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Århus Universitet 2014/15

Auf der Info Veranstaltung der ERASMUS-Koordinatoren und auf der Internetseite der Universität Potsdam habe ich alle Informationen bekommen, die ich brauchte. Der erste wichtigste Ansprechpartner war der ERASMUS Koordinator meines Studienfaches (damals Herr Lutz), an dem ich auch die Bewerbung schickte. Als diese akzeptiert wurde, war die nächste Ansprechpartnerin Frau Pia Kettmann, die auch den Kontakt zur Gastuniversität herstellt und die Bewerbungsunterlagen an die AU schickt. Ich selber habe die Aarhus Universitet eigenständig nur kontaktieren müssen, als ich Unterschriften für meinen Auslandsbafögantrag brauchte. Die ERASMUS Koordinatorin für den Fachbereich Psychologie (Jette Raalskov) ist sehr nett und hilfsbereit!


Studienfach: Psychologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 06 /2015
Gastuniversität: Århus Universitet
Gastland: Dänemark

Die größte organisatorische Herausforderung war für mich den Antrag für das Auslands-Bafög rechtzeitig abzuschicken. Damit sollte man früh anfangen, da man wirklich viele Unterlagen braucht. Lieber den Antrag schon mal abschicken und fehlende Unterlagen dann nachreichen! Im Endeffekt hat auch alles geklappt und die Verantwortlichen waren sehr nett.

Weitere wichtige Punkte meiner Vorbereitung waren: das Einrichten einer Kreditkarte (die Miete konnte nur mit Kreditkarte bezahlt werden und allgemein kann man in Dänemark überall mit Kreditkarte zahlen), das Abklären einer Versicherung und das Finden einer Unterkunft. Damit würde ich auf jeden Fall frühzeitig anfangen. Genaueres dazu auch weiter unten.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich während meiner Vorbereitungen teilweise etwas überfordert war und leicht den Überblick verloren habe, welche Dokumente ich wann wo abgeben oder beantragen muss. Aber im Endeffekt hat alles geklappt. Also keine Panik, wenn manchmal alles unüberwindbar scheint (das habe ich zwar mit Sicherheit auch vorher in einem Erfahrungsbericht gelesen und war dennoch panisch, aber vielleicht hilft es ja doch!).

Studienfach: Psychologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 06 /2015
Gastuniversität: Århus Universitet
Gastland: Dänemark

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der AU war schlichtweg toll und auch der Grund warum ich meinen Aufenthalt tatsächlich noch um ein Semester verlängert habe.

Angefangen beim (meiner Meinung nach) weltschönstem Campus (einem riesigen Park, mit riesigen Eichen, grünsten Wiesen, Seen, Enten und efeubewachsenen gelben Backsteinhäusern), über die sehr moderne Ausstattung zu den freundlichen KommilitonInnen und Lehrenden.

Weiterhin hat mich nachhaltig beeindruckt, dass an der AU die Psychologie philosophischer betrachtet wird und auch der qualitative Zugang zur Psychologie eine viel größere Rolle spielt. Außerdem waren die Seminare, die ich besucht habe meistens sehr interaktiv und von sehr kompetenten, dynamischen Lehrenden gehalten (es gab da natürlich auch Ausnahmen). Diese Seminare sind nicht der Standard für die dänischen Studierenden, Vorlesungen sind auch in Aarhus die Regel. Aber auch die haben mir im technisch perfekt ausgestatteten Hörsaal (mit Mikrofonen, die tatsächlich ihren Zweck erfüllen) gut gefallen. Die meisten Vorlesungen sind allerdings auf Dänisch, was ich mir im zweiten Semester fälschlicherweise zugetraut habe, deswegen lohnt es sich schon wesentlich mehr, die auf Englisch angebotenen Seminare zu besuchen.

