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Mein Auslandssemester in Joensuu

Ich studiere Patholinguistik an der Universität Potsdam im 5. Fachsemester. Seit dem ersten Semester haben meine Dozenten und Studierende aus den höheren Semestern für ein Aus-landsemester geworben. Nach dem zweiten Semester habe ich mich dazu entschlossen ein ERASMUS- Semester zu planen. Bei der Wahl des Gastlandes habe ich mich an den zur Ver-fügung stehenden Partneruniversitäten meiner Fakultät orientiert und mich erkundigt, in wel-cher Sprache an den jeweiligen Universitäten unterrichtet wird. Wie meine Wahl auf Finnland fiel, ist mir gar nicht mehr so bewusst.


Studienfach: Patholinguistik

Aufenthaltsdauer: 01/2012 - 06/2012

Gastuniversität: University of Eastern Finnland

Gastland: Finnland

Ich hatte aber im Voraus auf Informationsveranstal-tungen des akademischen Auslandsamtes gehört, dass sich die skandinavischen Länder gut für einen Austausch anbieten, weil viele Kurse in Englisch angeboten werden. Auch hat Finnland einen sehr guten Ruf im Bildungsbereich und war schon viele Jahre Spitzenreiter in der PISA- Studie. Finnland ist für mich etwas besonderes, weil dort nicht jeder hingeht und ich vorher noch nicht so viel über das Land wusste. Außerdem liebe ich Sauna und die Natur, von der in Finnland mehr als reichlich vorzufinden ist. Daher standen die Universität in Turku und die Universität in Joensuu, die als einer der drei Standorte neben Kuopio und Savonnlinna zur University of Eastern Finland gehört, zur Auswahl. Ich habe mich für Joensuu entschieden, weil viele Kurse im Bereich Pädagogik und Psychologie im Vorlesungsverzeichnis angegeben wurden, die ich mir eventuell auch für mein Studium in Potsdam anrechnen lassen könnte. Wichtig ist, dass man rechtzeitig mit der Planung eines Auslandssemester beginnt, denn die Bewerbungszeit für meinen Auslandsaufenthalt begann schon ein Jahr im Voraus und ich habe schon ein halbes Jahr zuvor begonnen mich mit den verschiedenen Möglichkeiten zu beschäftigen, die mir zur Verfügung standen. Die Bewerbung bei meiner Erasmuskoordinato-rin lief reibungslos ab. Ich hatte mich als einzige auf diesen Platz beworben und erhielt prob-lemlos die Zusage.

Bewerbung an der Gasthochschule

Die University of Eastern Finland hat eine sehr schön gestaltete und übersichtliche Homepage. Dort kann man alle wichtigen Informationen im finden. Wenn man eine Frage hat, kann man sich direkt per Mail an die Uni wenden und bekommt auch schnell eine Ant-wort. Die Bewerbung an der University of Eastern Finland hat sich recht einfach gestaltet. Alles konnte online geregelt werden mit einem individuellem Bewerber Account. Die Universität hat mir meinen Nutzernamen und das Passwort zugesendet. Anfangs hatte ich Schwie-rigkeiten mich einzuloggen, aber nach einer kurzen Mail an die Service Mitglieder konnte das Problem schnell behoben werden. Online können alle Informationen bezüglich meines Studi-ums eingestellt werden und alle Dateien hochgeladen werden. Welche Daten benötigt werden, ist zuvor auf der Homepage der Universität ausfindig zu machen. Leider hatte ich dort keinen Hinweis gefunden, dass ich ein Zertifikat meiner Englischkenntnisse bei der Bewerbung hochladen müsste. Daher hatte ich etwas Stress diesen Nachweis in den Semesterferien kurz vor der Bewerbungsfrist noch zu beschaffen. Die Zusage von der Gastuniversität hatte ich dann Ende November. Das ist etwas knapp gewesen, weil es ja schon Anfang Januar losgehen sollte. Aber mir wurde im Voraus von meiner Erasmuskoordinatorin zugesichert, dass ich aufgrund des Erasmusstipendiums eine Zusage der Gastuniversität schon so gut wie sicher hätte. Ende Dezember wurde mir dann ein Informationspaket zugesendet mit dem vollständi-gen Studienprogramm für das folgende Semester, einem Stadtführer von Joensuu und einem Orientierungsprogramm mit allen wichtigen Informationen zum Leben und Studieren in Joensuu. Auch konnte man sich beim Finish Friend Programm anmelden, indem man den beigelegten Bewerbungsbogen per Fax an die Uni sendet. Bei diesem Programm bekommt man einen Einwohner Joensuus an seine Seite gestellt und hat einen echten Finnen als Kon-taktpartner in der Stadt. Insgesamt war das Bewerbungsverfahren an der University of Eastern Finland sehr unkom-pliziert. Aber mit einigen mehr Informationen auf der Homepage zur Anwendung des Online Accounts, wäre alles reibungsloser abgelaufen.

