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Erfahrungsbericht China (Peking) an der UIBE

Im Wintersemester 2016/17 nahm ich an einem Austauschprogramm an der University of International Business and Economics (UIBE) in Peking teil. Die Reise war Bestandteil des '4+2'-Programm der Uni Potsdam, welches von Kuang Dai, wissenschaftlichen Mitarbeiter der WiSo-Fakultät, und dem Akademischen Auslandsamtes in Potsdam koordiniert wird. Auf Pekinger Seite wird das Programm vom Global Exchange and Experience Center (GEEC) der UIBE unterstützt. Der Fokus meines Erfahrungsberichtes liegt auf der Bewerbungsphase und den ersten Wochen in China. Diese Zeit überraschte und verwirrte mich am meisten; danach fand ich mich relativ schnell zurecht.


Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 12/2016

Gastuniversität: University of International Business and Economics

Gastland: China

Disclaimer

Das Auslandssemester war die Zeit voll wert. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich während meiner Reise sammeln konnte, haben mir klar gemacht was Leben und Lebensqualität für mich bedeutet. Sie haben mir gezeigt, was es für mich bedeutet glücklich zu sein; das war mir vorher nicht immer klar. Sie haben mir außerdem die Augen geöffnet, dass ich nicht der einzige mit diesem Streben bin und dass Lebensqualität für jeden etwas Anderes bedeutet und nicht jeder Mensch darunter dasselbe versteht. Ich bin mir sicher, dass jeder Mensch - sofern er eine Erfahrung annimmt und sie mit offenen Augen bewältigt, davon lernen kann, wie er es in keiner Schule oder Universität in Deutschland würde. Deshalb: Geht nach Peking! Geht ins Ausland, insbesondere in Länder, die ihr noch nicht kennt und die sehr viel anders sind als Deutschland!

Diese Auslandsreise war für mich generell mit sehr positiven Emotionen verbunden. In meinem Bericht gehe ich allerdings nicht auf die Themen ein, die gut beschrieben waren und deshalb auch gut geklappt haben. Die Informationen dazu findet ihr in der Regel an vermuteten Stellen. Dinge ein, die mich trübten, störten oder die mir erst spät bewusstwurden. Mögen sie Eure Erfahrungen bereichern!

Dabei erhebe ich allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bin für keine der Konsequenzen aus den beschriebenen Handlungen verantwortlich. Spaß beiseite!

Online-Bewerbungsablauf: Ein eher ungewöhnliches, aber bewältigbares Chaos

Der Bewerbungsablauf wird unter dem Internetauftritt der Uni Potsdam gut beschrieben. Die Kommunikation läuft auf Potsdamer Seite per Email und persönlich und auf Pekinger Seite per WeChat (chinesisches Pendant zu WhatsApp) und Email. Die Kontaktpersonen in Peking sprechen gut Englisch. Auf Pekinger Seite ist allerdings mit unerwarteten Hürden zu rechnen.

Webseiten der UIBE

Die Webseiten der UIBE zur Bewerbung frustrieren, weil sie hoffnungslos veraltet und langsam sind; beispielsweise werden Emails zur Registrierung nicht verschickt oder Dateien nicht hochgeladen. Hier heißt es Ruhe zu bewahren und erstmal verschiedene Browser und ihre Fallback-Modi ausprobieren; wenn gar nichts mehr geht, kann der IT-Support und/oder des GEEC per Email zu kontaktiert werden.

E-Mailkommunikation und Erreichbarkeit

Bei der Email-Kommunikation stellt sich das nächste Problem dar. Teilweise werden von chinesischer Seite, insbesondere vom GEEC, Emails verspätet oder gar nicht beantwortet. Der GEEC meldete sich 2016 einen Monat vor dem Start der Einführungswoche für die Ferien ab und reagierte in dieser kritischen Zeit auf keine Emails mehr. Alle wichtigen Anliegen sollten deshalb unbedingt vorher geklärt werden.

