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Erfahrungsbericht unserer Auslandskorrespondentin aus Bogotá

Mein Name ist Sarah, ich bin 22 Jahre alt und absolviere zurzeit ein Auslandssemester in Bogotá, Kolumbien. In Potsdam studiere ich Englisch und Spanisch auf Lehramt an Gymnasien im Bachelor. Bogotá liegt im Zentrum des Landes auf ca. 2600 Metern Höhe. Seit dem 21. Juli diesen Jahres kann ich diese wundervolle Stadt mein Zuhause nennen und habe mich super eingelebt. Die Ankunft insgesamt lief sehr problemlos ab. So kam ich gegen 20 Uhr abends in Bogotá an und ging durch den Migrationsprozess.


Autorin: Sarah Maria Tangemann

Studienfach: Magister Spanisch, Französisch, VWL

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 03/2015

Gastuniversität: Universidad Nacional de Colombia

Gastland: Kolumbien

Mein Visum besorgte ich bereits im kolumbianischen Konsulat in Deutschland, so fehlte nur noch der Ausländerausweis, den man separat in der Migrationsbehörde gegen ein kleines Entgelt besorgen muss, um auch gleichzeitig sein Visum zu registrieren. Etwas später atmete ich das erste Mal die dünne Luft hier ein - und es war wundervoll. Ich wurde bereits von meinem Mitbewohner am Flughafen erwartet und musste mir keine Sorgen um die Taxifahrt mit all dem Gepäck machen. Genauso wenig musste ich mir vorher Gedanken über Verständnisprobleme machen.

Mit 16 Jahren verbrachte ich bereits einen Schüleraustausch in Mexiko und auch das Studium hat mich perfekt vorbereitet. Bogotá ist eine wundervolle Stadt. Mit ca. 8 Millionen Einwohnern ist sie zwar um einiges größer als Berlin, dennoch findet man sich schnell zurecht. Straßen sind nummeriert und wie ein Gitter aufgebaut. Als Transportmittel eignen sich entweder der Transmilenio, welcher ein eigenes Straßennetz hat, oder kleinere Busetas, die man per Handzeichen rufen muss und auf Wunsch anhalten. Oder man fährt mit dem Taxi – sehr günstig aber als Ausländer wird man leicht übers Ohr gehauen. Für mich gehört aber auch das zu dem Abenteuer Kolumbien dazu, man erlebt jeden Tag etwas Neues und es ist immer spannend. Trotz alledem ist es hier sicher, solange man mit einem gesunden Menschenverstand durch die Welt läuft. Die Menschen sind liebenswürdig, nett und immer hilfsbereit, wenn man nicht weiter weiß kann man einfach fragen. Sie sind einfach glücklich, dass Studenten aus aller Welt trotz der Vorurteile nach Kolumbien kommen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Hier studiere ich Sprachen an der Universidad Nacional de Colombia, einer der renommiertesten Universitäten Lateinamerikas. Das Studium hat bereits begonnen und es ist eine einmalige Erfahrung. Doch darüber werdet ihr später noch mehr erfahren.

Autorin: Sarah Maria Tangemann

Studienfach: Magister Spanisch, Französisch, VWL

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 03/2015

Gastuniversität: Universidad Nacional de Colombia

Gastland: Kolumbien

Eine Reise nach Prado: 6. Oktober 2014

Reisen in Kolumbien ist unheimlich wundervoll. Nicht nur, dass man Flüge innerhalb des Landes hinterhergeschmissen bekommt, sondern auch, dass man sich nach 2/3 Stunden Fahrt im Auto in einer komplett anderen Klimazone befindet. Bogotá, in 2600 Metern Höhe, ist eben vor allem im ‚Winter’ ziemlich kalt und nass. Da passt es natürlich super, schnell für ein Wochenende ins Warme entfliehen zu können.

