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Persönlicher Erasmus-Erfahrungsbericht - University of Helsinki

Die Frage, die mir alle am meisten stellen lautet „Warum Helsinki?“. Bevor ich dort war, war meine Antwort bei jedem Mal immer ein bisschen anders – weil ich noch nie dort war, weil ich etwas Neues erleben möchte, weil ich schon immer in ein nordisches Land wollte. Jetzt, seitdem ich wieder von meinem Auslandssemester zurück bin, weiß ich warum ich Helsinki immer wieder wählen würde: weil mein Studium nie richtig komplett gewesen wäre, ohne meine Zeit an dieser nordischen Universität. Das, was ich dort gelernt habe, sowohl für mein Studium als auch für mich persönlich hätte ich sonst nirgends gelernt.


Studienfach: Französische Philologie/Anglistik

Aufenthaltsdauer: 08/2015 - 12/2015

Gastuniversität: University of Helsinki

Gastland: Finnland

Von vornherein war der Kontakt mit der Uni Helsinki unkompliziert und organisiert. Das Bewerbungsportal der Uni ist sehr einfach und die Zulassung kam rechtzeitig und ohne Probleme an. Das ist wichtig für mich gewesen, da ich natürlich eine Unterkunft in Helsinki gebraucht habe, aber auch weil ich die Zeit brauchte, um einen Zwischenmieter für meine Wohnung in Potsdam zu finden. Dies war dank der guten Organisation sowohl in Helsinki als auch in Potsdam alles kein Problem und ich war unter den ersten, die sämtliche Unterkunftsfragen schon im Juni geregelt hatten. Was für Potsdamer und Berliner mit Sicherheit ein Schock sein wird sind die Mieten in Helsinki. Wenn man, so wie ich es getan habe, über das Studentenwerk in Helsinki (HOAS oder auch unihome) eine Wohnung sucht, kann man mit einer Miete zwischen 300 und 600 Euro pro Monat rechnen, was für finnische Verhältnisse sehr billig ist. Der Vorteil dieser Wohnungen ist, dass sie meistens sehr zentral liegen – je weiter vom Zentrum man wohnt, desto niedriger werden natürlich die Mieten – und dass sie vollmöbliert sind. Ich kann empfehlen, in einer WG außerhalb des Zentrums zu wohnen, denn da sind die Mieten in Ordnung und die Verbindungen mit Bus und Bahn sind sehr komfortabel. Das ÖPNV Netz im Raum Helsinki heißt HSL und ist im Vergleich zu vielem anderen in dieser Stadt sehr günstig. Kauft man sich eine HSL Karte (einmalige etwa 15 Euro) kann man sie immer wieder aufladen: man kann sich entscheiden, ob man einfach Geld lädt oder eine Zeitspanne. Für die vier Monate, die ich in Helsinki verbracht habe, kam
es letztlich auf etwa 80 Euro. Generell sind aber die Lebenserhaltungskosten in Helsinki sehr hoch. Es gibt günstige Supermärkte wie K-Market oder Lidl, aber auch diese sind teurer als bei uns in Deutschland. Was sich als Student richtig lohnt ist die Mensa der Uni Helsinki. Für nur 2,60 Euro bekommt man zwei Getränke, eine warme Mahlzeit, einen Salat und zwei Scheiben Brot mit Butter. Die Mensen gibt es verteilt in Helsinki und das Essen ist immer richtig lecker – wer da nicht zuschlägt verpasst was! Anhand der Mensa kann man schon erkennen was richtig toll an der Uni dort ist: die Student Union, HYY, ist sehr beeindruckend. HYY ist unter anderem verantwortlich für das Essen in den Mensen (das Essen dort muss immer qualitativ hochwertig sein und aus biologischem Anbau) und für sämtliche Veranstaltungen für Studenten. So organisieren sie jedes Jahr zum Besipiel für alle Erstsemester (und dazu gehören auch Austauschstudenten) ein Stadtrallye „fuksiseikkailu“ (=Freshman Adventure) bei dem sich die sogenannten fuksi (=Erstis) in Teams zusammenfinden müssen und durch die Stadt gehen sollen um so viele Aufgaben und Challenges wie möglich zu lösen.

Am Ende gibt es dann natürlich ein Gewinnerteam, das bei einer Siegerehrung auf der After-Party bekanntgegeben wird. HYY organisiert viele solche Events, denn Finnen lieben es zu feiern und zusammenzukommen. HYY organisiert auch Events, die nur für Austauschstudenten sind, damit man sich auch untereinander kennenlernen kann. HYY macht natürlich auch vieles andere, sie sind beispielsweise auch verantwortlich für die Wahl und Aufstellung des Studierenden Parlaments oder für die Organisation der AGs und Freizeitangebote für Studenten. Im Allgemeinen war die Betreuung an der Uni sehr gut, am ersten Tag wurden wir in Gruppen eingeteilt und einem Tutor zugeordnet, der/die uns dann durch die erste Woche geholfen hat und für Fragen immer offen war. Persönlich war dies ein Highlight, denn meine Tutorin und meine Gruppe und ich sind schnell gute Freunde geworden, und wir bleiben alle bis heute miteinander in Kontakt. Die erste Woche war um einiges einfacher, weil es mit der Gruppe so viel Spaß gemacht hat. Außer HYY und der Uni selbst, gab es noch ESN Helsinki, die ich noch erwähnen möchte. ESN (=Erasmus Student Network) organisierte ebenfalls für Austauschstudenten – nicht nur Erasmus Studenten – viele Partys und Events, die viel Spaß gemacht haben. Vor Allem sind die Reisen von ESN zu empfehlen: man hat im Rahmen von ESN die Möglichkeit, nach Lappland, St Petersburg, Moskau oder auch mit einer Kreuzfahrt nach Schweden zu fahren. Diese Reisen sind zwar nicht ganz günstig (325 Euro nach Lappland beispielsweise), aber trotzdem lohnenswert. In Lappland haben wir die Weihnachtsstadt Rovaniemi besucht, eine Husky-Schlittenfahrt gemacht und auch mit Schneeschuhen die Polarlichter gesucht. Die Fahrt nach Lappland war ein absolutes Highlight, das ich jedem wärmstens empfehlen kann!

