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Erfahrungsbericht über die Griffith University in Queensland

Schon zu Beginn meines Masterstudiums hatte ich ein großes Interesse daran, ein Auslandssemester zu machen. Eine Mitarbeiterin von der Organisation „Gostralia!“ stellte an einem Infotag an der Uni Potsdam die Leistungen der Organisation vor. Gostralia! vermittelt Studenten kostenlos an australische Universitäten und hilft ebenso bei der Vorbereitung. Somit kontaktierte ich es und wurde im August 2012 zu einem persönlichen Beratungsgespräch eingeladen. Die Beratung war sehr gut. Ich wurde nach meinem Studiengang, meinen Erwartungen und Wünschen gefragt und man klärte mich über zusätzlich zu berücksichtigende Faktoren auf. Zudem erzählte mir der Mitarbeiter von seinen eigenen Australien‐Erfahrungen und gab mir weiteres Informationsmaterial über die für mich geeignetsten Unis mit. Nach regem Emailkontakt und weiteren Ratschlägen der Mitarbeiter fiel meine Entscheidung letztlich auf die Griffith University in Queensland. Diese Uni passte von ihrem Profil und Kursen am besten zu mir, war verhältnismäßig günstig und Queensland und der Gold Coast Campus lockten mit ihrem warmen Klima und der Nähe zum Strand.


Studienfach: BWL Master

Aufenthaltsdauer: 03/2013 – 07/2013

Gastuniversität: Griffith University

Gastland: Australien

Nachdem meine Entscheidung auf die Griffith fiel, schickte ich die benötigten Unterlagen (Zeugnisse, übersetztes Transcript of Records, TOEFL‐Test etc.) im Oktober an Gostralia!, das meine Dokumente gleich an die australische Uni weiterleitete. Noch am gleichen Tag erhielt ich meine Zusage durch die Griffith University und war überglücklich. Nun konnte die weitere Vorbereitung losgehen, immerhin ging es im Februar schon los. Das Visum muss man beim Australian Department of Immigration and Citizenship online beantragen. Es dauerte ca. 10 Tage, bis ich es per Mail zugesandt bekommen habe. Der Prozess auf der Website ist sehr unübersichtlich und dauert eine Weile. Bei Problemen kann man sich aber bei Gostralia! melden und die Mitarbeiter helfen einem gerne weiter. Das Visum gilt ein Monat über das Semesterende hinaus, sodass einem nach Ende der Klausurenzeit ein Monat zur Verfügung steht, um das Land zu bereisen. Mit der Länge des Visums ist auch die Krankenversicherung verknüpft, welche gemeinsam mit den Studiengebühren überwiesen werden muss. Sie nennt sich OSHC (Overseas Student Health Cover), deckt allerdings nicht alles ab. Daher empfiehlt Gostralia! eine zusätzliche Auslandsversicherung abzuschließen, was auch ich gemacht habe.

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem in Australien ist etwas anders als in Deutschland. Für die gezahlten Studiengebühren darf man an der Griffith entweder 3 oder 4 Kurse wählen. Ich habe mich für drei entschieden, da ich vorher gehört habe, dass die Kurse sehr arbeitsintensiv sind. Zudem wollte ich auch unter dem Semester reisen. Hierbei durfte ich als BWLer meine Kurse aus einem breitgefächerten System der Business‐Masterprogramme aussuchen. Ich entschied mich für zwei Kurse aus dem Eventmanagement‐Masterprogramm und einen Kurs aus dem Tourismus‐Master. Ein Kurs in Australien ist ca. 7,5 ECTS wert und besteht meistens aus einer Vorlesung (2‐3 Zeitstunden) und einer Übung (50 Minuten) oder einem Workshop (3 Stunden ohne Übung).

Allgemein lässt sich sagen, dass das australische System sehr verschult ist, was bedeutet, dass eine aktive Beteiligung meist verlangt wird. Zudem gibt man regelmäßig Assignments (wissenschaftlich geschriebene Aufsätze) ab, hält Vorträge und schreibt Tests und alle diese Elemente fließen zu einem bestimmten Prozentanteil in die Gesamtnote ein. Hauptanteil haben aber natürlich das Midterm und Final Exam. Jeder Professor definiert hierbei vorab die Anforderungen und die Prozentverteilung der Leistungserbringungen individuell für sein Fach. Trotz des verschulten Systems ist das Studienklima sehr angenehm. Die Professoren sind engagiert und vermitteln ihre Fächer mit großer Leidenschaft. Man duzt seine Professoren und kann mit Fragen jederzeit zu ihnen kommen. Fast jedes Thema im Unterricht wurde mithilfe von praktischen Beispielen unterlegt oder geübt, was die Vorlesungen sehr
angenehm machten. Zudem halten die Professoren regen Kontakt zu den Studierenden mithilfe des „Blackboards“ (einer Lernplattform). Vom Schwierigkeitsgrad her ist die Griffith University vergleichbar mit der Universität Potsdam. Ich kannte nur wenige internationalen Studenten, der sehr große Schwierigkeiten mit dem Stoff hatten, was vor allem an der guten Lehr‐ und Lernatmosphäre liegt. Denn auch das Klima unter den Studenten ist gut und typisch „australisch“, was bedeutet, dass sie sehr freundlich, hilfsbereit und kollegial miteinander umgehen. Auch in der Uni gilt das australische Motto „No worries“.