So auch am letzten Wochenende. Zusammen mit meinem Mitbewohner machten wir uns am Freitag, früh morgens auf nach Prado, genauer gesagt der ‚Represa de Prado’, einem Süßwassersee ca. 3 Stunden von Bogotá entfernt. Je weiter wir von Bogotá entfernt waren, desto wärmer und flacher wurde es. Die Fahrt dorthin war relativ unspektakulär, bis wir allerdings ins Dörfchen Prado fuhren. Navi und auch die Hausdame des Anwesens, in dem wir die nächsten 2 Tage bleiben sollten, navigierten uns immer geradeaus, bis wir zum Anleger kommen sollten. Von dort mit dem aufblasbarem Boot plus Motor zum Häuschen düsen und einen entspannten Abend verbringen. Doch es kam ALLES anders.
Vorbei an einem Militärstützpunkt merkten wir bald, dass die Straße keine Straße mehr war. Es war nicht einmal ein passabler Kiesweg, sondern mehr oder weniger Felsen, bedeckt mit ein paar Steinchen und Sand. Zuerst war es noch einigermaßen akzeptabel für das kleine, nicht annähernd einem Land Rover ähnelndem Auto. Doch je weiter wir den Berg hinauf fuhren, desto schlimmer wurde es. Die Felsen, gespickt mit Schleifspuren und Kratzern von anderen Fahrzeugen, ließen uns kaum passieren, des Öfteren hörten wir einen dumpfen Schlag unter dem Auto oder Kratzgeräusche in der unteren Front des Autos – und jedes Mal zuckten wir zusammen und machten uns Sorgen um den kleinen Mazda. Nach einer in etwa 60 Minuten andauernden Horrorfahrt, in der wir uns ständig fragten, wie die Regierung Kolumbiens für eine touristische Anlaufstelle wie diese die Straßen in so einem Zustand lassen könnte (denn Navi und auch Hausdame bestätigten uns diesen ‚Weg’!) kamen wir an einem verschlossenen Tor an, dahinter eine Feriensiedlung. In der Hitze an diesem Nachmittag fackelten wir nicht lang, kletterten über das Tor um irgendjemanden zu finden, der uns in dieser prekären Lage helfen könnte. Netterweise erklärte und die Dame vor Ort, das wir an der komplett falschen Seite des Sees wären, dass wir hätten links hätten abbiegen sollen, und nach etwa 5 Minuten wären wir am Anleger gewesen. Doch es wäre nicht Kolumbien, wenn die Menschen nicht immer super hilfsbereit, zuvorkommend und nett wären. So machte sie uns den Vorschlag, dass wir doch gern auf ihrem Parkplatz parken könnten, um von dort mit dem Boot zum Häuschen zu kommen. Gesagt, getan. Wir machten das Boot startklar, luden all unsere Sachen ein und kamen wenig später auf dem wundervollen Anwesen an. Pool, Küche, Bad und eine atemberaubende Aussicht auf den See, plus Zeltplatz. Schnell bauten wir das Zelt zusammen, und komplett müde von der Fahrt, fielen wir auch schon in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen früh geweckt und machten uns schnell auf, um den ganzen Tag auf dem See zu genießen. Verlassene Häuser und Berge umgeben den See und machen ihn eben nicht zu einer riesen touristischen Attraktion, sondern zu einem einzigartigen Naturwunder. Das warme Wasser lud zum schwimmen ein, und auch die Restaurants hatten einiges zu bieten. So bestellte ich Mojarra, einen Süßwasserfisch der scharf angebraten und etwas frittiert wird – lecker! Nach dieser Stärkung ging es weiter, wir erkundeten verlassene Inseln und Buchten, sahen viele Vögel und Fische, sowie Einheimische mit ihren sehr langen aber schmalen Kanus, die zum Fischen hinaus fuhren. Die Zeit, mit einer so schönen Landschaft im Hintergrund, verging schnell, und binnen Minuten wurde aus dem seichten, flachen Wasser ein sehr unruhiges. Dennoch ließen wir es uns nicht nehmen, den unglaublichen Sonnenuntergang zu genießen, mit seinen vielen Farben und Formen. Nachdem es schnell dunkel geworden war, fuhren wir zurück zu unserem Schlafplatz, und genossen den Abend im großen Pool.

