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Auslandserfahrungsbericht: Memorial University of Newfoundland

Seitdem ich als Kind für vier Jahre in Kanada gewohnt habe, hat es mich immer wieder zurück in dieses wundervolle Land gezogen. Während meiner Schulzeit verbrachte ich viele Sommer dort und zum Studium dort eignete sich ein Auslandssemester ideal. So bewarb ich mich im International Office der Uni Potsdam, um einen Platz an der Partneruniversität, der Memorial University of Newfoundland, und konnte mein Glück kaum fassen, als ich tatsächlich dafür ausgewählt wurde. Ich bin so froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Ich hatte dort die Zeit meines Lebens!


Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada

Schon nach den ersten Tagen in St. Johns, war mir klar, dass mir spannende vier Monate bevorstehen würden! Die ersten Tage waren wunderbar, es fanden diverse Aktivitäten statt (Welcome Events mit den anderen Exchange Students: Campus Touren, Campus Feste, Open Mic Nights und BBQs). Jeden Tag gab es ein volles Programm. Ich war in dieser Anfangszeit immer den gesamten Tag unterwegs und nur zum Schlafen zu Hause. Durch die Welcome Week konnte ich mich ganz schnell einleben und außerdem sofort viele andere Studierende kennenlernen. Schon nach zwei Tagen hatte ich das Gefühl, Freunde gefunden zu haben. Eine kostenlose Busfahrt durch die Stadt ermöglichte eine schnelle Orientierung in der süßen Stadt St. John’s. Besonders beeindruckt hat mich auch die Opening Ceremony, die Auftaktzeremonie zum neuen Semester: Es gab einige Reden, das Basketballteam und deren Cheerleaders stellten sich vor und sofort wurde ich von der Stimmung und dem Zusammengehörigkeitsgefühl angesteckt: Alle sind unglaublich stolz, ein Teil dieser Uni und deren Community zu sein. Es gibt ein enormes Gemeinschaftsgefühl, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass MUN die einzige Uni in der ganzen Provinz ist.

Und - ich hatte es noch ganz richtig in Erinnerung - die Kanadier sind wahrhaftig freundlich und liebevoll, hilfsbereit und aufgeschlossen. Besonders in Neufundland! Einen Kulturschock hatte ich nicht wirklich – wenn, dann, einen positiven durch die enorme Freundlichkeit. Es reichte aus, ein wenig durcheinander oder hilflos in die Gegend zu gucken, schon hielt ein Autofahrer an der Straße an, um mich zu fragen, ob ich etwas suche, er mir helfen könne oder einfach nur, um mich über die Straße gehen zu lassen. Lustig fand ich zu Beginn außerdem den Akzent der Neufundländer. Mit „Whaddaya at boy“ statt „What’s up“, und „Luv“, „Honey“ hinter jedem Satz, klingen die „Newfies“ nach einer Mischung aus Iren und US-Südstaatlern. Sehr sympathisch!

St. John’s

Die Stadt St. John’s gefiel mir von Anfang an sehr gut. Da ich normalerweise in Berlin wohne und nach Potsdam pendle, bin ich an eine viel größere Stadt gewöhnt. St. John’s mit seinen nur ca. 100.000 Einwohnern war mal eine angenehme Abwechslung dazu. Die Stimmung in der Stadt war von Anfang an sehr positiv. Da man in Neufundland sehr von der Außenwelt abgeschottet ist und sich die Schlagzeilen in der Tageszeitung um Windböen, Warnungen vor Elchen auf dem Highway und Glass Bottle Shortages drehen, hat man das Gefühl, in einer heilen Welt fernab von den politischen und wirtschaftlichen Problemen der Rest der Welt zu leben. Wirklich jeder, dem man auf der Straße begegnet, lächelt einen an. Jeder hält einem zu jederzeit die Tür auf, auch wenn man noch einige Meter von der Tür entfernt ist. Der Verkäufer im Supermarkt möchte wirklich wissen, wie es einem geht und auf dem Nachhauseweg im Regen wird einem angeboten, unter einem Schirm nach Hause gebracht zu werden.