Der GEEC informiert per Mails über Neuigkeiten zur Anmeldung und verschickt auch sporadisch andere wichtige Informationen, aber leider geschieht das nicht vollständig und lückenlos. Um keine Informationen zu verpassen, sollten die verschiedenen News-Pages des GEECs regelmäßig gecheckt werden. Dies war für einige Studierende und auch mich überraschend. Alle Informationen (meistens in .pdf-Form) sollten komplett überprüft werden, denn selbst auf zunächst unscheinbaren Dokumenten verstecken sich wichtige Details. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten unserer Fragen mit den vorhandenen Dokumenten beantwortet werden konnten, wobei diese Antworten allerdings in einer oder mehreren Emails, in den verschiedenen Newsseiten oder in übervollen PDF-Dokumenten erst entdeckt und gefunden werden mussten.  Was durch den GEEC erst spät klargestellt wurde, ist, dass obwohl relativ wenig in der Einführungswoche passiert, die ersten zwei Tage (bei uns 21. und 22. August) der Einführungswoche die einzigen Tage der offiziellen Anmeldung für das Studium sind. Erst später kam die Klarstellung durch den GEEC, dass Studierende, die erst später an die Uni können oder ihre Flüge bereits gebucht haben, den GEEC darüber informieren und dann ein spezielles Anmeldungsprozedere durchlaufen müssen.

Bewerbung auf einen Wohnheimplatz

Es werden begrenzte Wohnheimplätze vergeben, auf die sich Studierende separat bewerben müssen. Dies stellte eine Raumgarantie dar, die wir uns allerdings erkämpfen mussten. Und auch die Studierenden, die nicht auf der Liste standen, bekamen Plätze. Doch dazu unten mehr. dass der GEEC und die chinesische Administration relativ flexibel sind; beispielsweise Deadlines nicht dieselbe Relevanz wie in Deutschland besitzen. Wie gesagt, sind die Informationen außerdem meistens in irgendeiner Form vorhanden und der Ablauf und Prozess – wenn auch mitunter etwas undurchsichtig - beschrieben.

Registrierung vor Ort

Registrierung an der UIBE

Ähnlich ging der Bewerbungsprozess Vorort weiter. Ich kam am ersten Tag der Registrierung an und begab mich direkt zur Registrierung an der UIBE. Hier wurden von mir ein Wohnsitz und eine lokale Telefonnummer erwartet. Trotz der vielen Helfer und Mitarbeiter war die Kommunikation ein Problem, denn die Englischkenntnisse der Mitarbeiter und meine Chinesischkenntnisse reichten nicht für komplexe Angelegenheiten aus. Da allerdings auch Studierende anwesend waren, die über bessere Sprachkenntnisse verfügen, klappte es dann doch mit der Verständigung. Und irgendwie kam ich dann auch durch den Prozess ohne die Informationen zum Wohnsitz und Telefonnummer (und auch ohne die Bestätigung meiner Auslandsversicherung, die eigentlich notwendig war, ich aber wegen fehlenden Zugang zum Internet nicht abrufen konnte). Ich konnte mich immatrikulieren.

Lokaler Mobilfunkvertrag

Nach der Registrierung erhielt ich von China Unicom, für die Dauer meines Aufenthaltes, einen Vertrag über eine lokale Telefonnummer. Die Konditionen sind sehr günstig und ich kann den Tarif empfehlen.