Ankunft

Finnland kann man mit der Fähre oder mit dem Flugzeug erreichen. Ich denke die günstigste Fluggesellschaft ist Baltic Airlines (http://www.airbaltic.com/public/index.html), was ich lei-der erst später herausgefunden habe. Ich bin von Berlin aus mit Finnair (www.finnair.fi) nach Helsinki geflogen und habe dort 3 Tage mit meiner finnischen Tandempartnerin verbracht. Ich habe sie im vorherigen Jahr in Potsdam kennen gelernt, wo ich ihr beim Einleben als Aus-tauschstudentin zur Seite stand. Sie hat mir alle Sehenswürdigkeiten in Helsinki gezeigt und wir haben die wunderschöne Insel Suomenlinna besucht. Diese kann man mit einem Tagesti-cket der öffentlichen Verkehrsmittel per Fähre erreichen. Helsinki ist eine interessante Stadt. Sie war jedoch viel schöner, als ich sie im Sommer das zweite Mal besuchen konnte. Nach meinem Aufenthalt in Helsinki im Januar hat mich meine Freundin zum Zug gebracht und ich bin mit dem VR Pendolino (www.vr.fi) nach Joensuu gefahren. Die fünfstündige Zugfahr durch die finnische Landschaft war wunderschön. Da ich noch keinen finnischen Studenten-ausweis hatte, musste ich den vollen Preis von 68 Euro bezahlen. Inländische Studenten zah-len normalerweise nur die Hälfte des Preises.

In Joensuu angekommen hat mich meine Tutorin abgeholt und mich mit dem Auto vom Bahnhof zu meiner neuen Wohnung gebracht. Das hatten wir vorher per Mail abgesprochen und sie hatte schon den Schlüssel besorgt. Danach war sie gleich noch mit mir im Supermarkt, damit ich die wichtigsten Dinge besorgen konnte. In Finnland haben die Supermärkte auch am Sonntag offen. Am nächsten Tag hat mir meine Tutorin geholfen mich in der Universität einzuschreiben. Dort musste ich meinen Nachweis zur Krankenversicherung vorweisen. Jeder Student erhält einen Account mit dem man sich in die uniinternen Computer einloggen kann und sich für Kurse und Prüfungen anmelden kann.
Es ist nützlich der Student Union für 17 Euro beizutreten, da man einen Studentenausweis erhält, der einem Rabatte in der Uni- Cafeteria und den halben Preis auf Zugtickets gewährt.
Ich habe mich nicht beim Polizeiamt registrieren lassen, weil uns auf einer Informationsver-anstaltung mitgeteilt wurde, dass man dazu nur verpflichtet ist, wenn man mehr als 3 Monate am Stück in Finnland ist. Da die Registrierung um die 76 Euro gekostet hätte, habe ich das Geld lieber in eine Reise nach St. Petersburg investiert.