Studium an der MUN

Auch auf dem Campus herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre. Alle - Studenten, Angestellte und Dozenten,  waren immer ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Überall kam man schnell ins Gespräch. In Deutschland studiere ich „Europäische Medienwissenschaft“ und war deshalb an der MUN in der Faculty of Arts eingeschrieben. Ich konnte daher Kurse aus allen Studiengängen der Humanities wählen. So entschied ich mich für die Kommunikationskurse „Visual Culture“ und „Critical Approaches to Pop Culture“ und den Politikkurs „International Organizations“. Alle drei Kurse gefielen mir ausgesprochen gut. Ich konnte sie mir anschließend alle an der Uni Potsdam anrechnen lassen, da sie eine gute Ergänzung zu meinem Studium in Potsdam darstellten. „Visual Culture“ war ein Kurs, der hauptsächlich von Diskussionen getragen wurde. Außerdem schrieb ich dafür einen Essay über die Geschichte der Impressionistenbewegungen in Deutschland und Kanada und konnte ihn mir für mein Modul „Medienkulturgeschichte“ anrechnen lassen. „Critical Approaches to Pop Culture“ war wahnsinnig abwechslungsreich und interessant. Ich erkannte dabei einige zu bearbeitende Texte aus meinem Studium in Deutschland wieder, allerdings war die Herangehensweise eine ganz andere und wir stellten Bezüge her zwischen älteren philosophischen und kulturwissenschaftlichen Texten und modernen Phänomenen der Popkultur. Der Kurs „International Organizations“ hat mich dazu motiviert, künftig mehr über die Schnittstelle zwischen Medien und Politik zu erfahren und zu forschen und ein Masterstudium in diesem Bereich zu erwägen.

Generell zum Unterrichtsstil in Kanada sei gesagt, dass er um einiges verschulter ist als in Deutschland - eine schöne Abwechslung. Man ist wirklich gezwungen, zu jeder Stunde vorbereitet in den Kurs zu gehen - man kann sich nicht in der hintersten Reihe hinter einem Laptop verstecken. In meinen Kursen gab es außerdem eine „no technology policy“. Wir durften unsere Laptops und Handys also nur im Notfall benutzen. Auch das fand ich sinnvoll. Die Studenten wirkten so deutlich konzentrierter. Etwas Druck von außen bekam man als Student durch die zahlreichen Diskussionen, an denen sich alle aktiv beteiligen sollten und durch regelmäßige unangekündigte Kurztests, die sogenannten Pop Quizzes.  Alle meine Professoren waren hoch motiviert und wirkten eher wie Lehrer als dozierende Professoren. Mir gefiel außerdem, dass sich die Endnoten aus vielen unterschiedlichen Komponenten zusammenfügten: Mitarbeit, Quizzes, Essays, Assignments und Präsentationen. Diese Vielfalt macht die Unterrichtsstunden sehr abwechslungsreich und die Notengebung gerechter.

Einer der größten Unterschiede der beiden Unis ist allerdings nicht der Unterricht selbst, sondern das vielseitige und überaus große Angebot an nicht-akademischen Einrichtungen und Dienstleistungen. Die MUN verfügt wie jede andere kanadische Uni auch über ein University Center, in dem Food Court, Students Union, Volunteer Bureau, Health Clinic, International Student Office, Campus Radio etc. zu finden sind. Außerdem gibt es dort ein sogenanntes „Answers Desk“, eine Informationstheke für Fragen aller Art. Egal, welche Frage man hat - man kann sie dort stellen und entweder erhält man dort sofort eine Antwort oder man wird weitergeleitet an jemanden, der einem bestimmt weiterhelfen kann. Ich war geplättet! Dort kümmert man sich wirklich um die Studierenden! Darüber hinaus gibt es einen riesigen Buchladen, in dem gefühlt jeder Gegenstand oder Kleidungsartikel mit dem Unilogo versehen ist.

