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Zwei Semester in Tallinn

Der Weg zu meinem Erasmus-Platz

Die Vorbereitung lief bei mir etwas chaotisch ab, da ich erst im Sommersemester 2016 an die UP wechselte, um mein Masterstudium am HPI aufzunehmen. Dadurch konnte ich mich nicht auf dem normalen Weg auf einen Erasmus-Platz bewerben. Es gibt aber immer eine lange Liste an Restplätzen, auf die man sich “bewerben” kann. Dazu muss man erst die lokale Ansprechperson kontaktieren. Wenn diese zustimmt, kann man die potentielle Partneruniversität anfragen. Bei diesem Verfahren spielt das Studienfach auch keine so große Rolle mehr. Zum Beispiel: Ich habe einen Platz des Germanistik-Bereichs erhalten, aber nur Lehrveranstaltungen der Informatik gehört. Dies muss man aber bei der Partneruniversität erst anfragen. Tendenziell wird damit die ganze Sache noch einen Zahn komplizierter, da man teilweise zwischen den Instituten steht. Aber ich hatte keine andere Wahl.


Studienfach: IT-Systems Engineering

 Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Tallinn University

Gastland: Estland

Da diese ganze Kommunikation sich sehr in die Länge ziehen kann, empfehle ich parallel mehrere Universitäten ins Auge zu fassen und zu kontaktieren. Teilweise funktionierte die Kommunikation mit den Koordinatoren an der UP per Email ausgezeichnet, doch bei manchen Personen ist es besser, direkt in die Sprechstunden zu gehen. Tallinn war von Anfang an in meiner Prioritätenliste, da ich von der exzellenten Betreuung durch die studentische Organisationen ESN gehört habe. Dazu weiter unten mehr. Ansonsten war es mir wichtig, dass der Ort nicht zu klein ist und die Uni auch halbwegs im Zentrum liegt und, dass mir die Fachrichtung der Kurse gefällt.

Studienfach: IT-Systems Engineering

 Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Tallinn University

Gastland: Estland

Vorbereitung

Nachdem mir also mein Platz zugesichert worden war, erstellte ich ein Learning Agreement und bewarb mich der Form halber online. Man braucht einen Nachweis, dass man ausreichend Englisch sprechen kann. Ich hatte einen IELTS-Nachweis, aber sie akzeptieren viele, einfach zu erhaltenden Nachweise. Ich bekam noch Informationen zu einem, von der EU finanzierten, Estnisch-Sprachkurs und bewarb mich auch für ihn. Diese Bewerbung war ebenso erfolgreich und somit begann mein Abenteuer schon einige Wochen vor Semesterstart am 1.8.2016 in Tallinn.

Ankunft

Weil es billiger ist, bin ich von Berlin nach Riga geflogen und von dort mit dem Bus weiter nach Tallinn gefahren. Der Sprachkurs dauert insgesamt drei Wochen und es gab neben dem Unterricht eine Fülle an Freizeitaktivitäten, wie u.a. einen Trip nach Ost-Estland. Der Sprachkurs ist wirklich zu empfehlen, wenn man etwas tiefer in die fremde Kultur eintauchen will. Wir waren nur 13 Personen in dem Kurs, da er wohl für viele Leute zu früh am begann. Ich hatte somit nur ein paar Tage Zeit zwischen dem Semesterende in Potsdam und Beginn in Tallinn.
Es war gut, dass wir dort eine Unterkunft organisiert bekommen haben. Es war zwar in der Kaserne/Studierendenwohnheim der Polizeihochschule, aber so konnte ich vor Ort nach einer geeigneten Wohnung Ausschau halten.

