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Erasmus-Erfahrungsbericht aus Sofia

Ich studiere Psychologie im 7. Semester. Für mich war schon lange vor meinem Studium klar, dass ich ins Ausland gehen wollte, da ich bereits vor meinem Studium ein Jahr im Ausland verbracht habe und es mir sehr gut gefallen hatte, ein neues Leben zu starten, neue Freunde zu finden, mal rauszukommen, aus einem anderen Blickwinkel auf das eigene Leben schauen zu können.
Als ich dann damals in meinem ersten Semester am Info-Tag des Departments Psychologie sah, dass es möglich ist, mit dem Erasmus-Programm des Departments nach Istanbul zu gehen, habe ich mich sofort in diesen Gedanken verliebt. Ich bewarb mich also mit jeweils einer Istanbuler Universität auf dem ersten und zweiten Wunschlistenplatz und suchte als dritten Wunsch eher zufällig Sofia aus, da ich eher an „exotischeren“ Orten interessiert bin, und es mich daher eher nach Osten als nach Westen zog.
Als ich dann im Februar 2016 eine E-Mail bekam, dass ich tatsächlich nur in Sofia den Platz bekommen hatte, war ich zunächst sehr überrascht, konnte mich dann aber schnell mit dem Gedanken anfreunden. Ich wechselte von meinem Türkisch-Kurs zu einem Bulgarisch-Kurs (kleiner Tipp nebenbei: Die Sprach- und Kulturbörse an der TU Berlin bietet sehr viele verschiedene und sehr gute Sprachkurse an, Kosten liegen bei 80€ pro Kurs) und bereitete mich damit auf mein Semester in Sofia vor. Die Kurse, an denen ich teilnehme, finden auf Englisch statt, aber ich wollte dennoch für den Alltag etwas Bulgarisch können.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Sofia University

Gastland: Bulgarien

Wohnungssuche

Gegen Juli begann ich dann auf der „Erasmus Student Network Sofia“-Facebook-Seite  nach einer Wohnung zu suchen. Die Unis bieten zwar Wohnheimplätze für Studenten für nur ca. 30€ im Monat  in „Studenski Grad“ (=Studentenstadt, ein Stadtteil von Sofia mit 80 Wohnheimblöcken), jedoch müssen die Bewohner dort zu zweit ein Zimmer teilen und ich besorgte mir lieber eine WG in der Innenstadt, in der ich ein Einzelzimmer habe. Ich wollte gerne mit relativ vielen Leuten zusammenwohnen und schrieb einem Makler, der uns über die Facebook-Seite des Erasmus Student Network Sofia vermittelt wurde, um ihn nach einer 5er-WG oder ähnlich großen Wohnung zu fragen. Wie sich dann herausstellte, hatte er stattdessen eine 8er-WG im Angebot! Am 23. September flog ich dann endlich los und kam spät abends um 23 Uhr in Sofia an. Die Uni hatte mir eine „Buddy“ zur Seite gestellt, die mich vom Flughafen abholte und in meine neue Wohnung begleitete. Dort wohne ich jetzt mit sieben anderen Erasmus-Studenten in unserem privaten kleinen Wohnheim, wie wir es scherzhaft nennen, im Stadtzentrum. Vier meiner Mitbewohner kommen aus Frankreich, zwei aus Italien und einer auch aus Deutschland. Wir verstehen uns sehr gut, veranstalten ab und zu gemeinsame Abendessen, mit zwei meiner Mitbewohnerinnen gehe ich jede Woche zum Yoga und wir haben auch ähnliche Freundeskreise. Ich mag es sehr gerne, wenn man nicht so aneinander vorbei lebt und bin deshalb sehr glücklich mit der WG. Und mit der Lage erst! Ich wusste ja schon vorher, dass die Wohnung im Zentrum liegt, aber erst nach meiner Ankunft fiel mir auf, wie zentral es ist! Wir wohnen direkt an der bekanntesten Einkaufsstraße Sofias, zum Parlament brauche ich 10 Minuten zu Fuß, zum Rathaus 5 und zur Uni nur 20! Dadurch habe ich schon sehr früh fast alle Sehenswürdigkeiten Sofias entdeckt und kenne mich durch das ganze Herumlaufen hier schon gut aus!