Kontakt zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Kontakte mit anderen Austauschstudenten zu knüpfen wurde durch die zahlreichen Willkommens- und Begrüßungsveranstaltungen erleichtert. Wir erstellten schnell eine Facebook-Gruppe, in der wir Planungen für Freizeitaktivitäten wie Ausflüge und Wanderungen mitteilten. Der Impuls kam also von außen, doch wir haben uns schnell selbstständig gemacht, und unsere eigene Clique gebildet. Diese bestand größtenteils aus Europäern - aus vielen Spaniern, Italienern, Franzosen, ein paar Deutschen usw., aber auch aus Südamerikanern aus Peru, Brasilien und Chile. Doch ich wollte von Anfang an nicht nur mit Exchange-Students befreundet sein, sondern auch Kanadier kennenlernen. Das ergab sich ganz schnell: Bereits am dritten Tag lernte ich eine Studentin aus einer Sorority kennen, die mich zu einer Informationsveranstaltung einlud. Schnell stellte sich heraus, dass es sich nicht um eine typische Sorority handelte, wie in zahlreichen US-amerikanischen College-Filmen dargestellt, sondern eher um eine „kanadische“ Sorority: keine ritualisierten Schikanen und Aufnahmeprozeduren, alle nett zueinander und ohne schwere Prüfungen, um aufgenommen zu werden. Zu ihrer Hauptaufgabe hat sich diese Sorority Charity Work gemacht und dafür organisieren ihre Mitglieder Veranstaltungen und sammeln für einen guten Zweck.  Für mich war das eine wunderbare Gelegenheit, abwechslungsreiche Abende mit vielen netten kanadischen Mädels zu verbringen: gemeinsames Kochen, Dessert Nights, Spielabende, Bastelabende, Feierabende usw. Im November ging es zum Abschluss des Semesters sogar für ein Wochenende auf ein Cabin Retreat - unter einem Dach mit 16 Mädels - auf dem bereits Pläne für das kommende Semester geschmiedet wurden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Dadurch, dass ich insgesamt sehr viel Zeit mit Kanadiern verbrachte und mit den Exchange Students auch nur Englisch sprach (im engen Kreis war außer mir nur eine andere Deutsche), hat sich mein Englisch durchaus verbessert. Ich bin zwar bilingual aufgewachsen, doch es ist lange her, dass ich längere Zeit im englischsprachigen Ausland gewohnt habe. Mein Englisch ist nun nicht nur noch flüssiger geworden, es klingt nun wieder idiomatischer, nicht zu sprechen vom enorm erweiterten aktiven Wortschatz. Von vielen Einheimischen wurde ich sogar für eine Kanadierin gehalten.

Wohn- und Lebenssituation

Ich hatte mich bereits vor der Abreise für On-Campus Housing entschieden. Dabei gab es verschiedene Optionen, doch ich wählte die Burton’s Pond Apartments, in denen vier Studenten in einer Art WG wohnen mit gemeinschaftlichem Wohn- und Esszimmer und Küche, jeder aber sein eigenes Zimmer hat. Das heißt, man sorgt selbst für seine Mahlzeiten. Im Nachhinein betrachtet wäre ein Zimmer Off-Campus in einem Haus mit anderen Studenten vielleicht gemütlicher gewesen, doch aus Deutschland kommend und mit den Erfahrungen der Wohnungssuche in Berlin im Hinterkopf, erschien es mir einfacher, mir ein Zimmer On-Campus zu organisieren. Allerdings lernte ich auch andere Studenten kennen, die innerhalb eines Tages ein privates Zimmer in Uninähe fanden. Es war sehr angenehm, dass meine Mitbewohner sehr ruhig waren und ich bei all meinen Unternehmungen zu Hause einen Ruhepol hatte.

Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada


Rückblick

Im Rückblick bin ich traurig, dass das Semester so schnell verflogen ist. Natürlich ist das ein gutes Zeichen. Das Auslandssemester hat mir in jeder Hinsicht super gefallen: die Kurse waren qualitativ sehr gut, die Kursvorbereitung und Anderes und Neues zu lernen, machte mir Spaß. Ich engagierte mich außerdem beim Radiosender der Universität und hatte mit einer Freundin meine eigene Radiosendung, die wir „Exchange Your Minds“ nannten: eine Sendung über die Erfahrungen der Austauschstudenten in St. John's, über kulturelle Klischees, Erwartungshaltungen und Erfahrungen aller Art.

Ich lernte in diesen fast vier Monaten wunderbare Menschen kennen, mit denen ich Neufundland entdecken konnte. St. John's als Stadt ist nett, die Universität super, aber die Natur und die Landschaften in Newfoundland sind unschlagbar. Ende September unternahmen wir z. B. in einer kleinen Gruppe einen mehrtägigen Ausflug in den Gros Morne National Park, das Highlight Neufundlands (besonders für Wanderliebhaber!) Doch auch die Wanderungen rund um St. John’s entlang des East Coast Trails waren ein Traum. Bis Ende Oktober hatten wir auch noch gutes Wetter, um draußen viel zu unternehmen. Außer zahlreichen Wanderungen haben wir Bootstouren gemacht, Paintball gespielt und waren Ziplinen. An keinem Tag langweilte ich mich, auch das Nachtleben war toll: die kurze Partymeile George Street in  Downtown St. John's war am Wochenende voller Studenten und immer ein Spaß. Dort traf man schnell alte und neue Bekannte.

Ich würde jeden stark dazu ermutigen, ein Auslandssemester einzulegen und kann dafür die Memorial University of Newfoundland nur wärmstens empfehlen.

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