Studium an der Gastuniversität

In Finnland gibt es Herbst- und Frühlingssemester. Das Herbstsemester geht von September bis Dezember und das Frühlingssemester von Januar bis Mai. Die Universität ist in Finnland kostenfrei, weil sie vom Staat unterstützt wird. Trotzdem ist die Bibliothek super ausgestattet, die Gebäude sind modern und saniert und in der Bibliothek gibt es viele Computer mit super-großen Screens zur öffentlichen Nutzung. Jeder Student hat 200 Seiten frei zum Drucken zur Verfügung. Leider sind die Öffnungszeiten nicht so großzügig, wie ich es gewohnt bin. Die Bibliothek schließt um 19Uhr unter der Woche und hat Samstag bis 15 Uhr geöffnet. Die Kurse werden nicht wie in Deutschland für ein ganzes Semester angeboten, sondern eher als Blockseminare zu unterschiedlichen Zeiten. Das war einerseits sehr kompliziert sich Kurse auszusuchen, die nicht miteinander überschneiden. Aber andererseits waren die Dozenten auch sehr flexibel die Kurszeiten zu ändern oder ein Auge zuzudrücken, wenn man mal nicht kommen konnte. Fehlzeiten konnte man auch mit zusätzlichen Aufgaben einfach wieder aus-gleichen. Die Prüfungen waren gleich am Ende des jeweiligen Kurses. So hatte ich von Feb-ruar bis Ende Mai immer mal eine Prüfung. Das fand ich sehr angenehm, weil man sich auf ein Fach konzentrieren konnte, in dem man sowieso gerade im Stoff steckt und man sich nicht noch nebenbei um Referate in anderen Kursen kümmern musste. Insgesamt hat das Studieren an der UEF richtig Spaß gemacht. Ich habe mich weniger gestresst gefühlt, was aber auch daran lag, dass nicht so viel Leistungsdruck dahinter stand, wie in meinem einheimischen Studium. Die angebotenen Kurse kann man im weboodi online finden und sich zur gegeben Zeit anmelden. Auch Prüfungen sind dort teilweise online anzumelden und Ergebnisse einzu-sehen. So entfallen nervige Wartezeiten im Prüfungsamt oder Listen zum Einschreiben.
Ich habe verschiedene Kurse zur Frühen Erziehung in der Kindheit, Pädagogik, Sonderpäda-gogik, Psychologie aber auch über Rassismus und Kulturelle Heterogenität absolviert. Vorle-sungen sind eher selten dabei gewesen. Ich hatte das Gefühl, dass das Studieren in Finnland viel unabhängiger und selbstständiger stattfindet. Ich hatte einige Gruppenarbeiten, die richtig viel Spaß gemacht haben, weil es leicht war einen Termin zum Arbeiten zu finden und nie-mand so viel Zeitdruck hatte. Ich habe auch an einem webcourse teilgenommen, bei dem man einfach an Diskussionen in einem Forum teilnimmt und zur gegebenen Zeit Essays einreichen muss. Weiterhin waren auch Präsentationen in Gruppenarbeit dabei. Ich fand die Gruppenar-beiten immer sehr produktiv, weil es meistens darum ging Finnland mit anderen Ländern zu vergleichen. So konnten einheimische Studierende und Austauchstudenten sich gut austau-schen und jeder hatte einen Nutzen davon. Auch konnte man so Kontakt zu einheimischen Studenten schließen. So habe ich eine sehr liebe finnische Freundin kennen gelernt. Auch in Joensuu benutzt man moodle um sich online auszutauschen. Anfangs war ich den angebote-nen Bookexams sehr kritisch gegenüber gestellt. Ich fand es unvorstellbar, dass ich nur zu Hause sitze und ein Buch lese und dann eine Prüfung schreibe. Letztlich habe ich zwei Book-exams absolviert und fand es gar nicht so schlimm, wie angenommen. Es war sehr angenehm sich seine Zeit selbst einzuteilen. Trotzdem kann man in der Universität in der Bibliothek sein und dort an einem der vielen Arbeitsplätze in Ruhe lernen und zum Mittag in der Mensa schlemmen. Das war ein angenehmes Lernklima und man konnte zwischendurch bekannte Gesichter treffen und neue Studenten kennen lernen. Die Bibliothek ist wirklich schön und hat ein tolles Literaturangebot. Die richtigen Bücher zu finden ist anfangs jedoch recht problema-tisch gewesen, weil die Bücher mal nach Autor und mal nach Titel sortiert sind. Aber auch in diesem Fall kann man immer die freundlichen Service- Kräfte ansprechen oder einen Studen-ten um Hilfe bitten.

