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Erfahrungsbericht University of Technology Sydney

Wer wollte nicht schon immer einmal ans Ende der Welt reisen? Für mich war Australien jedenfalls schon immer ein Ziel und warum sollte man das nicht ins Studium integrieren? Da ich im Bachelor dafür leider keine Zeit gefunden hatte, wollte ich während meines Masters ein Semester im Ausland verbringen. Parallel zu meiner Bachelorarbeit habe ich somit nach Optionen gesucht und bin bei den Partneruniversitäten fündig geworden. Eine Auslandspraktikum hatte ich auch im Sinn, jedoch viel die Entscheidung zum Studium dann recht einfach, da man nach der Uni noch genug arbeiten wird und das Studentenleben doch gewisse Vorteile mitbringt.


Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 02/2015 – 07/2015

Gastuniversität: University of Technology, Sydney

Gastland: Australien

Bei der Bewerbung habe ich mir schon interessant klingende Vorlesungen an zwei Universitäten in Sydney herausgesucht. Durch ein zuvor absolviertes Englisch Seminar hatte ich bereits den benötigten Sprachnachweis und musste mich nur noch um das Empfehlungsschreiben kümmern. Zu den Auswahlgesprächen gibt es schon genug Informationen in den Erfahrungsberichten, die mir gut geholfen haben. Kurz darauf wurde mir dann erfreulicherweise ein Platz an der UTS angeboten. Somit konnte ich motiviert die Bachelorarbeit beenden und zunächst den Sommer genießen.

Im Herbst habe ich mich dann um den Flug gekümmert und nach der Zusage aus Sydney die Unterkunft und weitere Formalitäten erledigt. Ich habe nicht das Studentenvisum sondern das Work and Holiday Visum (417) beantragt, da es billiger ist, für nur ein Semester ausreicht und man danach noch länger bleiben und arbeiten kann. Schließlich sollte man die Auslandskrankenversicherung nicht vergessen! Mein Wintersemester vor Sydney habe ich wie gewohnt absolviert. Durch die unterschiedlichen Semesterzeiten (kann man hier rausfinden) in Australien hatte ich einen Tag vor Abflug meine letzte Prüfung und begann das neue Semester direkt eine Woche nach meiner Ankunft. Januar/Februar waren also sehr stressig, sind aber machbar. Durch diesen Stress am Anfang hat man nach dem Semester sehr viel Zeit (3 Monate frei!) und kann diese zum Reisen nutzen.

Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 02/2015 – 07/2015

Gastuniversität: University of Technology, Sydney

Gastland: Australien

Photo: privat
Ganzer Stolz der UTS: die neuen Gebäude

Studium

Das Studium war anders im Vergleich zum Studium an der Universität Potsdam. Zunächst ist die Uni doppelt so groß und demnach sehr bürokratisch. Das bekam ich gleich zu spüren, als ich eine Vorlesung mit Zugangsvoraussetzungen belegen wollte. Bereits erworbene Fähigkeiten anerkennenzulassen ist äußerst schwierig und bedarf am Besten einer Bestätigung vom Professor. Eine der wenigen Sachen, die in Australien komplizierter war als in Deutschland. Ein weiterer Unterschied sind die zahlreichen Assignments im ganzen Semester. Während ich gewöhnt war, dass die Note nur durch eine finale Klausur ermittelt wird, stehen in den meisten Kursen dort regelmäßig Berichte, Übungen oder Präsentationen an, die alle (verschieden gewichtet) die Note bilden. Demnach ist mehr Arbeit während des Semesters nötig und hoffentlich weniger für die Klausur zu lernen. Leider ist die Klausur meist trotzdem die halbe Miete (50% gewichtet), sodass die Mehrarbeit sich kaum lohnt bzw. leicht zunichte gemacht werden kann. Die wöchentlichen Ankündigungen, Materialien wie Aufgaben, Folien und Paper werden zentral über ein Onlineportal verwaltet in dem auch Fragen in einem Forum gestellt werden können.

Schließlich noch eine kurze Übersicht meiner belegten Vorlesungen. Genaue Beschreibungen findet man im Handbook. Dabei sollte man aufpassen, dass der Kurs im geplanten Semester stattfindet (kann im Timetable überprüft werden kann). Leider wurden fast alle meine vorausgewählten Kurse am Ende nicht angeboten, weshalb ich umplanen musste. Vorteilhaft ist, dass in jeder ersten Vorlesung der gesamte Verlauf detailliert erklärt wird und man in den ersten drei Wochen auch noch Kurse wechseln kann (wenn Plätze frei sind).

