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Erfahrungsbericht über ein Auslandssemester an der Universiteit Gent

Ich habe mich für ein Auslandssemester in Gent entschieden, da das Kursangebot einige Möglichkeiten mehr, gegenüber dem in meinem heimischen Institut bot. Zudem benötigte ich am Ende meines 5. Bachelorsemesters nur noch 6 ECTs aus Kursen für den Abschluss, so entschied ich mich Kurse nach reinem Interesse anzuwählen, die insgesamt aber keine 30 ECTs eingebracht haben, sondern insgesamt nur 21. Meiner Meinung nach trotzdem keine schlechte Wahl, so konnte ich mich voll auf die Kurse, die mich schließlich interessiert haben konzentrieren, sowie auch auf das Erkunden und Entdecken der belgischen Landschaften und Kultur.


Studienfach: Geowissenschaften

Aufenthaltsdauer: 02 /2013 – 06 /2013

Gastuniversität: Universiteit Gent

Gastland: Belgien

Nach Belgien kommt man in der Regel relativ einfach. Die Infrastruktur innerhalb des öffentlichen Nah- und Fernverkehr ist mit Zügen sehr gut ausgebaut. Aber auch mit Auto oder Flugverbindung ist man schnell, abhängig von der Entfernung natürlich, innerhalb des Landes. Hat man den zentralen Bahnhof oder Flughafen von Brüssel erreicht, fahren von dort in alle Richtungen Express- oder Regionalzüge. Von Gent nach Brüssel sind es mit dem Inter-City nur ca. 30 min. Ich selbst war mit ICE von Berlin nach Gent ca. 7-8 Stunden unterwegs, wenn man die Umsteigezeiten in Köln und Brüssel mitrechnet. Die Fahrkarte war relativ günstig, dank dem derzeitigen Angebot Europa-Spezial, bezahlt man bei 1-2 Monate Voraus-Buchung ca. 30-40 Euro. Über weitere Anreisemöglichkeiten habe ich mich nicht informiert, weil mir Bahnfahren als günstigster und einfachster Weg schien, alles Nötige von Zuhause mitzunehmen.

Wohnung, Miete

In Gent war ich im Studentenwohnheim untergebracht. Diese Bleibe habe ich über die Homepage der Universität gefunden. Man kann sich über diese Internetseite aber auch an einen Berater wenden, der einem bei der Wohnungssuche auf dem Privatmarkt weiterhilft. Das Studentenwohnheim schien mir jedoch als besser geeignet, um neue Bekanntschaften zu machen. Die Wohnungsform der Wohngemeinschaft existiert zwar in Gent, scheint aber nicht so ausgeprägt innerhalb der Genter Wohnkultur, im Vergleich zu anderen deutschen Studenten-/bzw. Großstädten. Hinzukommt, dass durch die kurzen Wege in Belgien, viele Studenten am Wochenende zu ihren Familien fahren, wenn sie nicht sowieso noch Zuhause wohnen. Die Wochenenden können unter den Umständen in einer WG so doch etwas einsam werden.

Im Studentenwohnheim waren dafür, nach meiner Einschätzung, etwa 80-90 % Erasmusstudenten untergebracht. Für Belgier stellt diese Wohnart nur eine minimal günstigere Alternative zum privaten Markt dar, weshalb sich die meisten Belgier vermutlich eher eine eigene Wohnung oder ein Studentenappartement suchen. Durch die ca. 20 000 -30 000 Studenten in Gent gibt es mehrere Wohnheimkomplexe über die Stadt verteilt, sodass man abhängig von Studium und Einteilung relativ kurze Wege von seinem Wohnheimzimmer zum entsprechenden Institut haben kann. Im Wohnheim hat man, je nach Preiskategorie ein eigenes Bad mit Dusche und WC im Zimmer oder teilt es sich mit einer Handvoll anderen Studenten auf dem Flur. Alle Wohnheime haben Gemeinschaftsküchen, die je nach Größe des Wohnheims mit ein oder mehreren Kochflächen und Spülen ausgerichtet sind. Was allerdings fehlte, waren Backöfen, als Alternative diente dazu nur eine Mikrowelle ohne Grill- oder andere Funktionen.

Die Preise der Zimmer variieren nach Größe und Ausstattung zwischen 300 und 400 Euro. Für mein Zimmer bspw. in einem sehr neuen Wohnheimkomplex mit ca. 16 m2 Fläche und eigenem Bad und Kühlschrank habe ich 392 Euro im Monat gezahlt. Allerdings habe ich mir von einheimischen Studenten sagen lassen, dass es auf dem Privatmarkt weit günstigere Wohnmöglichkeiten zwischen 200 und 300 Euro zu finden gibt.

