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Aalborg University 2014/15

Im Laufe des Jahres 2013 entschloss ich mich, im Rahmen meines Masterstudiums Mathematik im Wintersemester 14/15 ein Erasmussemester einzulegen. Nach ersten Recherchen auf der Internetseite des akademischen Auslandsamtes der Universität Potsdam und Begutachtung der Liste der Partnerinstitute des Potsdamer Instituts für Mathematik, schien mir ein Auslandssemester in Aalborg in Dänemark am geeignetsten. Ein Grund dafür war, dass ich von den guten Englischkenntnissen der Dänen gehört hatte. Diese, so stellte ich mir vor, würden das alltägliche Leben und das Zurechtfinden im Universitätsbetrieb stark vereinfachen. Nachdem ich mir auch die Internetseite der Universität in Aalborg angesehen hatte und so von der außergewöhnlich praktischen Ausrichtung der dortigen Lehre erfahren hatte, war ich überzeugt, dass es eine interessante Erfahrung sein musste, diesen Plan weiter zu verfolgen.


Studienfach: Mathematik
Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 01 /2015
Gastuniversität: Aalborg Universitet
Gastland: Dänemark

Mitte Januar hatte ich ein erstes Gespräch mit der Erasmus Koordinatorin an meinem Institut, Frau Böckmann. Ich musste dann zwar pro forma einen Bewerbungsfragebogen ausfüllen, allerdings konnte mir Frau Böckmann aufgrund geringer Nachfrage den Platz direkt zusagen. Sie stellte auch gleich den Kontakt zu dem Erasmus Koordinator des Instituts für Mathematik in Aalborg, Herrn Raußen, her. Herr Raußen kommt ursprünglichen aus Deutschland, das machte natürlich die Kommunikation sehr einfach. Er nahm es auch gleich in die Hand, sich zu informieren, welche Kurse im betreffenden Semester angeboten wurden und für mich geeignete Kurse zusammenzustellen. Es stellte sich heraus, dass wegen eines Wechsels der Studienordnung keine Kurse angeboten wurden, die meinem Semester entsprachen. Allerdings konnte mir Herr Raussen einige Kurse anbieten, die von den Aalborger Studenten standardmäßig im fünften Semester besucht werden. Da in diesen Kursen auch Inhalte vermittelt werden, die ich in Potsdam noch nicht gelernt hatte, entschied ich mich dafür, an diesen teilzunehmen. Es ist auch eine gute Idee, sich in einem Auslandssemester nicht mit Inhalten zu überfordern, wo man doch schon zusätzliche Energie und Zeit darauf verwendet, sich in einer fremden Sprache (Englisch) und in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Herr Raußen konnte mir auch gleich zusichern, dass die entsprechenden Vorlesungen im Falle meines Kommens auf Englisch stattfinden würden.

Eine gewisse Hürde stellte die Bewerbung an der Universität Aalborg dar. Hier wurden neben der Zusendung einer Übersetzung der Leistungsübersicht und eines Fragebogens per Post die Teilnahme an einem standardisierten Englischtest verlangt. Einen Test, den man beispielsweise im Rahmen eines Kurses an der Universität Potsdam abgelegt hat, akzeptieren sie nicht und so musste ich mich zu einem TOEFL Test anmelden, der 240 Euro kostete. Immerhin reichte es, wenn das Ergebnis des TOEFL Tests vorlag, bevor man das Studium in Aalborg aufnahm, sodass mir noch einige Zeit zur Vorbereitung blieb. Nach meiner Erfahrung sollte die geforderte Punktzahl für den Test mit relativ guten Englischkenntnissen und etwas Vorbereitung mit einem TOEFL Übungsbuch gut machbar sein. Das Ergebnis des TOEFL Tests wird von der durchführenden Organisation per Post an die Uni Aalborg geschickt. Das kann unter Umständen sehr lange dauern. So wusste ich erst sehr knapp vor Beginn des Semesters, dass ich es auch wirklich antreten konnte.

Die Suche nach einer Unterkunft in Aalborg war hingegen ganz unkompliziert. Ich bewarb mich beim international accommodation office (IAO) der Uni Aalborg um einen Wohnplatz und nachdem ich einen ersten Teil der Kaution gezahlt hatte, bekam ich auch gleich ein Angebot. Das nahm ich an. Das IAO vermittelt keine Wohnheimplätze, vielmehr mietet es einzelne Wohnungen in ganz Aalborg an, möbliert diese, stattet die Küchen aus und vermittelt diese Wohnungen an internationale Studierende. Ein Haken dabei ist, dass man die Wohnungen nur für komplette sechs Monate mieten kann.

