Kooperatives Lernen

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© Karin Jung/PIXELIO/www.pixelio.de
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Beim kooperativen Lernen arbeiten die Lernenden in Kleingruppen (Richtgröße: maximal 5 Personen). Sie unterstützen sich gegenseitig in ihrer Arbeit. Gemeinsam soll die Gruppe zu einem Ergebnis gelangen.

Wie definiert man aber nun eine Gruppe? Eine Gruppe, in der kooperativ gelernt wird, hat zum Beispiel ein gemeinsames Ziel/eine gemeinsame Aufgabe, es gibt unterschiedliche Rollen, die Mitglieder haben ein „Wir-Gefühl“.

Kooperatives Lernen kann unterschiedliche positive Effekte für die Lernenden haben: Im schulischen Bereich wurde beobachtet, dass schwächere Lerner/-innen nicht so schnell aufgeben, wenn sie in einer Gruppe arbeiten. Stärkere Schüler/-innen profitieren davon, wenn sie ihren schwächeren Gruppenmitgliedern etwas erklären: Durch das Erklären kommen sie selbst zu einem besseren Verständnis des Lernstoffes. Das Selbstwertgefühl schwächerer Schüler/-innen kann gesteigert werden, wenn sie erfahren, dass ihre eigenen Beiträge zur Lösung einer Gruppenaufgabe wichtig sind. Kooperatives Lernen kann das Klima in einer Klasse verbessern (Kooperation statt Konkurrenz).

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Kooperatives Lernen nach Adi Winteler

Kooperatives Lernen ist, nach Winteler, das Lernen in kleinen Gruppen. Der Prozess des Lernens ist hierbei sorgfältig strukturiert. Die Studierenden arbeiten, um ihr je eigenes Lernen zu maximieren, zusammen und unterrichten sich dabei untereinander. Kooperatives Lernen "führt für alle Arten von Aufgaben zu höherer individueller Leistung. (vgl. Winteler 2008, S. 139) Nach Winteler ist die intrinsiche Lernmotivation höher, "es finden höhere kognitive Denkprozesse statt (Metakognition, Elaboration) und das Gelernte wird länger behalten" (Winteler 2008, S. 139). Als weiterer positiver Effekte kann das Entstehen von positiven Beziehungen zwischen den Lernenden genannt werden.


Winteler unterscheidet drei Gruppen, wie Lernenden kooperativ arbeiten (vgl. Winteler 2008, S. 140):

1. Informelle KL-Gruppen Diese Gruppen werden zu einem bestimmten Diskussionsgegenstand für bspw. eine Veranstaltungsstunde gebildet. Sie sind zeitlich begrenzt. Die Konzentration und Aufmerksamkeit liegt hier auf dem Inhalt, der bearbeitet wird. Es geht oftmals darum, den Lernenden die Möglichkeit zu geben, den zu besprechenden Inhalt gegenseitig zu erklären, gemeinsam zu strukturieren und zu verarbeiten. Informelle KL-Gruppen sind hilfreich, um Unterreichtseinheiten abzuschließen.

2. Formelle KL-Gruppen Die formellen KL-Gruppen bleiben länger in dieser Konstellation zusammmen. Sie bewältigen über einen längeren Zeitraum hinweg eine Aufgabe. Oftmals kommt die Instruktion zur Arbeit in diesen Gruppen von den Dozierenden. Im Verlauf des Prozesses steht der Dozierende als Berater zur Verfügung. Es wird erwartet, dass die Lernenden sich wechselseitig informieren und ihr Wissen mit den anderen Gruppenmitgliedern teilen. Sie sorgen selbst dafür, dass die einzelnen Mitglieder der Gruppe ihre Aufgaben erfüllen.

3. Basisgruppen Diese Gruppen arbeiten über einen längeren Zeitraum miteinander. Hier geht es um Unterstützung während des gesamten Studiums. Die Gruppen bleiben über die Semester hinweg bestehen und treffen sich auch außerhalb der Lehrveranstaltungen.

[bearbeiten] Welche Vorteile hat kooperatives Lernen?

(Hinze 2004)

- Höhere Motivation

- Kompetenzerwerb (bspw. Problemlösekompetenz, soziale Fertigkeiten, Zeitmanagement, …)

- individualisierte Lernwege können gewählt werden

- erweiterte Informations-/Wissensbasis (durch schwerpunktmäßig unterschiedlich gelagerte Wissen der Gruppenmitglieder),

- Perspektivenvielfalt (Auseinandersetzung mit verschiedenen Sichtweisen, die ein vertieftes Verständnis ermöglicht) --> Differenzbildung

- Elaboration des eigenen Standpunktes im Diskurs mit anderen Lernenden

- Erhöhung der aktiven Lernzeit

- gleichberechtigte Kommunikation unter den Lernenden


[bearbeiten] Bedingungen für Kooperatives Lernen

Bereitschaft und Kompetenzen der Lernenden Wenn ein Lernender keine Lust hat, in einer Gruppe zu lernen, dann wird er wahrscheinlich weniger von dieser Form des Lernens profitieren. Die Motivation zum Lernen in der Gruppe ist unter anderem abhängig von den Erfahrungen des einzelnen Lernenden, der Aufgabenstellung, etc. Aber auch der kognitive Orientierungsstil des einzelnen Lernenden spielt eine Rolle.