Innerhalb meiner Kurse habe ich verschiedene finnische Schulen und Kindergärten besucht und konnte somit gut die Verhältnisse in Finnland mit Deutschland vergleichen. In Sachen Bildung könnte sich das deutsche Bildungssystem echt ein Beispiel nehmen. Der Staat unter-stützt den Bildungssektor viel mehr. Zwar sind auch weitaus weniger Kinder und Jugendliche zu versorgen, aber qualitativ ist es einfach viel besser. Auch gilt hier eine große Chancengleichheit und Gleichberechtigung. Der sozioökonomische Status und die Herkunft haben keinen Einfluss auf die Schulleistungen. In Schulen und Kindergärten können Kinder kosten-los Mittag essen. Ich bin beeindruckt von diesem System. Durch das Projekt ERASMUS trifft Schule konnte ich eine weiter entfernte Schule auf einem kleinen finnischen Dorf kennen ler-nen. Dort habe ich in Deutsch und Englisch meine Heimatstadt vorgestellt. Als Dankeschön gab es Kinokarten. Die Schulleiterin hat mich dann auch noch zum Abendbrot zu sich nach Hause eingeladen. Ich konnte sogar über Nacht bleiben und die private Sauna und den Whirl-pool im Garten mit Seeblick nutzen. Ich habe mich gefühlt wie im Wellnessurlaub. Über diese Gastfreundlichkeit war ich sehr erstaunt. Allgemein gilt in Finnland das Prinzip, dass Bildung für jeden jederzeit frei zugänglich ist. Ein Beispiel ist, dass ich ohne großen Aufwand ein Praktikum im Wissenschaftspark der Uni-versität bekommen konnte. Ich wurde herzlich zu Forschungsmeetings und Vorträgen über aktuelle Projekte eingeladen und konnte sogar selbst hospitieren und bei der Datenauswertung helfen.

Das Verhältnis zu den Dozenten ist sehr locker und angenehm. Das förmliche Sie entfällt schon allein wegen dem Englisch und Dozenten wollen mit dem Vornamen angesprochen werden. Bei Fragen kann man sich jederzeit an die Dozenten wenden und ist nicht auf Sprechzeiten angewiesen. Auch sind die Dozenten sehr flexibel, was Prüfungsleistungen an-belangt und Abgabezeiten von Essays. Ich konnte in einem Kurs auch nach Belieben mehr ECTS erreichen, wenn ich zusätzliche Essays geschrieben habe. Die Themensuche für Essays und Vorträge ist auch sehr flexibel und kann individuell beeinflusst werden, was meine Studi-enmotivation um einiges gesteigert hat. Die Notenvergabe lief in meinen Fällen immer sehr fair und nachvollziehbar ab. Jedoch werden die ECTS wahrheitsgetreu nach Leistungsauf-wand vergeben. Ich musste für 3 ECTS teilweise mehr machen als in Deutschland. Die Noten reichen von 5 bis 1, wobei 5 die beste Note ist. Es ist sehr gut zu wissen, dass eine 5 ein Grund zum Feiern ist. Ich habe mich an der Uni sehr wohl gefühlt und meine Ergebnisse wa-ren auch sehr gut bei weniger Stress und viel mehr Freizeitaktivitäten und Reisen.

Kontakte zu Finnen und ausländischen Studierenden

Wie man von vielen Erasmusstudenten hören kann, bleiben die Austauschstudenten meistens unter sich. Dies war auch schon durch das anfängliche Orientierungsprogramm und die ESN- Aktivitäten und der Student Union begründet. Gemeinsame Aktivitäten wurden auf Facebook veröffentlicht und jeder war eingeladen. So musste niemand allein zu Hause ins Heimweh verfallen. Wenn man sich selbst darum bemüht, findet man leicht auch finnische Freunde. Auch war ich sehr positiv überrascht, wie offen die finnischen Studenten uns gegenüber waren. Sie waren sehr daran interessiert uns kennen zu lernen und haben die organisierten ESN- Kennlern- Abende besucht. Insgesamt kann ich das Vorurteil des ruhigen und kalten Finnen nicht bestätigen. Wenn ich Leute auf der Straße um Hilfe gebeten habe und nach dem Weg gefragt habe, waren sie immer überaus freundlich und haben einen teilweise noch sicherheitshalber zum gefragten Ziel begleitet oder eine Stadtkarte mitgegeben. Wenn man schon allein einen fragenden Blick hat und sich als Tourist outet, wird man schnell von Finnen angesprochen, ob man nicht Hilfe benötigen würde. Diese Fremdenfreundlichkeit kenne ich aus Deutschland nicht. Allgemein wurde ich viel öfter in Finnland von Fremden angesprochen, die einfach mal kurz über das Wetter quatschen wollten an der roten Ampel oder an der Bushaltestelle. Wenn man erzählt, dass man nicht aus Finnland komt, sind sie meistens sehr interessiert. Auch in Finnland gibt es natürlich sehr zurückhaltende Menschen und einige, die eher unter sich bleiben. Ich hatte den Eindruck, dass die Finnen alle ein bisschen entspannter sind und nicht so viel Stress machen. Das ist wirklich sehr angenehm. Bürokratie ist nicht so aufwendig in Finnland.