Studienfach: Mathematik
Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 01 /2015
Gastuniversität: Aalborg Universitet
Gastland: Dänemark

Ankunft in Aalborg

Das Wintersemester in Dänemark findet vom 1. September bis 31. Januar statt. Ich kam in Aalborg eine Woche vor Beginn des Semesters, an einem der offiziellen arrival days, an. An diesem Tag konnte man sich im studenthouse in der Aalborger Innenstadt einfinden, um an der Uni registriert zu werden, Unterlagen für die Registrierung bei den Behörden zu bekommen, seinen Mietvertrag zu unterschreiben und seine Wohnungsschlüssel ausgehändigt zu bekommen. Hier musste man relativ lange warten und hatte so genug Zeit, erste Kontakte zu anderen ausländischen Studierenden zu schließen. Dazu boten sich in dieser Woche noch weitere Möglichkeiten. So wurde eine Stadtrundfahrt mit einem Bus angeboten, die Sprachschule stellte sich vor, man konnte zur international night im studenthouse gehen und es gab auch eine offizielle Begrüßungsveranstaltung von der Uni.

Am ersten Tag des Semesters lud mich Herr Raußen, der Erasmuskoordinator in Aalborg, in sein Büro ein. Dort sprachen wir nochmals durch, was mich erwarten würde, ich konnte noch Fragen stellen und er führte mich durch das Institutsgebäude.

Studium in Aalborg

Wie schon erwähnt, hat die Lehre der Uni in Aalborg eine sehr praktische Ausrichtung. Konkret heißt das, dass über die ganze Uni hinweg alle Studenten die Hälfte des Studiums (15 ECTS pro Semester) in einer Gruppe an einem Projekt arbeiten. Dieses Modell nennt sich problem based learning. Ich selbst arbeitete im Rahmen des Projekts Statistical Modeling and Analysis mit drei dänischen Studenten an einer Datenanalyse von Preisen, die beim Verkauf von Häusern in Dänemark erzielt wurden. Hier mussten wir einen Bericht über unsere Datenanalyse und die zugrunde liegende Theorie schreiben. Schließlich wurden wir mündlich zu unserem Bericht geprüft und bekamen individuelle Noten. Zur Bearbeitung des Projekts bekommt jede Projektgruppe einen Gruppenraum in der Uni gestellt, zu dem man 24/7 Zutritt hat.

Neben dem Projekt besuchte ich drei „traditionell“ gelehrte Kurse zu je 5 ECTS (Computer Algebra, Statistical Inference for Linear Models und Optimisation) und zwei „Minikurse“ zu je 1 ECTS, die bei der praktischen Umsetzung des Projekts helfen sollten (R und Practical Aspects of Statistical Analysis). Abgesehen von dem Projekt wurden alle Kurse durch das Einreichen von Lösungen zu Übungsaufgaben bestanden und nur durch bestanden/nicht bestanden bewertet. Aufgrund meiner Kurskombination bestanden die Übungen in erster Linie aus Programmieraufgaben. Diese waren meistens nicht sehr schwer, in der Summe musste man aber doch relativ viel Zeit investieren, um alle Aufgaben zu erledigen.

Spracherfahrungen

In Dänemark kommt man überall mit Englisch sehr gut durch. Das gilt ganz selbstverständlich in der Uni, aber auch beispielsweise im Supermarkt oder wenn man mal etwas mit einem Handwerker zu klären hat. Ich selbst konnte bis zum Ende meines Aufenthalts in Dänemark nur wenige Wörter Dänisch und hatte dennoch so gut wie nie ein Problem, mich zu verständigen.

Dennoch stößt man natürlich im sozialen Umgang schnell an Grenzen, wenn man kein Dänisch spricht. In meinen Kursen beispielsweise war ich der einzige nicht-Däne. Solange die Kommilitonen sich mit einem unterhalten, ist das Gespräch auf Englisch, aber sobald sie sich umdrehen und zu jemand anderem etwas sagen, ist das Gespräch (natürlich) auf Dänisch. Auf Dauer ist das dann schon ein bisschen ausschließend.