Den Tag darauf machten wir uns früh morgens wieder auf den Weg zurück nach Bogotá – das war zumindest der Plan. Aber es sollte auch dieses Mal nicht so reibungslos verlaufen wie geplant – es wäre ja sonst auch langweilig. Am Auto angekommen wollten wir nur schnell unsere sieben Sachen einladen und losfahren... humpf... humpf... die Autobatterie. Da ließ sich doch tatsächlich das Auto nicht einschalten. Nach einer aufregenden Fahrt mit dem Boot zurück zum Anleger, mit dem Motorrad ins Dorf Prado, von dort ins nächste Dorf weil diese nicht die richtige Batterie vorrätig hatten, wieder zurück zum Anleger, zum Auto und die Batterie einbauen – ging es ca. 4 Stunden später wieder den steinigen Weg zurück ins kalte und nasse Bogotá.

Ein Andenken habe ich auch heute, eine Woche nach der Rückkehr immer noch – einen ekeligen Sonnenbrand trotz Sonnencreme... das nächste Mal doch lieber mit Lichtschutzfaktor 50+.

Wohnsituation: 27. Oktober 2014

Sehr überrascht nach der Ankunft in Bogotá hat mich, dass das Stadtviertel in dem ich gerade wohne nach einem deutschen Abenteurer und Entdeckungsreisenden benannt wurde. Nicolás de Federmán (Nikolaus Federmann) ist ein Wohnviertel mit vielen Apartments, Eigentumswohnungen und Grünflächen, sowie einem großen und wunderschönen Park mit See, in dem man nach einem anstrengenden Tag in der Uni den Abend verbringen kann – der Parque de los Novios.
In Bogotá sind die Preise der Wohnungen je nach Viertel gestaffelt, im Süden in den ärmeren Gegenden sind die Preise sowie auch die Wohnsituation niedriger als im reichen Norden. Kolumbien hat ein System entwickelt, in dem jedes Viertel einer Gesellschaftsschicht untergeordnet wird, die sogenannten Estratos, von 1-6. Ciudad Bolívar, Estrato 1, ist das ärmste Viertel und kann als Slum bezeichnet werden – Blechwohnungen, kaum Zugang zu Elektrizität und Wasser und eine hohe Kriminalität. Jeden Morgen in den Nachrichten hört man von neuen Überfällen und Angriffen; bisher war ich noch nicht dort und insgesamt wird uns Ausländern dringend davon abgeraten. (Bildquelle: www.barriosdebogota.com) Nicolás de Federmán befindet sich im Estrato 5 und ist aufgrund der Nachbarschaft relativ sicher. Ich fühle mich zu keiner Zeit wirklich bedroht und auch die Vorurteile vieler über die Sicherheit in Kolumbien kann ich nicht bestätigen. Nur etwa 10 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt befindet sich Pablo VI, ein wunderschönes Viertel mit bunten Häusern und kleinen Läden, ideal um schnell einkaufen zu gehen oder eine Kleinigkeit zu essen. Es ist laut vieler Internetquellen eines der schönsten Viertel Bogotas – leider habe ich es nicht geschafft, ein Foto für euch zu machen.

Die Mieten hier belaufen sich ungefähr zwischen 180 und 300 Euro, allerdings gibt es nach oben keine Grenzen und es kommt ganz auf den gewünschten Wohnstil an sowie die persönlichen Präferenzen. Mein Zimmer habe ich schon vor meiner Abreise nach Kolumbien auf www.compartoapto.com gefunden, und mich per Skype mit dem Vermieter abgesprochen. Die Wohnungssuche hier vor Ort gestaltete sich vor allem für die anderen Austauschstudenten als nicht allzu einfach, dennoch hat letztendlich jeder sein neues Zuhause gefunden. Ich bezahle 200 Euro, habe ein eigenes Zimmer, Bad und es fehlt mir an nichts – warmes Wasser, Kühlschrank, Backofen und auch die Busstation ist nicht weit. Allerdings kann man trotzdem mit höheren Ausgaben bezüglich der Lebensmittel rechnen, wenn man gern Europäisch isst. Importierte Produkte sind relativ teuer – Milchprodukte und vor allem Käse, Fleisch und Hygieneprodukte sind viel teurer als in Deutschland. Allerdings sind vor allem Früchte, in allen Formen und Farben sowie das Gemüse sehr günstig, und auch frische Säfte bekommt man an jeder Straßenecke. Kann ich nur empfehlen.

