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Erfahrungsbericht Sommersemester 2014 an der Universidad Costa Rica

Im Rahmen meines Masters in Romanischer Philologie an der Universität Potsdam durfte ich ein Semester an der Universidad de Costa Rica verbringen – eine Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen möchte.


Studienfach: Romanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 02/2014 - 07/2014

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica

Nachdem ich die Zusage für den Platz im Rahmen der Hochschulpartnerschaft erhielt, musste ich mich zunächst um Visumsangelegenheiten kümmern: Wer mit dem Touristenvisum einreist, muss einen Rück- bzw. Weiterflug innerhalb der nächsten drei Monate vorweisen, abgesehen davon muss man bei nachträglicher Änderung des “Touristen”-Status in den Status eines Studenten eine Strafe von $200 zahlen. Zur Visumsbeschaffung sollte man genug Zeit einplanen, es werden viele Unterlagen verschiedener Stellen benötigt: eine internationale Geburtsurkunde, die von anderer Stelle eine Apostille erhalten muss, ein Führungszeugnis, welches ebenfalls noch einmal eine Apostille erhalten muss usw. Eine genaue Übersicht dazu findet man aber auf der Seite der Botschaft Costa Ricas in Deutschland, auf der alles gut erklärt ist. Danach brauchte ich nur ein One-Way-Ticket und im Februar 2014 ging es dann los.

Studium an der Gastuniversität

Etwa ein bis zwei Wochen vor Vorlesungsbeginn gibt es einen für alle internationalen Studenten obligatorischen Termin, bei dem man sich kennen lernen kann und vor allem auf die Organisation der Lehrveranstaltungen und auf die Umstellung des provisorischen Studentenvisums auf ein “richtiges” Studentenvisum vorbereitet wird. Dazu sind wieder viele Behördengänge nötig – Dokumente müssen  amtlich übersetzt werden (das darf erst im Land geschehen, eine Übersetzung aus Deutschland wird  nicht anerkannt), ein Notar muss die finanzielle Situation beglaubigen usw. Zum Glück wird alles genau  erklärt und für den Fall, dass noch Fragen sind, ist man gern bereit zu helfen. Erfahrungsgemäß dauert  die Genehmigung des Visums ungefähr ein halbes Jahr, man wird also, sollte man nur ein Semester an  der UCR studieren, sein Visum letztendlich gar nicht bekommen (nur ein Dokument, das belegt, dass es beantragt wurde und das als Visumseratz gilt), leider kann man sich dennoch der Prozedur nicht entziehen.

Die Betreuung durch das “Internationale Büro” ist sehr gut, Fragen werden gern und ausführlich beantwortet. Auch die Dozenten sind sehr hilfsbereit und interessiert, beantworten Fragen zu Kursen  und Aufgaben meist sofort, teilweise stehen einem für Notfälle sogar die Handynummern der Lehrkräfte  zur Verfügung. Ich kann nur empfehlen, sich einen “Mentor” von der Universität vermitteln zu lassen, ein  Student, der einem Campus und Stadt zeigt, und mit dem man sich auch mal einfach zum Erzählen auf  einen Kaffee treffen kann. Mein Mentor Keller war großartig, hilfsbereit und auch in Krisensituationen  rund um die Uhr für mich da. Auch Kommilitonen habe ich als aufmerksame, interessierte Menschen kennen gelernt, von denen sich einige auch zu guten Freunden entwickelt haben.

Das Studium selbst ist sehr anspruchsvoll, vor allem die “kontinuierliche Evaluation” ist ein Konzept, das so an einheimischen Universitäten eher nicht existiert: Jede Woche wurden Kontrollen oder Diktate geschrieben, es gab jeden Tag Hausaufgaben, die kontrolliert wurden, und auch Zwischenprüfungen. Das hatte den Vorteil, dass die Abschlussprüfungen nur 25-35% der Note ausmachten, und so nicht das ganze Gewicht der Prüfungen in den letzten Tagen auf einen zukommt. Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch viel mehr behalten habe, als durch das “Marathonpauken” für fünf Abschlussprüfungen in einer Woche wie während des Bachelor-Studiums, als es nur darum ging, es kurz auswendig zu lernen und hinterher direkt wieder zu vegessen um Platz für das Wissen für die nächste Prüfung zu schaffen. Ich habe viel in interessanten Bereichen gelernt, wie zum Beispiel “El español de América y de Costa Rica” oder “Gramática Histórica”, eine Veranstaltung, die ich zu Beginn eher aus Pflichtgefühl besuchte, da mir eine ähnliche Veranstaltung für ein Modul fehlte, jedoch die sich schnell als ein nicht nur interessantes, sondern auch sehr lehrreiches Seminar entpuppte.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Kulturelle Angebote extra für die internationalen Studierenden gibt es eigentlich wenige, aber man organisiert sich selbst: schnell ist der Mittwochabend in einer Bar gegenüber des Campus obligatorisch, und Ausflüge zu Vulkanen und Stränden werden in extra für die internationalen Studenten gegründeten Facebookgruppen organisiert. Zu den einheimischen Studenten knüpft man auch sehr schnell Kontakt, sie sind hilfsbereit und freuen sich, wenn man ihnen von der eigenen Kultur berichtet, da viele von ihnen noch nie das Land verlassen haben. Auch außerhalb der Universität ist es leicht, Freunde kennen zu lernen – ob im Bus oder über Couchsurfing-Treffen, es ist sehr leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da ich bereits zwei Jahre in Spanien verbracht habe, war meine Sprachkompetenz schon vor Beginn des Auslandssemesters auf einem relativ hohem Niveau. Dennoch war natürlich auch gerade mein gewohnter Umgang mit “tú” und “vosotros” das, was viele in dem Land, indem nur “vos”, “usted” und “ustedes” genutzt wird, irritierte – und natürlich auch umgekehrt. Nichtsdestotrotz gewöhnt man sich schnell an die dialektalen Eigenheiten, und ehe man sich versieht, sind alle “maes”, die man so kennt, voll und ganz “tuanis” und alles ist “pura vida”.

