Urheberrecht und E-Learning

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Fragen des Urheberrechts spielen im E-Learning eine wichtige Rolle. In Hochschule und Wissenschaft ist es gängige Praxis: Fachtexte werden gescannt und über E-Learning-Plattformen oder die eigene Webseite an Studierende oder Kolleg/-innen verteilt, Vorträge und eigene Präsentationen werden durch passende Grafiken und Abbildungen aus dem Internet bereichert. Die Autor/-innen von E-Learning-Materialien sind einerseits selbst Urheber im Sinne des Gesetzes, andererseits finden oftmals geschützte Werke Dritter Verwendung. Vor der Verwendung „fremder“ Inhalte sollten also einige zentrale Fragen des Urheberrechts beantwortet werden. Die folgenden Ausführungen verstehen sich hierbei als Entscheidungshilfe und berücksichtigen die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen.


Inhaltsverzeichnis

Grundsätzliches zum Urheberrecht

Urheber, geschützte Werke und gewährte Rechte

Das Urheberrecht schützt alle Werke, die „persönliche geistige Schöpfungen“, d.h. ausreichend individuell sind. Das können wissenschaftliche und künstlerische Werke, Computerprogramme aber z.B. auch Stadtpläne sein. Voraussetzung für den Schutz ist eine ausreichende „Individualität“ (Schöpfungshöhe) des Werkes. Der Schutz besteht auch für Teile eines geschützten Werkes. Ideen, Konzepte, wissenschaftliche Erkenntnisse oder Stile sind nicht geschützt, sondern immer nur konkrete Gestaltungen.

  • Beispiel: Ein gutes, im Internet veröffentlichtes didaktisches Konzept ist nicht geschützt. Der Schutz würde u.U. nur eintreten, wenn dieses Konzept wörtlich in ein kommerzielles Produkt übernommen werden würde. (Kreutzer, S. 6)

Der Urheberrechtsschutz tritt automatisch mit der Erschaffung des Werkes in Kraft. Erst nach Ablauf der Schutzdauer (70 Jahre nach Tod des/der [Mit-]Urheber/-in) können fremde Werke ohne Einschränkungen genutzt werden.

Das Urheberrecht gewährt den Schöpfenden eines Werkes (z.B. Autor/-innen, Dichter/-innen, Programmierer/-innen) verschiedene ausschließliche Rechte. Das sind insbesondere die Nutzungs-/Verwertungsrechte (Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht, Recht der öffentlichen Zugänglichmachung) und zum Schutz der ideellen Interessen die Urheberpersönlichkeitsrechte (Namensnennungsrecht, Recht zur Erstveröffentlichung). Der/die Rechteinhaber/-in kann durch die Gewährung von Lizenzen Anderen die Nutzung und Verwertung gewähren (z.B. Verlagen).

  • Da die Grenze für die Individualität (Schöpfungshöhe) je nach Werk unterschiedlich und teilweise selbst für Experten schwer einzuschätzen ist, sollte im Zweifelsfall grundsätzlich ein Urheberrechtsschutz des zu verwendenden Werkes angenommen werden.


Zentrale Fragen vor der Verwendung von Werken

Entscheidungen Urheberrecht.jpg

Steht das Werk unter einer freien Lizenz? (Open Source / Open Content)

Es gibt in zunehmender Zahl Werke, die von deren Urheber/-innen bewusst unter sog. „freie Lizenzen“ veröffentlicht werden. Mit Einführung des Prinzips Open Source - anfänglich für kostenlos im Internet verfügbare, nutz- und bearbeitbare Software - oder dem Start der Initiative Creative Commons (CC) ist die Zahl hochwertiger, frei zugänglicher Ressourcen wie Texte und Bilder stetig angewachsen (z.B. Wikipedia, Flickr). Diese Werke sind zwar ebenso urheberrechtlich geschützt, jedoch erteilen die Rechteinhaber/-innen den Nutzer/-innen unter Verwendung verschiedener, kombinierbarer Lizenzformen sehr weitgehende Nutzungsrechte.

  • Lassen sich für das eigene E-Learning-Szenario und dessen Lehr- und Lernziele angemessene Inhalte finden, ist deren Verwendung unter Einhaltung der Lizenzbestimmungen (z.B. Namensnennung oder nicht kommerzielle Verwertung) zu empfehlen. In diesem Fall ist die Beantwortung der folgenden Fragen bzgl. urheberrechtlich relevanter Nutzung nicht erforderlich.


