uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Mein Auslandssemester an der University of Victoria

Die University of Victoria war zum Zeitpunkt meiner Bewerbung eine Partneruniversität von IEC (www.ieconline.de). Die Bewerbung für einen Platz läuft relativ unkompliziert und ist von der Gastuniversität abhängig. Zum Zeitpunkt meiner Bewerbung musste ich lediglich eine aktuelle Leistungsübersicht, einen DAAD-Sprachtest sowie mein Abiturzeugnis und ein Bewerbungsformular einreichen. Ein Motivationsschreiben, ein Vorstellungsgespräch oder ein kostenintensiverer Sprachtest waren nicht erforderlich. Die Agentur IEC fordert selbst keine Bewerbungsgebühren, allerdings erhebt die University of Victoria eine Bewerbungsgebühr, welche sich auf $50 belaufen hat. Da die University of Victoria keine Partneruniversität der Universität Potsdam war, musste ich als Visiting Student Studiengebühren zahlen. Bei 4 Kursen sind das ungefähr $5500, die bei entsprechendem finanziellem Bedarf vom Bafög-Amt jedoch komplett übernommen (allerdings in monatlichen Raten ausgezahlt) werden.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 01/2015 - 04/2015

Gastuniversität: University of Victoria

Gastland: Kanada

Durch den gesamten Bewerbungsprozess hinweg habe ich mich sehr gut informiert und betreut gefühlt von meiner Ansprechpartnerin bei IEC als auch von den Mitarbeiter_innen des AAA der Uni Potsdam. Von dort gibt es auch Unterstützung, was die Beantragung von Auslands-Bafög oder andere Finanzierungsmöglichkeiten angeht. Mein Studium habe ich durch Auslands-Bafög, ein PROMOS-Stipendium sowie Kindergeld finanziert. Auf den monatlichen finanziellen Bedarf werde ich später noch zurückkommen.

Wer nur für ein Semester in Kanada studiert, braucht kein Visum zu beantragen. Nur für den Fall, dass
man neben dem Studium arbeiten will, muss man bei der kanadischen Botschaft in Wien ein Visum beantragen, welches es ermöglicht, auf dem Campus entgeltlicher oder unentgeltlicher Beschäftigung nachzugehen. Weil sich für mich glücklicherweise zusätzlich zu dem Auslandssemester noch am dortigen Psychologie-Institut ein Praktikum ergeben hat, war für mich die Beantragung eines Visums erforderlich. Denn selbst unbezahlte Arbeit in Form eines Praktikums wäre ohne Visum nicht erlaubt gewesen. Die Beantragung des Visums war der aufwändigste Schritt der Vorbereitung und umfasst das Ausfüllen einer Reihe unterschiedlicher Formulare. Diese sind allesamt online abrufbar auf www.cic.gc.ca und müssen dann nur noch ausgedruckt an die Botschaft in Wien geschickt werden. Die Gebühr für das Visum betrug dann $100 und hat ca. 4 Wochen Bearbeitungszeit benötigt. Wer also ein Praktikum plant, sollte für die Bewerbung und Vorbereitung unbedingt mehr Zeit einplanen. Wer hingegen lediglich an der Gastuniversität studieren möchte, muss nur für die eigentliche Bewerbung Zeit einplanen und muss sich dann nicht, im Gegensatz etwa zu Auslandsstudierenden in den USA, noch mit der Beantragung eines Visums herumschlagen. Insofern ist der Aufwand für ein Semester in Kanada also vergleichsweise gering.