Leben in Bogotá: 17. November 2014

In Kolumbien hat sich vor allem seit dem Tod Pablo Escobars viel geändert. Dennoch kennt auch heute noch jeder auf der ganzen Welt seine Geschichte und hat ebenso vom Medellin-Kartell und seinen zahlreichen Attentaten sowie Gräueltaten gehört. Nichtsdestotrotz ist dies über 20 Jahr her und es ist wichtig, dass wir ein neues Bild von Kolumbien bekommen, nicht geprägt vom Horror der 90er Jahre.
Bogotá, mit seinen 8 Millionen Einwohnern, ist gewiss nicht die sicherste Großstadt in Lateinamerika, und natürlich gibt es Überfälle, aber die gibt es auch in Berlin, Paris oder London. Solange man mit einem offenen Auge durch die Welt geht, kann einem normalerweise nichts passieren. Einfache Regeln zu befolgen kann einem schon viele Sorgen nehmen: Nachts nicht allein durch die Stadt laufen oder ein Taxi nehmen sind da eigentlich schon nicht mehr erwähnenswert.

Dennoch kann es passieren, dass man ausgeraubt und überfallen wird. Hier die üblichen Verfahren der Räuber:

PASEOS MILIONARIOS: Man steigt in ein Taxi ein, 5 Minuten später hält man plötzlich an einer Straßenecke an und es steigen meist 2 weitere Personen dazu – dort beginnt dann die Millionenfahrt von einem Bankautomaten zum nächsten, bis die Karte streikt. Tipp: Immer ein Taxi mit dem Handy oder Telefon bestellen und nicht auf der Straße anhalten, denn so geht man sicher, dass man ein registriertes Taxi bekommt. Wenn man doch mal eins auf der Straße anhalten muss, dann sollte man sofort das Kennzeichen per SMS an einen Freund schicken – so kann die Polizei zumindest den involvierten Taxifahrer später verfolgen.
SCOPOLAMIN: Scopolamin (auch Burundanga genannt) wird vor allem in Kolumbien oft von Kriminellen gebraucht, um die Opfer in eine Trance zu versetzen und sie willenlos zu machen – so hörte man schon, dass Opfer dem Räuber all ihr Hab und Gut freiwillig überreichten, sogar mit dieser Person die Wohnung ausräumten, und am nächsten Morgen können sie sich nicht mehr dran erinnern. Tipp: Keine Getränke von fremden Menschen annehmen (Tropfenform) und auch keine Werbekärtchen auf de Straße anfassen, denn es kann auch in Pulverform allein durchs einatmen schon seine Wirkung entfalten.

ARMA BLANCA: Arma blanca ist ein Messer, und es wird ebenso oft in Raubüberfällen verwendet. Der Räuber schleicht sich meist an das Opfer heran und hat auch viele Komplizen, unter ihnen sogar Kinder. Wenn man einmal in das Sichtfeld dieser Räuber kommt, kann man kaum noch entkommen. Sie halten einem das Messer vor und fordern Handy, Geldbörse und sogar Kleidung wie Schuhe und Jacken. Tipp: Wenn man bemerkt hat, dass man verfolgt wird, hilft es oft schon, in einen Kiosk zu gehen und dort zu warten, bis die Räuber weg sind. Ist es allerdings zu spät, sollte man ihnen einfach alles geben und nicht versuchen, den Helden zu spielen. Man kann all diese Dinge leicht ersetzten.
Natürlich gibt es auch die klassischen ‚aus der Tasche’ oder auch ‚aus der Hand’ Überfälle. Im Bus nicht das Handy allen sichtbar unter die Nase reiben und seine Tasche ahnungslos auf dem Rücken tragen. Wenn man diese wenigen und offensichtlichen Tipps verfolgt, kann einem hier eigentlich nichts passieren. Mir und auch keinem von meinen Freunden ist bisher etwas passiert.