Finanzen, Einkäufe des alltäglichen Bedarfs

Im Vergleich zu Deutschland und auch allen anderen umliegenden Ländern, ist Belgien verhältnismäßig teurer. Das hängt vmtl. mit den raren Anbaumöglichkeiten zusammen, aber vielleicht achten die Belgier insgesamt mehr auf Lebensmittelimporte, als die Deutschen. Allerdings sind die Lebensmittel nur unwesentlich teurer, je nach Kategorie zahlt man zwischen wenigen Cents bis zu 2 Euro mehr, vor allem frische Lebensmittel.

Die günstigsten Discounter, wie Lidl kann man auf jeden Fall in Gent finden, liegen aber eher in äußeren Stadtteilen und haben nur eine begrenzte Auswahl. Vergleichbar mit Rewe oder Edeka ist eine Einkaufskette namens DelHaize, vergleichbar mit Kaufland findet sich eine Kette namens Match. Spar und Carfour sind in ganz Belgien auch vertreten. Alternativ kann man seine Lebensmittel aber auch von Einzelhändlern, wie Bäcker, Käse- und Fleischerfachgeschäften, bzw. jeden Freitag auf dem Vrijdagsmarkt erwerben. Allerdings muss man hier unter Umständen mit etwas erhöhten Preisen rechnen, bekommt dafür aber eine maßgeblich gute Qualität der Produkte.

Cafés und Restaurants sind nach meiner begrenzten Erfahrung diesbezüglich in etwa genauso teuer, wie in den meisten touristischen Gegenden in Deutschland. Bei den vielen unzähligen Kneipen und Bars zahlt man für alkoholische Getränke im Durchschnitt aber wieder etwas mehr. Für die belgischen Biere, eine Spezialität des Landes, zahlt man im Durchschnitt zwischen 3 und 4 Euro pro 0,33 l.

Sprache

In Gent und generell im flämischen Teil Belgiens wird Flämisch gesprochen. Das ist die belgische Variante des Niederländischen und differenziert sich nur ein wenig in der Aussprache. Im südlichen Teil Belgiens, Wallonien wird überwiegend französisch gesprochen, bis auf die kleine deutsche Minderheit. In Brüssel kommt man mit Französisch und Niederländisch relativ gut durch, wobei englisch alternativ für die allermeisten Belgier auch kein Problem darstellt. Heutzutage wird in den Schulen Englisch als erste Fremdsprache und Französisch, Deutsch oder Niederländisch als zweite Fremdsprache unterrichtet.

Mit Deutsch- und Englischkenntnissen lernt man flämisch relativ schnell, da es zur germanischen Sprachfamilie gehört ist es zudem leicht verständlich. Für Erasmusstudenten bietet die Uni auch viele Sprachkurse auf unterschiedlichen Niveaus für günstigere Preise an. Wenn man sich für die „Welcome Days“ anmeldet und erscheint, bekommt man einen Coupon für einen Sprachkurs aus einer interessanten Auswahl für 50 Euro, regulär kosten diese Sprachkurse um die 300 Euro.

Einführung, Studium

Unbedingt empfehlen würde ich die Welcome Days direkt vor Vorlesungszeitbeginn, dafür muss man sich im Vorfeld anmelden, bekomm aber den Hinweis über das Genter Koordinationsbüro. In diesen zwei Tagen bekommt man einen guten Überblick über die Möglichkeiten eines Studenten und die universitären Einrichtungen erklärt bzw. gezeigt. Dort erfährt man, wo man sich günstig ein Fahrrad leihen kann, wie man günstig das Land bereisen kann, wo es Jobs zu finden gibt und wie lange die Mensen offen haben.

Studieren in Gent entwickelt sich als sofern einfach, als das man zusätzlich zu den Vorlesungsmaterialien im Regelfall noch ein Skript zum Nachlesen erhält. Auch die Bibliotheken sind gut ausgerüstet, die meisten Institute haben auch eigene Fachbibliotheken integriert. Die Kurse sind unterschiedlich in den leistungserfassenden Anforderungen. Die höchste ECTS Punktzahl gibt es für Kurse mit geschätzt 180 h für Zeitaufwand von Vor- und Nachbereitung, sowie Prüfungsvorbereitung mit 6 Leistungspunkten. Allerdings gibt es auch Kurse deren inhaltliches Kontingent für 6 LPs nicht ausreicht, weshalb mit weniger LP, aber dafür auch mit weniger Zeitaufwand zu rechnen ist. Wobei man dabei richtig planen sollte, da einige Kurse tatsächlich nur ein halbes Semester lang stattfinden, sodass man in der zweiten Hälfte im Semester, unter Umständen dann ein wenig in der Luft hängt. Allerdings ist auch dieser Aspekt wieder abhängig von der Studienrichtung.