Wohnheimplatz

Die Wohnungs-Registrierung verlief problematischer. Trotz Raum-Garantie wurde uns gesagt, dass keine Wohnplätze mehr vorhanden sind. Die Dimension dieses Problems war uns und dem chinesischen Koordinations-Team anfangs nicht voll bewusst; letztere schienen dieses Problem erst an diesem Tag bemerkt zu haben.  Den neu ankommenden Studenten wird schon seit, gerüchteweise, vier Jahren zu Beginn jeden Semesters erzählt, dass ein neues Wohnheim für internationale Studenten aktuell im Bau ist und sehr wahrscheinlich noch während des laufenden Semesters fertig sein wird. Wie es zu dieser Aussage und dieser massiven Bauverzögerung kommen kann, war uns nicht ganz klar. Wir vermuten aber, dass es mit dem chinesischen „Gesichtsverlust“ in Verbindung zu bringen ist, der unbedingt vermieden werden sollte. Als Alternative schließt die Uni jedes Jahr Verträge mit umliegenden Hotels ab, damit ausländische Studenten in Hotelzimmern übernachten können. Die Studenten zahlen den Preis, der für einen Platz im Wohnheim anfallen würde, während die Uni den zusätzlichen Betrag zu den Kosten für ein Hotelzimmer ausgleicht. Die Zimmerbuchungen werden – aus welchen Gründen auch immer – nicht für das ganze Jahr vereinbart; deshalb kann es vorkommen, dass die Studenten innerhalb eines Jahres mehrmals Hotel und Zimmer wechseln müssen. Nach mehrstündigem Bangen und Warten bekamen wir – mit oder ohne Raum-Garantie – einen Plan ausgehändigt, der uns zunächst Plätze im Wohnheim und danach in zwei Hotels zuwies; insgesamt mussten wir 4 oder öfter Mal umziehen. Mein Hotel bot – in Bezug auf Ausstattung und Service – nicht den besten Standard, den die Unterkünfte der größten Studierendengruppe aufwiesen. Das war für mich allerdings akzeptabel. Mein Laufweg zum Campus war mit 5 Minuten recht kurz. Grundsätzlich entspannte sich die Wohnsituation erst nach zwei Monaten. In den Hotels war unsere Lebensqualität etwas eingeschränkt, denn wir konnten die Zimmer nicht nach eigenen Wünschen und eigenem Geschmack dekorieren oder dort Essen vorbereiten und kochen. Allerdings gab es einen Raumservice, der, unabhängig vom Wochentag, morgens zwischen acht und zehn Uhr die Zimmer reinigte und Handtücher austauschte. Wir lebten immer zu zwei in den Zimmern, unabhängig davon ob wir im Hotel oder im Wohnheim übernachteten.  Die Zahlungs- und Wechselinformationen bekamen wir im Monatsrhythmus, aber meist sehr kurzfristig ein oder zwei Tage vorher, ins Zimmer gelegt. Wir mussten in bar zahlen. Für einige Studenten war es manchmal, weil man auf Reisen war oder die Geldkarte ein Limit erreicht hatte, problematisch rechtzeitig auf diese kurzen Aufforderungen zu reagieren. Der Kommunikationston war einseitig und harsch und verwies auf Geldstrafen bei Nicht-Einhaltung.

Privatwohnungen

Eine Alternative zu Wohnheim oder Hotel sind privat gemietete Appartements. Je nach Vertragsart, Raumgröße und Anzahl der Mitmieter kann der Preis unter dem eines Wohnheims oder sehr viel höher liegen. Hier muss man ein wenig Glück mit der Agentur haben und das richtige Geschick beim Aushandeln der Konditionen. Gerade für Studenten, die zwei Semester in Peking studieren, lohnt sich diese Option, da sie mehr Selbstbestimmung und eine angenehmere Atmosphäre bietet. Ich bin diesen Weg leider nicht gegangen, da ich mit der Situation zu Beginn des Semesters etwas überfordert war und mir der Überblick fehlte.

Hier einige Tipps:

  • Es werden in der Regel eine Provision und eine Kaution gefordert, die jeweils in Höhe einer Monatsmiete liegen. Wenn Ihr kürzer als den vereinbarten Zeitraum anmietet, verliert ihr die Kaution. Rechnet diese deshalb schon im Gesamtpreis ein.
  • Es lohnt sich etwas Chinesisch zu sprechen, eine Chinesisch sprechende Person oder besser einen chinesischen Freund mitzunehmen; das bringt euch in eine deutlich bessere Verhandlungsposition. Es gibt weniger Potential „verarscht“ und die Verhandlungspartner respektieren euch stärker.
  • Es scheint eine gängige Strategie zu sein, erst schlecht ausgestattete Wohnungen zu überteuerten Preisen zu zeigen, und danach erst bessere zu akzeptablen Preisen. In meinem Marketing-Kurs lernten wir dies als Hook-Effect kennen, von welchem sie sich höhere Wertschätzung erhoffen und welcher die Agenturen in eine bessere Verhandlungsposition bringen soll.
  • Die erst genannten Preise sind in der Regel maßlos übertrieben: verhandelt.
  • Teilt euch Zimmer um den individuellen Mietpreis weiter zu senken.
  • Die Miete wird in bar bezahlt und die erste Zahlung schließt Kaution, Provision und die ersten drei bis sechs Monate mit ein.
  • In unserem Fall war es so, dass wir uns zunächst einen Wohnheimplatz reservieren und zum nächsten monatlichen Zahltermin kündigen konnten. Dies kann also als Übergangslösung genutzt werden, bevor Ihr eine passende Wohnung findet. Die Wohnsituation war das problematischste Element meiner Reise; doch selbst das kann die unvergleichlichen Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich erhalten konnte, nicht trüben.

Bezahlung und Bankkonten

Bezahlmöglichkeiten

In den meisten Straßenständen, Läden oder Restaurants ohne internationale Ausrichtung – die   deutlich in der Mehrzahl und meist günstiger sind – gibt es zwei Möglichkeiten, um zu bezahlen: 

  • Bargeld
  • WeChat

Bargeld kann an ATMs mit internationalen VISA- und Mastercards abgehoben werden. WeChat ist das bereits erwähnte Chatprogramm mit Zusatzfunktionen, unter anderem zum bequemen Bezahlen über QR-Code. Der eigene WeChat-Account muss dafür mit einem chinesischen Bankkonto verknüpft werden.

Kontoeröffnung

Um den Bezahlungs-Möglichkeiten zu erweitern empfehle ich bei einer national tätigen Bank, zum Beispiel der Bank of China oder der ISBC, ein Konto zu eröffnen. Die Nutzung ist zum großen Teil kostenlos oder mit sehr geringen Gebühren verbunden.  Das Konto sollte möglichst früh eröffnet werden, insbesondere bei einem Aufenthalt von vier Monaten. Als ich für die letzten zwei Monate ein Bankkonto bei von einer Freundin mit X2-Visum empfohlenen Filiale eröffnen wollte, wurde mir von neuen Regularien erzählt, die eine Eröffnung mit X2-Visum verhinderten. Ihr könnt entweder Bargeld auf das Konto einzahlen oder Euro auf das Konto transferieren, das Geld in einer Filiale abheben, umtauschen und dann auf das Konto einzahlen. Ersteres zum Wechselkurs eurer Bank (bietet sich zum Beispiel bei der DKB mit guten Wechselkurs-Garantien an), letzteres zum Wechselkurs der Bank. Ihr zahlt die Gebühren für die Abhebung, die Eure Bank beansprucht.

Eine im ATM verlorene Bankkarte

Da die Bankautomaten in China zuerst das Geld und dann die Karten ausgeben, also genau in der anderen Reihenfolge als in Deutschland, ist es durchaus möglich, dass man seine Bankkarte vergisst. Solltet ihr eure Karte in einem Bankautomaten einer Filiale vergessen haben, ist es in der Regel kein Problem diese zurückzubekommen. Ihr zeigt einem Mitarbeiter in der Filiale euren Reisepass und bekommt daraufhin die Karte zurück. Wie es mit freistehenden ATMs ist, weiß ich nicht, doch vermute ich, dass der Prozess ähnlich einfach, aber langfristiger, ist.

Eine zweite Bankkarte

Da es allerdings durchaus sein kann, dass ihr eure Bankkarte verliert, ist es empfehlenswert mit mehr als einer Bankkarte und einem Bankkonto nach China zu reisen. An dieser Bankkarte hängt unglaublich viel, insbesondere, wenn ihr die nächste Zahlungsaufforderung für die Monatsmiete erhalten habt und das Bargeld gerade ausgegangen ist.