Strukturierung der Interaktion Diese ist abhängig von der Aufgabenstellung. Eine zu starke Struktur kann kreative Lösungen der Lernenden eher behindern. Anfänger/-innen, die wenig Erfahrung mit der Lernform haben, brauchen Strukturierung und Steuerung von außen.

Art der Aufgabenstellung Die Aufgabe sollte so gestellt sein, dass sie nur durch die Zusammenarbeit der einzelnen Gruppenmitglieder gelöst werden kann. Wenn eine Aufgabe so gestellt wird, dass sie individuell von jedem einzelnen Lernenden bearbeitet werden kann, besteht die Gefahr, dass jeder seinen Teil alleine bearbeitet und die Ergebnisse am Ende nur zusammengetragen werden. Die Aufgabe sollte die Studierenden dazu motivieren, sie aus eigenem Wille zu lösen. Eine Aufgabenstellung, die als langweilig/zu leicht empfunden wird, führt oft dazu, dass die Gruppenmitglieder/-innen versuchen, sie mit möglichst geringem Aufwand zu lösen. Natürlich wirkt auch eine zu schwere Aufgabenstellung demotivierend.

Anreizstrukturen Zunächst geht es hier um die unmittelbaren Konsequenzen der Gruppenarbeit. Dies können zum einen Noten, aber auch Anerkennung der Arbeitsergebnisse in Form von Lob sein. Zum anderen geht es um Prüfungsanforderungen. Diese werden in dem Zusammenhang oft nicht bedacht. Dabei wird vergessen, dass Schüler/-innen und Studierende sich in erster Linie darauf konzentrieren, was in Prüfungen von ihnen verlangt wird. Prüfungen müssen so gestaltet sein, dass sich kooperatives Lernen für die Studierenden lohnt.

Gruppenzusammensetzung Es besteht kein Konsens, ob man Lernende eher in homogene oder heterogene Gruppen einteilen sollte. Bei einem zu großen Leistungsgefälle zwischen den Studierenden besteht die Gefahr, dass nur die besseren Studierenden die Aufgabe lösen und die schwächeren dadurch noch weiter zurückfallen. Allerdings besteht auch die Chance, dass die Leistungsstarken profitieren (sie erklären, etc.) und die schwächeren Lernenden „mitgezogen“ werden. Wichtig ist auf jeden Fall, sich bei der Gruppenzusammensetzung zu überlegen, wie der einzelne Lerner profitieren kann. (Zum Beispiel durch eine sinnvolle Rollenaufteilung, in der für jeden ein Verantwortungsbereich festgelegt wird.)


[bearbeiten] Einflussfaktoren für die Effektivität von kooperativem Lernen

- die Gestaltung der didaktischen & methodischen Rahmenbedingungen

- die Art der Aufgabe

- die Wahl des Zeitrahmens

- die Bearbeitungsmethode

- die adäquate Betreuung

- der soziale Zusammenhalt – die Art der Interaktion

- die Motivation der Einzelnen (auch Übernahme von Verantwortung)

- die Vorbereitung auf kooperatives Lernen

- bestehende Lernkultur

- Kosten-Nutzen-Relation


[bearbeiten] Zum Unterschied zwischen Kooperation und Kollaboration

In der Fachliteratur wird mitunter ein deutlicher Unterschied zwischen Kooperation und Kollaboration gemacht:

Schmalz (2007) spricht z.B. von Kooperation, wenn „ein gemeinsames Ziel bzw. eine gemeinsame Aufgabe in unterschiedlich gewichtete Teilaufgaben aufgetrennt [wird], für die jeweils eine Person oder eine Gruppe von Personen verantwortlich ist.“ Ausgehend davon bedeutet Kollaboration im Gegensatz dazu, dass „jeder […] gleichermaßen mit seinen individuellen Kenntnissen und Fähigkeiten zur Lösung der Gesamtaufgabe“ beiträgt, „ohne dass von einander unterschiedene Aufgabenbereiche und Pflichten explizit definiert würden.“ (Schmalz 2007, S. 9 f.)

[bearbeiten] Literatur

  • Winteler, Adi (2008): Professionell lehren und lernen. Ein Praxisbuch. 3. Auflage. Darmstadt.
  • Breuer, J (o.J.) Selbstgesteuertes Lernen, kooperatives Lernen und komplexe

Lehr- /Lernmethoden – Analyse der Formen im `herkömmlichen´ Präsenzlernen sowie deren Unterstützung durch das Internet. http://www.staff.uni-mainz.de/kesslet/arbeit/kriss/Lernmethoden.pdf

  • Krapp, A., Weidenmann, B. (Hrsg.) (2001)4: Pädagogische Psychologie. Ein

Lehrbuch. Beltz Psychologie Verlagsunion. Weinheim.

  • Reinmann-Rothermeyer, G., Mandl, H. (2001): Unterrichten und Lernumgebungen

gestalten. In: Krapp, A., Weidenmann, B. (Hrsg.) (2001)4: Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch. Beltz Psychologie Verlagsunion. Weinheim. S. 601- 646.

  • www.kooperatives-lernen.de
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