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Persönlicher Erasmus-Erfahrungsbericht - Roskilde Universitet

Die Teilnahme an einem Erasmus-Programm ist eine wertvolle Erfahrung und war über das Fach Kulturwissenschaft einfach zu erreichen. Die Bewerbung fordert nur ein Dokument mit persönlichen Daten und Wunschland und -semester. Daraufhin bemüht sich der Koordinator um einen Platz und stellt somit schon den ersten Kontakt zur Gastuni her, die Roskilde Universität hat sich dann selbstständig per Email bei mir zurückgemeldet und mich über das weitere Bewerbungsverfahren informiert.


Studienfach: Anglistik

Aufenthaltsdauer: 01/2015 – 06/2015

Gastuniversität: Roskilde Universitet

Gastland: Dänemark

Verlangt sind ein Learning Agreement, ein Transcript of Records, ein Dokument mit allen persönlichen Daten und ein Nachweis über ausreichende Englischkenntnisse (i.d.R. Niveau C1).

Das Studium an der Uni Roskilde ist völlig anders strukturiert als in Deutschland. Der Fokus liegt auf Gruppenarbeiten, die neben fachlicher Kenntnis auch ungemein die soft skills stärken. Ein Gruppenprojekt mach die Hälfte der Credits eines Semester aus, also 15 LP. In einer Gruppenfindungsphase zu Beginn des Semester werden mögliche Themen mit Dozenten diskutiert und ausgewählt und in der anschließenden Phase des „Browsing“ muss sich jeder Student einem Projekt anschließen, dass ihr oder ihm persönlich gefällt. Das Projekt wird dann das ganze Semester über selbstständig organisiert durchgeführt und in einer wissenschaftlichen Arbeit dokumentiert, die je nach Gruppe kürzer oder länger ist (wir waren zu fünft und hatten ein Minimum von 55 Seiten) und am Ende in einer mündlichen Prüfung verteidigt. Das Projekt wird von einem Supervisor (ein Dozent) betreut.

Um die restlichen 15 Credits zu erreichen werden neben dem Projekt drei Kurse à 5 LP belegt, die in der Regel Grundwissen zum Fach vermitteln und viel weniger intensiv sind als zu Hause. Üblich ist, dass Prüfungen nur mit Pass/Fail abgeschlossen werden. Außerdem gibt es häufig 24 bzw. 48 hour exams, in denen der Student eine Fragestellung bekommt, für die dann 24 bzw. 48 Stunden zur Beantwortung gegeben sind.

Die Atmosphäre ist sehr familiär. Die Uni Roskilde ist eine für unsere Verhältnisse kleine Uni mit ca. 9000 Studenten. Man duzt sich mit Dozenten und auf dem Campus organisieren die unterschiedlichen Fakultäten regelmäßig am Wochenende Partys, sodass man viele Leute immer wieder trifft und kennenlernen kann.

Alle sind zudem sehr hilfsbereit, ob man Mitstudenten oder Dozenten um Hilfe bittet oder sich an die Sekretäre wendet, wenn mal ein Problem vorliegt, alle kümmern sich rührend in der Fakultät. Nur die Organisation des International Office selbst ist etwas durcheinander und die Öffnungszeiten sind sehr kurz. Der international Desk ist wichtig für Unterschriften und benötigte Stempel, bei Fragen zu Wohnung oder Studium lieber an die freiwilligen Helfer im International Office wenden, die im Studenthouse sitzen (bei Facebook International Club at Roskilde University liken, hier werden wichtige Sachen gepostet!).

Die technische Ausstattung ist sehr modern und umfassend. Man hat 700 Freikopien im Department (Fakultät) und überall Gruppenarbeitsräume mit Computern. Außerdem hat jedes Department eigene gut ausgestattete Küchen, in denen man jederzeit zusammen kochen und essen kann, wenn die Kantine zu teuer wird. Die Bibliothek ist ebenfalls in einem top Zustand, man kann kostenlos einen vollautomatischen Scanner benutzen und hat auch hier überall gratis Computerpools. Alle Tische haben Plugs und Lampen, der ganze Campus bietet kostenloses Wifi. Wenn es doch mal länger dauert mit dem Lernen, gibt es sogar einen Skype-Raum. Außerdem gibt es zwei Hängematten, falls man mal eine Pause braucht. Die Bibliothek ist bis 0:00 geöffnet, wobei das freundliche, hilfsbereite Personal nur bis 17:30 im Haus ist.

