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RoboD-Studie

Roboter oder Drohne? Die Wirkung universitärer Angebote im Bereich Programmieren an Schulen (RoboD)

Projektleitung: Dr. Janine Neuhaus, Prof. Dr. Andreas Borowski

Studentische Mitarbeiterinnen (Forschungspraktika): Denise Leukel, Alina Gärtig

Förderer: Finanziert aus Arbeitsbereichsmitteln des Lehrstuhls Didaktik der Physik

Laufzeit: 02/2016 bis 08/2016

Abstract

Die Unterrepräsentation von Frauen in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ist ein international bekanntes Phänomen; im Mittel sind weniger als 15 Prozent der Studierenden in den Natur- und Ingenieurswissenschaften weiblich (OECD, 2015). In der vorliegenden Studie haben wir uns der Frage gewidmet, inwiefern identitätsbildende Prozesse einen Einfluss auf die Akzeptanz von MINT-Kursangeboten haben. Studien zeigen, dass sich Schüler/-innen vor allem mit Themen beschäftigen, die sie als passend zu ihrem Selbstbild wahrnehmen (Kessels et al., 2014). Da der MINT-Prototyp, d.h. ein typischer Schüler/eine typische Schülerin, der/die gut in einen MINT-Fach ist, eher mit mänlich-agentischen (z.B. Risikofreude) und weniger mit feminin-kommunalen Eigenschaften (z.B. Fürsorglichkeit) verbunden wird, nehmen Mädchen MINT-Fächer als weniger für sich passend wahr (Kessels, 2005).

Auf Basis einer aus 459 Sekundarschüler/-innen bestehenden Stichprobe haben wir untersucht, ob das Interesse bei Mädchen (im Vergleich zu Jungen) an Programmierkursen durch die Art der kontextuellen Einbettung in einer Ausschreibung beeinflusst werden kann. Hierfür beurteilten die Schüler/-innen zwei vergleichbare Angebote: Im Kurs „Roberta“ stand das Programmieren eines Roboters im Vordergrund, der alten Menschen in der Bewältigung ihres Alltags hilft (kommunaler Fokus). Im Kurs „Drohne“ stand das Programmieren einer Flugdrohne im Mittelpunkt, die eine Teilnahme an einem Wettbewerb versprach (agentischer Fokus). Unsere Ergebnisse belegen hypothesenkonform, dass Mädchen mehr Interesse an dem kommunal-betonten „Roberta-Kurs“ als an dem agentisch-fokussieten Drohnen-Kurs zeigten. Umgekehrt präferierten Jungen den Drohnen- gegenüber dem Roberta-Kurs. Wie erwartet, erwies sich die wahrgenommene Ähnlichkeit zwischen der Selbstbeschreibung und dem jeweiligen Prototypen (Roberta vs. Drohne) als vermittelnde (und damit erklärende) Variable zwischen dem Geschlecht und dem Interesse an beiden Arten von Kursen. Unsere Befunde legen somit nahe, dass das Interesse am Erlernen des Programmierens bei Mädchen gesteigert werden kann, wenn sie in dieser Beschäftigung einen gemeinnützigen Zweck erkennen können, während naturwissenschaftliche Formate, die auf Wettbewerb beruhen, eher Jungen ansprechen.

Literatur

Kessels, U. (2005). Fitting into the stereotype: How gender-stereotyped perceptions of prototypic peers relate to Liking for school subjects. European Journal of Psychology of Education, 20(3), 309-323.

Kessels, U., Heyder, A., Latsch, M. & Hannover, B. (2014). How gender differences in academic engagement relate to students’ gender identity. Educational Research, 56(2), 220–229.

OECD (11/2015). Education at a Glance: OECD-Indicators, OECD Publishing, http://www.oecd-ilibrary.org/education/education-at-a-glance_19991487

Williams, K. L. (2014). Strains, Strengths, and Intervention Outcomes: A Critical Examination of Intervention Efficacy for Underrepresented Groups. New Directions for Institutional Research, Special Issue: New Scholarship in Critical Quantitative Research—Part 1: Studying Institutions and People in Context, 158, 9-22.

 

Bisherige Publikationen

  • Neuhaus, J. & Borowski, A. (2016). Roberta, the robot: How a communal (vs. agentic) framing of STEM subjects influences girls' (and boys') academic interests and career choices. Poster at the Gender & STEM conference, Newcastle Business School, Newcastle upon Tyne, U.K., August 21-August 24, 2016.
  • Borowski, A. & Neuhaus, J. (eingereicht). Self-to-prototype Similarity as a Mediator between Gender and the Students’ Interest in Learning to Code. Proposal for a stand-alone paper at NARST conference, San Antonio, Texas, USA, April 22–April 25, 2017.
  • Neuhaus, J., Wendland, M. & Borowski, A. (2017). „Programmieren? Das passt zu mir!“ Die Wirkung agentischer vs. kommunaler Kontexteinbettungen in Programmierkurs-Beschreibungen auf die wahrgenommene Prototypen-Ähnlichkeit und das geschlechtsspezifische Teilnahmeinteresse. Vortrag bei der GEBF (Gesellschaft für empirische Bildungsforschung) an der Universität Heidelberg, 13.-15.03.2017, Heidelberg