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Summer Education School „POLIN Meeting Point“ 2016

Reisebericht von Emanuel Neumann und Natalie Grabs 

Am Sonntag, den 17.07.2016 machten sich vier Studierende der Universität Potsdam – zwei aus den Jüdischen Studien und zwei aus den Osteuropäischen Kulturstudien – nach Warschau auf, um an der zweiten Summer Education School „POLIN Meeting Point“ teilzunehmen. In diesem Jahr fand das Programm unter dem Themenschwerpunkt „Nachkriegsgeschichte“ statt. Insgesamt waren 42 Studierende aus Israel, Polen und Deutschland eingeladen, um in Vorlesungen, Workshops und Diskussionen gemeinsam einen internationalen Dialog zu versuchen. 

Während des zweiwöchigen Programms verbrachten wir die meiste Zeit in den Räumen des „Museums für die Geschichte der polnischen Juden“. Das POLIN Museum eröffnete im April 2013 anlässlich des 70. Jahrestages des Aufstandes im Warschauer Ghetto. Im Oktober 2014 eröffnete dann die beeindruckende Dauerausstellung zur „1.000-jährigen Geschichte jüdischen Lebens in Polen“, welche wir im Rahmen des Programms einmal besuchten. „Polin“ ist einerseits das hebräische Wort für „Polen“, andererseits bedeutet es auch „Hier sollst Du ruhen/ bleiben“ – „Po-lin“, welches der Sage nach, die Vögel in polnischen Wäldern den ersten durchreisenden Juden zu zwitscherten. 

Im Angesicht und in ständiger Präsenz der Geschichte des Ortes studierten und teilweise diskutierten wir mit den eingeladenen DoktorInnen, ProfessorInnen und ZeitzeugInnen die Vorträge und Inhalte des umfangreichen Programms. Themen waren u.a.: Jüdisches Leben in Polen und Deutschland nach 1945, Emigration, die Situation in den DP Camps und die Rolle der Shoah in der Gründungsphase des Staates Israels. 

Ergänzt wurden diese Inhalte beispielsweise mit Führungen durch das ehemalige jüdische Ghetto und über den noch heute bestehenden Jüdischen Friedhof von Warschau. In der zweiten Woche verbrachten wir zwei Tage in Wroclaw, um das Jüdische Leben der Nachkriegszeit kennenzulernen. Desweiteren konnten die TeilnehmerInnen in Warschau das Jüdische Gemeindezentrum besuchen und an den Shabbatgottesdiensten in der Nozyk-Synagoge teilnehmen. 

Immer wieder forderte das Programm von uns eine Auseinandersetzung mit dem Konstrukt eigener, individueller und gesellschaftlicher Identitäten. Da das Programm zwar mit Vorlesungen reich gefüllt war, blieb für den erwünschten interkulturellen Dialog jedoch kaum Zeit. Die Auseinandersetzung im Gespräch konnten die Studierenden oft nur außerhalb der offiziellen Aktivitäten suchen. 

Neben den Vorträgen und historischen Beiträgen, sollten wir am Ende des zweiwöchigen Programms unsere Erkenntnisse in Oral History Projekten der Öffentlichkeit und den Sponsoren der Nissenbaum Family Foundation präsentieren. Grundlage dieser Oral History Projekte bildeten ZeitzeugInnengespräche, welche wir mit 15 ZeitzeugInnen in den drei Sprachen (Deutsch, Polnisch, Hebräisch) geführt haben. Der Themenschwerpunkt sollte in allen Interviews auch hier auf den Nachkriegserfahrungen der ZeitzeugInnen liegen. Anschließend mussten wir uns in neuen trinationalen Gruppen zusammenfinden und sollten in Kunst-, Forschungs- und Bildungsprojekten unsere sehr unterschiedlichen Erfahrungen gemeinsam darstellen. Dafür blieben uns allerdings nicht mehr als drei Tage Zeit. Daher waren die Ergebnisse oft nur erste Ansätze, um unser erlerntes Wissen mit Oral History zu verknüpfen. 

Nach zwei intensiven Wochen kamen wir zurück nach Potsdam, nicht nur mit neuen Gedanken, Ideen und Erfahrungen, sondern auch mit einmaligen internationalen Bekanntschaften. Wir sind sehr dankbar, dass wir an der Summer Education School „POLIN Meeting Point“ 2016 teilnehmen konnten und uns ein Stipendium für diese Begegnung ermöglicht wurde. Wir hoffen, dass die Universität Potsdam auch in den nächsten Jahren die Kooperation mit dem POLIN Museum aufrechterhält und intensivieren wird. Und vielleicht trägt unser Reisebericht dazu bei, dass im kommenden Jahr mehr Studierende die Chance dieses Programms erkennen und die Möglichkeit einer deutsch-polnisch-israelischen Begegnung mit Studierenden verschiedenster Fächer nutzen.