Meine Finish-Friend- Familie konnte sehr gut deutsch sprechen. Der Vater ist ursprünglich Deutscher und sie hatten zwei bilingual aufwachsende Kinder. Es war schön eine kleine Ersatzfamilie in Joensuu zu haben. Ich bin ab und zu zum Abendbrot vorbei gekommen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich hatte leider nicht die Möglichkeit mir vor meinem Aufenthalt in Joensuu noch Finnisch- Kenntnisse anzuwerben. Daher habe ich mich nur mit dem Langentscheid Sprachführer für Reisende auf der Hinfahrt begnügt. Jedoch sind die einfachen Redefloskeln schnell zu erlernen, die schon ausreichen um bei den Einheimischen Eindruck zu schinden. Insgesamt kommt man in Finnland mit Englisch sehr gut weiter. Jung und Alt sind sprachlich meist sehr gut bewandert. Ich war erstaunt wie viele Finnen super Deutschkenntnisse vorweisen oder zumindest ein Lied von Rammstein oder 10 kleine Jägermeister singen können. Ich bin der Meinung, dass sich mein Englisch durch meinen Erasmussemester verbessert hat. Auf jeden Fall fällt es mir leichter auf Englisch zu studieren und Englisch zu verstehen. Auch meine englische Ausdrucksweise ist viel sicherer geworden. Da jedoch kaum jemand in Finnland und auch unter den Austauschstudenten perfekt Englisch spricht, haben sich teilweise neue Fehler eingeschlichen bzw. ist das sprachliche Level nicht sehr gestiegen. Aber insgesamt ist die Sicherheit im sprachlichen Umgang verbessert worden. Auch habe ich einen Survival-Finnisch- Kurs besucht, in dem die Grundkenntnisse im Finnisch vermittelt wurden, wodurch ich Lust bekommen habe mehr zu lernen.

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnung in Finnland habe ich über die Universität in Joensuu gefunden. Auf der Uni- Homepage wird auf das Unternehmen Joensuun Elli (http://www.joensuunelli.fi) aufmerksam gemacht, die eine Partnerschaft mit der Universität hat und günstige Wohnungen anbietet. Dort habe ich mich dann erst nach der Zusage der Universität in Joensuu bewerben können, weil man eine Bestätigung braucht auch in der zugehörigen Universität eingeschrieben zu sein. Die Preise der Unterkünfte variieren sehr stark von 170 bis 600 Euro im Monat. Ich habe mich nur für die preisgünstigsten Wohnungen beworben. Nach meiner Bewerbung erhielt ich sehr schnell eine Zusage für ein Zimmer in einer Dreier- WG in Karjamäentie in Hukanhauta. Ich habe die Küche und das Bad mit zwei anderen Mädchen geteilt. Die WG´s sind nicht ge-mischt. Für mein Zimmer habe ich 180 Euro bezahlt plus eine Miete von 17 Euro im Monat für die Möbel und 20 Euro im Monat (Modem muss man jedoch selbst besorgen) für das Internet. Bei knapp 220 Euro im Monat kann man im Vergleich zu den sonstigen Wohnungs-preisen in Finnland sehr glücklich sein. Die Sache hatte jedoch einen Haken, denn die Woh-nung lag ca. 6 km weit von der Universität entfernt. Die Busanbindung in die Innenstadt ist zwar sehr gut, aber auch recht teuer. Für ein Einzelticket zahlt man 3,20 Euro und nachts fah-ren die Busse leider nicht. Taxis sind auch ziemlich teuer. Also habe ich mir gleich nach mei-ner Ankunft ein Fahrrad gekauft und bin sogar bei minus 30 Grad mit dem Rad gefahren. In Finnland werden die Straßen weitaus besser geräumt als in Deutschland. Also war es auch nicht gefährlich mit dem Rad zu fahren. Brenzlig wurde es erst als der Schnee anfing zu schmelzen, aber ich habe es überlebt und mich fit gehalten. Trotzdem sollte sich meiner Mei-nung nach die Universität etwas einfallen lassen, ob die Austauschstudenten wirklich alle am äußersten Stadtrand untergebracht werden sollten. Das war nämlich die Regel. Die meisten Studenten lebten in Rantakylä oder Hukanhauta, die beide ca. 30 min (im Winter) mit dem Rad entfernt liegen. Die finnischen Studenten haben meistens ein Auto und könnten diese Strecke einfacher zurücklegen.
Unter den Erasmusstudenten herrscht ein reger Handel zwischen ankommenden und abreisenden Studenten. Wer nicht von seinen vorhergehenden Mitbewohnern zurückgelassene Dinge übernehmen konnte, hat sich einfach in der ESN Joensuu- Gruppe in Facebook gemel-det und konnte schnell alle wichtigen Dinge besorgen. So habe ich ein Fahrrad für 25 Euro, ein ADSL Modem für meinen Internetzugang und andere kleine Küchenutensilien bekommen. Sonst finde ich das Angebot eines Survival Packages der Student Union sehr gut. Das konnte man für 15 Euro erhalten plus 20 Euro Pfand. Enthalten waren ein Topf, Teller, Kü-chenbesteck, Tassen, Pfanne, Handtücher und Bettwäsche. Wenn man am Semesterende alles wieder unversehrt zurück bringt, kann man das Pfandgeld zurück erhalten. Sonst lohnt es sich auch einen Blick in eine der vielen Second- Hand- Shops werfen. Dort gibt es alles Mögliche zum wirklich kleinen Preis zu kaufen.

