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Erfahrungsbericht: Antwerpen

Als ich mich dazu entschlossen hatte, mein fünftes Fachsemester im Ausland zu studieren, war von vornherein klar, dass ich dies mit Erasmus+ tun werde. Ich wollte gerne innerhalb Europas bleiben und unter dieser Voraussetzung bietet das Programm der EU viele Vorteile: neben der finanziellen Förderung wird einem viel Organisatorisches abgenommen, einfach dadurch, dass die Bewerbungsabläufe, der tatsächliche Aufenthalt und die Anerkennung der Leistungen nach der Rückkehr alle im EU-Format und über vorgefertigte Dokumente laufen. Nachdem ich an den drei Unis meiner Wahl für das Erasmus-Programm nicht angenommen wurde, bzw. die Plätze schon voll waren, wurde mir Antwerpen in Belgien vorgeschlagen, das noch freie Plätze hatte.


Studienfach: Politik- und Verwaltungswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universiteit Antwerpen

Gastland: Belgien

Nachdem ich von meiner Uni für einen Erasmus-Platz in Antwerpen nominiert wurde, musste ich das Bewerbungsverfahren der Uni durchlaufen. Dieses ist sehr übersichtlich und gut strukturiert: Man erhält Zugangsdaten zu einer Seite namens „Mobility-Online“ mit einem persönlichen „Application Workflow“, in dem man nacheinander die einzelnen Schritte der Bewerbung online abarbeiten kann. Neben persönlichen Daten musste ich ein Foto von mir hochladen (für den späteren Studentenausweis), konnte mich schon für Zimmer der Uni bewerben, das „Language Certificate“ hochladen (B2-Englisch Niveau wurde mindestens gefordert), sowie das „Learning Agreement“ und „Transcript of Records“. Anhand des „Workflows“ konnte ich auch einsehen, wann meine Bewerbung bearbeitet wurde und schließlich die Annahme.

Studienfach: Politik- und Verwaltungswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universiteit Antwerpen

Gastland: Belgien

In Antwerpen wird Flämisch gesprochen – eine Abwandlung des Niederländischen. Da ich kein Wort Flämisch konnte, war ich auf die englischsprachigen Kurse angewiesen. Das Kursangebot in Englisch in Sozial- und Politikwissenschaftlichen Fächern war nicht überragend groß – es gab ca. 9 Kurse zwischen denen ich wählen konnte. Die meisten der Kurse bringen 6 ECTS, wenige bringen 3. Ähnlich wie in Potsdam gibt es in Antwerpen zwei wichtige Plattformen für Studierende: eine (sisa), auf der man sich für Kurse einschreibt, seinen wöchentlichen Stundenplan einsehen kann und am Ende auch die Noten. Auf der zweiten (blackboard) laden die Professoren Kursmaterial hoch und können kurze Nachrichten schreiben. In allen Kursen musste ich während des Semesters ein bis vier Aufgaben abgeben – meistens Essays mit einer durchschnittlichen Wörteranzahl von 2000. Außerdem musste für jede Sitzung zur Vorbereitung gelesen werden – im Durchschnitt musste ich mich länger für die Kurse vorbereiten als in Potsdam. Fünf von sechs meiner Kurse waren Vorlesungen, eines ein Seminar. Aber in beiden Veranstaltungsarten war die Mitarbeit der Studenten ständig gefragt, deswegen hat sich gute Vorbereitung ausgezahlt. In Belgien wird auf einer Skala von 0-20 Punkten bewertet, wobei 20 am Besten ist, jedoch quasi nie erreicht wird. In der Notenumrechnung zum deutschen System ergeben 18 Punkte bereits eine 1,0. Erreicht man weniger als 10 Punkte ist die Aufgabe bzw. Prüfung nicht bestanden. Durch die vielen Aufgaben während des Semesters fordern die Professoren, dass man ständig auf dem Laufenden ist. Das nimmt zwar viel Zeit in Anspruch, erleichtert dann aber etwas das finale Lernen auf die Prüfungen. Die meisten Kurse in Antwerpen gehen offiziell drei Stunden, viele Professoren unterrichten davon zwei und nutzen die letzte für Fragen oder die Beschreibung von Aufgaben. Trotzdem bleibt am Ende des Semesters ein großer Umfang für jeden Kurs, den man für die Prüfungen lernen muss. Alle Dozenten, die ich hatte, waren sehr offen und man konnte sie jederzeit ansprechen. Auch auf E-Mails wurde schnell geantwortet. Außerdem hatte jeder Professor mindestens einen Assistenten, der die Kurse begleitet hat und auch Fragen beantworten konnte. Die Bibliothek der Uni habe ich nur selten besucht – meistens nur zum Drucken. In der Prüfungszeit sind Plätze in der Bibliothek rar. Die Stadt bietet allerdings an verschiedenen (zum Teil wunderschönen) Plätzen – in Museen oder alten Gebäuden - Orte zum Studieren an, wo sogar Obst und Kaffee/Tee gereicht wird. Dieses Angebot wird von den Studierenden gerne angenommen, in der Prüfungszeit muss man pünktlich schon morgens in der Schlange stehen, um einen Platz zu ergattern.

Ich hatte Glück und habe ein Zimmer in einem Studentenwohnheim bekommen. Dort waren hauptsächlich andere Erasmus-Studierende und auch ein paar Belgier. Mit diesen Leuten habe ich am meisten unternommen, außerhalb des Wohnheims hatte ich nur Kontakte zu anderen ausländischen Studierenden.