Das wichtigste, am ganzen Auslandssemester habe ich bisher noch gar nicht erwähnt: das Studium selbst an der Uni. Auch hier habe ich wenig zu beklagen: das Kursangebot ist breitgefächert, mit aktuellen Themen und spannenden Kursinhalten. Für französischsprachige Kurse gab es leider weniger Auswahl, wobei ich aber trotzdem zwei literaturwissenschaftliche und einen sprachwissenschaftlichen Kurs belegen konnte. Das Belegsystem WebOodi (äquivalent zu PULS an der Uni Potsdam) ist am Anfang ein bisschen schwer zu verstehen, was problematisch ist da man zum Ausfüllen des Learning Agreements vor dem Aufenthalt sich dort Kurse aussuchen muss. Nach der Ankunft bekommt man vom Tutor eine Einführung und man kann dann auch gemeinsam mit dem Tutor Kurse belegen, aber davor muss man sich die Zeit nehmen, um sich zurechtzufinden.

Ein weiteres Problem, das ich mit WebOodi hatte, war, dass die Kursbeschreibungen der Französischkurse nicht auf Englisch oder Französisch bereitgestellt wurden. Nur mit Hilfe von Google Translate konnte ich die wichtigsten Informationen zum Kurs herausfinden und auch dann fehlten mir teilweise noch wichtige Elemente. Trotz dieses kleinen Problems war ich sehr zufrieden mit meinem Studium in Helsinki. Die Dozenten waren alle sehr freundlich und unkompliziert, die Anforderungen waren nicht zu hoch – wobei man sich darauf einstellen sollte, dass in den meisten Kursen in Finnland mindestens eine Hausarbeit als Leistungserbringung erforderlich ist – und die Kurse waren alle sehr interessant. Des Weiteren war die Bewertung fair und meines Erachtens vergleichbar mit dem Bewertungssystem an einer deutschen Hochschule. Allein für die Vielfalt an Kursen, die mir zur Auswahl stand hat sich der Auslandsaufenthalt gelohnt. Die technische Ausstattung stimmte mit dem überein, was ich aus Potsdam kannte (Moodle, E-Mail System, Drucker an der Uni etc.) und die Bibliothek ist sehr gut ausgestattet. Auch das Klima unter den Studenten an der Uni war sympathisch: die Studierenden bilden eine richtige Gemeinschaft, man kann sich immer an Kommilitonen wenden. Zu dem weiß man, dass die Universität und die Studierenden zusammenarbeiten, es herrscht kein Gefühl von „wir gegen sie“ und die Studierenden haben alle die Sicherheit, dass man ihnen bei einem Problem zuhören wird.

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit meinem Auslandsaufenthalt. Ich kann Helsinki jedem Studenten empfehlen, wobei ich wahrscheinlich davon abraten würde, so wie ich im Wintersemester hinzugehen. Obwohl das besser in meinen Ablaufplan gepasst hat, wäre ich im Nachhinein lieber im Sommersemester hingegangen. Zu Beginn des Semesters bei einer der Einführungsveranstaltungen sagte uns die Auslandskoordinatorin: Unterschätzt nicht, wie die Dunkelheit euch beeinflusst! Bei meiner Rückkehr war in Helsinki der Sonnenaufgang um 10 Uhr morgens und der Sonnenuntergang um 14 Uhr. Auch wenn die Sonne „auf“ war, herrschte eigentlich nur ein dämmerndes Halblicht. Man ist bei dieser ständigen Dämmerung andauernd müde, oft lustlos und unmotiviert. Das sind schlicht und ergreifend schwierige Bedingungen für ein erfolgreiches Studium. Wer also die Option hat, im Sommersemester nach Helsinki zu gehen, sollte versuchen, dies zu tun! Wem es so geht wie mir, und nur das
Wintersemester in Frage steht: behaltet die Warnung meiner Koordinatorin im Hinterkopf und unterschätzt das Fehlen des Sonnenlichtes nicht. Trotz dieser kleinen Herausforderung bin ich sehr glücklich mit meiner Wahl und hoffe, dass es noch viele weitere Studenten in den hohen Norden treibt!

Studienfach: Französische Philologie/Anglistik

Aufenthaltsdauer: 08/2015 - 12/2015

Gastuniversität: University of Helsinki

Gastland: Finnland

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