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Flashmob

Der Begriff Flashmob (englisch: „Blitz-Meute“) beschreibt ein durch die Entwicklung des Internets als Massenmedium entstandenes Kulturphänomen, bei dem sich zuvor im Internet verabredete Personen zu einer punktuell versammelten Menschenmenge zusammenfinden und im öffentlichen Raum ‚außergewöhnliche‘ Handlungen vollführen. Diese Handlungen wirken auf Beobachter spontan, insbesondere da die Teilnehmer scheinbar plötzlich von einer alltäglichen zu einer außergewöhnlichen Handlung übergehen. Die Ungewöhnlichkeit der gezeigten Handlungen beruht vor allem auf kulturellen und politischen Verhaltensvorgaben für den öffentlichen Raum: veranstalten Kinder in ihrem Zimmer eine Kissenschlacht, ist dies nicht außergewöhnlich. Wird aber eine Kissenschlacht durch eine Menge erwachsener Menschen im öffentlichen Raum organisiert, so bricht dies mit den Verhaltensregeln für den städtischen Raum.

Der Überraschungseffekt für den Beobachter entsteht nicht nur durch die Außergewöhnlichkeit der Handlung, sondern auch durch die Anzahl der Teilnehmer, welche scheinbar spontan agieren und dennoch aufeinander abgestimmt sind. Besonders beeindruckend ist dies, wenn die Flashmob-Teilnehmer choreographierte Handlungen wie z.B. Tänze oder plötzliches Anhalten einer Bewegung und Einfrieren des Körpers in einer bestimmten Haltung (genannt Freeze, wie z.B. der im Londoner Grand Central-Bahnhof veranstaltete Freeze: www.youtube.com/watch?v=jwMj3PJDxuo) ausführen. Zudem ist das Ereignis meist auf eine kurze Zeitdauer beschränkt. Die Teilnehmer erscheinen im öffentlichen Raum und folgen alltäglichen Handlungsmustern. Plötzlich beginnt dann die Masse eine außergewöhnliche Handlung, um Minuten später wieder in das alltägliche Muster zu verfallen. Während der Handlung werden die Beobachter und die Charakteristika des Ortes meist direkt in die Handlung einbezogen. Z.B. versammelten sich bei dem durch den Zeitungsredakteur Bill Wasik organisierten ersten Flashmob am 3. Juni 2003 mehr als 100 Menschen in einem New Yorker Einkaufszentrum, um dort einen „Liebesteppich“ zu erstehen. Der Inhalt des Flashmobs orientierte sich hier also deutlich an den Zweckvorgaben des Kaufhauses, um diese dann aber ad absurdum zu führen.

Die homogen erscheinende Gruppe der Flashmob-Teilnehmer besteht tatsächlich aus einander unbekannten Menschen, die über Internetforen, Webseiten und Social Networks  zur Teilnahme aufgerufen und über den Ablauf des Flashmobs informiert wurden. Das Phänomen des Flashmobs ist folglich Ergebnis der raschen Entwicklung und Verbreitung des Internets, wodurch in kurzer Zeit sehr viele Rezipienten erreicht und generiert werden können. Die Informationen für Flashmobs verbreiten sich nicht selten über onlinebasierte Mund-zu-Mund-Propaganda. Allerdings wird die Aktion von einem oder mehreren Veranstaltern entworfen und koordiniert.

Die konkreten Handlungen von Flashmobs sind äußerst heterogen und unbestimmt und zudem stark vom räumlichen und zeitlichen Kontext abhängig. Es haben sich jedoch gewisse Standards entwickelt. So sind Kissenschlachten oder das Einfrieren von Körperbewegungen prominente Flashmob-Formen. Des Weiteren wird oft zu einem Musikstück getanzt (vgl. der Tribute-Dance für Michael Jackson in Stockholm, www.youtube.com/watch?v=lVJVRywgmYM), Teilnehmer applaudieren für eine vorgegebene Zeit oder singen gemeinsam. Diese Formen der Flashmobs werden als Stupidmob bezeichnet, da sie in erster Linie kein politisches oder wirtschaftliches Ziel verfolgen. Dem gegenüber  stehen die Smart- und Carrotmobs. Der Smartmob ist politisch motiviert und kann für eine kurze Zeit Menschen primär für eine gemeinsame politische Handlung zusammenführen. Beispielhaft dafür ist die Versammlung von schwarz gekleideten philippinischen Bürgern an öffentlichen Plätzen, die im Jahr 2001 damit gegen die Korruption unter Regierungsvertretern protestierten. Wird ein Smartmob über das Internet organisiert, kann dieser als Form des Internetaktivismus gelten. Ähnlich funktioniert der Carrotmob, der allerdings wirtschaftlichen Motiven folgt: Carrotmob-Teilnehmer kaufen blitzartig in einem zuvor festgelegten Geschäft ein, dessen Besitzer sich zu einer sinnvollen Investition des so gemachten Umsatzes verpflichtet. Dadurch können Ladengeschäfte beispielsweise klimafreundlich modernisiert werden.

Quellen:

  • Bauer, K. (2010): Jugendkulturelle Szenen als Trendphänomene:Geocaching, Crossgolf, Parkour und Flashmobs in der entgrenzten Gesellschaft. Münster: Waxmann
  • Jochem, J. (2011): Performance 2.0 – Zur Mediengeschichte der Flashmobs. Glücksstadt: VWH-Verlag
  • Rheingold, H. (2002): Smart Mobs: The Next Social Revolution,Transforming Cultures and Communities inthe Age of Instant Access. Cambridge: Perseus Books
Autor Julius Erdmann
Zeitraum Juni 2013