Ich belegte nun zwei Masterkurse und zwei Bachelorkurse im Institut für Geologie und Bodenkunde, einen Sprachkurs und einen Kurs über die kulturellen, geschichtlichen und auch freizeitlichen Aspekte der sogenannten Low countries, also den BeNeLux-Staaten. Die Kurse waren jeweils mit 6, 3 und 3x 4 LP dotiert, für den Low countries-study-Kurs gab es nur eine Bescheinigung zur Anwesenheit und ein abschließendes Zertifikat.Die Masterkurse fanden auf Englisch statt, die Bachelorkurse ausschließlich auf Niederländisch, wobei das mit englischen Materialien, in Form vom Skript und den niederländischen Folien nicht allzu schwierig war mitzukommen. Der Sprachkurs, der für internationale Studenten für Niederländisch stattfand, wurde ebenfalls in Englisch bzw. Niederländisch abgehalten, sowie auch der Low countries-study-Kurs.

Freizeit

In den Ferien, an Wochenenden bzw. an den Abenden lässt sich die Zeit gut nutzen, um die Leute und das Land näher kennenzulernen. Gent ist als mittelalterliche Handelsstadt architektonisch und auch geschichtlich sehr interessant. Die Genter haben eine große Auswahl an kleinen Parks, gemütlichen Ecken an den Kanälen, in unzähligen Cafés und Pubs, die dann wahlweise auch mal gern auf einem ankernden Schiff zu finden sind, wo man seine Freizeit gut verbringen kann. Dafür würde ich empfehlen sich gleich zu Anfang ein Fahrrad beim studentischen Fahrradverleih zu mieten, falls man sein eigenes Fahrrad nicht mitbringen kann oder will. Die Miete liegt zwischen 35 bis 45 Euro, die Kaution bei 60 Euro.

Die Erasmus Student Organisation ESN bietet über das ganze Semester ein Programmreihe mit Bootstouren und Stadtführungen, Städtetouren, Kennlernabenden und natürlich Studentenparties an, zu deren einzelnen Veranstaltungen man sich kurz vorher jeweils anmelden kann. Jedoch lassen sich das Land und die Stadt auch auf eigene Faust entdecken. Mit dem Go Pass von der dortigen Bahngesellschaft, kann man als unter 25-jähriger Erwachsener Belgien auch sehr bequem und günstig bereisen. Der Go Pass ist für genau 10 Fahrten mit Regionalbahnen und ICs, internationale Schnellzüge ausgenommen, für 50 Euro eine gute Alternative zum Auto oder Fahrrad. In den Touristencentern findet man auch genügend kostenloses Kartenmaterial, um die Städte und Gegenden zu erkunden.

Landschaftlich hat Belgien in flämischen Regionen einen Strand und alte Handelsstädte zu zeigen, in Wallonien werden beispielsweise in den Ardennen interessante Wanderrouten geboten. Mit ein wenig mehr Kostenaufwand kommt man auch schnell in die Niederlande oder Luxemburg, aber man sollte bei Tagesausflügen beachten, dass keine Züge in der Nacht über die Grenzen fahren.

Studienfach: Geowissenschaften

Aufenthaltsdauer: 02 /2013 – 06 /2013

Gastuniversität: Universiteit Gent

Gastland: Belgien


Rückblick

Alles in allem fand ich das Auslandssemester nicht nur auf kultureller oder sprachlicher Ebene interessant, auch studiumsspezifisch, habe ich in meinem Kursen einiges Neues dazugelernt. Die Belgier habe ich als sehr freundlich, organisiert und hilfsbereit kennengelernt. Zudem habe ich eine Menge Leute aus den unterschiedlichsten Ländern Europas, und auch über die Grenzen der EU hinaus kennengelernt. Das alles hat mir eine gute Zeit in Belgien garantiert, weshalb ich ein Auslandssemester hier unbedingt empfehlen würde.

Aber generell ein Auslandssemester/-jahr oder auch ein ganzes Studium in einem fremden Land, kann ich auch aufgrund anderer Auslandserfahrungen vor dem Semester nur empfehlen. Allein schon auf Hinblick der Globalisierung und die Entwicklung der Arbeitswelt bei Dingen, wie Flexibilität, Offenheit usw. hilft es, wenn man das Leben mal aus einer anderen Perspektive gesehen hat. Aufgrund des Auslandssemesters allein habe ich meine Entscheidung im Ausland weiterzustudieren oder eines Tages dort zu leben nicht getroffen, aber es war definitiv ein fördernder Faktor zur Begünstigung dieser Entscheidung.

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