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Persönlicher Erasmus-Erfahrungsbericht - University of Helsinki

Meine Entscheidung für ein Semester im Ausland fiel recht spontan, aber bei der Möglichkeit nach Finnland zu gehen, konnte ich einfach nicht nein sagen. Die Bewerbung lief größtenteils reibungslos ab und mein Koordinator an der Uni hat mir sehr geholfen. Was natürlich nicht aus bleibt sind einige Wege, um alle Unterschriften einzuholen. Zudem tauchen immer neue Formulare und Unterlagen auf, um die man sich kümmern muss. Aber das ging alles gut, auch wenn nicht so viel Zeit blieb. Das Bewerbungsverfahren an der Uni Helsinki lief über ein Online-Portal. In dem wurde Schritt für Schritt aufgelistet, welche Unterlagen benötigt werden und was noch erledigt werden muss. Zwischenzeitlich kommt einem der bürokratische Aufwand unendlich vor, aber es ist alles machbar.


Studienfach: Lehramt Mathematik LER

Aufenthaltsdauer: 08/2015 - 12/2015

Gastuniversität: University of Helsinki

Gastland: Finnland

Die Uni in Helsinki hat ein super Tutoren-System für neue Studenten. Dieses funktioniert nicht nur für ausländische Studenten, sondern gilt für alle Erstis. Jeder kommt in eine Tutorengruppe. Dort sind Studenten aus dem selben Studiengang, die von einem Tutor betreut werden, der höheres Semester ist. Jede Fakultät hat auch solch eine Gruppe extra für die Austauschstudenten. Unser Tutor war sehr nett und hilfsbereit. Er hat uns die Uni gezeigt und versucht alle Fragen zu beantworten so gut es ging. Ich finde das Tutorensystem sehr gut, habe aber auch von anderen Studenten gehört, dass sich deren Tutor nicht sehr gut um sie gekümmert hat. Unsere dortige Koordinatorin war ebenfalls sehr nett und immer hilfsbereit. Was mir besonders gut an Finnland gefällt ist, dass man auch die Dozenten mit Vornamen und Du anredet. Sie haben auch wie hier bestimmte Sprechzeiten, allerdings steht die Bürotür immer offen und man kann jederzeit vorbeikommen, um sich eine Unterschrift abzuholen oder wenn man eine Frage hat.

Das Studium läuft größtenteils wie bei uns ab. Es gibt Vorlesungen und Seminare. In einigen gibt es eine Anwesenheitspflicht und in anderen ist es völlig egal. Auch die Leistungsanforderungen können bei gleichen Credits sehr unterschiedlich sein. Eben genau wie bei uns. In vielen Kursen muss man allerdings ein sogenanntes Study-Diary schreiben. Das heißt meistens ca. eine Seite pro Sitzung schreiben. Darin sollen allerdings nicht nur Fakten niedergeschrieben werden, sondern eigene Gedankengänge, Fragen und neu Erlerntes zu dem Thema. Der Computerpool der Uni ist gut ausgestattet, aber trotzdem häufig recht voll. Genügend Drucker stehen auch zur Verfügung. Manchmal muss man allerdings wissen, wo vielleicht einer steht, bei dem nicht so viele Leute vorbeikommen. Ab und an ging auch mal ein Drucker nicht. Aber dafür konnte man bisher kostenlos drucken, was jetzt allerdings geändert wurde. Meine Empfehlung für alle Austauschstudenten: nutzt jede Gelegenheit Einheimische kennenzulernen! Davon gibt es viel zu wenige Gelegenheiten und ich und andere Freunde haben es irgendwie total verpasst. Man lernt sehr viele Austauschstudenten kennen durch viele Veranstaltungen. Ich persönlich finde es schade, dass die meisten Events oft nur für ausländische Studenten sind. Weiterhin hat man, wenn man einen Wohnheimplatz hatte, auch nur mit anderen Austauschstudenten zusammengelebt. Aber daraus haben sich natürlich auch viele wertvolle Bekanntschaften und Freundschaften entwickelt. Man hat viel zusammen unternommen, oft bis in die Nacht zusammen gesessen und viel Spaß gehabt.

Allerdings waren auch sehr viele deutsche Studenten dort, sodass man sich doch häufig auf deutsch und nicht auf englisch unterhalten hat. Auch wenn der abschließende Sprachtest von Erasmus etwas anderes ergeben hat, haben sich meine Englischkenntnisse deutlich verbessert. Zu Beginn habe ich es häufig vermieden mit Leuten zu sprechen, die muttersprachlich englisch sprechen, aber diese Angst hat sich relativ schnell gelegt und jetzt mache ich mir kaum noch Gedanken darüber. Inzwischen fehlt es mir sogar ein wenig im Alltag englisch zu reden. Ich habe allerdings immer noch einige Schwierigkeiten muttersprachlich englisch sprechende Leute zu verstehen. Mit den finnischen Leuten und Dozenten in der Uni hatte ich allerdings wenig Probleme.

