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Erfahrungsbericht: Austauschjahr an der University of Alberta, Edmonton

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, während des Studiums ein Semester im Ausland zu verbringen. Ein Besuch des von der Universität Potsdam veranstalteten „International Days“ hat mich in diesem Vorhaben bestärkt. Der „International Day“ bietet Möglichkeiten für interessante Gespräche und man bekommt wichtige Hinweise zur Organisation eines Auslandsaufenthaltes während des Studiums. Ein Besuch ist auf jeden Fall empfehlenswert!


Studienfach: Politikwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 04/2015

Gastuniversität: University of Alberta

Gastland: Kanada

Von Anfang an war für mich klar, dass ich mein Auslandssemester im angelsächsischen Raum verbringen möchte, um meine Englischkenntnisse im akademischen Kontext anzuwenden und zu erweitern. Aus diesem Grund kamen für mich Großbritannien, Australien, die USA und Kanada in die engere Auswahl. Nach ausführlicher Recherche entschied ich mich für Kanada. Ein Grund hierfür war, dass Bildung in Kanada eine außerordentliche Bedeutung hat. Das schlägt sich in umfassenden Investitionen in das Bildungssystem nieder, von denen ein großer Teil aus dem öffentlichen Bereich stammt. Dadurch wird eine beständig hohe Qualität der Lehre, unabhängig von Standort oder Fachbereich gewährleistet. Deshalb besitzen die kanadischen Universitäten weltweit einen exzellenten Ruf. Von dieser Qualität hatte ich vor zu profitieren. Da ich seit 13 Jahren leistungsbetont Volleyball spiele, war ein weiterer Grund für meine Entscheidung die herausragende Rolle des Kanadischen Universitätssports. Jede Universität besitzt  so genannte „Varsity Teams“ in verschiedenen Sportarten, die unter sehr professionellen Bedingungen trainieren und die jeweilige Universität sportlich, in einer Liga nur für Universitätsteam, vertreten. Ausschlaggebend für meinen Entschluss war ebenfalls, dass ich zum Zeitpunkt meiner Entscheidungsfindung eine kanadische Mitbewohnerin hatte, die mir einiges zu den Lebensgewohnheiten in Kanada erzählen konnte.

Da die Universität Potsdam keine Partnerhochschulen in Kanada besitzt, war ich ab dem Zeitpunkt meiner Entscheidung für Kanada bei einigen Organisatorischen Angelegenheiten auf mich alleine gestellt. Ich erstellte eine Liste von potentiellen Gasthochschulen, die sowohl den Masterstudiengang „Politikwissenschaften“ anboten, als auch eine Volleyballmannschaft hatten. Nach ausführlichen Gesprächen mit kanadischen Freunden und weiterer Recherche, konnte ich diese Liste auf vier Hochschulen eingrenzen. Zu diesen nahm ich Kontakt auf. Nach einigen Überlegungen entschloss ich mich den Trainern per Email zu schreiben, da sich diese auch mit Akademischen Belangen auskennen. Die Trainer stellten für mich einen Kontakt zu den jeweiligen akademischen Departments her. Somit hatte ich einen direkten Ansprechpartner. Das machte Vieles leichter, da die Universitäten in Kanada in der Regel viel größer als die Deutschen sind und man somit mehr bürokratischen Hürden überwinden muss.

Zu den Unterlagen die ich einreichen musste, damit die jeweiligen Universitäten prüfen konnten, ob ich als sogenannter „International Student“ zugelassen werden konnte, gehörten mein Bachelorabschlusszeugnis, ein aktuelles „transcript of records“ und ein Sprachnachweis. Es ist aus Zeitgründen sinnvoll, die Unterlagen erst einmal per Email einzureichen und dann per Post nachzusenden, da Briefe meistens länger als gedacht unterwegs sind und jede Universität unterschiedliche Deadlines zur Registrierung hat. Ich hatte den Vorteil, dass ich den TOEFL-­Test schon für meine Bewerbung an der Universität  in  Potsdam  gemacht  hatte und meine erreichte Punktzahl auch für ein Studium an den kanadischen Universitäten ausreichte. Ansonsten  muss man sich möglichst früh um einen Sprachnachweis kümmern! Jede Universität stellt eigene Anforderungen und akzeptiert unterschiedliche Tests. Diese Tests sind nicht ganz preisgünstig und können auch nicht überall und zu jeder Zeit abgelegt werden. Es sollte außerdem bedacht werden, dass Korrektur und Zusendung des Sprachnachweises einige Zeit in Anspruch nimmt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es auch als sogenannter „Free mover“ möglich ist, problemlos ein Auslandssemester zu organisieren. Lasst euch also nicht davon entmutigen, wenn eure Heimuniversität keine Partneruniversität in eurem Wunschland hat oder eure Wunschuniversität nicht zu den sogenannten Partneruniversitäten eurer Universität gehört! Bedenkt nur, dass der Bewerbungsprozess eventuell länger dauert, da man sich selber Ansprechpartner usw. an der Wunschuniversität suchen muss. Generell gilt: Kümmert Euch mindestens ein Jahr im Voraus.

