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Erasmus-Aufenthalt in Tartu

Die Informationen zum Erasmus-Programm erhielt ich über den Mail-Verteiler der Uni Potsdam bzw. über Informationsveranstaltungen und entsprechende Seiten auf der Universitätshomepage. Da ich bereits im Bachelorstudium überlegt hatte einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, waren mir die meisten Informationen vor der Bewerbung bereits bekannt. Die Einreichung der Bewerbungsunterlagen sowie die Beantwortung von Nachfragen durch Akademisches Auslandsamt und die Koordinatorin meines Fachbereiches liefen unkompliziert und freundlich. Nach der Zusage für den Erasmusaufenthalt gab es weitere Informationsmails und –veranstaltungen, die aus meiner Sicht keine weiteren Nachfragen erforderten.


Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 02/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Tartu

Gastland: Estland

Die Gastuniversität meldete sich kurze Zeit später per Mail bei mir, in welcher der Ablauf des Bewerbungsverfahrens detailliert geschildert wurde, sowie Links zu hilfreichen Informationen zum Studium an der Universität Tartu und Tartu / Estland generell bereitgestellt wurden (Bspw.: http://www.ut.ee/en/welcome/student-checklist). Die Bewerbungsunterlagen beinhalteten die üblichen erforderlichen Unterlagen, wie Reisedokumente, Passbild, Studienbescheinigung etc. Die Bewerbung lief über ein Online-Portal und musste nochmals postalisch eingereicht werden. Der gesamte Bewerbungsprozess lief transparent und wurde gut erklärt, wodurch sich viele Fragen bereits von vorne herein erübrigten. Ausstehende Fragen wurden meist mit dem Akademischen Auslandsamt beziehungsweise mit einem Kommilitonen, der ebenfalls im selben Semester nach Tartu ging, geklärt. Vor Antritt der Reise nach Tartu waren daher alle Fragen geklärt, Learning Agreement before the mobility sowie Aufenthaltsbestätigung wurden mir einige Tage vor Abreise per Mail zugesandt und auch eine Unterkunft in einem Wohnheim der Universität konnte unkompliziert über ein Online-Portal organisiert werden. 

Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 02/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Tartu

Gastland: Estland

Studium an der Gastuniversität

Die Organisation des Studiensystems ist dem der Universität Potsdam sehr ähnlich. Generell wird sich für Lehrveranstaltungen über ein Online-System (Study Information System – SIS) belegt. Dort findet man auch wichtige Dokumente, einen Stundenplan, eine Übersicht seiner Veranstaltungen und Leistungen sowie Informationen zu den Lehrveranstaltungen. Es ist damit dem PULS-System der Universität Potsdam sehr ähnlich. Lehrmaterialien werden ebenfalls über moodle organisiert, den moodle-Kursen wird man nach Zulassung zur Lehrveranstaltung automatisch hinzugefügt. Für internationale Studierende ist es ggf. wichtig darauf zu achten, nur „differentiated“ Kurse zu belegen, also Kurse, bei denen am Ende eine Note vergeben wird (und nicht nur zwischen bestanden und nicht bestanden unterschieden wird), um sich diese an der Heimuniversität anerkennen lassen zu können. Darauf wird von Seiten der Universität Tartu jedoch auch mehrmals hingewiesen. Die Lehrveranstaltungen werden zumeist mit 6 ECTS-Punkten vergütet, es gibt jedoch Abweichungen. Generell wird verstärkt auf eine Einhaltung des Arbeitsumfanges für einen ECTS-Punkt (=30 Arbeitsstunden) geachtet. Dies führt zu weniger Selbststudium und mehr genauen Arbeitsaufträgen. In den von mir belegten Kursen wurde viel Wert auf Datenanalyse gelegt und wöchentliche Abgaben von kleinen Aufgaben oder kurzen Essays war die Regel. Der Arbeitsaufwand im laufenden Semester war damit höher als gewohnt, jedoch waren Ende Mai alle Prüfungsleistungen erbracht und Hausarbeiten am Ende des Semesters wurden nicht verlangt. Die Leistungsbewertung war dabei sehr transparent, zu jeder Abgabe gab es Punkte sowie individuelles Feedback. Das Studienklima war in den Kursen durchweg freundlich und produktiv. Da ich nur englischsprachige Kurse belegt habe, wurden diese vornehmlich von internationalen Studierenden besucht und wenig von estnischen Studierenden. Die Betreuung durch Dozenten und Verwaltungsmitarbeiter war durchweg unkompliziert und auf Mails wurde schnell geantwortet. Größere Probleme oder Fragen ergaben sich jedoch nicht, weswegen nur von alltäglicher Kommunikation gesprochen werden kann. Auch die technische Ausstattung der Universität erfüllt alle Bedürfnisse. WLAN ist in allen Universitätsgebäuden vorhanden und funktioniert ohne Probleme. Arbeitsplätze, Ruheräume und Steckdosen sind ausreichend vorhanden. Die Bibliotheken der Fachbereiche waren werktags durchgängig geöffnet, die zentrale Universitätsbibliothek befindet sich gerade im Umbau, weswegen die Ausleihe etwas komplizierter, aber machbar war.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Der Kontakt insbesondere zu ausländischen Studierenden kam schnell und problemlos zustande, insbesondere da ein Großteil der internationalen Studierenden in einem Wohnheim der Universität wohnt und in jeder Wohnung in der Regel sechs Studierende zusammen wohnen. Die Universität vermittelt allen internationalen Studierenden Tutorgruppen bestehend aus 10 – 12 Personen, die von einheimischen Studierenden geleitet werden und die bei organisatorischen und alltäglichen Fragen zur Verfügung stehen. Da an englischsprachigen Kursen größtenteils internationale Studierende teilnehmen und Erasmus- und internationale Studierende in einem Wohnheim untergebracht werden, entwickelt sich schnell eine „Erasmus-Blase“, wodurch man größtenteils mit anderen internationalen Studierenden Zeit verbringt. Natürlich hat man auch mit Einheimischen täglich zu tun und diese können in der Regel Englisch und sind offen und freundlich. Durch die überschaubare Größe der Stadt (100.000 EW) und der Größe der Universität ist die studentische Kultur in Tartu sehr ausgeprägt. Aufgrund einer Vielzahl an Veranstaltungen und Ausgehmöglichkeiten ergibt sich dadurch schnell die Möglichkeit mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Während meines Aufenthaltes in Tartu besuchte ich zweimal wöchentlich einen Estnisch-Sprachkurs, welchen ich auf dem Kompetenzniveau A1 abschloss. Einfache Unterhaltungen auf Estnisch sind damit möglich. Da mein englisches Sprachniveau bereits vor dem Auslandsaufenthalt sehr hoch war (C1-C2), konnte ich eine merkliche Verbesserung kaum feststellen. Die täglichen Unterhaltungen mit anderen internationalen Studierenden mit ihren unterschiedlichen Akzenten sowie viele Unterhaltungen mit meinem texanischen Mitbewohner haben dennoch mein Hörverständnis weiter verbessert.

Wohn-  und Lebenssituation

Eine Unterkunft zu finden war einfach, da die Universität Tartu extra Wohnheimplätze für internationale Studierende reserviert, sofern sie sich fristgerecht dafür anmelden. Es steht für internationale Studierende jedoch nur ein Wohnheim zur Auswahl, Raatuse 22. Dieses liegt zentrumsnah auf der nördlichen Seite des Flusses, über eine Fußgängerbrücke erreicht man die Innenstadt dennoch innerhalb von fünf Minuten zu Fuß. Die Wohnungen bestehen aus einer Küche, Bad und WC sowie drei Zimmern, in denen jeweils zwei Personen zusammenwohnen. Die Miete beträgt 210 Euro monatlich, wobei eine Putzfrau für die Gemeinschaftsräume sowie regelmäßig neue Handtücher und Bettwäsche in der Miete inbegriffen sind. Stabiles WLAN sowie Freizeitgestaltungsmöglichkeiten (Tischtennisplatten) sind vorhanden. Das Wohnheim wird auch als Hostel benutzt, wodurch Schlafmöglichkeiten für Besuch vorhanden sind, allerdings trifft man dadurch auch gerne mal ganze Grundschulklassen oder litauische Reisegruppen in der Lobby.

Tartu verfügt über mehrere Buslinien, für den öffentlichen Nahverkehr gibt es jedoch kein Semesterticket. Bustickets kosten circa 1,20 Euro, jedoch habe ich während meines Aufenthaltes lediglich zwei bis dreimal den Bus genommen, da in der Regel alle Universitätsgebäude und sonstigen Destinationen zu Fuß gut erreichbar sind. Tartu ist über mehrere Überlandbusse mit verschiedenen Orten verbunden (bspw. Tallinn, Riga, St. Petersburg, Ausflugsziele in Estland), welche bei früher Buchung wenig kosten (5 Euro von Tartu nach Tallinn).