Das Werk steht nicht unter einer freien Lizenz

Vor allem die Vervielfältigung und die öffentliche Zugänglichmachung stellen urheberrechtlich relevante Nutzungshandlungen dar und sind zunächst einmal allein den Rechteinhabenden vorbehalten. D.h.: Die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke erfordert zum einen die Zustimmung der Rechteinhabenden zur Verwendung, desweiteren sind für die Nutzung Vergütungen zu zahlen.

Gelten Ausnahmeregelungen für die Nutzung in Forschung und Unterricht?

Für die Bereiche Lehre und Forschung sieht das Gesetz für bestimmte Fälle Ausnahmeregelungen, die sog. Schrankenbestimmungen vor, die eine zustimmungsfreie Nutzung ermöglichen. Die zu zahlenden Vergütungen werden üblicherweise von Verwertungsgesellschaften (z.B. VG Wort, GEMA) übernommen mit denen Universitäten, Bibliotheken und andere Einrichtung der Forschung und Lehre i. d. R. Verträge haben. Die Ausnahmeregelungen bilden die Grundlage für die Nutzung von z.B Texten aus Büchern, Zeitschriftenartikeln oder Monografien im Kontext von Bildung und Forschung.

Das Zitatrecht ( § 51 UrhG.)

Diese Schrankenbestimmung erlaubt die zustimmungs- und vergütungsfreie Verwendung von Werken oder Werkteilen in eigenen Werken. Sowohl das Zitieren „in jeder und aus jeder Art Werk“ (Kreutzer, S. 15), also auch aus Multimediawerken auf Websites, wie auch das Zitieren ganzer Werke geringen Umfangs (z.B. Fotos, Gedichte, Kunstwerke) ist erlaubt.
Der Zitatzweck (inhaltlicher Zusammenhang) muss jedoch beim Zitieren gegeben sein, z.B. zur Veranschaulichung und Unterstützung der eigenen Arbeit oder zur Auseinandersetzung mit dem Werk. Die Nutzung zu gestalterischen Zwecken (z.B. auf Webseiten) wird dadurch nicht gerechtfertigt. Der Zitatumfang muss dabei in „angemessener Relation“ zum eigenen Werk stehen, das grundsätzlich im Vordergrund stehen muss. Genaue Angaben zum Zitatumfang macht das Gesetz nicht.

  • Es gilt: „Nach wie vor sind […] Zitate nur gestattet, wenn ein Zitatzweck vorliegt, der Umfang des Zitats durch den Zweck gerechtfertigt ist, die Quelle angegeben wurde (§ 63 UrhG) und die fremden Werke oder Werkteile nicht verändert wurden (§ 62 UrhG). […] Ein Werk, in dem zulässig zitiert wurde darf prinzipiell auf jede denkbare Art und Weise verwertet werden.“ (Kreutzer, S. 16)
Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung (§ 52 a UrhG)

Erfolgt die Verwendung geschützter Werke zum Zweck der Unterstützung von Unterricht und Forschung, ist die Zustimmung der Urheber/-innen und der Erwerb von Nutzungsrechten nicht notwendig. Zwei Anwendungsfälle werden unterschieden:

  1. „Nach § 52a Absatz 1 Nr. 1 UrhG ist es zulässig, veröffentlichte kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften für Unterrichtszwecke online zugänglich zu machen. Werke geringen Umfangs können nach dem Gesetzgeber auch ganze Monographien sein. […] Das Online-Angebot darf allerdings nur den Unterrichtsteilnehmern (zum Beispiel den Teilnehmern an einem bestimmten Seminar, einer Vorlesung oder einem Web Based Training), nicht aber allen Schul- oder Hochschulangehörigen zugänglich gemacht werden.“ (Kreutzer, S. 17 f)
  2. „§ 52a Absatz 1 Nr. 2 UrhG gestattet dagegen die öffentliche Zugänglichmachung von geschützten Werken für Forschungszwecke, genauer, Werke online für einen ‚bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen für deren eigene wissenschaftliche Forschung‘ bereitzustellen.“ (ebd.) Dies gilt für den Austausch von Werken (auch durch Scannen und Serverupload) in Forscherteams, aber auch für die Weitergabe an oder durch Studierende im Rahmen der Lehre.


Der Begriff der „Öffentlichkeit“ ist im Zusammenhang mit der Zugänglichmachung über Netzwerke wie folgt zu verstehen:

Nicht-öffentliche Netzwerke sind durch einen begrenzten Teilnehmer/-innenkreis, Zugangsbeschränkungen (z.B. passwortgeschützte Moodle-Kurse) sowie eine persönliche Verbundenheit der Teilnehmer/-innen gekennzeichnet (kleinere Veranstaltungen).