Studium an der Gastuniversität

Die richtige Kurswahl Die Anforderungen bei den Kursen waren, je nach Dozent und Fach, unterschiedlich. Es gab Kurse mit und ohne Anwesenheitspflicht. Die Dozenten sind generell für Gespräche nach ihren Vorlesungen und zu ihren Sprechzeiten offen. Der Aufwand und Anspruch der Kurse steigt generell von SIE (School of International Education) zu SOB (School of Business) zu SITE (School of International Trade and Economics). Die Lernerfahrung ist - je nach Kurs, Dozent und eigenem Anspruch - mehr oder weniger hoch. Die Kurse stehen und fallen allerdings mit den Dozenten. Da ihr allerdings zwei Wochen für die Wahl eurer Kurse habt, bietet es sich an verschiedene Vorlesungen probezuhören.

Ich war sehr glücklich mit meiner Wahl „Principles of Marketing“ und empfand „Organizational Business“ als mediokrer; beide Kurse organisierte die SOB. Soweit ich gehört habe, sind die Fächer „Leadership Behavior“ und „China in the Global Economy“, die die SIE verantwortet, nicht zu empfehlen. Die meisten Auslandsstudenten nehmen das Studium relativ locker.

Chinesischkurse

Zusätzlich zu den fachbezogenen Kursen können an der UIBE Sprachkurse belegt werden. Im Angebot sind:

1.    Ein Survival-Kurs

2.    Ein 6-Stunden-Kurs

3.    Ein 20-Stunden-Kurs

Bei erfolgreichem Abschluss der Kurse stellt die Uni ein eigenes Zertifikat aus; zusätzlich kann kostenlos ein HSK-Kurs und -test belegt werden. Die Studenten der Kurse 1 und 2 verfügten zum Ende des Semesters über geringe Kenntnisse der chinesischen Sprache; insbesondere hatten sie kein intuitives Sprachgefühl. Die 4 Stunden pro Wochentag des 20-Stunden-Kurses – welchen ich auch belegte – zahlen sich aus, jedoch empfand ich den Unterricht stellenweise sowohl über- als auch unterfordernd, und insgesamt wenig effektiv. Die nativen Chinesisch-Lehrerinnen entwickelten ihre Sprachkenntnisse intuitiv und ihnen fehlen das Verständnis und die Tricks, die ein neu Lernender benötigt.  Bei jedem Kapitel müssen lange Listen mit Vokabeln, Hanzi-Zeichen und Übersetzungen auswendig gelernt werden; hinzu kommen die Lektionstexte. Einen privaten Chinesisch-Unterricht mit einer Chinesisch-Fremdsprachlerin empfand ich als wesentlich effektiver und persönlicher. Es gibt in der Nähe der Uni außerdem verschiedene Sprachinstitute, die einen kostenpflichtigen, aber effektiveren, Unterricht versprechen. Mein Chinesisch verbesserte sich deutlich in Bezug auf Hören, Sprechen, Lesen und Grammatik, jedoch war der Zeitaufwand dafür relativ hoch. Ich wünschte, ich wäre mit diesem Sprachniveau oder höher nach China gereist, denn erst dann konnte ich damit in Alltagssituationen umgehen und von ihnen lernen.

Buddies und andere internationale und chinesische Kontakte

Ausländische Studenten können sich beim Buddy-Programm anmelden und bekommen dann einen chinesischen Studenten als Buddy zugewiesen. Mein Kontakt lief ins Leere, aber andere Kommilitonen schlossen gute Freundschaften. Durch verschiedene Freizeitaktivitäten lassen sich allerdings auch andere Chinesen kennenlernen. Wenn sie grundsätzliche Englischkenntnisse haben, kann ihr Interesse an einer Freundschaft und einem Austausch relativ hoch sein, auch wenn sie es nicht direkt zeigen. Mit internationalen Studenten kommt man aufgrund der Art des Programms sofort in Kontakt. Bei verschiedenen Freizeitaktivitäten außerhalb der Uni habt ihr außerdem die Chance Chinesen und Menschen anderer Nationalitäten kennenzulernen. Keiner der ankommenden Studenten war isoliert, sofern er das nicht wollte.

