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Mein Auslandssemester in Bogotá

Mit der Vorbereitung für mein akademisches Auslandsjahr habe ich sehr früh begonnen. Schon im ersten und zweiten Semester in Potsdam habe ich mir Gedanken macht, wann der Auslandsaufenthalt am besten passen würde, besonders im Hinblick auf die Bewerbungsfristen und meine Sprachkenntnisse, die ich für ein Studium in der spanischen Sprache benötige. Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf habe ich mich für ein akademisches Auslandsjahr entschieden, das den Zeitraum vom Wintersemester 2014/2015 bis zum Sommersemester 2015 umfasst hat.


Studienfach: Politik & Verwaltung und Geschichte

Aufenthaltsdauer: 02/2015 - 02/2016

Gastuniversität: Universidad Nacional de Colombia

Gastland: Kolumbien

Den Auslandsaufenthalt wollte ich nach Möglichkeit in Südamerika absolvieren, aufgrund meines Interesses für die Sprache und meine Affinität für diesen Teil der Erde. Nachdem ich mich auf der Homepage des Akademischen Auslandsamtes über die Partneruniversitäten informiert hatte, fiel meine Wahl auf die Universidad Nacional de Colombia in Bogota, Kolumbien. Ein halbes Jahr vor der Abreise habe ich alle Dokumente eingereicht und bin das Auswahlprozedere durchlaufen.

Während die meisten Dokumente in Potsdam in Papierform eingereicht werden müssen, läuft der Einschreibeprozess in Kolumbien komplett elektronisch ab d.h. alle Dokumente werden auf der Homepage der UNAL hochgeladen. Anhand dieser Dokumente wird in Bogotá die Carta de Acceptacion erstellt, die leider einen sehr langen Bearbeitungsprozess durchläuft. Aus diesem Grund rate ich das Visum nicht in Deutschland, sondern in Kolumbien zu beantragen. Ich bin als Tourist nach Kolumbien eingereist und habe mein Studentenvisum innerhalb eines Tages beim Außenministerium/Migracion de Colombia beantragt und genehmigt bekommen.

Studienfach: Politik & Verwaltung und Geschichte

Aufenthaltsdauer: 02/2015 - 02/2016

Gastuniversität: Universidad Nacional de Colombia

Gastland: Kolumbien

Studium an der Gastuniversität

Die Universidad Nacional de Colombia gehört zu den besten Universitäten in Kolumbien und bietet jedem Studenten ein großes Kursangebot. Die UNAL stellt jedem Studenten eine Mailadresse auf Lebenszeit zur Verfügung, die Zugriff auf sämtliche Google-Dienste ermöglicht. Innerhalb der Seminare und Vorlesungen wird sehr viel mit diesen Onlinediensten gearbeitet. Der Veranstaltungskalender des Bienestar, der im Mailverteiler verschickt wird, ist sehr lesenswert, da von Sportveranstaltungen über Filmvorführungen bis Konzerten, die für Studenten einmal im Monat kostenlos sind, alles dabei ist.
Eine Besonderheit ist die Integration der Universitätsklinik im studentischen Leben, da jeder Student dort das Anrecht auf eine kostenlose Erstversorgung hat. Innerhalb des Semesters lohnt es sich also erst ins Uniklinikum zu gehen, bevor eine externe Praxis aufsucht wird.

Die UNAL hat eine Online-Plattform über die sich alle Studenten in die Kurse eintragen. Da die Austauschstudenten sich nicht selbst eintragen können, müssen Ein- und Austragungen bzw. Änderungen von der ORI (Oficinas de Relaciones Exteriores) durchgeführt werden. Der Vorteil ist sicherlich, dass Austauschstudierende generell in jeden Kurs reinkommen, auch volle Kurse sind daher kein Problem. Auf der Plattform, die SIA heißt, können alle erbrachten Leistungen eingesehen werden. Im Umgang mit der ORI ist es ratsam alle Angelegenheiten persönlich vorzutragen und Hartnäckigkeit zu sein, da viele Sachen schnell auf der Ablage landen oder in Vergessenheit geraten.

Ich hatte pro Semester zwei Seminare und zwei Vorlesungen belegt, die meine Zeit sehr gut ausgefüllt haben. Das Seminar oder die Vorlesung dauert zwei bis drei Stunden und findet zwei Mal die Woche statt. Die Leistungserfassung findet kontinuierlich über das gesamte Semester statt, in der Form von kleinen Testaten, Zwischenprüfungen und einer Endprüfung. Das Niveau der Kurse ist hoch, der Arbeitsaufwand ebenfalls, da sehr stark mit Texten gearbeitet wird. Die Ausstattung der Räume schwankt von Fakultät zu Fakultät.

In der ORI wird auch der Studierendenausweis im ersten Durchgang beantragt. Der zweite Durchgang findet im Registro der UNAL statt und lohnt sich, trotz der Strapazen, sehr. Im Ausweis ist ein Chip enthalten, der für den Transmilenio und den SITP – ÖPNV in Bogota – gedacht ist. Darüber hinaus berechtigt er zum Studentenrabatt in Museen, Nationalparks und Geschäften. Es gibt Buchläden, die 10 – 20% Rabatt bei der Vorlage des Ausweises gewähren. Die Universität bezeichnet sich selbst als weiße Stadt, zum einen aufgrund der Größe und zum anderen wegen der vielen weißen Gebäude, in denen die Fakultäten untergebracht sind. In vielen Fakultäten befindet sich auch eine kleine oder mittelgroße Mensa, die ein günstiges Mittagessen bieten. Zwischen den Fakultäten gibt es große Grünflächen, die oft als das studentische Wohnzimmer bezeichnet werden. Hier kommen die Studenten unter der Woche und am Wochenende von weit her, um sich vor Ort zu treffen und die Freizeitangebote der Universität wahrzunehmen. Neben den Kontakten, die sich prima in den Kursen knüpfen lassen, sind die zahlreichen Freizeitaktivitäten und die kleinen Zelte, die Kaffee und Süßigkeiten verkaufen, eine gute Möglichkeit um weitere Menschen kennen zu lernen. Auf dem gesamten Universitätsgelände sorgt ein Wachdienst für Sicherheit.