Studienfach: Politikwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2014 - 04/2015

Gastuniversität: University of Alberta

Gastland: Kanada

Visum

Sobald man die endgültige Zusage der Universität in den Händen hält, sollte man sich umgehend um das Visum („student permit“) kümmern. Das geht sowohl auf postalischem Wege, als auch online. Ich habe meine Visum online beantragt, da dass in der Regel schneller geht. Die Unterlagen die man benötigt, sind ein „proof of acceptance“ (die Zusage der kanadischen Universität), ein „proof of identity“ (gültiger Reisepass und Passfotos) und ein „proof of financial support“ (muss die monatlichen veranschlagten Kosten in Höhe von $833 pro Monat abdecken). Diese Unterlagen müssen eingescannt werden. Des Weiteren benötigt man eine Kreditkarte, um die fälligen Gebühren bezahlen zu können.

Studium an der Gastuniversität

Sobald Ihr eine Zusage von eurer Wunschuniversität bekommen habt, geht der bürokratische Aufwand weiter, da Ihr eine Liste mit Kursen die Ihr belegen möchtet erstellen müsst. Dabei müsst Ihr euch genau informieren, welche Kurse Ihr in Deutschland anerkannt bekommt. Am besten füllt Ihr ein sogenanntes „learning agreement“ aus. Das ist eine Vereinbarung Eurer Heimatuniversität mit Eurer Gastuniversität über die Anerkennung Eurer belegten Kurse. An der University of Alberta sind 100er bis 400er Level Kurse für Bachelorstudenten, 500er Level Kurse für Masterstudenten und 600er Level Kurse für Doktoranten.

Die Ausbildung an der Universität ist ausgesprochen gut. Die Professoren sind  sehr engagiert, gut vorbereitet und gestalten die Vorlesungen interessant und anspruchsvoll. Außerdem sind sie immer für ihre Studenten erreichbar; sei es per Email oder in einem persönlichen Gespräch, das auch gerne außerhalb der Sprechstunde stattfinden kann. Der Arbeitsaufwand  der jeweiligen Kurse liegt über dem Arbeitsaufwand, den ich von der Universität Potsdam gewöhnt bin. Ein Grund hierfür ist die umfangreichere Lektüre und die hohe Anzahl der zu verfassenden „Paper“. Das akademische System in Kanada ist deutlich verschulter als das Deutsche. Dies hat sowohl Vor-­‐ als auch Nachteile. An der Universität Potsdam spielt Selbstdisziplin eine große Rolle und man genießt als Student mehr Freiheiten, da in der Regel nur eine Hausarbeit am Ende des Semesters geschrieben wird, die die Note bestimmt. An der University of Alberta gibt es regelmäßige Leistungsabfragen (in Form von Paper, Präsentationen usw.) die den Lerneffekt, durch die konstante schriftliche und mündliche Auseinandersetzung und Reflektion des Lernstoffes, verstärken. Das bedeutet gleichzeitig, dass man um regelmäßiges Lesen, Schreiben und Lernen nicht herum kommt. Die Professoren verlangen von „International Students“ exakt die gleichen Leistungsanforderungen wie von allen Anderen. Das heißt, man wird als Austauschstudent am Department of Political Sciences an der University of Alberta daran gemessen, dass man akademische Schriftstücke in hoher sprachlicher Qualität abgibt. Ist dies nicht der Fall, fällt die Bewertung dementsprechend aus. Das bedeutet ohne fortgeschrittene Englischkenntnisse fällt es schwer diese Anforderungen zu erfüllen. Die erreichte Punktzahl beim TOEFL-­‐Test ist hierfür ein guter Gradmesser. Diese hohen Anforderungen hatten einen positiven Einfluss auf meine schriftliche Sprachkompetenz. Das Verfassen unzähliger Paper hat dazu geführt, dass sich mein Wortschatz, vor allem im fachspezifischen Kontext noch einmal erweitert hat und ich in kürzerer Zeit qualitativ hochwertige englische Texte verfassen kann.