Als öffentliches Netz werden Netzwerke/Plattformen verstanden, die einer großen Zahl von Personen zur Verfügung stehen (z.B. allen Studierenden eines Semesters). Eine Zugänglichmachung ist nur erlaubt, wenn:

  • der erlaubte Umfang eingehalten wird (kleine Werke wie Zeitschriftenartikel oder Teile eines Werkes, z.B. ca. 20% eines Buches oder 10-20% eines Filmwerks),
  • diese der Veranschaulichung in der Lehre dient und
  • der TeilnehmerInnenkreis abgegrenzt ist (Zugriffsbeschränkung).

Das Online-Stellen auf der frei zugänglichen Webseite der Lehrenden ist nicht erlaubt.

Die Wirksamkeit dieser Schrankenbestimmung ist auf die nicht-kommerzielle Nutzung begrenzt. Ausgenommen von dieser Regelung ist die Vervielfältigung und „öffentliche Wiedergabe von Werken, die für den Schulgebrauch [Schulbücher] bestimmt sind“ (Kreutzer, S. 18). Filmwerke dürfen erst zwei Jahre nach Kinostart gezeigt werden.

  • Die meisten Verwendungsszenarien im Rahmen der Hochschullehre sind durch diese Schrankenbestimmung gedeckt (nicht-kommerziell, nicht öffentlich). Im Fall „nicht öffentlicher“ Nutzung bestehen hinsichtlich der Vervielfältigung und Zugänglichmachung geschützter Werke keinerlei Einschränkungen, bei „Öffentlichkeit“ genannte Umfangs- und Zugangsbeschränkungen.
Vervielfältigungen zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch (§ 53 UrhG)

Eine weitere Ausnahmeregelung erlaubt die Vervielfältigung geschützter Werke zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch (§ 53 Absatz 2) innerhalb von Forschungseinrichtungen. D.h., es dürfen auch Archive mit digitalisierten Kopien von Originalwerken angelegt werden, wenn die Nutzung ausschließlich nicht-kommerziell und nur durch die Mitarbeiter erfolgt (z.B. digitalisierte Handapparate an Lehrstühlen). Dies gilt auch für Studierende und Privatpersonen, die wissenschaftlich tätig werden.

Es ist nach § 53 Absatz 2 Satz 1 Nr. 4a/b erlaubt, „zum sonstigen eigenen Gebrauch ‚ kleine Teile eines erschienenen Werkes‘, ‚einzelne Beiträge, die in Zeitungen oder Zeitschriften erschienen sind‘ (lit. a) oder ‚seit mindestens zwei Jahren vergriffene Werke‘ (lit. b) zu vervielfältigen.“ (Kreutzer, S. 22) Ausschlaggebend sind hier Gründe der (wirtschaftlichen ) Zumutbarkeit, z.B. der Erwerb einer teuren Fachzeitschrift für nur einen Artikel.

Setzen von Links

Der Verweis auf fremde Werke innerhalb der eigenen E-Learning-Materialien ist angesichts der teilweise komplexen Bestimmungen eine mögliche Alternative, denn das Verlinken auf andere Inhalte ist lt. Entscheidung des Bundesgerichtshofes zulässig, kommt einer „normalen“ Quellenangabe gleich und stellt somit keine urheberrechtlich relevante Nutzung dar. Eine direkte Einbindung fremder Inhalte in eigene Webinhalte durch sog. „Framing“ ist einigen Gerichtsentscheiden zufolge zustimmungspflichtig.


Der Erwerb von Nutzungsrechten

Greift aus verschiedenen Gründen keine dieser Schrankenbestimmungen, ist der Erwerb von Nutzungsrechten an den verwendeten, urheberrechtlich geschützten Inhalten notwendig. Da der Rechterwerb relativ aufwändig ist und bei den Lizenzverträgen verschiedenste Faktoren berücksichtig werden müssen (z.B. Lizenzdauer und -gebiet, Art der Nutzungsrechte, Vergütung etc.), ist es für Lehrende generell ratsam, sich im Rahmen freier Lizenzen oder der genannten Schrankenbestimmungen zu bewegen.

Ausführlichere Informationen zum Thema Lizenzverträge finden sie im Leitfaden von Till Kreutzer (2008).

Weiterführende Informationen

Quellen:

Weiterführende Informationen: