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Erfahrungsbericht über die University of Victoria

Mein Wunsch in Kanada ein Auslandssemester zu belegen, formte sich schon seit geraumer Zeit und somit war meine erste Anlaufstelle das Akademische Auslandsamt der Universität Potsdam. Sehr hilfreich war die Weiterleitung an das International Education Centre (IEC) in Berlin, die mit erfolgreicher Quote Interessierte zu einem Studium oder Praktikum im Ausland verhelfen. Des Weiteren bekam ich an der Universität Potsdam nützliche Informationen zur Finanzierung, beispielsweise durch die Hilfe eines PROMOS-Stipendiums des DAAD und der Zahlung eines Auslandaufenthalts durch das BAföG-Amt. Selbst wer kein Inlands-BAföG bekommt, sollte probieren sich dafür zu bewerben, da die Berechnung des Grundsatzes anders erfolgt.


Studienfach: Geoökologie

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 04/2015

Gastuniversität: University of Victoria

Gastland: Kanada

Nach Kontaktaufnahme mit Mitarbeitern des IEC und einem Online-Webinar fiel die Wahl auf die University of Victoria, gelegen am Pazifischen Ozean auf Vancouver Island. Das umfangreiche Kursangebot zu Meeres- und Geowissenschaften und die unvergleichliche Lage ließen die Entscheidung nicht sonderlich schwer fallen. In einem persönlichem Gespräch im Berliner Büro wurden erste Unklarheiten beseitigt und die Unterlagen dann bald eingereicht. Notwendig waren natürlich Lebenslauf, die vorläufige Kurswahl, ein Englischzertifikat und eine Kreditkarte zur Abrechnung der ersten Bewerbungskosten. Die Universität Potsdam bietet mindestens halbjährlich einen Sprachtest an, der dem DAAD-Sprachtest gleicht. Die eigentliche Herausforderung ist die Organisation der vielfältigen Anträge und Anschreiben samt deren Fristen. Nach dem die Zusage der University of Victoria zugesandt wurde, konnten nun weitere Planungsschritte eingeleitet werden. Dazu gehörten die durchaus umfangreiche Ausarbeitung der BAföG-Unterlagen, die Antragsstellung für das Study Permit und die Bewerbung für das PROMOS-Stipendium der Universität Potsdam. Für das letztere ist nebst einem Motivationsschreiben ein Empfehlungsschreiben von einer Lehrperson der Uni Potsdam notwendig. Darum gilt es sich auch frühzeitig zu kümmern, ebenso wie die Beantragung eines Urlaubssemesters, wenn man ein bisschen Geld sparen möchte.

Des Weiteren empfiehlt es sich die Kurswahl an der ausländischen Universität und deren Integration in den eigenen Studienverlauf mit dem Studiendekan zum Beispiel zu besprechen. Auch die Belegung der Kurse an der Wunschuni sollte im Auge behalten werden. Schwierigkeiten beim Freischalten der Kurse war der Grund für ein erstes Telefongespräch ins ferne Kanada. Eignen sich die gewählten Kurse sehr und ergänzen vorheriges Wissen auf dem bisherigen Forschungsfeld, ist das neben dem Lerneffekt durch eine andere Sprache und Kultur ein starkes Argument für dein Motivationsschreiben.

Aufgrund häufig hoher Studienkosten und Lebenserhaltungskosten für einen Auslandsaufenthalt als „Free mover“ sollte man sich außerdem einen Plan erstellen, wieviel Ausgaben zusätzlich im Monat entstehen und wie man sie bewältigt. Mit 800 - 1000 Dollar sollte man beispielsweise in Kanada pro Monat rechnen. Der Vorteil des Study Permit’s ist die Befugnis auf dem Campus zu arbeiten. Die Einreise selbst stellte sich einfacher heraus als zuvor erwartet. Der Zulassungsbrief und ein fixer Rückflugtermin reichten aus, um problemlos das neue Land zu betreten. Und somit geht in Erfüllung, worauf man sich schon mindestens ein halbes Jahr lang gefreut hat. Die Freundlichkeit der Leute, nicht nur an der Universität, macht den Start superleicht und jede Befürchtung und Ängste verlieren sich sofort.

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem in Kanada ist von dem in Deutschland sehr verschieden. Der Bachelor ist mit einer Regelstudienzeit von 4 Jahren vorgesehen, während das Studienjahr in Trimester aufgeteilt ist. Genauer gesagt, gibt es einen Term von September bis Dezember, einen von Januar bis April und einen im Sommer, in dem weniger Kurse angeboten werden, sodass ein Großteil der Studierenden Arbeiten geht oder sogenannte co-ops mit Unternehmen eingehen, um vor allem das recht kostenaufwendige Studium zu finanzieren.