Die Auswahl an Kursen ist sehr hoch und deckt auch Bereiche ab, zu denen es an der Universität Potsdam keine Kurse gibt. Auf dem Masterlevel werden die Kurse in Seminarform angeboten. Diese Seminare zeichnen sich dadurch aus, dass sie in einem sehr kleinen Rahmen stattfinden und die Professoren Gelegenheit haben, sich ausführlich mit jedem Studenten auseinanderzusetzen. Das schlägt sich in der schriftlichen Bewertung nieder. In der Regel bekommt man von den Professoren mindestens zwei Seiten ausführliches Feedback zur Begründung der Benotung. Das Studienklima ist sehr angenehm und durch ein respektvolles Miteinander geprägt. Da jedes Jahr nur eine kleine Anzahl an neuen Masterstudenten (in meinem Fall 16) zugelassen wird, kennt man sich sehr gut und unternimmt auch außerhalb der Seminare viel miteinander. Das gemeinsame Miteinander ist durch Hilfsbereitschaft und nicht Konkurrenz untereinander geprägt.

Ein Unterschied zu Deutschland besteht darin, dass für viele Kurse Bücher oder sogenannte „course packages“ (Zusammenstellung der wissenschaftlichen Artikel für das gesamte Semester) gekauft werden müssen. Diese sind relativ teuer. Wenn Ihr am Ende des Semesters versucht diese wieder zu verkaufen, werdet Ihr eine Enttäuschung erleben, da Ihr nur ein Bruchteil des Originalpreises bekommt.

Im Department of Political Sciences sind insbesondere die Kurse zu China außerordentlich spannend. Im Gebiet „Politische Theorie“ sind die Kurse von Cathrine Kellogs zu empfehlen. Ihre Kurse sind sehr inspirierend. Wenn man Europa und die EU aus einer anderen als der deutschen Perspektive kennenlernen möchte, sind vor allem die Kurse von Lori Thorlakson interessant.

Campus

Die University of Alberta verfügt über deutlich mehr finanzielle Mittel als deutsche Universitäten. Das lässt sich auf dem Campus erkennen. Die Universität verfügt über mehrere Campusanlagen die sich auf verschiedene Standorte verteilen. Insgesamt gibt es dreizehn verschiedene Bibliotheken. Der Campus selbst ist einer der "Grünsten" in Kanada. Die Universität engagiert sich u.a. stark für Nachhaltigkeit und es  gibt zahlreiche Grünflächen. Das Studentenleben lässt sich vielseitig gestalten, da die Universität mehr als 400 Studentengruppen und Vereine hat. Es gibt viele Veranstaltungen und Möglichkeiten, sich auf dem Campus und in der örtlichen Gemeinschaft zu engagieren. Nutzt diese, denn sie bieten eine hervorragende Möglichkeit Kontakte zu knüpfen! Die Universität befindet sich im Zentrum von Edmonton und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. In Campusnähe gibt es zahlreiche kleine Geschäfte, Restaurants und Cafés. Auf  dem Campus sind sowohl alte als auch neue Gebäude zu finden. Dass bildet einen interessanten Kontrast.

Unterkunft

Der einfachste, aber auch kostenintensivste Weg um eine Unterkunft zu finden ist, sich um einen Platz in einem Studentenwohnheim auf dem Campus zu bewerben. Aber dort gibt es Bewerbungsfristen, die eingehalten werden müssen. Viele der Wohnheime bieten einen sogenannten „mealplan“, der zum Zimmer dazu gebucht werden muss und somit den Platz im Wohnheim noch teurer macht.