Studiensituation: 8. Dezember 2014

Studieren in Kolumbien ist ziemlich spannend. Jeden Tag kann man mit nicht vorhersehbaren Dingen konfrontiert werden, die plötzlich aus dem Nirgendwo auftauchen. Zum Unialltag gehört es also dazu, dass: spontan Gebäude zugesperrt werden (vor allem die Sozialwissenschaftler) um gegen ein neues Unigesetz zu demonstrieren, oder sich die gesamte 'Comunidad Universitaria' aufmacht, um in den Straßen Bogotas zu demonstrieren, und dabei der Unterricht ausfällt und gesamte Straßen zugesperrt werden, oder vermummte Gestalten (linke Studis) seltsame Speiselisten verteilen, die z.B. ein heißes und frisch zubereitetes Finanzpaket fordern, oder dass vermummte Gestalten (angeblich FARC-EP? - wer weiß das schon... auch links!) durch die Uni laufen und 'papa-bombas' durch die Gegend werfen (kleine Bomben die aber einen gar nicht mal allzu kleinen Knall von sich geben, sodass schnell mal 20 Autoalarmanlagen losgehen), oder dass die Ein- und Ausgänge zugesperrt werden sodass man entweder in der Uni bleibt, oder eben draußen ausgesperrt wird, und dass Polizisten von draußen (sie haben KEINEN Zugang zum umzäunten Unicampus) Tränengas in die Uni schießen.

Das alles gehört neben kleinen Bonbon-Ständen und Studenten, die selbstgemachte Essen und Desserts in der Uni verkaufen, zum Alltag dazu. Aber gefährlich ist es nicht, niemand will niemandem etwas Böses und jeder ist hilfsbereit und nett, falls man das Gebäude nicht findet oder nicht weiß, wo man die Texte der Dozenten ausdrucken kann. Und all diese Dinge machen das Unileben so interessant, denn es wird nie langweilig und das Studentenleben spielt sich hier wirklich auf dem Campus ab.

Kurse haben ein super Niveau, man wird gefordert und gefördert - die Universidad Nacional de Colombia ist wirklich eine der besten Universitäten Lateinamerikas und einen Besuch wert.

Cali: 22. Dezember 2014

Sonnige vorweihnachtliche Grüße aus Cali – Seit Anfang des Monats bin ich nun schon auf Reisen durch Kolumbien, zuerst Neiva im Westen des Landes, danach Armenia im Kaffeedreieck und heute einen Tagestrip nach Cali - der Stadt der Schönheitsoperationen.

Armenia im Bundesstaat Quindío ist eine weniger schöne Stadt, hat allerdings kulturell gesehen viel zu bieten. Kaffeeplantagen und sogenannte "Fincas Cafeteras" kultivieren einen der besten Kaffees des Landes, und exportiert wird er in die ganze Welt - nur die besten Bohnen sind für den Export bestimmt, der Rest bleibt für die Kolumbianer übrig. Die Herstellung des Kaffees ist äußerst interessant und wird noch zum größten Teil manuell von den Kaffeebauern gehandhabt. Ein bekanntes Kaffeehaus namens Juan Valdéz vertreibt in ganz Lateinamerika bis nach Spanien den eigenen Kaffee.

Gestern besuchte ich den Nationalpark des Kaffees, welcher auf interessante Weise kulturelles Wissen und Spaß, vor allem für Kinder, vereint und somit auch dazu beiträgt, das Handwerk des Kaffeebauern zu schützen.

Zwischenbericht Eines Unglaublich Spannenden Semesters: 12. Januar 2015

Seitdem ich mein Semester in Kolumbien begonnen hatte, sind jetzt schon 6 aufregende Monate hinter mir. Fast alles ist hier anders, viel provisorischer und nicht sehr von Regeln geleitet - klappt aber meist trotzdem. Vor allem diese entspannte Mentalität hat es mir angetan, sodass ich kurzerhand entschieden habe, ein weiteres Semester in Bogotá zu verbringen.