Das Problem mit den (zwar sehr interessanten und anregenden) englischsprachigen Seminaren ist allerdings, dass sie eher als Extra oder Vertiefung für das Psychologie Studium angesehen werden und deswegen nicht unbedingt den Lehrveranstaltungen in Potsdam entsprechen und auch jedes Semester wechseln. Das heißt, es ist schwierig sein Studienverlauf so zu planen, dass man bestimmte Leistungspunkte in Aarhus macht, weil man nicht weiß, ob die Seminare, die jetzt im Course Catalogue (http://kursuskatalog.au.dk/en/) stehen wirklich im eigentlichen Austauschsemester angeboten werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber nicht zu spät im Bachelorstudium in's Ausland zu gehen, um ein bisschen Spielraum zu haben, welche Veranstaltungen man sich noch anrechnen lassen kann. Viele Seminare in Aarhus könnte man sich sicherlich gut für Gesundheitspsychologie und Klinische Psychologie anrechnen lassen. Ich habe auch eine sehr gute Statistik Vorlesung (auf Englisch) besucht. Sich etwas langfristig über die Kurswahl Gedanken zu machen, kann sicherlich sehr nützlich sein, wenn man nicht länger als Regelstudienzeit studieren möchte.

Für mich persönlich wiegt die Erfahrung und das Erleben der für mich ungewohnten Herangehensweise der AU an die Psychologie und die größtenteils sehr gute Vermittlung von Wissen jedoch viel mehr, als die Frage nach der Anrechnung und der Länge meines Studiums. Ich habe fachlich (und auch persönlich) sehr sehr viel gelernt an der AU.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Aarhus ist eine klassische Studentenstadt. Viel soziales Leben findet tatsächlich auch auf dem Campus statt. Freitag nachmittag wird schon gegen 15 Uhr Bier in den Kantinen getrunken in den sogenannten Friday Bars, die je nach Fachrichtung sehr wild enden können (vor allem bei den Medizinern). Da ist es durchaus möglich dänische Studierende kennen zu lernen, die unendlich aufgeschlossen sind, wenn sie betrunken sind, aber mich auch immer wieder im nüchternen Zustand mit ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begeistert haben. Ich habe generell dieses Gerücht, die Dänen seien so kalt, nicht bestätigt finden können.

Die AU legt auch viel Wert auf internationale Studierende, deren Integration und die Vernetzung zwischen den Studierenden. Vor allem das Studenterhus (http://www.studenterhusaarhus.dk/) spielt dabei eine große Rolle. Und das ist jetzt der beste Tipp den ich für einen Aufenthalt in Aarhus geben kann: Als Volunteer im Studenterhus arbeiten! Es gibt dort ein Café und eine Bar und einen großen Veranstaltungsraum, in dem Konzerte oder Lesungen oder 2nd Hand Märkte stattfinden. Das Studenterhus sucht immer Freiwillige, die drei Mal im Monat entweder im Café bzw auf dort veranstalteten Parties arbeiten oder in einer der Gruppen Veranstaltungen organisieren, die sich immer an Studierende und oft an internationals richtet. Als Freiwillige bekommt man kein Geld, aber kostenlosen Eintritt zu allen Konzerten im studenterhus (was sich lohnt, da dort tolle, wenn auch unbekannte Bands spielen), halbe Preise in der Bar und kostenlosen Kaffee und natürlich die tolle Gelegenheit ganz viele andere Freiwillige (dänisch und international) kennen und lieben zu lernen. Für mich war das Studenterhus mein zweites Zu Hause!