Ich hatte das Glück, das meine Trainerin eine Familie kennt, die Edmonton im Winter verlässt, um den kalten Winter in einer wärmeren Region zu verbringen, und somit einen „housesitter“ suchte. Dieses Arrangement bot für beide Seiten Vorteile; ich konnte preisgünstig wohnen und die Familie hatte jemanden der sich um ihre Post, Pflanzen usw. kümmerte. Der einzige Nachteil bestand darin, dass ich nicht direkt auf dem Campus gewohnt habe und somit längere Wege hatte. Falls Ihr euch gegen eine Unterkunft in einem der Studentenwohnheime entscheidet, ist diese Website ein geeigneter Ausgangspunkt für eure Suche: http://www.kijiji.ca. Wartet mit Eurer Wohnungssuche nicht bis Ihr in Kanada angekommen seid, sondern beginnt rechtzeitig!

Bankgeschäfte

Ich habe vor meiner Reise ein Konto bei der DKB eröffnet und war somit in der Lage mit meiner Kreditkarte gebührenfrei Bargeld abheben zu können. Gebühren in Höhe von 15 Euro sind nur einmal monatlich angefallen, wenn ich die Miete von meinem deutschen Konto auf das kanadische Konto meiner Vermieter überwiesen habe. Studentenkonten lassen sich problemlos bei Kanadischen Banken eröffnen. Allerdings fallen Kosten an, wenn Ihr Geld von eurem deutschen Konto auf das Kanadische überweisen wollt.

Krankenversicherung

In der Provinz Alberta seid Ihr über eure Universität krankenversichert. Die fälligen Gebühren werden zu euren Studiengebühren hinzu addiert. Allerdings gilt diese Versicherung nur für den Zeitraum des Semesters. Wenn Ihr also früher ankommt oder nach Beendigung des Semesters noch reisen wollt, braucht Ihr für diesen Zeitraum eine zusätzliche Versicherung. Ihr könnt Geld sparen, wenn euer Studentenvisum mindestens ein Jahr gültig ist, denn dann könnt Ihr euch kostenlos über die Krankenversicherung der Provinz versichern lassen. Dafür müsst Ihr nur einen Antrag stellen. Diesen bekommt Ihr im „International Office“ der Universität. Ein Besuch des „office“ ist unbedingt empfehlenswert sobald Ihr in Edmonton angekommen seid, da Ihr dort hilfreiche Tipps und Hinweise bekommt!

Lebenserhaltungskosten

Lebensmittel sind in Kanada deutlich teurer als in Deutschland. Sparen könnt Ihr, wenn Ihr einen „No Frills“ ausfindig macht. Dort kann man günstiger einkaufen als in den herkömmlichen Läden wie „Safe-On‐Foods“ oder „Safeways“, auch wenn der Name etwas anderes suggeriert.

Öffentliche Verkehrsmittel

Das öffentliche Verkehrssystem in Edmonton ist mit dem einer entsprechend großen Stadt in Deutschland nicht zu vergleichen. Zwar gibt es eine Bahn (LRT genannt), aber diese verkehrt auf nur einer Linie. Diese Linie verbindet den Norden der Stadt mit dem Süden. Der einzige Vorteil ist, dass diese Bahn an allen Campussen der Universität hält. Ansonsten muss man auf Busse zurückgreifen. Auf deren Pünktlichkeit sollte man sich im Winter allerdings nicht verlassen. Außerdem fahren sie nicht so häufig, wie in Deutschland und es gibt keinen Nachtfahrplan. Dafür ist Taxi fahren, auf Grund der niedrigeren Benzinpreise, günstiger als in Deutschland. Besorgt Euch euren U-­‐Pass (Semesterticket für Bus und Bahn) so früh wie möglich, denn sobald das Semester begonnen hat müsst Ihr lange dafür anstehen!

Freizeitangebote

Wenn Ihr in Edmonton studiert, solltet Ihr unbedingt einen Ausflug in die Rocky Mountains machen. Diese sind ein Paradies für Outdoor Sportler. Im Winter kann man dort Ski-­‐ und Snowboarden und im Sommer wandern und klettern. Auch ist der Ausblick von den Berggipfeln spektakulär. Außerdem empfiehlt sich ein Besuch der zahlreichen Sportveranstaltungen der Universität. Studenten haben zu allen Spielen der Universitätsmannschaften freien Eintritt und Ihr könnt Euer Lieblingsteam anfeuern.

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