Arbeitsräume: Bibliothek, Coffee Shops und Vorlesungsräume

Während des Wintersemesters sind beheizte Arbeitsräume wichtig. Die Hotel- und Wohnheim-Zimmer eignen sich zum Arbeiten weniger, weil es ihre Ausstattung nicht bietet und/oder auch auf den Mitbewohner Rücksicht genommen werden muss; das gilt insbesonders für Gruppenarbeiten. Im Winter wird es eiskalt und man ist froh über jeden warmen Platz. Auf dem Campus der Universität ergaben sich für mich drei Möglichkeiten:

1.    Bibliothek: Die unteren Etagen sind hoffnungslos überfüllt; nicht unbedingt mit Studenten, sondern Stapeln von Büchern, die als Platzreservierung dienen. Auch wenn nur 50% der Plätze wirklich ausgenutzt sind, findet man hier trotzdem keinen Platz. Allerdings gibt es in der höchsten Etage einen Computerpool, in welcher die Studenten ihre Plätze nicht reservieren können und es deshalb in der Regel auch im Winter viele freie Plätze gibt. Außerdem sind dort deutlich mehr und besser erreichbare Steckdosen. Da hier nicht laut gesprochen werden darf, sind Gruppenarbeiten allerdings nicht möglich.

2.    Coffee Shops: Es gibt auf dem Campus vier Cafés, die aber teilweise versteckt liegen und entsprechend schwer zu finden sind. Die Plätze sind im Winter begrenzt, doch meist fand ich einen Platz. Die Steckdosen sind gut erreichbar. Eigentlich sollte man sich hier ein Getränk oder etwas zu Essen bestellen, doch sie weisen die Studenten nicht darauf hin. Insbesondere die Getränke sind allerdings empfehlenswert, auch wenn diese relativ teuer sind. Bei den Cafés handelt es sich übrigens auch um einige der insgesamt wenigen Orte in Peking, die guten Kaffee anbieten.

3.    Vorlesungsräume: Insbesondere die Räume der Language School, aber auch andere auf dem Campus, sind außerhalb der Vorlesungszeiten für die Studenten zugänglich. Hier ist man meist allein und kann das Raumklima selbst bestimmen.

Eigener Laptop Trotz Computerpool bietet es sich an einen eigenen Laptop zu haben. Niemand scheint diese Computer zu nutzen, was mich an ihrer Qualität zweifeln lässt. Außerdem wäre die Sprache des Betriebssystems und der Programme in Chinesisch.

Sonstiges

Deo und Sonnencreme …

ist sündhaft teuer in China und auch generell in Asien. Richtet euch ein auf Preise von € 5,00 bis € 10,00. Kauft euch diese daher am besten vorher. Auch wenn es weniger extrem bei Shampoo und Duschbad ist, bietet es sich dafür auch an.

Luft

Was für Peking, und viele andere chinesische Ostküstenstädte, niedrige bis normale AQI-Werte (40-100 AQI) zur Messung der Luftqualität sind, löst bei den meisten europäischen Städten Alarmglocken aus. Interessanterweise, kam es bei mir bei solchen Werten zu keiner spürbaren Beeinträchtigung der Lebensqualität. Allerdings können die Werte – gerade im Winter auf über 100 AQI ansteigen und Werte von 500 bis 1000 AQI erreichen. Da Atemmasken (mindestens für PQ2.5) in China relativ teuer sind, lohnt es sich diese vorher zu kaufen. Über 200 bis 300 AQI sollten diese unbedingt getragen werden. Diese Werte können frustrieren und für etwas Unbehagen sorgen, in jedem Fall wird nach einem Tag Exposition die eigene Kleidung nach Smog riechen. Auf Sport-Aktivitäten im Freien sollte man dann unbedingt verzichten. Idealerweise nutzt man ein Lufterfrischungsgerät im Zimmer oder der Wohnung; ich habe allerdings auch ohne ein solches Gerät überlebt. Während meines Semesters trugen nicht nur ausländische Studierende, sondern auch viele Chinesen diese Atemmasken.