In Joensuu gibt es die Möglichkeit ein finnisches Bankkonto zu eröffnen. Die meisten Studen-ten haben sich an die Nordea Bank gewendet. Ich habe im Voraus ein Internetkonto bei der DKB eröffnet, was ich nur empfehlen kann. Das ist kostenlos und man kann gebührenfrei im Ausland Geld abheben und mit der EC- Karte zahlen.

Meine Krankenversicherung habe ich schon im Voraus abgeschlossen. Meine Versicherung bietet die European Health Insurance Card an. Somit war das kein großes Problem mit der Versicherung. In Finnland war ich zweimal beim Student Health Service und musste nie et-was bezahlen. Das ist eine Arzt Praxis die zur Universität gehört.

Wenn man in Finnland das erste Mal in einen Supermarkt geht, kriegt man erst mal einen Schock, weil alles so viel teuer ist. Die Lebenshaltungskosten waren für mich ca. doppelt so hoch. Vor allem frisches Gemüse und Obst oder Fleisch ist sehr teuer. Aber man lernt sich die günstigsten Angebote herauszusuchen. Schokolade und andere Süßigkeiten sind auch sehr teuer. Da lernt man sich zu zügeln. Alkohol ist wie in allen nordischen Ländern sehr teuer. Der billigste Wein kostet ca. 7 Euro. Da werden Partys richtig teuer. Wir haben alle das Essen in der Cafeteria zu schätzen gelernt. Aber das nicht nur, weil es schon für 2,20 Euro ein gro-ßes Menü gibt. Das Essen ist auch total lecker gewesen. Zu jedem Menü gab es Salat und Brot so viel in den Bauch passt. In Finnland wird das Essen an Universitäten, Schulen und in Kin-dergärten vom Staat unterstützt. In allem führte dies dazu, dass wir alle mit ein bisschen mehr Hüftgold nach Hause gegangen sind, trotz der vielen Radtouren, die wir täglich machen muss-ten. Aber das kann man ja in Finnland beherzt auf den Winterspeck schieben.
Die Freizeitangebote sind sehr vielfältig. Im Winter hat man genügend Schnee für den Wintersport. Ich habe mir für 9 Euro aus dem Second- Hand- Shop ein Paar Skier gekauft und bin regelmäßig Skilanglaufen gegangen. Es gibt viele Loipen- Routen in Joensuu. Eine ist gleich 50m von Karjamäentie entfernt. Wunderschön ist es auch im Frühjahr auf dem zugefrorenen See Ski zu fahren. Gerade am Anfang des Semesters hat die Student Union und ESN Joensuu viele Kennlern- Abende veranstaltet, wie ein Karaoke- Abend im Palaväri oder einen Bow-ling- Abend. Sonst ist man auch zu den berühmt berüchtigten Latolankatu- WG- Parties gegangen, wo ausgiebig getanzt und getrunken wurde bis die Polizei kam. In Finnland wird die Polizei sehr schnell gerufen, weil häusliche Ruhe hier sehr wichtig ist. Meistens hat man sich am Wochenende im Jetset getroffen um ein Bierchen zu trinken oder ein Ceider (ein finni-sches Mixgetränk). Dort gibt das günstigste Bier in der Stadt für 3,50 Euro. Aber ich persönlich fand es dort nicht besonders schön. Aber ab und zu sind dort ein Paar Bands aufgetreten. Besser hat es mir im Kerubi gefallen, was gleichzeitig Bar, Club und Konzerthalle ist und wunderschön auf einer kleinen Insel gelegen ist. Ansonsten kann man in Joensuu auch Museen, Streichelzoo und den Botanischen Garten mit Schmetterlingshaus, besuchen, ins Schwimmbad gehen oder im Stadion ein Eishockeyspiel etc. ansehen.

