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Erfahrungsbericht - Universidad de Costa Rica

Die Entscheidung, während meines Bachelorstudiums ins Ausland zu gehen, habe ich schon frühzeitig gefällt. Blieb nur noch die Frage, wohin. Es gibt viel zu viele interessante Länder und Austauschprogramme, wobei ERASMUS nicht zur Debatte stand, da ich über den europäischen Tellerrand blicken wollte. Das Naheliegendste war für mich daher eine der Hochschulpartnerschaften der Uni Potsdam. Da ich mein nach der Schule in Barcelona erlerntes Spanisch vertiefen wollte, bot sich lediglich Bogotá (Kolumbien) oder San José (Costa Rica) als spanischsprachiges Land an. Letzteres sollte dann auch mein Favorit werden. Ein Jahr vor der Abreise ging es los mit dem Bewerbungsprozess:  Motivationsschreiben, Notenübersichten, Sprachnachweis, Empfehlungsschreiben, Auswahlgespräch. In diesem geht es darum, seine Sprachkenntnisse kurz mündlich unter Beweis zu stellen und seine akademischen Ziele des Austausches auf deutsch zu erläutern.


Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 07/2015 - 03/2016

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica

Costa Rica ist ein Vorreiter der Nachhaltigkeit: seit 2015 wird der Energiebedarf zu 100% durch erneuerbare Energien gedeckt und der Ökotourismus wird großgeschrieben. Neben meinem Interesse für Nachhaltigkeit und Tourismus in Verbindung miteinander, ging es für mich persönlich vor allem darum, meinen kulturellen und sprachlichen Horizont zu erweitern. Nach dem Eintreffen meiner Zusage des Akademischen Auslandsamtes (AAA) im Spätsommer 2014, stand der Bewerbungsprozess an der Gasthochschule selbst an, und im weiteren Verlauf, das Zusammensammeln aller dafür benötigten Dokumente. Ein erneutes, angepasstes Motivationsschreiben, die Kursauswahl, Passbilder, Auslandskrankenversicherung, polizeiliches Führungszeugnis und internationale Geburtsurkunde für das Visum, um nur einige zu nennen. Die Bürokratie und Behördengänge, die an einem solchen Auslandsaufenthalt hängen, sollten nicht unterschätzt werden und die Entscheidung ins Ausland zu gehen sollte daher wohlüberlegt sein! Mit genügend Vorfreude und Neugier auf das anstehende Abenteuer lässt man sich jedoch auch zu all diesem Aufwand motivieren - es lohnt sich wirklich! Die ausdrückliche Zusage der Gastuniversität trifft meist erst dann ein, wenn die Flüge schon sehr teuer sind. Deshalb ist es ratsam, seinen Hinflug frühzeitig zu buchen und, falls - mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit - doch eine Absage kommt, Costa Rica wenigstens in den Semesterferien kennenzulernen.

Da das Semester in Costa Rica - wie auch an vielen anderen Orten - bereits im August anfängt und man bereits Ende Juli zur Einführungsveranstaltung dort sein soll, entschied ich mich dazu, auch im SS 2015 ein Urlaubssemester zu beantragen und mir einen dreimonatigen Praktikumsplatz in Berlin zu suchen, anstatt, wegen der zeitlichen Überschneidung, kaum Kurse an der Uni Potsdam abschließen zu können oder gegen Ende im totalen Klausur- und Vorbereitungsstress zu versinken. Das zieht zwar zu all der eh schon vorhandenen Organisation einen weiteren Bewerbungsprozess nach sich, war aber unglaublich interessant und meiner Meinung nach sehr gut genutzte Zeit.

Studium an der Gastuniversität

In der Einführungsveranstaltung in Costa Rica wird einem umfangreiches Informationsmaterial und Kontaktlisten für den weiteren Verlauf der Visumsbeantragung ausgehändigt, von denen man sich erst einmal erschlagen fühlt. In Absprache mit den anderen Austauschstudenten bekommt man jedoch irgendwann einen Überblick, und die dortigen Ansprechpartner der Movilidad Estudiantil des OAICE stehen einem ebenfalls freundlich und hilfsbereit zur Seite. Nach etwa einer Woche ist man durch mit den Behördengängen und muss sich „nur” noch um die gewünschten Kurse kümmern. Hierfür gibt es Termine mit den jeweiligen Dozenten. Ich habe mit vielen Dozenten gesprochen, um die Lehrinhalte zu erfragen, da der Kurskatalog lediglich den Titel der Veranstaltung beeinhaltet. So kommt es, dass ungefähr jeder Austauschstudent mehrere Änderungen seiner Kurswahl vornimmt. Die ersten paar Wochen in Costa Rica waren sehr chaotisch, doch am Ende - das habe ich gelernt - funktioniert doch immer alles.

