanlage Roninmäki. Die Mehrzahl der ERASMUS-Studierenden, die den Sommersprachkurs im August mitgemacht haben, war in 2-3 WG-Zimmer in Roninmäki untergebracht. Die Gebäude sind etwas älter, aber alle gut gepflegt, sauber und möbeliert. In jedem Wohnheim gibt es eine Sauna, die zu bestimmten Zeiten kostenfrei nutzbar ist. Roninmäki liegt auch wie die Wohnheimanlage Kortephoja etwas am Rande der Stadt (3-4km), aber mit dem Fahrrad und Bus ist alles sehr gut erreichbar. Sich frühzeitig ein Fahrrad, das Verkehrsmittel Nr. 1 in Jyväskylä, zu besorgen, ist sehr sinnvoll. Damit ist man unabhängig, flexibel und muss nicht die teuren Busfahrten bezahlen. Die Miete ähnelt sehr dem Niveau in Potsdam. So habe ich für mein Zimmer in einer 2er WG mit gemeinsamer Küche, Bad und Balkon 220 € inklusive Internet bezahlt. Finanziell ist es sehr günstig eine Kreditkarte zu besitzen, weil in Finnland (fast) alles mit Kreditkarte bezahlt werden kann, sogar das Ticket im Bus und das Essen in den Mensen. Die Lebenshaltungskosten insgesamt würde ich allgemein als nur leicht erhöht zum deutschen Niveau einschätzen. Die Lebensmittel im Lidl, der in der Nähe meines Wohnheims lag, waren nur leicht erhöht. Ein Essen in der Mensa kostet immer 2,60€ inklusive Salat, Brot und Getränk. Einziges Finanzielles Manko: Alkohol ist in Finnland erheblich teurer. Außerdem sollte man finanziell daran denken, dass man wahrscheinlich die ERASMUS-Zeit nutzt, um einige Reise, die z.B. von der ESN angeboten werden, mitzunehmen. Finanziell sei aber zusammenfassend an dieser Stelle erwähnt, dass Finnland im Vergleich zu den skandinavischen Ländern Dänemark, Schweden und Norwegen das günstigste Land ist.

Jyväskylä hat offiziell ca. 130.000 Einwohner. Allerdings bezieht sich das auf einen sehr großen Einzugsbereich und der Kern der Stadt, kann getrost als Kleinstadt bezeichnet werden. Jyväskylä, gelegen im Zentrum Seenfinnlands, ist geprägt durch Seen- und Baumreichtum. Diese wunderbare Natur schon auf dem Weg zur Uni zu genießen, ist einfach traumhaft. Optisch bildet der große See Jyväsjärvi und die drei Unicampi mit wirklich schönen Gebäuden im Grünen, die eng beieinander und teilweise am Jyväsjärvi liegen, die Höhepunkte der Stadt.

Das Zentrum besteht aus zwei sich kreuzenden Straßen, in dessen Nähe auch einige Bars, Kneipen (Aussiebar), Discos und Clubs (Freetime, Escape, Ruma, Bar Bra) liegen. Weitere Freizeitmöglichkeiten neben Feiern bieten die zahlreichen Sportmöglichkeiten, ob aktiv oder passiv. Die Uni bietet eine Vielzahl kostenfreier Sportkurse, sowie ein kostenfreies Fitnessstudio mit Sauna. Im Passivsport als Zuschauer kommt man beim Eishockey, Floorball oder Futsal ebenfalls ganz auf seine Kosten. Insgesamt ist die Stadt wie auch die Uni eher klein, bietet aber aus meiner Sicht alles, was man für ein gutes Studileben braucht.

Rückblickend kann ich für mich sagen, war das ERASMUS-Semester ein voller Erfolg! Warum? Das möchte mit einer Liste von Gründe darlegen, die gleichzeitig überzeugen soll, warum man a) überhaupt ein Auslandssemester machen soll und b) warum gerade in Jyväskylä (Finnland):

a) Warum überhaupt?

  • Kennenlernen eines anderen Landes, Kultur - Perspektivenwechsel auf sich und sein Land
  • Kontakte zu vielen anderen ERASMUS-Studierenden aus aller Welt, cooler Erfahrungsaustausch
  • Erfahrungen über das Studieren an einer anderen Uni und in einem anderen Land
  • Verbesserung seiner Sprachfähigkeiten
  • Möglichkeit viel zu reise
  • gestärktes Selbstbewusstsein
  • viele, teilweise sehr tiefe neue und langanhaltende Freundschaften

b) Warum Finnland?

  • wunderschöne Natur mit Wald und Seen, super saubere/ frische Luft
  • finnische Menschen sehr gelassen, ruhig, freundlich
  • Javäskylä ist eher eine Kleinstadt, dadurch kommt ein gutes Zusammenhörigkeitsgefühl auf, man trifft überall (Uni, Wohnheim oder Zentrum) Leute, die man kennt
  • leichte Bewerbung sowohl an der Uni, als auch für eine Unterkunft
  • (fast) überall und jederzeit die Möglichkeit zum Saunieren
  • angenehmes Studienklima und –niveau
  • viele Sportangebote (Jyväskylä ist die einzige finnische Uni, an der man Sport studieren kann)
  • finanziell gegenüber anderen Ländern in Nordeuropa sehr erschwinglich

Darum zögere nicht weiter und nimm dein eigenes unvergessliches Erasmus-Semester in Angriff!
Es lohnt sich!

Studienfach: Geographie und Mathematik im Lehramt Gymnasium

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