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Guerilla Gardening

Das „Guerilla Gardening“ bezeichnet das illegale und heimliche Bepflanzen von meist öffentlichen Flächen im urbanen Raum. Der Begriff „Guerilla Gardening“ existiert seit den 1970er Jahren und entstand in New York, zu einer Zeit, in der unter anderem durch die Folgen der Finanzkrise das New Yorker Stadtbild von heruntergekommen Gebäuden und brachliegenden Flächen geprägt war. Die Bewohner der Stadt wurden aktiv, um ihre eigene Umgebung durch Bepflanzungen zu verschönern. Die Begrünung der Stadt ist gleichzeitig ein Protest gegen städtebauliche Maßnahmen, die die Lebensqualität verschlechtern und die aktive Mitgestaltung einschränken.

Einen wesentlichen Beitrag zur Popularitätssteigerung des „Guerilla Gardening“ leistete der Werbeberater Richard Reynolds. Er veröffentlichte im Jahr 2004 ein Buch mit dem Titel „Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest“ und registrierte einen Blog unter guerillagardening.org. Reynolds kannte die Bewegung des „Guerilla Gardening“ angeblich nicht, sondern er ließ sich bei dem Titel seines Buches von dem Begriff des „Guerilla Advertisement“ in der Werbebranche inspirieren. In seinem Buch beschreibt er die von ihm initiierten Begrünungsaktionen öffentlicher Flächen in seinem Wohnumfeld.

Das Wort „Guerilla“, welches aus dem Spanischen stammt, bezeichnet kleine, militärische Truppen, die meist im Widerstand gegen die eigene Regierung oder andere Gruppen kämpfen. Ihr Ziel ist es, Unabhängigkeit, Selbst- und Mitbestimmung zu erreichen und soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Zunächst erscheint die Verknüpfung des Gärtnerns mit einem militärischen Begriff nicht unbedingt schlüssig, denn wir assoziieren mit dem Kultivieren von Grünflächen und dem Anbauen von (Nutz-) Pflanzen weder eine kämpferische Handlung noch ein politisches Statement.

Doch das Bepflanzen des öffentlichen Raums versteht sich selbst als eine Form des Protests gegen die städtischen Behörden, die mit Zunahme der illegalen Begrünungsaktionen reagieren mussten.

Das „Guerilla Gardening“ verbreitete sich schnell. Inzwischen sind in zahlreichen Großstädten „Kampftruppen“ zu beobachten, die sich für eine grünere Stadt engagieren und damit gegen die Privatisierung und Bebauung von öffentlichem Raum protestieren. Der Einsatz von sogenannten „Samenbomben“, die von Guerilla-Gärtnern auf freie, meist abgesperrte Baubrachen geworfen werden, ist symbolisch wertvoll, denn es handelt sich um friedliche Bomben, die nicht vernichten, sondern Natur in der Stadt aufkeimen lassen sollen. Die Kugeln aus Erde und Ton bilden den Nährstoff für die in ihnen enthaltenen Samen. Regnet es, sprießen auch auf Betonflächen Blumen. Sie können auch in Mauerrisse gedrückt werden wie die „bombes fissures“ (etwa: Spalt-Bomben) der französischen Gartenguerilleros.

Quelle: http://imaginaction.over-blog.org/
Herstellungsanleitung Bombes à fissures. Muriel & Trap

Aus den punktuellen Aktionen einzelner Aktivisten oder Gruppen entwickelten sich auch Gemeinschaftsgärten. Ein funktionierendes Beispiel hierfür ist der Prinzessinnengarten in Berlin Kreuzberg. Der Garten befindet sich am Moritzplatz auf einer ungenutzten Freifläche.  Er ist für jeden Bürger frei zugänglich. Die Pflanzen sind in Körbe, Kisten und Eimer gepflanzt, und können somit jederzeit transportiert werden. Projekte wie diese machen nicht nur die Selbstversorgung von Gemüse und Obst in Großstädten möglich, sondern sie fördern gleichzeitig das ökologische Bewusstsein und den Zusammenhalt innerhalb einer Gemeinschaft. Andere Formen des „Guerilla Gardening“ sind unter anderem die so genannten Moos-Graffitis oder das Bepflanzen von Baumscheiben, Verkehrsinseln oder Aschenbechern in der U-Bahn.

Die Aktionen der Guerilla-Gärtner werden heute vor allem durch Blogs, Internetplattformen und soziale Netzwerke verbreitet, um Aktionen zu vereinbaren, auch länderübergreifend, und um vergangene Aktionen zu dokumentieren. Zwar bleibt das „Guerilla Gardening“ illegal, doch mittlerweile wurden einige Stadtregierungen auf die Bewegung aufmerksam und versuchen nun, dem Bedürfnis ihrer Bürger nach Mitgestaltung und Grünflächen in der Stadt nachzukommen. Immer häufiger werden Gemeinschaftsgärten oder Gartenprojekte von den Stadtregierungen unterstützt oder finanziert.

Quelle: http://imaginaction.over-blog.org/
Herstellungsanleitung Bombes à fissures. Muriel & Trap

Quellen:

Autorin Mareen Belloff
Zeitraum Juni 2013