Generell kann man das Studiensystem als sehr verschult bezeichnen. Man sitzt in klassengroßen Gruppen, bekommt Hausaufgaben, schreibt regelmäßig kleine Tests und die Dozenten kennen und nennen einen beim Vornamen. Letzteres empfand ich jedoch als sehr angenehme Abwechslung. Meine letzlichen Kurse waren dann:

  • LM1481 COMUNICACIÓN INTERCULTURAL
    So unnatürlich die Zeiten dieses englischssprachigen Kurses auch waren (zweimal die Woche, 7:00-8:50 Uhr morgens), ist er sehr zu empfehlen. Monica Bradley lehrt auf unterhaltsame und kreative Weise die verschiedenen Strukturen der Kulturkreise der ganzen Welt und integriert diverse Medien in ihren Unterricht. Da der Kurs für das letzte Studienjahr ausgelegt ist, ist das Niveau zwar fordernd aber dennoch nicht zu hoch. Es herrscht ein sehr persönliches Ambiente in der Runde von nur ca. 16 Studenten.
  • C5102 CULTURA E IDENTIDAD ORGANIZACIONAL
    Dieser Kurs wird von der sehr kompetenten Dozentin und gleichzeitig Unternehmerin Yesenia Salazar gehalten. Sie lässt einen auf professionelle Art an ihren persönlichen Erfahrungen mit den Klienten ihres Beratungsunternehmens teilhaben, und die Studierenden sollen in Gruppen mehrere echte Fälle bearbeiten. Hierzu werden die jeweiligen Klienten eingeladen und es werden ihnen von jeder Gruppe individuelle Lösungsvorschläge zu deren Problemen präsentiert. Dieser Kurs - spanischsprachig - ist ebenso für Studierende der fortgeschritteneren Semester. Hier war der Anspruch deutlich höher, jedoch wird man als Austauschstudent sehr rücksichtsvoll behandelt,sodass man mit etwas Bemühung gut mithalten kann.
  • EG0319 TALLERS DE ARTES PLÁSTICAS
    Den Kunstkurs habe ich aus persönlichem Interesse gewählt. Zu empfehlen, wenn man einen kreativen Ausgleich sucht. Es gab verschiedene Zeichen- und Malübungen mit Bleistift und Acrylfarben, bei denen die eigene Kreativität eine Rolle spielte, man aber gleichzeitig auch kein großer Künstler sein musste.
  • SO1145 SOCIOLOGÍA DE LA CULTURA
    Nach zwei- bis dreimaligem Besuch habe ich mich dazu entschieden, diesen Kurs fallen zu lassen, um mich besser auf die anderen Kurse konzentrieren zu können. Den Dozenten fand ich nicht so spannend und die Inhalte wenig ansprechend. Anhand von umfangreichen  philosophischen Textgrundlagen sollten zusammenfassende Essays verfasst werden.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Von den etwa 70 Austauschstudenten bildeten die Deutschen mit 30 Leuten eine deutliche Mehrheit. Es liegt an einem selbst, wie aktiv man an den traditionellen Bar-Mittwochen im „Fito’s”, an einigen durch die Studenten initiierten Gruppenreisen oder an der einen oder anderen vom OAICE organisierten Aktivität teilnimmt oder ob man sich von all dem abschottet und versucht, seine Zeit ausschließlich mit Einheimischen zu verbringen. Für mich war die Mischung aus beidem optimal. Ich habe an einigen Wochenendtrips mit einer Gruppe von ca. 20-30 Austauschstudenten teilgenommen, gleichzeitig aber auch Freundschaften zu Einheimischen, die ich außerhalb der Uni kennenlernt habe, aufgebaut und gepflegt. Der Kontakt zu den einheimischen Mitstudenten beschränkt sich meist auf die Kurszeit, auch wenn sie dort meistens sehr freundlich und offen sind. Nur mit einzelnen Ticos/ Ticas, wie sich die CostaricanerInnen selbst nennen, habe ich mich auch außerhalb der Uni getroffen. Eine Möglichkeit, schnell Anschluss zu finden, ist sich einen persönlichen Mentor (einen einheimischen Studenten) zuordnen zulassen, der einem Tipps geben und die Gegend zeigen kann. Die kontaktfreudigen Mentoren mischen sich dann meist unter die Gruppe der Austauschstudenten und sorgen für ein ausgiebiges Freizeitprogramm.

Wohn- und Lebenssituation

Über vier Ecken wurde ich schon vor meiner Abreise einer Tica vermittelt, bei der ich die erste Woche unterkommen durfte. Sie hat mir den Einstieg in das dortige Leben sehr erleichtert und wurde über die Zeit eine gute Freundin. Da die Anreise quer durch die überfüllte Innenstadt San Josés lästig war, suchte ich auf Dauer etwas in Fußnähe zur Uni. Die Wohnungen in den Annoncen am Schwarzen Brett der Universität waren oft schon belegt oder in den umliegenden Stadtteilen gelegen, von wo aus man auf den Bus angewiesen ist. Bei der Einführungsveranstaltung lernte ich Leute kennen, die sich schon von zu Hause aus über die Facebook-Seite „Apartamentos cerca d UCR, Latina, Fidelitas” o.Ä. ein Zimmer organisierten, und so bekam ich den Kontakt des Vermieters und landete ebenfalls im „Casa Mundo”, im ruhigen und sichereren Viertel Los Yoses, 15 Gehminuten von der Uni entfernt. Man ist grundsätzlich gut beraten, eine Bushaltestelle in der Nähe des Hauses zu haben, um in der Regenzeit nicht komplett durchgeweicht in der Uni anzukommen. Ist jedoch gerade Hauptverkehrszeit und die Straßen daher komplett blockiert, muss man abwägen, da man zu Fuß dann doch schneller vorankommt als mit dem Bus.