Die Kosten belaufen sich pro Kurs für international Studierende auf etwa 1600 $. Generell sind nordamerikanische Universitäten zusätzlich zu der Lehreinrichtung auch als wirtschaftliche Einrichtungen zu verstehen, die selbst auch mit Ölfirmen aus dem Norden der kanadischen Provinz Alberta kooperieren. Damit lässt sich auch die gute technische Ausrüstung und das universitätseigene Stadium erklären und studentische Clubs können in einem Maß gefördert werden, welches untypisch für deutsche Universitäten erscheinen würde. Die Lehrveranstaltungen sind gut organisiert und zu einer Vorlesung gibt es häufig Übungen im Labor oder im Feld. In zwei meiner gewählten Lehrveranstaltungen wurden Exkursionen durchgeführt, auch ein wesentlicher Grund für die Wahl meiner Kurse. Auf einem kleinen Forscherschiff haben wir an einem Tag mit riesigen Planktonnetzen und weiteren Geräten ozeanografische Messungen durchgeführt. Den Lerneffekt bei solch praktischen Erfahrungen schätze ich im Nachhinein als besonders hoch ein.

Die Anforderungen richteten sich wie auch an der Universität stark nach der jeweiligen Lehrperson. Jedoch waren generell der Umfang der Hausarbeiten und der überprüfte Lehrinhalt durchaus sehr anspruchsvoll. Die Prüfungsleistungen wurden in Prozenten erfasst und mit einem alphabetischen Schlüssel bewertet. Das Studienklima zeichnet sich besonders durch die hohe Anteilnahme der Studierenden am Universitätsleben aus. Sehr viele engagieren sich in studentischen Clubs und in freiwilligen Gruppen um beispielsweise Neuankömmlinge den Start an der neuen Uni oder in ein neues Semester so angenehm wie möglich zu gestalten. Auch in Bezug zu der aktiven Teilnahme innerhalb einer Lehrveranstaltung lässt sich eine enorme Beteiligung und Motivation erkennen, sicherlich auch
wegen der hohen Kosten, die für ein Modul zu entrichten sind. Des Weiteren wird innerhalb des Semesters eine Zwischenprüfung geschrieben und bei nicht bestandener Endprüfung muss der Kurs im nächsten Jahr noch einmal belegt werden. Zu jeder Zeit aber besonders nahe anstehender Prüfungen ist die Bibliothek gefüllt mit Studierenden, die häufig den ganzen Tag auf dem Campus verbringen und noch neben dem Lernen mit dem Organisieren in studentischen Einrichtungen beschäftigt sind.

Aufgrund hoher personeller Ausstattung und der guten Organisation des Studienbetriebs werden jegliche Fragen und Unklarheiten auf schnellem Weg gelöst. Die Qualität des Kontaktes zu Lehrenden kann durchaus wieder individuell verschieden sein. Für mich persönlich gab es jedoch keine Schwierigkeiten an essentielle Informationen zu gelangen. Die Betreuung durch wissenschaftliche Mitarbeiter der Dozenten ähnelt sehr dem der Universität Potsdam. Wie auch hier hängt es viel von deinem eigenen Engagement ab. Die technische Ausstattung ist auf sehr hohem Niveau und Bereiche zum ruhigen Studieren und der Zugang zu Computerpools sind auf jeden Fall als sehr positiv zu bewerten. Die Bibliothek schließt leider bereits 9 Uhr, jedoch gibt es dafür andere Institutsgebäude, die bei Bedarf auch nächtliches studieren erlauben.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Besonders hervorzuheben sind die ausgezeichneten Bedingungen Kontakte zu kanadischen, aber auch internationalen Studierenden auf zubauen. Es gibt mehrere Einführungsveranstaltungen in der Woche vor Studienbeginn, bei denen sich ausreichend Möglichkeiten ergeben einander kennenzulernen. Des Weiteren eignen sich die zahlreichen Clubangebote und sonstige Events auf dem Campus.

Sprachkompetenzen vor und nach dem Auslandsaufenthalt

In dem Sommersemester vor meiner Abreise habe ich einen Englischkurs mit Fokus auf den naturwissenschaftlichen Sprachwortschatz von der Universität Potsdam belegt und davor auch das Sprachzeugnis (DAAD) der Uni Potsdam erfolgreich belegt. Schwierig waren Gruppendiskussionen am Anfang in den Lehrveranstaltungen der University of Victoria, da unter den Studierenden einfach auch andere Wörter und häufig Redewendungen verwendet werden. Rückblickend lässt sich sagen, dass ich besonders im Umgang mit einheimischen Studierenden und Lehrpersonen meine Sprachkenntnisse aufbessern konnte. Um den sicheren Umgang in Englisch aufrecht zu erhalten, schaue ich nun  englische Filme, lese englische Bücher und halte intensiven Kontakt zu den Freunden vor Ort.