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Sofia University

Gastland: Bulgarien

Ankunft und Studium

Da ich kaum noch verpflichtende Kurse in meinem Studium habe, freue ich mich sehr, ein Semester lang meine Kurse fast ausschließlich nach Interesse wählen zu können und auch in andere Bereiche als die Psychologie zu schnuppern. Außerdem möchte ich mein Bulgarisch verbessern, sodass ich einigermaßen Gespräche führen kann, dafür werde ich auch an der Universität einen weiteren Bulgarisch-Kurs belegen.Nicht zu vergessen ist auch das Entdecken des Landes, der Natur und der Kultur. Ich möchte reisen, neue Orte sehen, interessante Menschen kennenlernen, das Land verstehen lernen. Gleich nach meiner Ankunft hier begann ich, E-Mails an verschiedene Verantwortliche zu schreiben. Sie verwiesen mich alle auf das Orientierungs-Treffen für Erasmus-Studenten am 6. Oktober. Außerdem fragte ich meine „Buddy“ nach Rat, die mir viel geholfen hat und daher blieb für mich für den 6.10. eigentlich nur noch eine große Frage: Wer gibt mir die Zeiten und Orte für die Kurse? Nachdem dies an diesem Tag nicht geklärt wurde (immerhin habe ich allerdings ein Dokument bekommen, mit welchem ich die Studentenkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel beantragen konnte!), wurde dann das nächste Treffen angekündigt: Am nächsten Tag um 11 Uhr für die Erasmus-Studenten in der Philosophischen Fakultät. Auch hier hoffte ich weiterhin auf die Stundenpläne, da ich den Rest eigentlich schon zu wissen glaubte. Wieder waren die Dozenten extrem nett und hilfsbereit, erklärten aber, dass sie nicht für die Stundenpläne verantwortlich seien und gaben mir den Tipp, den jeweiligen Professoren E-Mails zu schreiben. Auch das war nicht so einfach wie gedacht, da ich nur Informationen über die Vorsitzenden der Departments mit Mailadressen im Internet finden konnte und nicht die Adressen der Dozenten selbst. Jelena, meine Buddy, half mir erneut; sie fand eine Seite mit Kursen, die letztes Jahr auf Englisch stattgefunden hatten, auf der auch tatsächlich die Adressen der Dozenten standen. Mein Studium war sehr gezeichnet von meinem Bulgarischkurs, der 10 Stunden die Woche in Anspruch nahm. Die restlichen Kurse hatte ich mir darum herum gelegt, sodass sie morgens oder abends stattfanden, denn Bulgarisch hatte ich fast jeden Tag von 13 bis 15:30. Den „Intermediate“-Kurs zu wählen empfehle ich im Nachhinein nur Studierenden der Slavistik etc. Ich hatte vorher schon etwas Bulgarisch gelernt und wollte insofern nicht in den Anfänger-Kurs. Im Nachhinein wäre das vielleicht die bessere Idee gewesen, da nicht so zeitaufwändig und schwierig. Anrechnen lassen kann ich mir den Kurs nämlich nicht. Meine restlichen Kurse waren sehr interessant, aber recht einfach. Ich kann empfehlen, sich ruhig viele Kurse auszusuchen, da sie mit sehr viel weniger Arbeitsaufwand verbunden sind als bei uns in Potsdam. Was mir sehr an der Uni gefällt, ist die Tatsache, dass jeglicher Unisport komplett kostenlos ist, dass die Mensa sehr günstig ist (ca. 80 Cent für Suppe, Hauptspeise und Nachspeise! - leider ist die Qualität auch deutlich schlechter als bei uns in Potsdam!) und dass viele Dozenten sehr jung und nahbar sind. Leider gibt es einen starken Trend unter bulgarischen jungen Leuten, zum Studium ins Ausland zu gehen, wodurch die junge gebildete Generation langsam ausstirbt – das finde ich wirklich sehr schade und es tut dem Land bestimmt nicht gut. Ich kann das Studium hier trotz der nicht perfekt laufenden Organisation auf jeden Fall empfehlen! Lassen wir das akademische Leben Sofias nicht aussterben!

Freundschaften

In meiner WG wohne ich mit Studenten aus Frankreich und Italien zusammen, meine Freunde kommen aus Spanien, Polen, Slowenien, Rumänien, Litauen, Frankreich, Deutschland und Belgien. Und zum Glück sind auch ein paar bulgarische Freunde dabei – zum Beispiel meine mir von der Uni zugeteilte „Mentorin“ und ein paar Freundinnen, mit denen ich den Musikgeschmack teile und ab und zu zusammen auf Rockkonzerte gehe. In einer WG bin ich fast so sehr zu Hause wie in meiner eigenen – genauso wie auch meine beste Freundin hier, die im Wohnheim wohnt und sehr oft bei mir und bei der anderen WG im Zentrum zu Besuch ist. Wir sind ein kleiner fester Kern bestehend aus fünf Leuten, aber man kennt unglaublich viele – und wenn zum Beispiel jemand aus der Gruppe Geburtstag feiert und man auf die Party kommt, freut man sich über unglaublich viele bekannte Gesichter. Was ich besonders liebe an den Freundschaften hier ist, dass fast alle immer motiviert sind, viel zu unternehmen: „Hat jemand Lust, in einer Stunde zusammen ins Kino zu gehen?“ - Und direkt sagen eine handvoll Leute zu. Wenn ich ins Wohnzimmer komme, treffe ich häufig gleich drei Freunde, die mit meinen Mitbewohnern auf dem Sofa sitzen, mit denen wir dann später zusammen kochen oder noch kurz in unsere Lieblingskneipe gehen.