Unterbringung

Es fand meine Unterkunft in der Facebook-Gruppe Erasmus in Tallinn/accommodationund meine Vermieterin Signe Steinberg ist sehr zu empfehlen. Das Zimmer war in einer WG direkt neben der Uni (30m) für 225 Euro (+ 10 - 60 Euro Heizkosten).
Es gibt ein paar Plätze in günstigen Studierendenwohnheimen, aber da es zu viele Bewerbungen gibt, muss man Glück haben einen angeboten zu bekommen. Ich bewarb mich, bekam sogar einen Platz, nahm ihn dann aber nicht an. In den Wohnheimen teilt man sich ein Zimmer mit einer anderen Person und ich bevorzuge, wenn möglich, dann doch mehr Privatsphäre. Es gibt ein Wohnheim direkt neben der Uni, namens “Karu”, und einige, die wirklich weit außerhalb der Stadt liegen. Das Leben, gerade in Karu ist schon ganz witzig. Es gibt extra zwei Etagen nur für Erasmus-Studenten und dadurch ingesamt sehr viel Geselligkeit. Wenn man das Zimmer für eine Weile für sich alleine haben möchte, lässt sich das wohl auch arrangieren. Letztendlich ist es aber eine reine Glücksfrage, ob man sich mit seinem/r Zimmermitbewohner*in versteht oder nicht.
Man sollte sich bei der Wohnungssuche nicht stressen lassen. Ich kann nicht empfehlen, sich von Deutschland aus ein Zimmer zu buchen. Wenn es einem dann nicht gefällt, kommt man aus dem Vertrag nicht wieder raus. Ebenso sollte man nicht in Panik verfallen und überstürzt zu viel Geld für die Unterkunft ausgeben. Gerade die privaten Studierendenwohnheime erschienen mir, mit Angeboten über 400 Euro, sehr überteuert. Zur Not wohnt man die ersten Wochen im Hostel und organisiert sich dann etwas.

Studium an der Gastuniversität

Die Qualität der Kurse variierte stark, aber im Allgemeinen lag das Niveau unter dem deutscher Kurse. Die Gastuniversität ist aber auch eher wie eine Hochschule und daher schwer mit der UP zu vergleichen. Die Kurse sind kleiner und praktischer, was gar nicht so schlecht sein muss. Es gab auch sehr anspruchsvolle Kurse. Ich belegte Kurse aus dem Human-Computer-Interaction-Masterstudiengang aber mir war bis zum Start nicht klar, dass er sich an berufstätige Menschen richtet. Somit fanden die Kurse nur alle zwei Wochen im Block am Donnerstag, Freitag und Samstag statt. Teilweise hatte ich dann bis zu 12 Stunden pro Tag. Es gab auch viele Hausaufgaben zwischen den Terminen. Diese Information hätte man wahrscheinlich durch Nachfragen erhalten können. Ansonsten muss man noch beachten, dass einige Kurse sich nur über Teile des Semester erstrecken. Somit kann es sein, dass man in der ersten Hälfte wenige Kurse, dann aber in der zweiten Hälfte ganz viele Kurse hat.
Ich war etwas von dem Sprachzentrum enttäuscht. Es gab viel zu wenige Estnisch-Kurse und somit konnten nur so 20% aller Interessenten einen Platz erhalten. Man sollte daher zügig nach Freischaltung seine Sprachkurse (inklusive der anderen Kurse) wählen.
Eine Sache gibt’s noch zu beachten: Für einige Kurse bekommt man nur einen “Schein” (gab’s vor Bologna auch häufiger in Deutschland), also “pass” oder “fail” und damit keine Note. Früher konnte man als Austauschstudent dennoch eine Note erhalten. Das ist aber mittlerweile vorbei.
Ich hatte ursprünglich nur ein Semester geplant, auch wenn ich immer damit geliebäugelt habe zwei zu bleiben. Ich konnte dann relativ unkompliziert eine Verlängerung beantragen. Obwohl es erst ungewiss war, ob ich die finanzielle Unterstützung der EU für das Semester bekommen würde, passte dann doch alles. Wenn du dir sowieso schon vorstellen kannst zwei Semester zu bleiben, dann solltest du ruhig schon von Anfang an zwei beantragen. Falls du doch die Lust verlierst, kannst du immer noch nach nur einem Semester gehen.
Abschließend lässt sich sagen, dass sich die Universität sehr gut um die Erasmus-Studierenden kümmert. Gerade die Erasmus-Koordinatoren*innen sind sehr zuvorkommend und helfen einem immer weiter. Die ganze Universität fährt eine Internationalisierungsstrategie und hat daher starkes Interesse an vielen zufriedenen Erasmus-Studierenden.