Vor meinem Auslandsaufenthalt hatte ich ein Englisch-Sprachniveau von C1. Damit hatte ich keine Probleme den Vorlesungen zu folgen oder Texte zu verstehen. Durch die vielen Essays und auch das Englisch im täglichen Sprachgebrauch habe ich mich sicher auch verbessert. In allen finalen Klausuren durften wir Wörterbücher benutzen und die Professoren haben auch betont, dass sie, solange sie den Inhalt verstehen können, die Qualität der Sprache nicht bewerten.

Schon vor dem Antritt des Auslandsaufenthaltes hat mir die Uni Antwerpen verschiedene Möglichkeiten genannt, über die ich ein Zimmer mieten kann. Letztendlich bin ich über die Warteliste an ein Zimmer im Wohnheim gekommen. Dort habe ich pro Monat 350€ bezahlt (mit zwischen 350 und 400 € kann man für ein Zimmerin Antwerpen rechnen). In meinem Haus haben noch 44 andere Studenten gewohnt. Es gab zwei Küchen. Man hat sich immer zu dritt oder viert eine Dusche, einen Kühlschrak und eine Mikrowelle geteilt. Die öffentlichen Flächen wurden einmal pro Woche von dem Hausmeister geputzt. Alles in allem war das Haus sehr einfach aber neu eingerichtet und wir hatten ein familiäres Klima. Über einen Fahrradverleih der Uni (Unicycle) habe ich mir, wie fast alle anderen, die ich kenne, ein Fahrrad gemietet (ca. 10€ pro Monat). Ein Fahrrad in Antwerpen kann ich jedem nur empfehlen. Es gibt zwar auch eine U- und Straßenbahn, diese habe ich jedoch die genutzt. Alles ist gut mit dem Fahrrad zu erreichen und zu Fuß theoretisch auch noch. Ich bin in Deutschland bei der Postbank und habe mir dort vor meinem Auslandsaufenthalt die kostenlose Sparcard geholt, mit der man 10x pro Jahr kostenlos überall auf der Welt Geld abheben kann. Das hat mir gut gereicht, um an Bargeld zu kommen, ansonsten konnte ich auch überall mit meiner Karte bezahlen. Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich über den ADAC abgeschlossen. Das kostet zwar ein bisschen (für den gesamten Zeitraum ca. 130€) ist es aber auf jeden Fall wert. Essen gehen und Lebensmittel sind tendenziell ein bisschen teurer als in Deutschland, aber es gibt keine großen Unterschiede. Die Uni bietet einen Sportpass für 10€ an, mit dem man das ganze Semester jeden Sportkurs besuchen kann, den man möchte. Das Angebot ist sehr groß und hat mir viel Spaß gemacht. Außerdem kann man auch für 10€ ESN-Member werden. Das lohnt sich auf jeden Fall, man bekommt viele Rabatte (zum Beispiel bei Unicycle oder dem Uni-Shop oder Partys) und das Geld kommt so schnell wieder rein. Die Stadt bietet außerdem einen Kulturgutschein an (hab leider vergessen, wie das heißt) womit man je einmal zur Oper, Kino, Musical und Konzert für sehr kleines Geld (unter zehn Euro) gehen kann. Es gibt viele kulturelle Angebote, deshalb lohnt sich auch das. Man kann auch kurzfristig Abends zur Oper gehen und fragen, ob Karten übrig sind. Als Student bzahlt man dann auch nur 10€ und hat mit etwas Glück die besten Plätze...


Rückblick

Alles in allem ist ein Auslandsaufenthalt an der Universiteit Antwerpen sehr gut organisiert und sehr empfehlenswert. Die Kurse sind interessant, jedoch darf man nicht auf einen Erasmus-Bonus hoffen und muss eher ein bisschen mehr arbeiten als in Potsdam. Zimmer sind auf jeden Fall auch immer zu finden. Ich würde empfehlen, vor der Suche in eine Facebook Gruppe von ausländischen Studenten in Antwerpen einzutreten, dort werden gerade zwischen den Semestern viele Zimmer und auch Fahrräder etc. angeboten. Antwerpen selbst hat viel zu bieten und ich kann ein Auslandssemester in dieser Stadt nur empfehlen. Die Stadt ist zudem sehr gut gelegen und man kann viele andere tolle Städte in Belgien und den Niederlanden sehr gut erreichen (Brügge, Gent, Brüssel, Rotterdam, Den Haag, Amsterdam...). Innerhalb Belgiens zahlt man mit dem GoPass für den Zug auch nur ca. 12€ für eine Hin- und Rückfahrt, wenn man unter 26 Jahren ist. Die Stadt Antwerpen veranstaltet immer wieder tolle Events. Zu Beginn jedes Wintersemesters gibt es zum Beispiel ein richtig gutes Festival, kostenlos für Studenten! Und besonders in der Weihnachtszeit ist die Stadt wunderschön geschmückt. Schnee sollte man leider nicht erwarten, dafür gerade im Winter viel Regen aber selten unter 0 Grad (Nähe zum Meer). Zum Meer selbst kann man nicht laufen, dafür ist es echt zu weit, aber trotzdem hat man das Feeling durch die vielen Möwen in der Stadt. Und der Hafen und die Schelde entschädigen schon für einiges! Ein weiterer Pluspunkt, gerade für Studenten aus Potsdam ist der Ryanair-Flug von Brüssel nach Berlin für nur 9€!
Also ich hatte eine tolle Zeit in Antwerpen und bin von den Menschen dort herzlich willkommen geheißen worden! Die Stadt ist mir sehr ans Herz gewachsen und es war eine Erfahrung, die ich jedem empfehlen möchte!
    

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