Das International Office der Uni ist gut organisiert und engagiert. Zum einen betreibt es bspw. die „Official Study Abroad and Exchange“‐Facebook‐Gruppe. Zum anderen bietet es ein Buddy‐Programm an, für das ich mich noch in Deutschland angemeldet habe, wobei ich eine australische Studentin als Buddy zugeteilt bekommen habe, die über Email erreichbar war und mir einige Tipps zu Beginn des Semesters gab. Auch persönliche Treffen und Aktivitäten mit den Buddies wurden für den Einstieg organisiert.

Die technische Ausstattung der Uni ist ziemlich gut und definitiv besser in den meisten deutschen Universitäten. Die Bibliothek und Computer Pools sind sehr modern und groß. Es gibt meistens genügend Plätze und auch die Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm. Der Gold Coast Campus liegt im Grünem, auf einem Hügel, und besteht aus etlichen einzelnen Gebäuden. Der Campus gefiel mir dadurch sehr gut, auch wenn er durch seine Weitläufigkeit anfangs sehr verwirrend war.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Gleich nachdem ich an der Griffith angenommen wurde, habe ich mich bei der Facebook‐Gruppe „The Official Griffith University Study Abroad & Exchange Group” angemeldet und bereits erste Kontakte zu anderen internationalen Studenten geknüpft, was auch sehr hilfreich war um sich bereits vor Uni‐Beginn zu verabreden und sich in Hostels zu treffen, gemeinsam auf Wohnungssuche zu gehen, sich die Uni anzugucken und die Studentenkarte abzuholen. Daraus entwickelte sich auch mein späterer  Freundeskreis mit Mädchen, mit denen ich über das gesamte Semester hinweg am meisten unternommen habe.

Es gab einige Australier, die sehr kontaktfreudig waren und gleich als Buddies fungierten und bspw. zu Parties einluden. Ab und an hielt ich auch Vorträge mit Australiern. Doch zugegeben, zu Australiern selbst hatte ich persönlich relativ wenig Kontakt. Die Griffith University besteht zu einem sehr großen Teil aus internationalen Studenten und daher waren die Australier allen Kursen von mir in der Minderheit. Darüber hinaus trifft man im Nachtleben von Surfers Paradise, dem sozialen Zentrum der Study Abroad Studenten, nur wenige Australier, da es für sie als „Einheimische“ zu touristisch ist.

Wohn‐ und Lebenssituation

Eine ehemalige Griffith Studentin, die ich von Deutschland aus über die Gostralia!‐Facebook‐Seite kontaktiert hatte, gab mir, wie auch die Mitarbeiter von Gostralia!, den Tipp, erst vor Ort nach einer Bleibe zu suchen. Aus früheren Erfahrungsberichten las ich zudem heraus, dass viele Studenten von dem Studentenheim abrieten. Zum einen ist es sehr teuer und zum anderen spielt sich das soziale Leben der internationalen Studenten eher in Surfers Paradise und den Gegenden drum herum ab (Broadbeach und Main Beach).

Somit hielt ich mich an die Ratschläge und zog ebenfalls nach Surfers Paradise. Obwohl sich schon die ersten Studenten zwei bis drei Wochen vor Unibeginn über die Facebook‐Gruppe für feste WGs verabredeten und erste Zusagen für noch nie gesehene Zimmer gaben, wollte ich meine zukünftige Wohnung erst anschauen, bevor ich jemandem zusagte. Ich kann auch jedem nur empfehlen, es so zu machen. Ich kam eine Woche vor der Orientation Week an und buchte mich zunächst in einem Hostel in Surfers Paradise für die ersten 5 Nächte ein und verabredete mich sofort mit ein paar sympathisch wirkenden Mädchen aus der Facebook‐Gruppe für gemeinsame Apartment‐Besichtigungen. In Surfers Paradise wohnen die meisten Studenten in Holiday Apartments, die die Eigentümer für 5‐6 Monate an
Studenten vermieten. Nach ein paar Tagen der Suche, schrieb mich ein dänisches Mädchen auf Facebook an, das mir ein freies Zimmer in Surfers Paradise anbot. Nachdem ich es besichtigt hatte und begeistert war, konnte ich schon bald einziehen.

Wichtig zu wissen ist, dass im Vergleich zu Berlin/Potsdam sehr teuer ist in Australien zu wohnen. Ich habe für mein eigenes Zimmer in Surfers Paradise AUD 184 pro Woche (ca. 126 €), also mehr als 500 € im Monat gezahlt (Wasser inklusive, Strom und Internet nicht). Viele Studenten teilten sich ein Zimmer, doch auch hier zahlten sie durchschnittlich AUD 140 pro Woche (96 €). Mit meinem Apartment hatte ich schon einen sehr hohen Standard. Es sind definitiv auch Einzelzimmer für AUD 140 oder Doppelzimmer für AUD 100 zu finden, doch dann leidet der Wohnungsstandard meist erheblich darunter.