Gern haben wir Austauschstudenten uns auch getroffen, um gemeinsam die Stadt zu erkunden und haben einen Trip zur Kirche und dem Rodelberg gemacht, sind zur wunderschönen Insel Utra gewandert und haben dort ein Lagerfeuer gemacht sogar bei minus 33 Grad Celsius. Die Insel ist im Winter über das Eis und im Sommer über eine Brücke zu erreichen. Die finni-schen Studenten haben schon gelacht, dass die Erasmusstudenten vor der Kälte nicht zurück schrecken. Uns erkannte man jedoch auch an der Arktis- tauglichen Bekleidung. Im Sommer haben wir kleine Beach- Partys an einem der vielen Strände veranstaltet und oft gegrillt. In Finnland findet man viele kleine Hütten zum Grillen, die der Öffentlichkeit frei zur Verfü-gung stehen und sogar Holz im Vorrat haben. Unvergesslich sind unsere Saunabesuche gewe-sen. Jedes Wohnheim hat Mittwoch Saunazeit für Damen und Herren. Danach haben wir uns zum Karten spielen und Kochen verabredet, was auch die zusätzlichen Pfunde erklärt. Aber wir mussten uns ja vor der Kälte schützen! Die Uni hat auch ein Fitnesscenter und bietet Sportkurse an, die kostenfrei genutzt werden können, sodass wir das gute Essen wieder ab-trainieren konnten.

In Pentilä gibt es eine Sauna am See. Dort kauft man sich einfach ein Armband als Eintrittskarte für 5 Euro am Automaten und schon kann man den ganzen Tag saunieren. Im Sommer kann man auf der Wiese entspannen, aber im Winter bleibt nur der eiskalte See oder die brütend heiße Sauna. das kann ganz schön anstrengend werden. Aber die finnischen Besucher nehmen auch Rücksicht auf uns Ausländer. Die finnische Eis- Taufe habe ich Anfang Februar bestanden, als ich von der Sauna kam und gleich ins Eisschwimmloch getaucht bin. Meine Haare waren eingefroren, aber wir haben uns alle tierisch gefreut. Es bieten sich Badeschuhe an. Sowieso ist die Sauna in Finnland etwas anders, als ich sie kenne. Die Frauen tragen elegante Saunahüte aus Filz als Schutz für die Haare. Das Vorurteil, dass die Finnen ständig nackig in der Sauna sitzen und Schnaps trinken scheint nur in der privaten Atmosphäre zu stimmen. Da sind wir Deutschen viel finnischer. Denn in Finnland wird die gemischte Sauna nur im Bikini oder Badehose betreten. Man sitzt auch nicht auf seinem Handtuch sondern auf einem kleinen Papiertüchlein. Sehr entgeistert haben mich die finnischen Besucher angesehen, als ich ihnen zeigen wollte, wie man in Deutschland einen richtigen Aufguss macht. Es wollte mir niemand glauben, dass wir in Deutschland Angestellte haben, die in der Sauna das Handtuch schwingen und richtig einheizen. Trotzdem war die finnische Sauna mehr als heiß genug und angenehm unkompliziert.
Wer in Joensuu ist, sollte unbedingt den Nationalpark Koli besuchen. Dort fährt im Winter ein Skibussi für 15 Euro hin und zurück. Im Frühling und Sommer kann man den Nationalpark mit dem Taxi für insgesamt 30 Euro hin und zurück erreichen. Dort findet man wunderschöne Wanderrouten durch den finnischen Wald, viele Hütten zum Übernachten und Saunieren und kann auf Felsen klettern und den wunderschönen Ausblick auf einen glasklaren See genießen, dessen Wasser man bedenkenlos trinken kann. Koli ist im Winter auch gut zum Wintersport geeignet und bietet einige Souvenirshops.