Die nächste tolle Möglichkeit dänische Freundschaften zu schließen ist das Friendship Ambassador Program, das auch vom Studenterhus organisiert ist. Dort bekommt man eine/n dänische/n Student/in vermittelt auf Basis eines Bewerbungsbogen und kann mit dieser gemeinsam kostenlos an Veranstaltungen teilnehmen (ich habe ein modernes Ballett, ein Tanztheaterstück, eine Führung im ARoS Museum, Sportveranstaltungen und Essensgutscheine angeboten bekommen). Mein FA match habe ich im ersten Semester kennen gelernt und sie wurde eine meiner besten Freundinnen. An das Programm kommt ihr über das Studenterhus. Vermutlich wird sich deren Leiterin Anne während eurer Intro-Tage vorstellen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Bevor ich nach Aarhus gefahren bin, habe ich mit einem Sprachlehrbuch versucht mir ein paar Grundkenntnisse anzueignen (das Buch war aber schlecht aufgebaut und hat mir nicht so viel gebracht). In Aarhus konnte ich zwei mal die Woche zum Dänisch Unterricht, der für alle Menschen umsonst angeboten wurde. Dort habe ich ziemlich gut Dänisch gelernt. Leider ist es schon ein gewisser zeitlicher Aufwand eine Sprache zu lernen und das Wichtigste ist wirklich, selber immer dran zu bleiben, auch wenn man es nicht schafft zum Unterricht zu gehen oder seine Hausaufgaben zu machen. In Dänemark sprechen tatsächlich alle Englisch und wechseln auch schnell in's Englische, wenn sie merken ihr Gegenüber spricht kaum Dänisch. Ich habe aber festgestellt, dass es hilft trotzdem auf Dänisch weiter zu machen, auch wenn es lange dauert und nicht besonders richtig ist. Aber es bringt mehr auf Dänisch zu fragen: "Kannst Du das wiederholen?" als das auf Englisch zu fragen, die Dänen merken dann ja schon, dass man keine Muttersprachlerin ist und man sich aber dennoch darum bemüht. Ich kenne Leute, die nach 2 Semestern und ohne Vorkenntnisse mittlerweile fließend sprechen aber auch Leute, die die einfachsten Worte nicht verstehen, es kommt halt immer darauf an, wie viel Zeit und Aufwand investiert werden kann und will. Mein gesprochenes und geschriebenes Englisch ist auf jeden Fall besser geworden, da ja alle Lehrveranstaltungen auf Englisch stattfinden. Allerdings gibt es unendlich viele deutsche Austauschstudierende und ich muss sagen, am besten hat sich mein Englisch entwickelt, als ich weniger unter Deutschen war.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe mir über das International Center (http://www.au.dk/en/internationalcentre/) eine Unterkunft vermitteln lassen (http://www.au.dk/en/internationalcentre/housing/exchange/aarhus/). Das ist auch das Einfachste, da es zwar zum Beispiel facebook Gruppen für Vermietung von Wohnungen und WG-Angebote gibt (https://www.facebook.com/groups/minlejeboligaarhus/?fref=ts), ich aber das Gefühl hatte, dass Dänischsprachige meistens bevorzugt werden. Außerdem sind Wohnungen sehr teuer. Durch das IC bin ich in einem Wohnheim untergekommen, das verglichen mit anderen, die ich gesehen habe, sehr gut ausgestattet, nicht zu weit weg von der Uni und vom Stadtzentrum und vor allem sehr billig war (so ca 380 Euro im Monat) und in dem ich mein eigenes Bad hatte. Die tollste Art der Unterkunft ist aber ein shared facility Haus. Die, die ich kannte wurden nur an Erasmus Studierende vermietet, die in richtigen Einfamilienhäusern mit Garten wohnten. Die sind zwar teurer, aber häufig auch näher an Uni und Stadtzentrum (oder auch am Meer) und in den Häusern entsteht viel mehr Zusammenhalt unter den Bewohnern als in einem Wohnheim. Bei dem Unterkunftsgesuch, dass man an das IC schicken kann, kann man angeben, welche Art der Unterbringung bevorzugt wird. Ich empfehle "shared facility" anzugeben. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Miete kann in meinem Wohnheim (Vilhelm Kiers Kollegium) nur mit Kreditkarte gezahlt werden. Die Kaution war leider sehr hoch und womöglich bekomme ich nicht alles zurück, da immer noch etwas für die Reinigung abgezogen wird.