Photo: privat
Ganzer Stolz der UTS: die neuen Gebäude

Fundamentals of Data Analytics

Von dieser Vorlesung habe ich am meisten erwartet und wurde sehr enttäuscht.
Es ist die einzige Vorlesung von der ich abraten würde. Der Kurs wurde geteilt in je 60 Studenten und fand in einem Seminarraum statt. Fünf bis sechs Studenten arbeiteten dabei an einem Tisch, welcher mit einem eigenen Beamer und Computer ausgestattet war. Die Austattung der Uni ist generell sehr gut und modern, da in Australien normalerweise hohe Studiengebühren gezahlt werden. Für den Austausch fallen die glücklicherweise weg. Leider war das Englisch von meinem Dozenten nicht besonders gut und in dem großen Raum konnte man ihn oft noch schlechter verstehen. Die Länge von drei Stunden Vorlesung und Übung am Montagabend machte es auch nicht besser.

Die Assignments waren drei Reports über verschiedene Themen. Ein 50-seitiger Bericht wurde zunächst als Gruppenarbeit angeboten, dann jedoch von jedem gefordert! Der finale Bericht wurde schließlich in Gruppen von fünf Studenten geschrieben, wobei ich leider Pech hatte und den Gruppenteil alleine bearbeiten musste. Im Nachhinein wurde mir geraten, dass ich die Gruppe hätte
wechseln können. Der Inhalt des Kurses war interessant und die Integration von Bachelor und Master hat auch gut geklappt. Durch meine negativen Erfahrungen würde ich jedoch deutlich von der Belegung abraten.

LANS and Routing

Hier ging es darum die ersten beiden Zertifikate von Cisco zu bearbeiten. Leider bekommt man das richtige Zertifikat nicht ohne eine weitere Prüfung (und Geld). Jedes Seminar umfasste 15-20 Studenten mit jeweils einem Rechner, Router und Switches werden geteilt. Pro Woche gibt es einen Termin über vier (4!) Stunden, in der die Theorie in einer Minivorlesung erklärt und dann praktisch an den Routern ausprobiert wird. Da es nur diesen Anwesenheitsblock gibt, wird viel Vorbereitung erwartet.

Von der Vorlesung werden zahlreiche Zeiten von unterschiedlichen Dozenten angeboten. Wer sich früh einschreibt, hat eine gute Auswahl an Terminen und sollte versuchen einen Dozenten mit besserem Englisch zu bekommen. Meine Zeit hat gut in den Stundenplan gepasst, jedoch konnte ich mein Englisch hier nicht verbessern. Unter den Studenten dort gilt die Vorlesung als der arbeitsintensivste Kurs und in der Tat kann man viel Zeit beim Lesen der Materialien und Konfigurieren der Router verbringen. Da mir die Theorie bereits vertraut war, konnte ich diesen Kurs mit geringerem Arbeitsaufwand aber gutem Ergebnis bewältigen.

Mobile Communications and Computing

Hier wurde von einfachen binären Signalen, über WLAN, Bluetooth und RFID, bis hin zum GPS alles zur mobilen Datenübertragung erklärt. Die Vorlesung fand in einem weiteren modernen Seminarraum mit 50 Studenten in kleinen Gruppen statt. Wiederum umfasste die Vorlesung drei Stunden pro Woche und enthielt neben der Theorie einen Teil für Aufgaben, die am Ende präsentiert wurden. Die Note berechnet sich aus kleinen Berichten, der finalen Klausur und einem Projekt, in dem ein Prototyp für eine zukünftige Smartphone App entwickelt und präsentiert wird. Wie in allen Vorlesungen, die ich belegt habe, wurde auch hier keine Programmierung erfordert.

UNIX Systems Administration

Für diese Vorlesung wurden bereits UNIX Kenntnisse aus einer anderen Vorlesung vorausgesetzt. Da ich diese nicht an der UTS belegt hatte, musste ich mühsam einen Nachweis erbringen, um mich einschreiben zu dürfen. Letztendlich hat sich dieser Aufwand jedoch gelohnt, da es meine favorisierte Vorlesung während meines Semesters war.

Die Theorie wurde in einer Vorlesung mit 30 Studenten vermittelt und wöchentlich mit praktischen Übungen angewandt. Diese konnten sowohl in der vorgesehenen Zeit zusammen oder selbständig Zuhause erledigt werden. Dabei wurde ein Notizheft angefertigt, das in der Klausur verwendet werden durfte. Der zweite Teil der Note wurde durch eine praktische Übung, in der verschiedene Software konfiguriert werden musste, ermittelt. Der positive Unterschied lag wie so oft am Dozenten. Dieser hat mit Spaß und in einer lockeren Art den Stoff vermittelt und dabei viele Freiräume und Fragen zugelassen.