Sonst habe ich mich dem ESN- Trip nach Lappland angeschlossen. Wir sind nach Saarilsälkä gefahren und waren in einer Holzhütte mit Sauna untergebracht. In Lappland waren wir Ski fahren, Schneeschuh laufen, haben eine Husky- Schlitten- Tour gemacht, haben den echten Weihnachtsmann besucht, waren im Arktismuseum und auf der Rentierfarm. In Lappland haben wir auch alle die wunderschönen Nordlichter von grün bis gelb rot und violett sehen können. Es war ein traumhaft schönes und unvergessliches Gänsehauterlebnis. Zusätzlich habe ich den Trip nach Norwegen gebucht. Dort waren wir im arktischen Ozean schwimmen. Es war so verdammt kalt, aber auch ein einmaliges Erlebnis bei Sonnenschein in das glasklare Salzwasser zu tauchen. Das gehört einfach dazu und danach konnte man auch gleich in die Sauna flitzen. Im Anschluss gab es Lachs und Krabbenbeine zum Kosten. Die Reise nach Lappland war für mich eines der schönsten Erlebnisse. An den Wochenenden haben wir auch die Städte in der Umgebung besucht, wie Kuopio, Savonnlinna und Lappeenranta. Alle Städte sind sehr sehenswert. Weiterhin habe ich Schweden bereist und habe mich auch in dieses Land, vor allem in Stockholm verliebt. Da ich in der Schule Russisch gelernt habe, war es schon immer mein Traum nach St. Petersburg zu gehen. Zu Ostern habe ich mir den Traum erfüllt und es ist eine atemberaubende Stadt. Man spürt den transsibirischen Touch und ist doch noch nicht so weit von der europäischen Grenze entfernt. Die Stadt hat vieles zu bieten, wie den Catherine Palace, die berühmten orthodoxen Museen, viele Shop´s und das Hermita-ge Museum. Es war allein ein Erlebnis mit der Fähre von Helsinki nach St. Petersburg zu fah-ren. Ich habe einen Visa- freien Trip von der ESN- Reiseorganisation gebucht.

Studienfach: Patholinguistik

Aufenthaltsdauer: 01/2012 - 06/2012

Gastuniversität: University of Eastern Finnland

Gastland: Finnland


Rückblick

Insgesamt bin ich sehr glücklich über meine Wahl nach Joensuu zu gehen. Viele haben sich gewundert, warum ich in so ein kleines Nest fahren möchte. Aber das ich die Natur liebe und ich keinen Stress großer Städte mag, war Joensuu eine gute Wahl. Wenn es mir doch mal zu langweilig wurde, bin ich einfach mit dem Zug in die nähere Umgebung gefahren. Auch meine Reisen in umliegende Länder haben meinen ERASMUS- Aufenthalt um einiges spannender gemacht. Ich hatte durch die vielen Unternehmungen am Anfang auch nicht zu großes Heimweh, weil man eigentlich immer unterwegs war. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, als ich wieder nach Hause gekommen bin. Insgesamt ist es nützlich sich vor einem Auslandssemester genau das Land zu überlegen, das einen interessiert. Denn das macht das ERAS-MUS- Erlebnis erst besonders schön, weil man wirklich die Möglichkeit hat Land und Leute kennen zu lernen. Weiterhin war es für mich wichtig, dass ich nicht nur mit anderen Aus-tauschstudenten zusammen bin und Kontakt zu echten Finnen gesucht habe. Denn sonst be-kommt man das wahre Finnland gar nicht so richtig mit. Das Auslandssemester hat mir per-sönlich für mein Studium viel gebracht, weil meine Englischkenntnisse verbessert wurden und ich auch mal über den Tellerrand geguckt habe, indem ich Kurse belegt habe, die nicht unbedingt mit meinem Studium zusammen hängen. Auch ist es eine gute Schule ständig mit neuen Leuten konfrontiert zu werden und sich in einer neuen Umgebung einzuleben. Dabei kann man nur dazulernen und sich weiterentwickeln. Ich würde diese Erfahrung jedem emp-fehlen, der Lust hat andere Länder und Kulturen kennen zu lernen und sich nicht davor scheut evtl. ein Semester länger zu studieren.

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