Studium an der Gastuniversität

Das kanadische Studiensystem ähnelt dem US-amerikanischen sehr stark. Lehrveranstaltungen finden mehrmals pro Woche in zumeist kurzen Zeiteinheiten statt. In der Regel fällt eine Lehrveranstaltung mit etwa 3 Zeitstunden pro Woche (entweder 3x1h oder 2x1,5h) an, dazu sollte man zumindest die gleiche Zeit für Selbststudium einplanen. Die Anforderungen sind in Lehrveranstaltungen, auf die die Universität im Besonderen spezialisiert ist, vergleichsweise hoch. In anderen regulären Lehrveranstaltungen aber eher niedriger oder höchstens vergleichbar mit den Anforderungen in Potsdam. Da ich vorher auch ein Auslandssemester in den USA (University of Mississippi) absolviert habe, kann ich sagen, dass der Anspruch zwar höher in Kanada war als in den USA, jedoch selbst dort nicht merklich höher als in Potsdam. Das kann ich aber natürlich nur für Psychologie-Lehrveranstaltungen sagen und vermutlich wird das auch dadurch bedingt, dass in den Lehrveranstaltungen, die ich an der Gastuniversität belegt habe, in der Regel weniger Studierende pro Lehrkraft anfielen als in den USA oder Potsdam, die Betreuung war also sehr gut. Außerdem fiel mir die Fachsprache leicht, weil ich mich durch mein Studium ausreichend darauf vorbereitet gefühlt hatte.

Die Leistungsbewertung war angemessen (weder zu harsch, noch zu großzügig) und hat die Leistungen gut widergespiegelt und differenziert. Das Klima zwischen den Studierenden und Lehrkräften innerhalb und außerhalb der Lehrveranstaltungen war sehr angenehm. Ich hatte nie Probleme Hilfe zu finden, weil es viele Anlaufstellen gibt und Kanadier generell sehr hilfsbereit sind. Zusätzlich zur fachlichen Betreuung durch Mitstudierende, Lehrkräfte, Lerngruppen, Tutorien und Labs (Übungsgruppen) gibt es allgemeine themenbezogene (z.B. Hilfe beim Lebenslauf, Jobbörsen, Berufsberatungen etc.) und auf bestimmte Gruppen zugeschnittene (z.B. internationale Studierende, Studierende mit Behinderung usw.) Hilfen.

Die Ausstattung der Universität ist ausgezeichnet. Es gibt viele Computer und eine große Bibliothek, die den Studierenden zur Verfügung steht. Man sollte jedoch nicht erwarten, dass sich auch alle Bücher, die in den Lehrveranstaltungen genutzt oder gar als Pflichtlektüre vorausgesetzt werden, auch in der Bibliothek anfinden. Das ist ein häufiges Problem in Nordamerika. Wer kein Glück hat, sich die Lektüre anders zu beschaffen, muss mit Ausgaben für Bücher von $50-$200 pro Kurs rechnen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Es ist nicht allzu einfach Kontakt zu einheimischen Studierenden zu finden. Auch mein Mitbewohner, welcher aus Mexiko stammt, hat mir von seinen Erfahrungen berichtet, dass Kanadier zwar freundlich sind, aber es schwierig ist unter ihnen Freunde zu finden. Ausländische Studierende befinden sich ja zumeist in derselben Situation, was soziale Kontakte angeht. Daher ist es wesentlich einfacher, unter ihnen Kontakte zu knüpfen. Das wird definitiv erleichtert, indem man an den (leider wenigen) von der Universität zu Semesterbeginn veranstalteten Welcome Events teilnimmt. Auch ein Zimmer in einem Wohnheim auf dem Campus zu haben, erleichtert die Kontaktaufnahme. Wer in einer WG außerhalb des Campus wohnt, wird sicherlich auch das eine oder andere Gespräch mit seinen Mitbewohnern führen. Doch selbst wenn sich hierunter auch Kanadier finden, sollte man nicht zu viel von ihnen erwarten. Ich habe mit einem Kanadier und einem Mexikaner zusammen gewohnt und habe weitaus mehr Kontakt zu dem Mexikaner gehabt. Nicht weil wir uns ähnlicher waren, sondern eher, weil sich der kanadische Mitbewohner zumeist zurückgezogen hat. Das scheint kein Einzelfall zu sein und ist auch nicht unbedingt etwas Negatives. Man sollte sich nur über eine andere Mentalität bewusst sein.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Durch einen vorigen Auslandsaufenthalt in den USA war ich mit dem Sprachgebrauch an einer nordamerikanischen Universität schon etwas vertraut. Geschadet hat es sprachlich natürlich trotzdem nicht. In den 4 Monaten in Kanada haben sich meine Sprachkenntnisse (und vor allem mein mündlicher Sprachgebrauch im Alltag) noch etwas verbessert. Ich fühle mich sehr gut vorbereitet auf weitere Auslandserfahrungen und blicke dem nächsten Aufenthalt schon mit Freude entgegen. Man braucht auch keinen starken Dialekt zu fürchten; das kanadische Englisch ist von der Aussprache her dem US-amerikanischen sehr ähnlich und von der Schreibung her irgendwo zwischen amerikanisch und britisch zu finden. Es macht aber keine Probleme, sich einfach an die amerikanische oder britische Aussprache oder Schreibung zu halten.