Alle Türen auf dem Campus lassen sich auch am Wochenende mit aktivierter Studentenkarte öffnen, man kann also die Lerneinrichtungen jederzeit nutzen. Wie meistens bei einem Auslandsaufenthalt lernt man hauptsächlich andere Internationals kennen, mit denen man auch zusammen wohnt und gemeinsame Aktivitäten organisiert. Das Gruppenprojekt ist allerdings eine sehr gute Chance, Kontakt zu Dänen zu schließen, die ähnlich wie Deutsche auf den ersten Blick eher reserviert sind. Ich habe angefangen, mit meinen Gruppenmitgliedern auch privat viel zu Unternehmen und damit vier gute Freunde gefunden. Wichtig ist, dass man aufgeschlossen ist. Auch den kostenlosen Dänischkurs an der Uni kann ich empfehlen! Da ich Englisch studiere hat sich meine Sprachkompetenz vom offiziellen Level her nicht verbessern können. Aber durch das ständige Sprechen bekommt man wieder ein besseres Gefühl für die Aussprache und alltägliche Redewendungen, die so im akademischen Alltag nicht vorkommen. Außerdem lernt man immer wieder neue Vokabeln und wird selbstsicherer im Gebrauch der Sprache.

Vor der Ankunft in Roskilde hat man die Möglichkeit, sich für einen Platz im Studentenwohnheim zu bewerben. Alle sind sehr teuer, ich habe in Korallen gewohnt, hatte also meine eigene kleine Wohnung, deren Standard in Ordnung war, aber keinesfalls 540 Euro Miete wert. Ich habe vorher versucht, etwas in Kopenhagen zu finden, was allerdings noch teurer und fast unmöglich ist, es gibt Wartelisten von 2 Jahren, ich habe die ersten drei Wochen für 330 € in einer WG in Kopenhagen gewohnt und bin dann auf den letzten Drücker in Korallen untergekommen. Am besten rechtzeitig für Rockwool oder Kolibrien bewerben, die Atmosphäre ist überall auf ihre Weise gut und auf dem Campus wird es nicht langweilig. Eine meiner Freundinnen wohnte in Kopenhagen und hatte eine weniger gute Erfahrung und konnte nicht dieselben intensiven Freundschaften schließen, da sie isoliert war. Die Krankenversicherung in Dänemark ist kostenlos, allerdings muss man sich beim Bürgerservice registrieren. Dennoch ist Dänemark sehr teuer, Lebensmittel und öffentliche Verkehrsmittel erzeugen unheimlich hohe Lebenserhaltungskosten, mit 1000 bis 1200 Euro im Monat sollte man rechnen. Typisch ist in Dänemark die Rejsekort als elektronisches Ticket. Wenn man sehr oft nach Kopenhagen fährt, lohnt sich aber vielleicht eher die Ungdomskort, ein Studententicket für 600 Kronen im Monat. Uns wurde gesagt, wir könnten sie als Erasmus nicht bekommen, bis wir im letzten Monat herausgefunden haben, dass sie uns gesetzlich zusteht, also nicht abwimmeln lassen!

Hinzu kommt, dass der Campus nicht direkt in Roskilde ist, sondern eine Zugstation davor, das Zentrum ist 45 min Fußweg entfernt. Ein Fahrrad kaufen lohnt sich auf jeden Fall, denn um den Campus herum gibt es tagsüber am Wochenende nicht wirklich viel zu sehen. Kopenhagen hat einiges zu bieten, allerdings sind auch die meisten Freizeitangebote etwas teurer. Museen sind weitestgehend gratis. Wer sich den teuren Eintritt für Tivoli sparen möchte, aber Freizeitparks mag, sollte nach Bakken fahren, der älteste Spaßpark Dänemarks, eine halbe Stunde mit der S-Bahn vom Zentrum entfernt. Ein Trip nach Malmö über die Öresund Brücke ist mit 12 Euro eine Strecke auch lohnens- und preiswert. Außerdem kann man relativ günstig ein Auto mieten, wenn man die Adresse im Heimatland (!!!) angibt und so für kleine Roadtrips und Tagesausflüge den teuren öffentlichen Verkehr umgehen.

Wer im Wintersemester nach Dänemark geht, sollte sich auf die Dunkelheit und das meist schlechte Wetter einstellen. Der starke Wind lässt nur selten nach und es regnet sehr häufig. Ich rate dazu, ein dänisches Bankkonto anzulegen, um die ständigen Umrechnungsgebühren zwischen Kronen und Euro zu sparen, die auch bei Kreditkartenzahlungen auftreten. Auch wenn es teurer wird, Roskilde ist ein Auslandssemester absolut wert und wenn man noch etwas Glück mit dem Wetter hat, will man nie wieder weg aus dem schönen Norden und vom glücklichsten Land der Welt.

Studienfach: Anglistik

Aufenthaltsdauer: 01/2015 – 06/2015

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