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Erfahrungsbericht Auslandssemester in Costa Rica

Zur Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes habe ich mich über die vorhandenen Hochschulpartnerschaften der Universität Potsdam zu lateinamerikanischen Universitäten auf der Uni-Webseite informiert. Ich wollte nach Lateinamerika gehen, um meine Spanischkenntnisse weiter auszubauen und weil ich vorher schon ein Jahr in Ecuador lebte. Kolumbien und Brasilien wären Alternativen gewesen, Costa Rica hatte für mich jedoch besondere Präferenz, da mich Mittelamerika reizte und die Universidad de Costa Rica sehr renommiert ist.


Studienfach: Geoökologie

Aufenthaltsdauer: 08/2015 - 04/2016

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica

Zum Büro für internationale Angelegenheiten an der Gasthochschule hatte man bereits frühzeitig Kontakt wegen organisatorischer Dinge wie Kurswahl, Immatrikulation, Gastfamilie etc. Die Leute sind alle sehr nett und schon per Mail fällt auf wie anders, persönlich und freundlich das Verhältnis zwischen Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern ist. Für die Bewerbung an der Gasthochschule mussten nach der Bewerbung an der Teilnahme am Hochschulpartnerschaftsprogramm der Universität Potsdam (der Austauschplatz der UP aus) noch mehrere neue Dokumente erstellt und übermittelt werden, wie z.B. ein Zertifikat über das Beherrschen der spanischen Sprache (mind. Nivel B2), ein Gesundheitszertifikat vom Arzt, ein Motivationsschreiben, eine Liste über alle bisher besuchten Lehrveranstaltungen an der Heimatuni und einen Übersichtsplan über alle Inhalte des Studienfaches.

Es ist möglich Kurse zu wählen, bei denen bestimmte Voraussetzungen (andere, erfolgreich abgeschlossene Kurse) bestehen, ich wählte jedoch Kurse bei denen das nicht der Fall war. Da mein Studiengang an der Gastuni nicht vertreten ist, konnte ich Kurse aus dem weiten Gebiet der Natur-
und Umweltwissenschaften auswählen. Ich entschied mich für zwei Kurse aus der Biologie, nämlich Landschaftsökologie: Biodiversität und Erhaltung und Biodiversität von Costa Rica. Des Weiteren wählte ich einen Kurs aus der Geographie, Geographie von Costa Rica und einen Kurs über den Klimawandel. Über den Inhalt der Kurse konnte man sich direkt bei den Professoren bzw. Fakultätsleitern informieren. Sie waren freundlich und nahmen sich persönlich Zeit. Das ist hilfreich, da in dem Vorlesungsverzeichnis / Kursliste keine näheren Beschreibungen zu den Kursen vorhanden sind. Im Gegensatz zum Studium in Deutschland setzt sich die Endnote aus mehreren über das Semester verteilten Teilklausuren und weiteren Arbeiten verschiedener Aufmachung, wie Aufsätzen oder (Gruppen-) Präsentationen zusammen. Dadurch verteilt sich der Arbeitsaufwand über das Semester und ist nicht am Ende besonders konzentriert. Das Verhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden ist locker, persönlich und oft humorvoll. Man redet sich gegenseitig mit Vornamen an. Das Klima und der Umgang unter den Studierenden sind freundlich und respektvoll. Es gibt ein Tutorenprogramm, um ausländische Studierende an der neuen Gastuni zu betreuen, Ihnen zu helfen und einen Ansprechpartner und Freund zu vermitteln. Der Erfolg und die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Nachdem ich mich einmal mit meinem zugewiesenen Tutoren getroffen hatte, fand ich mich schon sehr gut zurecht und bei diesem einzelnen Treffen blieb es dann auch. Andere Austauschstudenten hatten im Gegensatz sehr gute Erfahrungen mit ihren Tutoren und es entwickelten sich Freundschaften. Den Angestellten des Büros für internationale Angelegenheiten konnte man alle Fragen entgegenbringen. Sie waren daraufhin immer sehr bemüht und hilfsbereit. Dozenten nehmen sich auch außerhalb der Lehrzeit Zeit für individuelle Rückfragen oder Ähnliches, jedoch eher bezogen auf ihr eigenes Studienfach und nicht allgemein zum Studium.

Verglichen mit der Uni Potsdam ist die Universidad de Costa Rica nicht so modern, jedoch gibt es alle notwendigen Einrichtungen. In der Bibliothek, die bis spät abends und auch schon ab früh geöffnet ist gibt es einen PC-Pool und viel Platz zum Lernen, der jedoch zu Stoßzeiten auch von Studierenden komplett ausgenutzt wird. In der Bibliothek findet man sich nach einer kurzen Orientierung ganz gut zurecht und falls nicht geben die Angestellten gerne Auskunft.