Von einem schriftlichen Mietvertrag war nie die Rede, alles wird mündlich besprochen, und man überweist einfach die Kaution und Miete. Diese betrug in meinem Fall 300 US-Dollar, Strom und Internet inklusive. Im Haus herrschte ein bunter Mix an insgesamt 12 einheimischen und ausländischen jungen Leuten, die studierten, arbeiteten oder ein Praktikum machten. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, wurden wie eine große Familie, machten gemeinsame Wochenendausflüge an die Küste oder ins Inland, kochten und feierten zusammen.

Das Sportangebot der Universidad de Costa Rica habe ich mit den Kursen Yoga und Danza Contemporánea (Contemporary Dance) gut ausgenutzt. Vor allem die Tanzgruppe bestand aus ausschließlich liebenswerten einheimischen Menschen, mit denen ich bei einer Weihnachtsshow sogar eine Choreographie aufführen durfte.

Jeder, der nach Costa Rica geht, weiß, dass es sich um „die Schweiz Lateinamerikas” handelt und die Preise demnach deutlich höher als im restlichen Lateinamerika sind. Trotzdem war jeder von uns noch einmal besonders schockiert über die horrenden Preise, die einem v.a. im Supermarkt begegnen. Die Konsequenz war unser traditioneller sonntäglicher Marktbesuch auf der Feria in Zapote, auf dem wir uns nach einem leckeren typischen Frühstück die Reiserucksäcke mit der Wochenration an preiswertem Obst und Gemüse vollpackten. Zum Thema Sicherheit in Lateinamerika ist ja jeder einzelne durch eigene Erfahrungen oder Gehörtes unterschiedlich stark vorbelastet. In meinem Bekanntenkreis kam es mehrfach zu Überfällen mit Bedrohung durch ein Messer oder eine Pistole. So angsteinflößend dies klingt, einem passiert körperlich nichts, wenn man sich ohne Diskussion seiner Wertsachen entledigt. Man sollte nachts, egal wie kurz die Strecke auch ist, einfach ein Taxi nehmen, anstatt zu laufen.

Taschendiebe findet man natürlich überall. Wenn man aber die Grundregeln (sein Handgepäck v.a.
im Bus nie aus den Augen/ Händen lassen; innerhalb des Landes nur eine Reisepasskopie bei sich tragen; am Strand nicht weiter als 2m von seinen Wertsachen entfernt sein; etc.) beachtet, sollte man i.d.R. keine schlechten Erfahrungen machen müssen. Einfach aufmerksam und mit gesundem Menschenverstand unterwegs sein. Ich persönlich bin in den gesamten 7 Monaten in Lateinamerika nicht in eine einzige derartige Situation geraten. Grundsätzlich sind die Ticos nämlich ein unglaublich friedliches und herzliches Völkchen.

Eine Professorin, mit der ich am Anfang des Semester sprach, legte mir nahe, das Reisen und Leben nicht zu vergessen. „Lernen kann man auch am Strand.”; diesen Tipp beherzigte ich sehr und so bereiste ich das Land an den Wochenenden mit Freunden sternförmig in alle Richtungen. Welch’ vielseitige und traumhafte Natur dieses kleine Land bietet, ist echt unglaublich! Nach Abschluss des Semesters Mitte Dezember tourte ich noch drei Monate mit dem Rucksack durch Costa Rica, Nicaragua und Mexiko, bevor es Mitte März zurück in die Realität, ins kalte Deutschland, ging.

Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 07/2015 - 03/2016

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica


Rückblick

Rückblickend kann ich nur sagen, dass mich die unzähligen positiven und wenigen nervenaufreibenden, stressigen Momente persönlich unglaublich haben wachsen lassen. Sich in einen völlig fremden Kulturkreis einzuleben, deren Lebensstil zumindest teilweise zu adaptieren, interessante Menschen aus aller Welt kennenzulernen und sich über diverse Dinge auszutauschen, lernen Entscheidungen zu treffen, die traumhafte und unglaublich abwechslungsreiche Natur zu entdecken, einfach mal zeitweise in ein anderes, fremdes Leben einzutauchen und durch das Studium trotzdem eine gewisse Herausforderung zu meistern, ist eine unbezahlbare Erfahrung, die ich jedem abenteuerlustigen und aufgeschlossenen Menschen wärmstens empfehlen kann. Hoffentlich hat euch mein Bericht ein bisschen klüger gemacht und darin bestärkt, euch für ein Auslandssemester in Costa Rica zu bewerben! Macht’s gut und bis dann!

Costa Rica

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