Die Universidad Nacional ist wirklich sehr gut und gibt mir die Möglichkeit, mein Studium voranzubringen, ohne dass ich viel Zeit in Deutschland einbüßen werde. Das Studium ist hier immer interessant und jeden Tag erlebt man neue Dinge, wie z.B. Demonstrationen, eine unglaublich politische Studentenschaft, aussagekräftige Graffitis, die Stunden später schon wieder übermalt werden, vermummte Gestalten der Linken Front, etc... Zudem habe ich das Gefühl, dass ich noch viel mehr vom Land sehen muss.

Seit Anfang Dezember bin ich nun schon auf Reisen durch Kolumbien - Armenia, Cali, Neiva, Santa Marta, Nationalpark Tayrona, Cartagena. Am zweiten Februar geht das Studium weiter und ich bin gespannt, was noch so auf mich zukommen wird.

Umgangsformen in Kolumbien oder: warum mich alle Königin nennen: 10. Februar 2015

In Kolumbien gibt es viele Umgangsformen und auch wie in Deutschland kann sich das Sprachregister je nach Rezipient sehr ändern. Unter Freunden redet man anders als in einem Bewerbungsgespräch mit dem potentiellen und zukünftigen Arbeitgeber oder eben mit der Großmutter. Hier ist das genauso, nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Unterhaltungen auf der Straße sehr vertraut scheinen – und dass man als Ausländer von jedem angesprochen wird.

Ein paar Beispiele:

  • Ich laufe eine Straße entlang und werde plötzlich von der Seite angesprochen: Hola reina, de dónde eres? – Hallo Königin, woher kommst du?
  • Auch der Bäcker im Viertel begrüßt einen morgens gerne mal: Buenos dias mi vida, que te puedo ofrecer? – Guten Morgen mein Leben, was darf es sein?
  • Und der Kommilitone in der Uni antwortet so: No mi amor, no tengo ni idea. – Nein meine Lieb(st)e, ich habe keine Ahnung.

Sehr ungewöhnlich, da man in Deutschland sogar oft den nach dem Weg fragenden Touristen siezt. Aber diese Umgangsformen hier sind vollkommen normal und werden oft sogar als guter Umgangston vorausgesetzt – zwischen Männern und Frauen. Sie brechen sofort das Eis und man zaubert dem anderen ein Lächeln auf das Gesicht. Für mich ist es oft noch sehr schwierig, mich daran zu gewöhnen, denn eigentlich kenne ich diese Menschen doch gar nicht und soll sie gleich mit Kosenamen ansprechen?

Aber es geht noch weiter: Auch wenn man einfach die Aufmerksamkeit eines Passanten oder Taxifahrers auf sich ziehen möchte, fehlt es im Deutschen oft an passenden Worten. Hey; du da vor mir; Entschuldigung... sind nur einige der Dinge, die wir sagen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Im Kolumbien wird das so geregelt:

 

  • Disculpe Señor/Señora – Entschuldigung Herr/Frau
  • Eh nena – Hey Mädel
  • Chico/chica – Junge/ Mädchen
  • Papi! – für alle Männer
  • Mami! – für alle Frauen
  • Doña/ Don – Dame/Herr; etc....

Wie ihr seht, sind die Umgangsformen in Kolumbien oberflächlich aber eben auch sehr vertraut. Man kann sich sehr einfach verständigen, ohne alle Namen zu kennen. Dies ist vor allem sehr vorteilhaft, wenn man neu in einem Land ist und einem alle Namen und die Gesichter dazu sehr ähnlich vorkommen.

Die Kolumbianische Küche: 24. Februar 2015

“First we eat, then we do everything else.” -M.F.K. Fisher

Esskulturen sind so alt wie die Menschheit selbst, denn der Mensch brauchte schon immer Nahrung, um zu überleben. Doch heute hat es eine weitaus größere Bedeutung, wir verbinden Essen mit verschiedenen Kulturen, Ritualen und Traditionen, und nicht einfach nur als ‚Sattmacher’.
Die hiesige Küche ist sehr variabel und jede Region hat seine eigenen, charakteristischen Teller. Dazu muss gesagt werden, dass Kolumbien in der tropischen Klimazone liegt, aber aufgrund der Höhenunterschiede in vier Klimazonen eingeteilt werden kann. Durch die Nähe zum Äquator herrschen im ganzen Jahr je nach Höhenlage gleiche Temperaturen, die sich einzig durch die Regen- und Trockenzeit minimal unterscheiden können. Aufgrund dieser Konditionen kann praktisch jede Art von Gemüse, Obst und anderweitiger Lebensmittel angebaut werden.