Die Stadt Aalborg bietet zwar kostenlose Dänischkurse an, allerdings muss man, bevor man sich überhaupt dazu anmelden kann, seine behördliche Registrierungsnummer haben. Das dauert jedoch so lange, dass man dieses Angebot im Prinzip nicht wahrnehmen kann, wenn man nur ein Semester da ist.
Meinen Englischkenntnissen hat das Auslandssemester auf jeden Fall gut getan. Man hörte Vorlesungen auf Englisch, tauschte sich in der Projektgruppe auf Englisch über fachliche Inhalte aus und sprach mit anderen internationalen Studierenden in seiner Freizeit auf Englisch. So bekam ich insgesamt eine bessere Routine in der Kommunikation auf Englisch.

Kontakt zu anderen Studierenden

An der Uni Aalborg gibt es relativ viele internationale Studenten. Die meisten sind jedoch nicht für ein Erasmussemester dort, sondern um ein komplettes Masterprogramm zu absolvieren. Unter den internationalen Studenten waren viele Deutsche vertreten und eine große Gruppe kam aus Südosteuropa. Durch die Aktivitäten in der ersten Woche ist es nicht schwer, Kontakte zu anderen Studenten herzustellen. Besonders wenn man in einer der WGs des IAO lebt. Ich beispielsweise lebte mit einem Rumänen, einem Chinesen und einem Letten in einer WG. Ich habe Glück gehabt und wir haben uns in unserer WG sehr gut verstanden.

Von internationalen Studenten in Aalborg betrieben gibt es die Organisation I-life Aalborg (vergleichbar zu ESN), die Aktivitäten und Veranstaltungen für die Internationalen anbietet. Beispielsweise nahm ich über diese Organisation an einem Wochenendtrip nach Kopenhagen teil.

Kontakt zu dänischen Studenten bekam ich durch die Arbeit in der Projektgruppe. Meine drei Mitstreiter nahmen mich sehr nett in ihrer Gruppe auf und vereinzelt traf man sich auch außerhalb der Uni. Wie oben schon erwähnt, war aufgrund der Sprachbarriere ein intensiver Kontakt zu anderen dänischen Kommilitonen eher schwierig.

Leben in Aalborg

Aalborg ist die Hauptstadt von Nordjütland im Norden des dänischen Festlandes und hat gut 100 000 Einwohner. Die Universität hat 20 000 Studenten und so kann man Aalborg wohl als Studentenstadt bezeichnen. Aalborg hat eine nette Innenstadt mit vielen kleinen Geschäften und einem Einkaufszentrum.

Aalborg ist mit einem Busliniennetz gut erschlossen. Einzelfahrscheine sind relativ teuer, aber für ca. 50 Euro kann man sich ein Monatsticket kaufen. Nachtbusse gibt es nur am Wochenende. Wer sich ein Fahrrad zulegen möchte, kann das am besten über die Facebook Gruppe Aalborg Marked tun. Am Anfang des Semesters sind Fahrräder hoch begehrt, so dass man unter Umständen etwas Glück und Geduld braucht.

Die Kosten sind im Allgemeinen höher als in Deutschland. Allerdings gibt es auch in Dänemark eine hohe Discounterdichte, so dass man, wenn man ein bisschen nach Angeboten guckt, auch nicht arm wird.

Um feiern zu gehen, ist die Jomfru Ane Gade, eine Straße, auf der sich ein Club neben dem anderen befindet, die (im Prinzip einzige) Anlaufstelle. Diese Straße genießt in ganz Dänemark Bekanntheit und wem nach vielen Menschen auf einem Haufen der Sinn steht, ist hier am Wochenende auf jeden Fall an der richtigen Stelle.


Rückblick

Insgesamt bin ich mit meinem Auslandsaufenthalt (ohne enthusiastisch zu sein) zufrieden.
Vor allem die praktische Arbeit im Team war eine neue Erfahrung, die sich lohnt, selbst wenn einem eine traditionelle Lernform eher liegt. Weiterhin positiv ist die Verbesserung der Englischkenntnisse, die man wohl in dieser Art nur erreichen kann, wenn man jeden Tag aufs Neue gezwungen ist, aktiv Englisch zu sprechen. Nicht zuletzt ist natürlich die Erfahrung, Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt zu haben, eine schöne Sache.

Ein bisschen schade war, dass ich der einzige internationale Student in meinen Kursen war, und so, wie oben schon beschrieben, der Anschluss zu den Kommilitonen in meinem Institut etwas schwierig war.

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