Wohn- und Lebenssituation

In den Wochen vor Studienbeginn habe ich in Victoria selbst eine Unterkunft gefunden. Die Wohnungssuche ergab sich schwieriger als erwartet. Es gibt mehrere Internetseiten (bei Interesse kann ich diese auch gern weitergeben) um sich über Wohnungsangebote zu informieren. Häufig jedoch sind die Besichtigungen mit mehreren Interessenten und meine Erfahrung war, sich am besten vor Ort telefonisch zu melden oder sich bereits von Deutschland aus mit Hilfe eines Skype-Anrufs erste Eindrücke zu verschaffen. Bei Interesse kann sich im Zeitraum der Kurswahl über die Universität auch auf einen Wohnheimplatz beworben werden, die jedoch bevorzugt an einheimische und Studierende des ersten Semesters vergeben werden. Die Mieten sind generell definitiv höher als in Potsdam und häufig wird eine Kaution verlangt. Mobil ist man am besten mit dem Fahrrad, dass bei schlechtem Wetter auch im Bus transportiert werden kann. Das Semesterticket deckt das natürlich ab. Ein eigenes Konto habe ich für Kanada nicht eröffnet, da sich auch mit der DKB Karte kostenlos Geld abholen lässt. Generell wird viel mit einer Kreditkarte bezahlt und beim Ausgehen sollte man an die 10-15 % Trinkgeld (!) denken.

Es ist Pflicht eine Krankenversicherung abgeschlossen zu haben, was relativ unkompliziert einfach durch die Universität abgedeckt wird. Bei einem, über den Zeitraum des Studierens, herausragenden Versicherungsbedarf bietet sich die Versicherung AON an, die auch besondere Tarife für Studierende besitzen. Zusätzlich zu den hohen Mietskosten, sind die Lebenserhaltungskosten auch etwas höher als in Deutschland, so dass pro Mahlzeit schon 5-10 $ ausgegeben werden. Zu meinem Vorteil lebt es sich dort als Vegetarier ganz gut, da besonders Milch und Fleischprodukte mit etwas besserer Qualität bedeutend teurer sind.

Zu den Freizeitangeboten ließe sich ein ganzes Kapitel verfassen. Die Diversität der zu erkundenden Landschaften und Draußen-Aktivitäten ist schier unglaublich und lässt keine Langeweile aufkommen. Victoria, als eine der Städte mit den meisten Sonnenstunden in Kanada, liegt nicht weit von geeigneten Surfstränden, bietet Tanz und Musik liebenden Menschen viel und lässt sich auch ganz entspannt vom Kajak aus beobachten. Wer es etwas wilder möchte, fährt nur etwas aus der Stadt hinaus, entweder an menschenleere Strände zum Campen oder mehr in bergiges Terrain um eine ausgedehnte Wandertour zu machen. Durch die Teilnahme am Outdoor-Club der University of Victoria durfte ich Teil einer  wunderschönen Mehrtagestour im Strathcona Nationalpark sein, die durch wundersame und diverse Ökosysteme führte; von schneebedeckten Bergen zu moosverhangenen Wäldern, in denen sich das Sonnenlicht magisch bricht. In regenreichen Zeiten können die Lachse beim flussaufwärts schwimmen beobachtet werden und sich in den zahlreichen gemütlichen Cafés aufgewärmt werden.

Studienfach: Geoökologie

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 04/2015

Gastuniversität: University of Victoria

Gastland: Kanada


Rückblick

Eine der besten Erfahrungen für mich war der Einblick in den Umgang mit den „First Nations“. Zu
Podiumsdiskussionen und zur Begrüßung der neuen Studierenden waren zeremonielle Gesänge und Segnungen ein wichtiger Teil der Veranstaltungen und nach meinem Gefühl wurde stark an der Integration traditionellen Wissens vor allem in umwelt- und gesellschaftlich relevanten
Fragestellungen gearbeitet.

Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für diese Möglichkeit ein anderes Land, dann auch noch ein so wunderschönes zu bereisen und deren Leute, Sprache und alte Kultur kennen zu lernen. Besonders nachhaltig beeinflusst haben mich vor allem die Menschen, die ich in meinem halben Jahr getroffen habe. Es lässt sich aus meiner Sicht eventuell nicht so gut beurteilen ob und wie der Auslandsaufenthalt mich persönlich geformt hat, jedoch stelle ich fest, dass sich meine Perspektiven erweitert haben und neue Herausforderungen mir weniger Angst bereiten. Mit einiger Motivation und Offenheit lässt sich so manches erleben.

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