Wohn- und Lebenssituation

Man kann sich von der Universität ein Zimmer in einem Wohnheim vermitteln lassen. Hier gelten natürlich auch strengere Regeln als außerhalb des Campus, allerdings kann man sich sicher sein nicht über den Tisch gezogen zu werden. Schönere Unterkünfte (jedoch nicht ganz ohne Risiko) findet man in Victoria zuhauf. Man sollte darauf achten, dass die Universität nicht in der Downtown liegt, sondern nördlich davon. Wer einen kurzen Weg zur Uni und eine ruhige Wohnlage bevorzugt, könnte sich in Saanich nach einer Unterkunft umsehen. Für $500-$700 gibt es gemütliche möblierte Zimmer. Es gibt auch noch günstigere Zimmer, nicht selten liegen diese aber im sonnenlichtarmen Keller. Verständlicherweise fordern die meisten Vermieter eine Kaution, was ein Risiko darstellt, wenn man den Vermieter nicht schon kennt. Wenn jemand zu wenig (weniger als die Hälfte einer Monatsmiete) oder zu viel (mehr als 2 Monatsmieten) Kaution verlangt, sollte man stutzig werden. Doch auch bei angemessener Kaution ist Betrug nicht ganz auszuschließen. Hier also vorsichtig sein und evtl. erst nach Ankunft nach Unterkünften außerhalb des Campus suchen. Für mich verlief die Suche sehr kurz und erfolgreich: Bereits das erste über Craigslist gefundene Angebot war ein Volltreffer. In Victoria gibt es ein gutes Busnetz. Das Semesterticket ist mit $80 für das komplette Semester schon in den Studiengebühren enthalten. Die Busse fahren je nach Linie relativ häufig und die Universität ist einer der größten Umsteigepunkte mit Anbindung an die meisten Gegenden in und um die Downtown herum, also sehr gut erreichbar. Jeder Bus kann auch bis zu 2 Fahrräder kostenlos mitnehmen, die vorne am Bus angebracht werden können. Wer ein Fahrrad braucht, kann entweder eins kaufen oder günstig für $20 bei SPOKES auf dem Campus für das komplette Semester (eigentlich für unbestimmte Dauer) mieten. Die Fahrräder sind nicht in ausgezeichnetem Zustand, aber absolut ausreichend und auf jeden Fall verkehrssicher. Ein Auto braucht man während der Vorlesungszeit nicht. Man kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit etwa $20 (Bus, Fähre, dann wieder Bus) in 4 Stunden sogar bis in die Downtown von Vancouver (absolut empfehlenswert für mindestens 1 Wochenendtrip!).

Wer kein kanadisches Geld erhält, braucht auch kein Konto in Kanada. Die meisten Bankautomaten berechnen für Abhebungen mit Kreditkarte keine Gebühr und auch vonseiten vieler deutscher Banken werden für Bargeldabhebungen im Ausland keine Gebühren berechnet. Daher habe ich einfach immer von meinem deutschen Konto, auf das Kindergeld, Bafög usw. gingen, das Geld ohne Gebühren in Kanada abgehoben. Selbstverständlich kann man auch mit deutschen Kreditkarten in den meisten Läden problemlos ohne Bargeld bezahlen, wobei aber oft von deutscher Seite dann Gebühren im Bereich von 1-2% anfallen.