Hauptsächlich essen die Kolumbianer allerdings Gerichte bestehend aus Mais(mehl), Kochbananen, Reis, Rindfleisch und Bohnen.

Zum Frühstück gibt es:

 

  • Huevos pericos → Rührei mit Frühlingszwiebel und Tomate, angebraten in reichlich Butter; dazu gibt es heiße Schokolade mit Käse
  • Patacones→ frittierte Kochbanane, welche anschließend plattgedrückt und erneut frittiert wird, dazu die huevos pericos
  • Arepas→ Aus Maismehl geformte Fladen, die in der Pfanne gebraten werden. Dazu gibt es Käse.
  • Tamales → sonntags gibt es die in Palmenblätter eingekochten Tamales bestehend aus Reis, Möhre und Hühnchen
  • Huevos fritos → Spiegelei mit Brot und Kaffee
  • Cereales → natürlich finden sich auch die typischen Frühstückscerealien mit Milch in Kolumbien

Das Mittagessen:

Als Vorspeise gibt es immer eine Suppe, z.B. mit Kartoffel (Ajiaco) oder mit Hühnchen (Sancocho).
Der Plato Fuerte (Hauptspeise): Jede Form von Reis, in Kokosmilch oder mit Gemüse gekocht. Dazu gibt es frittiertes Fleisch (meist Rind, oft aber auch Hühnchen) und eventuell einen kleinen Salat.
Der Nachtisch besteht beispielsweise aus einem Bocadillo (Süßigkeit aus Guajave) oder Leche Asada (Mischung aus Karamellpudding und Wackelpudding).

Als Getränk gibt es immer einen frischen Fruchtsaft, welcher im Mixer mit dem Fruchtfleisch und etwas Wasser oder Milch zubereitet wird. Je nach Frucht wird noch etwas Zucker dazu gegeben. Maracuja, Lulo, Mango, Baumtomate - es gibt hier jede Art von Frucht, die man sich vorstellen kann, und sie schmecken wirklich wunderbar. Lulo ist eine Frucht, die es nur in Kolumbien gibt. Sie ist nur für Säfte geeignet, schmeckt schön säuerlich und bringt jeden zum Lächeln.

Der Snack für Zwischendurch und weltweit bekannt sind die Empanadas. Der Teig besteht aus Maismehl; gefüllt werden sie mit Hühnchen oder Rindfleisch, Champignons oder Kartoffel, Ei oder Käse. Es ist alles erlaubt. Wichtig ist nur: sie müssen frittiert werden.

Abends wird dann nur noch schnell das Mittagessen warm gemacht, der Reis eventuell mit einem Ei verrührt. Wenn nichts mehr übrig geblieben ist, gibt es Arepa.

Dennoch wird auch viel Fisch gegessen, und da Kolumbien an den Pazifik und an die Karibik grenzt, ist die Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten unendlich. In der Karibik ist z.B. ein peruanisch angehauchter Cocktail aus Meeresfrüchten mit Tomatensauce auf dem täglichen Speiseplan. Aufgrund des riesigen Süßwasseraufkommens gibt es auch immer wieder Süßwasserfisch – Wels oder die Mojarra, die ihr bereits auf einem meiner Fotos sehen konntet, sind nur einige davon.

Aber auch im Festland gibt es regionstypische Speisen:

 

  • In Medellin gibt es die Bandeja Paisa, einen riesen Teller mit Bohnen, Blutwurst, Reis, Hackfleisch, Chorizo, Avocado, Schweinehaut und frittiertem Ei.
  • In Cali die Chuleta Valluna, ein paniertes Kotelett mit Limette.
  • In Bucaramanga (in der Nähe der Venezolanischen Grenze) werden auch gerne mal Ameisen verspeist.