Der Hauptcampus ist weitläufig und grün und mit einer Karte kommt man nach anfänglicher Herausforderung gut zurecht. Später auch ohne Karte. Neben dem Hauptcampus gibt es den neuen, moderneren Campus für Sozialwissenschaften, der etwa 10 Minuten zu Fuß entfernt liegt. Hinter diesem schließen sich die Sporteinrichtungen der Uni an, wo auch die Sportfakultät angesiedelt ist. Dort finden alle Sportkurse statt, es gibt viele Hallen, Trainingsräume, Fußballplätze, ein Stadion und ein olympisches Schwimmbecken. Von den Studenten können Kurse aus dem Bereich der Sportwissenschaften belegt werden. Außerdem werden gegen Gebühren weitere Sport- und Tanzkurse angeboten. Die Sporteinrichtung ist wie ein Park aufgebaut, also grün, weitläufig und somit auch schön zum Laufen. Gegenüber des Hauptcampus gibt es ein uniinternes Fitnesscenter. Die Freizeitangebote sind also gut und vielseitig, neben den Sportkursen gibt es auch Angebote wie Uni-kino, Theater, Workshops usw. Man sollte diesbezüglich auch auf Aushänge achten. Abends und nachts ist in der Umgebung der Uni viel los (Bars, Clubs, Restaurants). Während des Semesters ist man durch das Studium und Lernen eingespannt und beschäftigt, Freizeit bekommt man wenn man sie sich nimmt, wodurch Aktivitäten und Reisen ermöglicht werden können.

Die meisten ausländischen Studenten haben sich bei der Einführungsveranstaltung und bei einem Ausflug, der vom Büro für internationale Angelegenheiten organisiert wurde kennengelernt. Somit ist der Kontakt zwischen den ausländischen Studierenden gut vorhanden, auch durch ein Treffen jeden Mittwoch in einer nahe der Uni gelegenen Bar. Auch wurden an Wochenenden Reisen verschiedener Gruppen von Austauschstudenten selbst organisiert. Der Kontakt zu einheimischen Kommilitonen kann gut zu Stande kommen, muss aber nicht. Das kann man nie verallgemeinern, da es ja sowohl am Austauschstudenten selbst als auch an seinen Kommilitonen liegt. Ich habe neue Freunde sowohl bei einheimischen, als auch bei Austauschstudenten gefunden.

In dem Semester vor meiner Abreise habe ich zur Vorbereitung einen B2-Spanischkurs an der Uni Potsdam belegt, um meine Spanischkenntnisse zum einen aufzufrischen und zum anderen noch etwas zu vertiefen. Durch einen absolvierten Freiwilligendienst 2012-2013 in Lateinamerika beherrschte ich die spanische Sprache bereits, jedoch vor allem mündlich, weswegen ich mich auf ein Studium auf Spanisch mitsamt Lektüre und Verfassung von Texten noch gesondert vorbereiten wollte. Sowohl die praktische Erfahrung als auch das theoretische Befassen mit der spanischen Sprache half mir bei dem Studium in Costa Rica sehr. Ich konnte mich somit auf die Inhalte konzentrieren, ohne viele sprachliche Barrieren oder Probleme zu haben. Viele themenspezifische Vokabeln habe ich auf- und mitgeschrieben und anschließend gelernt, was notwendig und hilfreich war. Auch wenn die Dozenten es nicht speziell anmerken, nehmen sie Rücksicht auf die besonderen Herausforderungen ausländischer, nicht spanisch-muttersprachlicher Studenten. Während des Semesters eignete ich mir durch den intensiven Gebrauch und die Auseinandersetzung mit dem Spanischen in Sprache und Schrift im Studienalltag einen größeren Wortschatz, Sicherheit und Praxis an, wodurch sich meine Sprachkompetenz erhöhte.

Eine Unterkunft habe ich bereits vor Ankunft über die Gastuni gefunden. Das Büro für internat. Angelegenheiten der Universidad de Costa Rica bietet eine Suche und Organisation von Gastfamilien an, wobei bei Erfolg dann auch an die Uni gezahlt wird. Die Kosten dafür sind sehr hoch und wurden vor meiner Nachfrage nicht kommuniziert. Eine Gastfamilie wurde für mich gefunden, ich wusste also im Vorhinein wo ich ankommen werde, habe Kontaktdaten bekommen und sie kontaktiert. Die Lage des kleinen Hauses war sehr praktisch, nämlich direkt neben den Sozialwissenschaften und sehr nahe der Sporteinrichtungen. So konnte ich, sehr angenehm, immer zur Uni und zum Sport laufen und habe keine Zeit durch Transport verloren, denn morgens und nachmittags gibt es viele Staus. Mein Zimmer war klein, die Familie nett, im Großen und Ganzen war ich zufrieden. In der Gastfamilie wird gekocht, also das Essen und Waschen ist im Preis enthalten. Von Familie zu Familie gibt es natürlich immer Unterschiede. Die Kosten verglichen mit einem Zimmer in einer WG sind hoch. Der Großteil der Austauschstudenten zieht in Wohngemeinschaften zusammen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel in San José sind Busse, die fast alle ins Zentrum fahren oder dort losfahren. Durch Staus können auch kurze Strecken viel Zeit in Anspruch nehmen. Überweisungen oder Einzahlungen können bei einer Bankfiliale direkt in der Uni einfach durchgeführt werden.