Wohn- und Lebenssituation

Von der Universität wird die Möglichkeit angeboten, bei Familien in der Nähe des Campus zu wohnen, ich habe mich jedoch lieber auf eigene Faust auf die Suche nach einer WG gemacht. Mir persönlich war weder die Wohnung selbst noch die Lage sehr wichtig, das, was mich interessierte, war, dass ich gut mit meinen potenziellen Mitbewohnern klar kam. Dazu habe ich einfach im Vorhinein bei Couchsurfing.com in der “San-José”-Gruppe, die Frage gestellt, ob jemand ein Zimmer vermieten würde, und nach dem Durchforsten einiger Angebote entschied ich mich nach einem ungefähr einstündigen Skype-Gespräch für Rubén, einen sympathischen Menschen aus Ecuador, was sich im Nachhinein als echter Glücksgriff erwies, da er sich schnell zu einem wirklich guten Freund entwickelte. Der Nachteil war, dass ich in Escazú wohnte, am westlichen Ende der Stadt, während sich der Campus am östlichen Ende befindet, jedoch gibt es einen Bus von der UCR (für umgerechnet ungefähr 80 Cent), der zwischen 6 Uhr und 22 Uhr die Strecke direkt befuhr, und so brauchte ich auch meist nur 20min zur Universität. Die Wohnung war ein Traum, in einem Condominio auf einem Berg mit Blick auf die ganze Stadt und den Vulkan Poás, es gab Security, einen Pool und eine große, neue, schön eingerichtete Wohnküche. Die Miete war ungefähr 200€ im Monat und man könnte sicherlich auch etwas Günstigeres finden, aber für mich war es definitiv die richtige Entscheidung, ich hatte auch viele Freunde in diesem Stadtteil, und so war ich meist nicht öfter als montags und donnerstags, die beiden Tage, auf die ich meine Kurse gelegt hatte, in Uninähe unterwegs.

Das Bussystem insgesamt ist ein ziemliches Chaos, jede Destination außerhalb der Stadt hat ihren eigenen Busbahnhof, diese Busbahnhöfe sind in der ganzen Stadt verteilt. Auch die urbanen Busse haben fahren ohne Pläne an kaum markierten Haltestellen ab, jedoch fahren diese ziemlich häufig. In der Touristeninformation gibt es auch kleine (kostenlose) Busfahrplanheftchen, in der alle Busbahnhöfe und Abfahrtzeiten (zumindest für Ziele außerhalb San Josés) zu finden sind. Da man das sonst nur relativ widersprüchliche Informationen im Internet findet, ist es wirklich empfehlenswert, sich so eines zuzulegen. Lebenserhaltungskosten sind (abgesehen von Busfahrten quer durchs Land, aber die dauern auch dementsprechend lang) insgesamt relativ hoch – man nennt Costa Rica nicht ohne Grund die “Schweiz Mittelamerikas”. Man kommt günstig durchs Leben, so lange man sich von Reis und Bohnen (die Kombination, die es in verschiedenen Ausführungen – als Gallo Pinto, Casado, Chifrijo oder karibisches Rice and Beans – täglich mehrfach gibt) ernährt, sollte man jedoch mal den Appetit auf europäisches Essen haben, so fällt einem beim Anblick der Apfel- und Käsepreise die Kinnlade eine Etage tiefer. In meiner Freizeit bin ich, wie wohl die meisten der Austauchstudenten, viel gereist, es gibt wunderschöne Orte in Costa Rica.. Vulkane wie den Poás und den Arenal, die Nationalparks Manuel Antonio und Cahuita, die Strände von Tamarindo und Montezuma, Wasserfälle, Tiere, Pflanzen, Canopy, die Nachbarländer Panama und Nicaragua.. es gibt so viel zu erforschen und zu erleben, aber ich möchte euch an dieser Stelle nicht die Vorfreude nehmen, dies alles selbst zu entdecken.

Studienfach: Romanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 02/2014 - 07/2014

Gastuniversität: Universidad de Costa Rica

Gastland: Costa Rica


Rückblick

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, wie großartig die Zeit dort war. Dennoch, eine gewisse Vorsicht sollte geboten sein: Ich wurde einmal überfallen und ein anderes Mal wurde mir Handy und Portemonnaie aus der Tasche gestohlen, tragt nie viel Geld auf einmal bei euch, verstaut das Handy am Körper und es ist keine schlechte Idee, einen Notfallgroschen irgendwo ebenso direkt am Körper zu verstecken.

Costa Rica

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