In Helsinki ist es sehr schwierig selber eine Wohnung zu finden. Ich hatte Glück, dass ich einen Wohnheimplatz bekommen habe. Ich habe auch von nicht wenigen Leuten gehört, dass die keine Zusage erhalten haben. In der Innenstadt gibt es ein Wohnheim für ausländische Studenten, das eher einem Hostel gleicht. Es sind Einzelwohnung, die mehr oder weniger schön eingerichtet sind. Die Miete beträgt dort ca. 600€ pro Monat. Dafür muss man keine eigene Bettwäsche und Handtücher mitbringen und eine Grundausstattung in der Küche ist auch vorhanden. Zudem muss man nicht einmal selber putzen. Ich habe in einer Studentenwohnung von HOAS gewohnt, die recht weit weg vom Stadtzentrum liegt, habe aber trotzdem nur 20 Minuten mit der Metro ins Zentrum und zur Uni gebraucht. Dafür habe ich nur 400€ pro Monat gezahlt und hatte eine deutlich größere und schönere Wohnung. In diesem Haus gab es nur Wohnung in zweier oder dreier WG's, in denen ausschließlich Austauschstudenten gelebt haben. Da das Haus und die Wohnungen direkt vor unserem Einzug komplett renoviert wurden, waren die Wohnungen noch ziemlich schön. Es waren auch alle Möbel vorhanden, die man so braucht. Schade fand ich nur, dass es keinerlei Grundausstattung gab. D.h. noch am Tag des Einzugs ging es erst mal zu Ikea und es wurden Teller, Besteck, Töpfe, Pfanne, Tassen, Bettdecke, Kopfkissen usw. gekauft. Jetzt haben natürlich die Nachmieter Glück, da wir all das Geschirr dort gelassen haben und sie es nutzen können. Es gibt auch noch andere Wohnheime in Helsinki, die günstiger sind. Dort leben dann allerdings bis zu 8 Personen in einer Wohnung. Leider kann man sich nichts aussuchen. Man bekommt ein Angebot und muss dieses innerhalb einer kurzen Frist annehmen oder ablehnen. Es ist allerdings das einzige Angebot, was man bekommen wird.

Helsinki ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgestattet. Es gibt eine Metro (die einzige in ganz Finnland), Züge, Busse und Straßenbahnen. Wenn man allerdings in der Innenstadt wohnt, kann man auch auf diese verzichten, da Helsinki wirklich nicht groß ist. Ich habe häufig die Metro genutzt, die auch wirklich häufig fährt. In der Nacht fahren diverse Nachtbusse. Unter der Woche gibt es ein Zeitfenster von 2-3 Stunden, wo nichts fährt. Aber bis ca. um 2 Uhr und am Wochenende fahren die Nachtbusse alle 10 Minuten bis zu mir raus.

Ich habe im Vorfeld eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, da es aufgrund meiner Erkrankung immer sein kann, dass ich mal zum Arzt muss. Dem war auch so. An der Uni Helsinki kann man für 50€ pro Semester der Student Union beitreten. Zuerst wurde uns gesagt, dass wir dort beitreten müssen, was sich am Ende allerdings als falsch herausgestellt hat. In Helsinki gibt es sogenannte Health Care Center's. Auch die Uni hat ein eigenes und wenn man der Student Union beigetreten ist, hat man dort Anspruch auf eine kostenlose Behandlung. Diese musste ich auch einmal in Anspruch nehmen und es hat super funktioniert. Beim nächsten mal musste ich in ein öffentliches Health Care Center und hatte darauf folgend noch eine dreitägige Behandlung. Für diese Behandlung kam noch eine Rechnung, bei der ich noch prüfen muss, ob ich die Kosten von meiner Auslandskrankenversicherung zurück bekomme.

Bei der Planung des Budgets für ein Auslandssemester sollte man auf jeden Fall nicht nur Miete, Lebensmittel und ein wenig Taschengeld einplanen. Wir haben sehr viele Ausflüge gemacht und uns auch ein paar Tage mal ein Auto gemietet. Ich finde, man sollte auf jeden Fall die Chance nutzen viele Dinge zu entdecken. Von Helsinki aus ist es ein leichtes nach Stockholm, Tallinn oder Lappland zu kommen. Auch die umliegenden Städte sind sehr sehenswert. Dies alles ist allerdings mit Fahrtkosten verbunden.

Ich würde auf jeden Fall jedem, der darüber nachdenkt ein Auslandssemester zu machen, es definitiv empfehlen. Es war eine unglaublich tolle Zeit! Wenn das Studium dort besser in mein Studium hier passen würde, dann hätte ich auch auf jeden Fall noch ein Semester verlängert. Ich war ja schon immer begeistert von Finnland, aber jetzt habe ich mich total in dieses Land verliebt und hoffe, dass ich dort mein Referendariat machen kann. Übrigens die Kurse über das finnische Schulsystem für Austauschstudenten sind sehr gut und man kann viele verschiedene Schulen besuchen.

Ich fand es schade, dass viele Studenten zum Ende des Semester, was bereits vor Weihnachten war, gleich zurück nach Hause sind. Ich habe nach dem Aufenthalt noch ein wenig das Land erkundet und wollte eigentlich gar nicht wieder zurück nach Hause. Man sollte die Chance nutzen, wenn sie einem schon ein mal geboten wird. Bevor ich mein Semester gestartet habe, haben viele gesagt Wie kannst du nur im Winter nach Finnland gehen? Dort ist es doch total dunkel! Also erst mal fängt das Semester ja Ende August an und zu der Zeit ist auch in Helsinki noch kein Winter. Im Herbst merkt man dann schon, dass man weniger Sonnenstunden am Tag hat, als in Deutschland, aber das ist alles halb so schlimm. Und auch im Winter geht die Sonne noch immer in Helsinki auf. Aber auch wenn man weiter in den Norden geht, wo die Sonne nicht mehr über den Horizont kommt, ist es nicht den ganzen Tag über völlig dunkel.

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