Viele Transaktionen laufen bargeldlos ab. Eine Kreditkarte für den Aufenthalt in Estland ist sehr empfehlenswert. Kartenzahlung ist nahezu überall möglich, auch in Kneipen oder beim Bäcker. Es ist so weit verbreitet, dass Geschäfte manchmal bei geringen Beträgen Probleme haben, Wechselgeld  zurück zu geben. Eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen ist ebenso empfehlenswert, generell gestaltet sich der Arztbesuch innerhalb der EU problemlos. Viele Ärzte in der Stadt sprechen Englisch, die medizinische Versorgung ist auch aufgrund des Universitätsklinikums sehr gut.

Die Lebenshaltungskosten sind etwas billiger als in Deutschland, allerdings nicht sonderlich viel. Grundnahrungsmittel sind etwas billiger, jedoch werden viele Luxusartikel importiert und sind dementsprechend teurer. Viele Restaurants in der Stadt bieten preiswerte Mittagsmenüs, welche die fehlende Mensa kompensieren. Mit 400 Euro monatlich konnte ich problemlos auskommen, inklusive Ausflügen, regelmäßigem Ausgehen und hin und wieder Essen gehen. Da Tartu eine überschaubare Universitätsstadt ist, ist die studentische Kultur in der Stadt sehr präsent. Es gibt eine Vielzahl an Bars und Kneipen, Nachtclubs und Partys mit unterschiedlichen Musikrichtungen, Konzerte, mehrere Theater und Kinos sowie kostenlose Veranstaltungen, welche von Studierenden oder Fakultäten organisiert werden. Tartu ist insbesondere in den warmen Monaten überaus grün, es gibt eine Vielzahl an Parks und bei warmem Wetter kann man am Flussufer grillen und Lagerfeuer machen. Hochschulsport wird auch angeboten. Das European Student Network organisiert darüber hinaus regelmäßig Veranstaltungen und Ausflüge (u.a. durchs Baltikum, nach Stockholm und Helsinki, etc.).

 


Rückblick

Wie bereits erwähnt, empfehlen sich der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung sowie die Anschaffung einer Kreditkarte. Dadurch wird das Leben in Estland deutlich einfacher, da die Digitalisierung dort deutlich weiter vorangeschritten ist als in Deutschland. Für die Wintermonate ist entsprechende Kleidung unabdingbar, da es teilweise – 25 Grad kalt werden kann. Ob man sich für einen Platz im Wohnheim entscheidet, muss jeder für sich selbst abwägen. Positiv daran ist, dass ein Wohnheimplatz bei fristgerechter Anmeldung sicher ist, der Abschluss eines Mietvertrages überaus einfach geht, die gute Lage des Wohnheims und der einfache Kontakt zu anderen internationalen Studierenden. Jedoch muss auch erwähnt werden, dass die monatliche Miete von 210 Euro deutlich über der Durchschnittsmiete auf dem freien Wohnungsmarkt liegt. Für ein WG-Zimmer in der Innenstadt sind Monatsmieten von 150 – 200 Euro üblich. Im Wohnheim teilt man sich das Zimmer mit einer weiteren Person. Die Ausstattung der Wohnungen im Wohnheim ist auch spärlich, jede kleine Reparatur wird durch die Wohnheimverwaltung in Rechnung gestellt (bspw. kaputte Glühbirne) und aufgrund der Funktion als Hostel gilt ab 22 Uhr Nachtruhe, was bei einem Wohnheim voller internationaler Kurzzeitstudierenden zwangsweise zu Konflikten mit den Mitarbeiterinnen führt. Ein Platz im Wohnheim ist der bequeme Weg und nicht das Schlechteste, jedoch würde ich rückblickend eher die Suche nach einem WG-Zimmer empfehlen. Generell ist Tartu eine überaus schöne Universitätsstadt mit genau der richtigen Größe, sodass es einem nie langweilig wird und die Stadt innerhalb des Aufenthaltes gut kennenlernen kann. Die Organisation an der Uni funktioniert reibungslos, die Kurse sind abwechslungsreich und auf gutem Niveau. Estland ist ein spannendes Land voller technischer Innovationen, schöner Landschaft und herzlichen Menschen und daher (noch) ein Geheimtipp für alle, die nicht unbedingt nach Spanien/Frankreich wollen.

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