Die beiden großen Bibliotheken in der UNAL sind gut ausgestattet und verfügen über Computerpools, die immer gut besucht sind. Daneben haben viele Fakultäten ihre eigenen Bibliotheken für Fachliteratur. Das Personal hilft bei allen Fragen gerne weiter. Da das WLAN der Universität nicht immer dem Ansturm aller Studenten standhält, empfiehlt sich immer die Mitnahme eines LAN-Kabels für den Laptop, besonders in den Bibliotheken.

In der UNAL kommt es häufiger zu Streiks der Studierenden oder Mitarbeiter, da beide Gruppen politisch sehr aktiv sind. Darüber hinaus nutzen Linksradikale die Universität als Ausgangspunkt ihrer Aktivitäten. Es kommt daher häufig zu „tropels“, auf die ein „desalojo“ erfolgt, also die koordinierte Evakuierung der Universität, die durch Sirenen angekündigt wird. Wichtig ist an dieser Stelle sich von der Einsatzhundertschaft der kolumbianischen Polizei, dem ESMAD, fernzuhalten.

Wohn- und Lebenssituation

Mein Zimmer, das keine zehn Minuten von der UNAL entfernt war, habe ich über Freunde gefunden, die vor mir in Bogota waren. Wer nicht über Kontakte dieser Art verfügt, kann sich auf einem Portal umschauen, das die Universität eingerichtet hat. Bei mir lagen die Kosten bei 600.000 Pesos Colombianos (ca. 180 Euro, Stand 2015), die ich pro Monat bezahlt habe. Meine Empfehlung ist sich ein Zimmer in der Nähe der Universität zu suchen, da ein Durchkommen im Berufsverkehr sehr schwierig ist. Wie eingangs erwähnt, verfügt der Studierendenausweis über einen Chip, der an den Stationen des Transmilenio aufgeladen werden kann. Eine Fahrt kostet derzeit 1700 Pesos (Stand 2015). Das Transportnetz ist sehr umfangreich, daher empfiehlt es sich eine App z.B. „TransmiSitp“ zu nutzen.

Neben dem Transmilenio gibt es kleinere Busse, die ihre eigenen Routen haben. Für die Nachtschwärmer ist das Taxi die erste Wahl, da zu fortgeschrittener Stunde die Straßen immer unsicherer werden und nach 22 Uhr der Busverkehr eingestellt wird. Bei der Taxinutzung ist zu beachten, dass nur die Funkzentralen eine sichere Taxifahrt ermöglichen. Weiterhin ist darauf zu achten, dass der Taximeter sich nicht zu schnell dreht und die Preisangabe des Taxifahrers mit der Preisangabe der offiziellen Tabelle übereinstimmt. Wer sich unsicher fühlt, sollte, nachdem er eingestiegen ist, einen Freund anrufen und diesem die voraussichtliche Ankunftszeit und die Nummer oder den Namen des Taxifahrers mitteilen bzw. einen solchen Anruf glaubhaft vortäuschen. Im Taxi selbst sollte immer der Sitz hinter dem Fahrer gewählt werden.

Bei Reisen innerhalb von Kolumbien sollte das Flugzeug dem Bus vorgezogen werden, da besonders nachts die Überlandstraßen unsicher sind und es häufig zu schweren Unfällen kommt. Die großen Fluggesellschaften LAN, AVIANCA und VIVA COLOMBIA bieten häufig günstige Tickets an, die vom Preis vergleichbar mit einem Busticket sind. Vor Reiseantritt lohnt der Besuch der Website des Auswärtigen Amtes.

Die Lebenserhaltungskosten vor Ort orientieren sich in zuallererst am Wechselkurs, nicht nur dem Euro in COP, sondern auch dem COP in US-Dollar. Gegen Ende meines akademischen Auslandsjahres habe ich von den guten Wechselkursen profitiert, das hat meine Kosten vor Ort reduziert hat. Im Vergleich mit anderen Zielen, die ich in Lateinamerika bereist habe, gehört Bogota zu den Städten mit hohen Lebenserhaltungskosten, die europäisches Niveau haben.


Rückblick

Rückblickend hat mir das Studium an der Universidad Nacional de Colombia sehr gut gefallen. Es war so gut, dass ich es jedem weiterempfehlen kann. Auch der Aufenthalt in Kolumbien selbst war eine große Bereicherung für mich. Ich habe während meiner Zeit viele interessante Menschen und tolle Freunde gefunden, die mir einen tiefen Einblick in ihre Denk- und Lebensweise gewährt haben. Besonders fasziniert hat mich das Studentenleben auf dem Campus selbst, besonders die vielen Veranstaltungen, die kunstvollen Wandmalereien, die Musik und das einzigartige Gemeinschaftsgefühl, das ich in dieser Form in Potsdam nicht erlebt habe.

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