Eine Auslandskrankenversicherung ist zwingend notwendig, denn sie wird von der Gastuniversität vorausgesetzt. Meistens läuft es dann beim Krankheitsfall so, dass es vom Versicherten vorgestreckt wird und dann nach Einreichen der Originalbelege zurückerstattet wird.

Die Lebenshaltungskosten in Costa Rica sind hoch. Costa Rica wird auch als Schweiz Mittelamerikas bezeichnet und das nicht nur wegen der schönen Natur, der vier Bergketten und neutralen Politik, sondern auch wegen der sehr hohen Preise. Die Preise für Lebensmittel sind mit deutschen vergleichbar, Mieten auch. Wenn man alleine lebt, bietet es sich sehr an auf den Wochenmärkten am Wochenende einzukaufen, wo man günstiger und direkt vom Produzent frische Produkte erwirbt und sich von der tropischen Vielfalt an Obst und Gemüse faszinieren lassen kann (Marktnamen in der Nähe der Uni, samstags oder sonntags: Vargas Araya, Zapote, Guadalupe, Plaza Vequis, Feria verde Aranjuez).

Tipps: Wenn ihr kochen mögt, es zeitlich hinbekommt und gerne Kontakt zu Mitstudierenden habt, nehmt euch ein Zimmer in einer WG. Wenn ihr eine costa-ricanische Familie kennenlernen wollt und somit die Kultur, das typische Essen und Kontakt zu Ticos, nicht kochen und nicht selbst waschen, in eine Familie. Ein guter Kompromiss wäre anfangs Familie und dann WG. WG ist wie gesagt günstiger und man hat andere Freiheiten. Kümmert euch früh um die ganze Visumorganisation schon hier in Deutschland und ärgert euch nicht zu sehr. Es sind viele Dokumente und Behördengänge aber wenn ihr euch dafür entschieden habt dann gehört es dazu, ihr kommt nicht drum herum und es lohnt sich spätestens wenn ihr dort seid.

In Costa Rica geht es nach Ankunft jedoch erstmal (erste 1 bis 2 Wochen) munter weiter, denn dort muss man viele Sachen bzgl. des Visums erledigen, wie Übersetzungen, Beglaubigungen etc. Das kostet auch Einiges und kann einen oder eine schon echt aufregen. Es ist es aber wert. Das Land ist wunderschön, sehr interessant und vielseitig. Es gibt viel zu entdecken. Die Menschen sind offen, gastfreundlich und interessiert. Es ist sehr angebracht gute Spanischkenntnisse zu haben, um sich im allgemeinen gut zurecht zu finden und um problemlos mit Einheimischen zu kommunizieren.

Reist aufs Land! Nicht nur an sehr touristische Ziele, auch wenn das manchmal schwer ist, da die touristische Infrastruktur in Costa Rica sehr ausgebaut ist und der Tourismus Haupteinnahmequelle ist. Redet mit den Leuten! Nutzt die Besonderheiten der Naturschutzpolitik des Landes aus und besucht die zahlreichen Nationalparks und lasst euch von den Naturwundern beeindrucken. Passt in bestimmten Ecken San Joses auf, z.B. im Zentrum Barrio México wo das neue Busterminal 7-10 liegt. Nehmt dort lieber ein Taxi statt von dort zur Hauptstraße zu laufen. Abends und nachts und eigentlich immer einen Rundumblick besser haben und achtsam sein. Jedoch keine Angst – Gefahr und Bedrohung sind nicht allgegenwärtig oder dominierend!

Nehmt euch für das Studieren der Kursliste / Vorlesungsverzeichnis Zeit und wählt die Kurse, die euch am meisten interessieren. Sprecht am besten mit den verantwortlichen Professoren oder Fakultätsleitern für Empfehlungen und Kursbeschreibungen. Dort ist auch vermerkt ob es auch praktische Einheiten in den Kursen gibt, wie Feldexkursionen (giras), die sehr zu empfehlen sind. Wenn ihr euch bei der Kurswahl Freitag und/oder Montag frei haltet, habt ihr ein verlängertes Wochenende, was sich zum Reisen gut anbietet. Haltet nach Faultieren, Waschbären, Vögeln und Pflanzen auf dem Campus Ausschau.

Gute Erfahrungen überwiegten haushoch. Nehmt die Möglichkeit wahr, realisiert es und genießt die Zeit.

Studienfach: Geoökologie

Aufenthaltsdauer: 08/2015 - 04/2016

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica

Costa Rica

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