In China shoppen

Die Preise für internationale Marken für Kleidung und Technik sind in China die höchsten in Asien und relativ hoch im Vergleich zum Rest der Welt. Insbesondere beliebte Marken, wie Apple, Nike und Adidas, sind teurer als bei uns; allerdings bekommt man teilweise Markt-exklusive Modelle. Die Preise für Produkte chinesischer Marken sind in China günstiger als außerhalb, auch im Vergleich zu Produkten internationaler Hersteller. Für technische Geräte wie Smartphones, Tablets, Laptops sind die Marken Lenevo, Huawei und Xiaomi eine gute Wahl. Xiaomi hat außerdem ein breites Portfolio und bietet unter anderem Router, Lautsprecher, Fernsehgeräte, Power Banks, Hover Boards und Lufterfrischer an. Es gibt in Peking, in Apple-konformen Design, zwei Xiaomi-Shops, in welchen ihre Produkte getestet werden können. Schuhe und Kleidung in Unter- oder Übergrößen gibt es in keinem der Läden, höchstens online. Diese können an die Uni oder eigene Hotel geschickt werden.

Öffentliche Verkehrsmittel

Die U-Bahnnutzung ist intuitiv und relativ günstig, bei Preisen von 3 bis 7¥ für eine Strecke. Taxis sind in verkehrsarmen Zeiten eine gute Option und kosten, aufgeteilt auf eine Gruppe, einen akzeptablen Preis. Sie liegen je nach Strecke zwischen 15 bis 60 ¥ pro Fahrt. Achtet darauf, dass der Fahrer den Taxo-Meter aktiviert. Die Taxis können direkt von der Straße aus angefordert werden. Wenn ihr etwas Chinesisch sprecht, sind Didi und Uber eine Option. Diese kosten ungefähr 50% bis 75% des Taxipreises. Die Fahrer rufen allerdings zur Koordination der Fahrt an und sprechen in der Regel kein Englisch. Das Bus-Netz ist bei Google Maps leider nicht zuverlässig gespeichert, eventuell aber in Bing Maps und Baidu Maps. Ich kann darüber keine belastbare Aussage treffen, weil ich beide Dienste nicht ausprobiert habe.

VPN

Um weiterhin Zugriff auf App Store, Google Playstore und die meisten anderen gängigen Apps zu haben, solltet ihr unbedingt VPN einrichten bevor ihr nach China kommt. Das Rechenzentrum hat Anleitungen darüber, wie man es auf Smartphone und Computer installiert. Für Android empfehle ich den OpenConnect-Client.

Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 12/2016

Gastuniversität: University of International Business and Economics

Gastland: China


Nützliche Tipps

Nützliche Programme - Hier einige Softwareempfehlungen:

  • WeChat für Android: essentiell und müsst ihr euch sowieso installieren

  • Bing oder Baidu Maps für Android: Microsoft-Produkte sind in China nicht gesperrt und haben den Vorteil des englischen Interfaces. Baidu Maps sind vollständiger, aber eben nur in Chinesisch

  • Maps.ME für Android: eine der besseren Offline-Karten-Applikationen

  • OpenConnect für Android: funktioniert besser als das vom Rechenzentrum vorgeschlagene Programm für die VPN-Nutzung.

  • Guides by LonelyPlanet für Android: ein exzellenter Offline-Reiseplaner

  • Anki: Flashkarten zum Chinesischlernen

  • Pleco für Android: Unbedingt! Ein Chinesischwörterbuch mit vielen, zusätzlichen Funktionen. Es können unter anderem Zeichen frei gezeichnet werden.

  • HelloChinese: zum Chinesisch-Lernen per App, nicht ganz so effektiv, aber eine der besseren

  • Eine gute Webseite mit englischen wie chinesischen Filmen: Youku.com

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