Auch die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland hoch. In Bezug auf das Essen sind insbesondere Milchprodukte, Alkohol und einige Obst‐ und Gemüsesorten sehr teuer. Dabei ist es ebenso teurer, auswärts essen zu gehen. Zudem ist unbegrenztes Internet eine Seltenheit bei den meisten Austauschstudenten. Natürlich gibt es freies, unbegrenztes Wlan in der Uni, doch in den Apartments hatten fast alle Studenten nur Prepaid‐Internet‐Sticks oder –Modems. Die Griffith University liegt in Southport. Von Surfers Paradise nimmt man entweder den Bus 707 oder 709 dorthin. Erster benötigt 15 Minuten, der andere 30 Minuten zur Uni. Leider sind die Busse an der Gold Coast sehr unzuverlässig und kommen häufig zu spät oder fallen aus. Zu Beginn des Semesters fuhren die Busse auch ab und zu an meiner Station vorbei, wenn sie bereits voll waren. Daher sollte man hier immer einen Bus früher nehmen oder sich eine Alternativverbindung mit Umsteigen heraussuchen. Ab 2014 wird aber der Gold Coast Railway fertig gebaut, der einen von Surfers Paradise direkt zur Universität fährt.

Die Uni bietet zahlreiche Sportkurse und ein Fitnessstudio an. Ich persönlich habe an zwei Uni‐Sportturnieren teilgenommen, deren Runden einmal in der Woche in der Uni stattfanden: Tennis und Beachvolleyball. Hierbei muss man jedoch zugeben, dass das Student Guild, welches diese Sportturniere veranstaltet, sich bei der Organisation dieser Veranstaltungen noch verbessern kann. Nicht selten tauchten beispielsweise die Gegner oder Mitspieler nicht auf. Ansonsten ist Surfen zu lernen an der Gold Coast ein absolutes Muss.

Es gibt ca. vier Uni‐Mottoparties unter dem Semester, welche spaßig sind. Nach jeder Party werden Busse zur Verfügung gestellt, die einen von der UniBar aus nach Surfers Paradise fahren, um dort in einem gemieteten Club weiterzufeiern. Zudem gibt es ab und zu Bandauftritte und andere Veranstaltungen in der UniBar. Darüber hinaus organisieren universitäre Clubs (z.B. die Canadian Students Association) großartige Parties und Events wie Pub Crawls.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Obwohl mein Englisch bereits vor Australien relativ gut war, verlief der Uni‐Beginn trotzdem etwas schwierig, da ich mich an den australischen Akzent der Professoren zuerst gewöhnen musste. Doch nach ein paar Stunden, war das Verstehen kein Problem mehr. Da ich leider nur ein halbes Jahr in Australien war, hat sich mein Englisch vor allem in Bezug auf das Selbstbewusstsein beim Sprechen und Selbstverständlichkeit, auf Englisch „drauf loszuquasseln“, verbessert. Zudem konnte ich meinen Wortschatz erweitern und mein Verständnis verbessern.

Studienfach: BWL Master

Aufenthaltsdauer: 03/2013 – 07/2013

Gastuniversität: Griffith University

Gastland: Australien


Rückblick

Alles in allem war das Auslandssemester an der Gold Coast die beste Entscheidung, die ich machen konnte. Es war eine großartige Erfahrung. Die Uni war super, die Lage und Queensland sind toll, die internationalen Studenten waren großartig, ich habe viele Freundschaften geschlossen und das Reisen in Australien und Neuseeland war ebenfalls eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich kann nur jedem empfehlen, auch nach Australien und an die Griffith University zu gehen. Ich bin mir sicher, dass es für jeden eine der tollsten Erfahrungen in seinem Leben sein wird.

Hier noch einige Tipps, die ich zukünftigen Study Abroad Studenten mit auf dem Weg geben möchte:

  • Ehemalige Study Abroad Studenten von der Griffith anschreiben und nach Infos/Tipps fragen.
  • Der „Official Study Abroad and Exchange“‐Facebook‐Gruppe beitreten! Alle Freunde, die nicht Mitglied waren, sind erst viel später in den Freundeskreis gekommen, da sie von dieser Gruppe und den ersten Treffen/Verabredungen nichts wussten.
  • ABER: Nicht im Voraus über diese Gruppe bereits aus Deutschland für Wohnungen zusagen, denn das hat bei einigen zu Enttäuschungen geführt (v.a. bzgl. der Mitbewohner).
  • Am besten nach Surfers Paradise oder Broadbeach ziehen. Hier spielt sich das soziale Leben der meisten Study Abroad Studenten ab.
  • Beim Orientation Trip während der Orientation Week unbedingt mitmachen und frühzeitig anmelden.
  • Viel Reisen und auch möglichst die Wochenenden nutzen, denn das Semester ist schneller um als gedacht. Innerhalb von Australien kann man sehr günstig fliegen.
  • Möglichst nicht mit Deutschen zusammenziehen! Da ohnehin ein großer Anteil der internationalen Studenten aus Deutschland kommt, wird ohnehin viel Deutsch gesprochen.