Reisen in Bulgarien

Bevor ich herkam, wusste ich selbst sehr wenig über Bulgarien (was schließlich auch einer meiner Gründe war!) - vom schwarzen Meer hatte man natürlich schon gehört, dass es im Sommer hier warm ist und dass Bulgarisch eine slawische Sprache ist – das wars dann auch so etwa. Mich wundert aber wirklich, dass Bulgarien kein populäreres Reiseziel ist! Es ist nämlich wirklich wunderschön und sehr interessant. Am letzten Oktoberwochenende war ich mit ein paar Freunden in einem Mietauto durch Zentralbulgarien unterwegs. Bulgarien hat im Osten das schwarze Meer und im Rest des Landes sehr viele Berge – das Balkangebirge in Zentralbulgarien und das Vitosha-Gebirge südlich von Sofia zum Beipiel. Im Winter kann man hier Ski fahren, einige Berge kann man einfach mit Sofioter Stadtbussen erreichen und sich dann Skier ausleihen, Bansko und andere Orte sind richtige Wintersport-Städte mit Hotels, Almhütten etc. Wir wollten jedoch noch bevor es richtig kalt wird das Land erkunden und mieteten uns deshalb einen großen Van und machten uns dann zu siebt auf Entdeckungsreise. Wir hatten einen Bulgaren dabei, der die Reise ziemlich gut geplant hatte – nicht unbedingt, weil er der einzige Bulgare war, sondern weil er einfach vom Charakter so ist, aber sein Wissen über das Land half uns natürlich. Das Auto bekamen wir für 170 Euro für drei Tage, sodass wir mit Benzin am Ende jeder 35 Euro dafür ausgaben – kein schlechter Deal!


Abschließende Gedanken

 

Was waren meine eindrücklichsten Erfahrungen, was habe ich gelernt – über mich und über die Welt? 

Zunächst einmal fällt mir beim Zurückschauen auf, wie leicht es mir fiel, mich von zu Hause aufzumachen und motiviert in einen neuen Lebensabschnitt zu gehen. Eigentlich fühlte es sich nur an wie verreisen, als meine Eltern und zwei Freundinnen mich am 23. September zum Flughafen brachten und ich dann nach etwas über 2 Stunden Flugzeit in Sofia landete. Außerdem habe ich gelernt, dass ich wirklich immer viel Action brauche, dass es mir mit mehr Arbeitslast besser geht als mit zu wenig. Dass es etwas ganz anderes ist, in einem anderen Land innerhalb von Europa zu leben statt außerhalb, wie ich es von meiner Zeit in Indien nach dem Abitur kannte. Dass man mit manchen Menschen einfach sofort auf Anhieb warm wird und sich super versteht. Aber eben auch nicht mit allen, doch das ist okay.  Eine Sache, die ich leider nicht weiterempfehlen kann: Den bulgarischen Winter. Ich denke, er entspricht fast den Klischees über russische Winter. Es ist kälter, grauer und es schneit viel viel mehr als wir es aus Deutschland kennen. Ich glaube, es wäre besser, ein Sommersemester in Sofia zu verbringen, denn an sich hat die Stadt sehr sehr viel zu bieten! Es gibt vor allem sehr viele Parks, wirklich viele, die man im Sommer wohl erst richtig genießen kann. Eine tolle Sache hatte der Winter aber: Wir konnten auf dem Vitosha-Berg direkt neben der Stadt Ski fahren gehen! Einfach in die Metro und dann in den Bus steigen, und schon war man am Lift! Generell mein Apell an alle, die das hier lesen: Geht ins Ausland! Es ist immer wieder prägend, beeindruckend, interessant. Man lernt neue, wunderbare Menschen und Orte kennen. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen. Und noch etwas, das ich empfehlen kann: Falls ihr mal in Sofia seid, geht unbedingt in das Café/ die Bar „The Apartment!“ Das ist ab sofort mein absoluter Lieblingsort, um etwas trinken oder essen zu gehen.

Bulgarien

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