In Aarhus lohnt es sich am meisten mit dem Fahrrad zu fahren. Die werden entweder auf facebook verkauft oder auf einer Seite, die ähnlich ist, wie die "Zweite Hand" (http://www.dba.dk/). Ich hab zwar das Busnetz als gut ausgebaut empfunden, aber in der Woche fahren nach 12 Uhr keine Busse mehr und am Wochenende nur im 90 Minutentakt.
Es wird empfohlen eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Ich habe das für das erste Semester gemacht und sie nicht gebraucht. Im zweiten hatte ich keine mehr und brauchte sie auch nicht. Allgemeine Arztbesuche sind kostenlos in Dänemark. In den ersten Info Tagen der AU bekommt man einen persönlichen Arzt zugeteilt, der Englisch spricht und sich in Wohnortsnähe befindet.

Leben in Aarhus ist teuer. Vor allem Miete und Lebensmittel sind teuer. Irgendwie habe ich mich daran aber gewöhnt und alle Möglichkeiten genutzt um an kostenlose Angebote ranzukommen: als Freiwillige im Studenterhus, im Friendship Ambassador Program, andere kulturelle Veranstaltungen des Studenterhus (wie zum Beispiel ein ArtCrawl, das ähnlich wie ein PubCrawl, zu kulturellen und künstlerischen Orten führt und auch immer kostenloses Bier anbietet), die Post a Letter Abende im Café smagløs, wo Briefpapier und Stifte und Briefmarken umsonst angeboten werden, Pubquiz in Pubs wie dem Sherlock Holmes oder Waxies, bei denen Bier gewonnen werden kann, kostenlose Eintritte in Bars/Clubs (wie dem Café Paradis oder dem Shen Mao) sowie kostenfreie Museen und Ausstellungen, wie zum Beispiel die Kunsthal. In Aarhus ist immer etwas los. So viel Kunst, Kultur und Musik auf so hohem Niveau findet man nicht in jeder Stadt. Über das Jahr hinweg sind auch viele Musikfestivals. Zum Beispiel gibt es Ende August/Anfang September die Aarhus Festuge in der es in ganz Aarhus kostenlose Open Air Konzerte gibt.

Außerdem hat Aarhus zwei Strände im Süden und im Norden, den schönen Wald Risskov (im Norden) und den Wildtier Park (im Süden) in dem man Rehe füttern und streicheln kann.


Rückblick

Aarhus ist großartig und hat viel zu bieten, sei es in Form von Uni- oder Wohnheimparties, Stadtführungen, Museen, Konzerte oder einer tollen Lernumgebung mit neuen, interessanten Blickwinkeln. Alles was man selbst tun muss, ist all diese Angebote anzunehmen und offen und neugierig zu sein. Mir sind die tollen Erlebnisse und Begegnungen gerade so entgegen geflogen. Trotzdem gibt es natürlich Phasen, in denen Überforderung und Planlosigkeit überwiegen und wenn dann noch der wirklich sehr lange, kalte und dunkle Winter kommt, in dem niemand mehr so richtig vor die Tür gehen mag und alle Angst vor den ersten Prüfungen im Ausland haben, kann es auch sehr schwierig werden. Ich habe einfach versucht, mich dennoch zum Rausgehen zu zwingen, lieber im Studenterhus Café oder in der Bibliothek zu lernen, anstelle alleine zu Hause rum zu hocken und mich an Menschen zu halten, die bereit waren, dem schlechten Wetter zu trotzen und dennoch Unternehmungen wagten.

Ich würde auch empfehlen, wenn es der Studienplan zulässt, um ein zweites Semester zu verlängern. Die Stadt im Frühling zu erleben, die Sprache besser zu lernen, in die Kultur tiefer einzutauchen und die dänische Lehr- und Studiumsumgebung voll auszukosten waren für mich Grund genug um länger zu bleiben und ich habe es in keiner Sekunde bereut.

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