Grundsätzlich werden alle Studierenden über eine Krankenversicherung der Uni versichert, da in Kanada Versicherungspflicht besteht. Zwar ist in Kanada eigentlich Health Care kostenlos, aber erst wenn man eine bestimmte Zeit in einer Provinz gewohnt hat. Die Krankenversicherung ist also leider nicht ganz so gut, was die Leistungen (und vor allem Zuzahlungen) angeht. Dafür ist sie relativ günstig ($160 für das Semester). Ich wollte da aber nicht sparen und habe mich über eine deutsche Auslandskrankenversicherung von der HanseMerkur für etwa 60€ pro Monat versichern lassen. Man sollte auf jeden Fall die Leistungen vergleichen. Wenn man dann ausreichenden Versicherungsschutz aus Deutschland mitbringt, kann man sich von der Versicherung in Kanada befreien lassen, sodass man nur für eine Versicherung bezahlen muss.

Lebenshaltungskosten sind in Kanada generell höher. Mit $200 für Lebensmittel + $600 Miete + andere Ausgaben sollte man monatlich rechnen. Ein Auto braucht man in Victoria allerdings nicht, sodass die Ausgaben doch überschaubar bleiben. Die Universität selbst bietet eine Reihe verschiedener Freizeitangebote, nicht nur im Sportbereich, die für Studierende meistens kostenfrei sind. Kulturell als Hauptstadt der Provinz British Columbia ist Victoria auch sehr interessant und für Großstadtliebhaber ist Vancouver mit 4 Stunden (und etwa $20) Fahrt auch nicht weit entfernt, wobei die Größe Victorias schon mit Potsdam vergleichbar ist. Die Natur auf Vancouver Island ist so beeindruckend, dass ich nach dem Semester noch 1 Monat mit einem Auto und meiner Freundin die Insel erkundet habe. Auch in Victoria gibt es vieles, was man erleben kann. Es ist auf jeden Fall die Zeit und das Geld wert und ich bereue es überhaupt nicht. Übrigens: Wer z.B. schon immer mal Orcas sehen wollte, ist in dort genau an der richtigen Adresse, denn um Victoria herum gibt es die weltweit größte Population und viele Anbieter, die Whale Watching anbieten.

Wer daran denkt, nach dem Semester zu reisen und vor allem noch unter 25 ist, kann mit einem gekauften Auto günstiger wegkommen als mit einem Mietwagen. Selbstverständlich birgt das natürlich aber auch mehr Verantwortung hinsichtlich Instandhaltung und mehr Risiken hinsichtlich des Kaufs. Die Überschreibung, Anmeldung und Versicherung ist dann aber ziemlich unkompliziert und wird komplett von einem Versicherungsmakler freier Wahl übernommen und in 10-20 Minuten erledigt. Die Versicherung (ICBC autoplan) kostet je nach Wohnort etwa $100-$200 pro Monat, egal bei welchem Versicherungsmakler (autoplan broker) sie abgeschlossen wird. Der deutsche Führerschein (am besten in Verbindung mit dem internationalen) kann in Verbindung mit einem gültigen kanadischen Studierendenausweis weiter genutzt werden, ansonsten wäre nach 2 Monaten ein Umtausch in eine kanadische Fahrerlaubnis fällig.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 01/2015 - 04/2015

Gastuniversität: University of Victoria

Gastland: Kanada


Rückblick

Ich bin sehr froh darüber, den Weg nach Victoria gegangen zu sein. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt und es hat sich wirklich für mich gelohnt: Durch mein Studium und Praktikum am dortigen Institut hat sich für mich ein Thema und Zweitgutachter für die Bachelorarbeit ergeben und möglicherweise auch eine weitere Zusammenarbeit. Auch wenn man natürlich nie weiß, was einen erwartet, wenn man diesen Schritt geht – man hat nichts zu verlieren und nur umso mehr Möglichkeiten. Ich bin davon überzeugt, dass die University of Victoria für viele Studierende ein überaus geeigneter Studienort ist, zumindest für ein Semester. Die Erfahrungen und Erlebnisse, die man dort machen kann, sind die Mühe wert und mit Geld kaum aufzuwägen. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn weitere Studierende der Uni Potsdam den Weg an die UVic finden und ebenso gute Erfahrungen machen.

Kanada

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

zurück zur Einstiegsseite

Potsdamer Studierende

zurück zur Hauptseite