Sonstiges

Zusätzlich wird von der Uni Helps angeboten. Dort können kostenlos verschiedene Kurse belegt werden in denen man wissenschaftliches Schreiben und präsentieren lernt, Grammatik oder Aussprache verbessern kann oder einfach nur Englisch sprechen mit lokalen Studenten übt. Ein weiterer Service ist die Studentenjobvermittlung. Dort kann ein Profil angelegt werden und bei passenden Jobs bekommt man eine Anfrage zum Interview. Dies hat mir zu einem sehr interessanten Job verholfen!

Wohnheim

Um sicher eine Wohnung zu bekommen und gleichzeitig schnell Kontakt zu anderen Studenten aufbauen zu können, entschied ich mich für das „Housing“ und bin mit fünf anderen Studenten in „Bulga“ untergekommen. Das Wohnheim ist generell eine gute Wahl, auch wenn der Preis zunächst sehr hoch erscheint. Für die Lage (zur Uni 5 Minuten und mitten in Sydney) ist es jedoch unschlagbar. Dazu werden zahlreiche Aktivitäten angeboten, die gerade am Anfang sehr hilfreich sind, um Stadt, Uni und Leute kennenzulernen. Ein eigenes Zimmer ist gerade für die Klausurzeit ziemlich sinnvoll, auch wenn die Bibliothek und weitere Orte zum Lernen gebucht werden können. In Bulga sind auch im Gegensatz zu anderen Wohnheimen ziemlich groß. Gegen das Insektenproblem in der Küche wird Einiges unternommen. Neben regelmäßige Kontrolle und Kammerjäger wurde auch der Teppich ausgetauscht. Nach dem halben Semester wurden auch kaum noch Kakerlaken gesichtet. Allgemein ist Bulga eher ruhig und trotzdem findet man immer jemanden in der Gemeinschaftzone zum Billiard-/Tischtennis spielen oder Film gucken am Beamer oder TV. Wer also seine Nachbarn etwas kennenlernen möchte und nicht jeden Tag eine Party braucht, ist hier gut aufgehoben.

Photo: privat
Wasserfall in den Blue Mountains

Freizeit

Dies ist wohl der wichtigste Abschnitt, denn neben dem Studium solltet ihr möglichst viel unternehmen. Ich habe das so gut es geht probiert und wurde nie gelangweilt. Die Clubs wurden schon genug beschrieben und sind sehr zu empfehlen. Es ist jede Sportart vertreten, die man ausprobieren oder wie gewohnt fortführen kann und nebenbei knüpft man auch ganz leicht neue Kontakte. Im Gegensatz zum Housing (viele internationale und Austauschstudenten) kann man hier eher das normale Studentenleben erfahren. Allen, die auch wegen der Natur nach Australien kommen, sei der Outdoor Adventure Club empfohlen. Sehr günstige und atemberaubende Touren in die Nationalparks um Sydney! Neben Wandern und Klettern sind auch noch abenteuerlichere Dinge wie Abseiling, Rogaining oder Canyoning möglich. Mobil ist man in Sydney mit der „Opal-Card“, einer aufladbaren Plastikkarte, mit der alle Züge und Busse genutzt werden können. Am Sonntag zahlt man $2.5 für eine Tageskarte, wer da Zuhause bleibt ist selbst schuld!

Photo: privat
Wasserfall in den Blue Mountains

Photo: privat
Opera House während des Lichtfestivals „Vivid “

Rückblick

Hier muss ich die anderen Erfahrungsberichte wiederholen: JA, es ist eine unvergessliche Zeit. Natürlich verbessert sich das Englisch enorm und es ist ein tolles Gefühl mit Menschen von aller Welt zu kommunizieren und nicht mehr darüber nachzudenken wie man das jetzt in Deutsch gesagt hätte. Unter den ganzen netten Leuten, die man kennenlernt, sind viele Freunde, mit den man hoffentlich noch sehr lange Kontakt halten kann. Natürlich ist das international etwas schwieriger, aber möglich, auch ohne Facebook. Schließlich bleibt mir nur zu sagen: Bewerbt euch und wagt den Schritt, ihr werdet es nicht bereuen! Wenn ihr Fragen habt, zu was auch immer, schreibt mir eine Email.

Photo: privat
Opera House während des Lichtfestivals „Vivid “

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