Wie ihr seht, ist die kolumbianische Küche sehr variabel, aber eben auch nichts für einen schwachen Magen. Vieles wird frittiert, wenn nicht sogar doppelt frittiert. Jeden Tag gibt es Fleisch, Vegetarier und Veganer haben es hier sehr schwer. Da ist es nicht selten, dass man einen Teller ohne Fleisch bestellt, die Nudeln aber gekochten Schinken enthalten. Aber wir leben auch hier in einem Land mit zunehmender Globalisierung, und man findet sogar deutsche Lebensmittel im Supermarkt. Viele importierte Speisen aus dem Ausland verändern auch in Kolumbien ein wenig die Esskultur. Man kann sich also auh europäisch und etwas gesünder ernähren, darf dann aber auch mit einem Aufpreis rechnen.

Abschlussbericht aus Kolumbien: 10. März 2015

Heute ist der Tag gekommen, an dem ich meinen letzten Bericht veröffentliche. Vor noch einem halben Jahr war es der Plan, am kommenden Mittwoch nach Hause zu fliegen. Der Plan hat sich etwas geändert: Kolumbien ist ein Land voller Farben und Formen, welches den Besuchern viel Lebensfreude aber auch Tristesse vermittelt. Man fühlt sich wohl, ist glücklich, und im gleichen Moment melancholisch und traurig.

Es fing alles an mit meiner Affinität für hispanophone Länder, die sich schnell zu einer stetigen Wanderlust entwickelte. Menschen anderer Kulturen kennen zu lernen war dabei der ausschlaggebende Grund, denn in den Entwicklungsländern wie Kolumbien hat das Leben noch Platz für richtige Freude und Motivation, und weniger die bekannten Industrieländerprobleme. Aber jede Münze hat zwei Seiten. Weitläufig ist bekannt, dass Kolumbien viele Probleme, vor allem in der Wirtschaft und Politik, vorweisen kann – dazu gehören Gewalt und Entführungen durch Paramilitärs sowie Guerillas, Friedensgespräche mit der FARC seit über 2 Jahren ohne Resultat, Wahlbetrug und Korruption, ein fragliches Gesundheitssystem sowie eine problematische Einstellung gegenüber der Arbeitsmoral und der Achtung des Eigentums. Seit einigen Jahren gehört es allerdings auch zu den größten Wirtschaftsnationen Lateinamerikas, welches sicherlich auch zu den oben genannten Problemen beigetragen hat.

Ich muss allerdings mit Nachdruck sagen, dass man sich hier wohl und geborgen fühlt, die Menschen sind unheimlich nett und hilfsbereit und wollen keinem etwas Böses; und die schwarzen Schafe gibt es überall, auch in der U-Bahn in Berlin. Ich bereue es nicht eine Minute, hierher geflogen zu sein, denn diese wundervollen Eindrücke kann mir keiner mehr nehmen. Das Wichtigste ist, dass man nicht voreilig und ohne Kenntnisse eines Landes und seiner Menschen Schlüsse darüber zieht.

Die unheimlich große Artenvielfalt, zwei Küsten sowie der Gebirge und Klimazonen machen Kolumbien zu einem der spannendsten Länder, welches ich bisher besuchen durfte. Nicht umsonst hatte ich nach 3 Monaten schon Panik, dass alles bald vorbei sein würde, denn die Zeit rannte so und ich bekam das Gefühl, dass ich noch so viel zu sehen und erleben habe. Ohne lange mit der Wimper zu zucken also beschloss ich, mein Erlebnis zu verlängern, und zwar bis Mitte September.

Im Februar begann mein zweites Semester hier und ich kann es nur empfehlen, ein halbes Jahr länger zu bleiben, wenn man die Möglichkeit hat – eine Mail nach Potsdam und an die Uni hier machten es möglich. Ich kenne die Universidad Nacional nun wirklich gut, die Lehre ist einwandfrei, fordert und fördert die Studierenden und kann zudem ein hohes Niveau vorweisen (meine Erfahrungen basieren natürlich auf meinem Studienzweig Englisch und Spanisch auf Lehramt).

In der heutigen Bildstrecke möchte ich euch gerne die Highlights meines Abenteuers bis jetzt präsentieren!

Kolumbien

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