Kontakt zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Es gab wirklich sehr viele ESN-Veranstaltungen. Ich empfehle, gerade am Anfang, an so vielen wie möglich teilzunehmen, um Kontakte zu neuen Leuten herzustellen, was im Allgemein sehr einfach ist. Es gab die typischen Erasmus-Parties, aber auch andere Veranstaltungen mit weniger Alkohol und mehr Gehalt. Die von ESN organisierten Trips waren alle top. Man sollte nach der Online-Freischaltung nicht lange warten. Gerade die Trips nach Lappland und St. Petersburg waren schnell ausgebucht. Die Trips waren alle sehr professionell organisiert und man konnte sehr gut die anderen Leute näher kennen lernen. Viele Leute trifft man flüchtig auf so Veranstaltungen, aber auf den Trips kann man tiefere Bekanntschaften machen. Man kann aber auch gut mit Leuten, die man da kennenlernt, sich selbst etwas organisieren. Ich bin zum Beispiel mit einem Kumpel mit dem Nachtzug von Tallinn nach Moskau gefahren und habe eine epische Zeit dort erlebt.
Man muss aber auch sagen, dass es Leute gab, die mit dem ganzen Leben im Ausland, aus verschiedenen Gründen, nicht zurechtkamen. Man muss halt schon etwas flexibel sein und nicht gleich in Panik ausbrechen, nur weil es den Lieblingsjogurt nicht im Supermarkt gibt.
Den Kontakt zu einheimischen Studierenden herzustellen, ist wie bei jedem Auslandsaufenthalt, nicht einfach, da man einfach mehr Interessen mit anderen Ausländern teilt. Es ist aber trotzdem möglich, indem man zum Beispiel in einem Sportverein mitmacht. Ich habe zum Beispiel auch mit ein paar Esten zusammen gewohnt und habe somit gute Kontakte pflegen können.

Leben

Jetzt noch ein paar Sachen zum allgemeinen Leben:

  • extra Bankkonto: Braucht man nicht. Man kann nahezu überall mit Kreditkarte bezahlen. Man sollte ggfs. noch ein deutsches Konto einrichten, bei dem man kostenlos Geld im Ausland abheben kann.
  • Gesundheitsversicherung: Braucht man nicht unbedingt. Mit der europäischen Gesundheitskarte wird man überall wie ein Bürger Estlands behandelt. Aber so Sachen wie Heimtransport im Todesfall oder Krankentransport im Fall stationärer Behandlung sind nicht versichert. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, was er braucht.
  • Es ist sinnvoll sich am Anfang des Aufenthalts einen Familienarzt zu suchen, ansonsten muss man bei jeder Kleinigkeit ins Krankenhaus rennen.
  • Preise: Im Supermarkt ist alles, außer lokale Produkte, teurer als in Deutschland. Ansonsten ist das Leben schon etwas billiger, aber nicht viel. Das Bier kostet z.B. zwischen 2,50 Euro bis 3,50 Euro im Lokal. Ein paar Sachen sind z.B. aber sehr günstig wie z.B. Taxis mit Taxify/Uber so 3-5 Euro pro Fahrt. Fitnessstudios sind aber mit 45 Euro schon eher teuer.

 

 


Abschluss

Ich entschied mich über das Erasmus-Programm ins Ausland zu gehen, weil einfach jede Person, die es getan hat, davon geschwärmt hat. Und so ist es jetzt auch bei mir. Noch nie hat mich eine Zeit so sehr geprägt, wie die zehn Monate in Estland. Ich kann wirklich jeder Person empfehlen den Schritt ins Ausland zu wagen, den Alltag in Deutschland hinter sich zu lassen und sich dort auf neue Menschen einzulassen.

Estland

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