Online-Forum

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Jemandem ein Forum zu geben, bedeutet, ihm Raum dafür zu bieten, sich zu äußern. Im Zeitalter von Web 2.0 ist Internet ohne Foren überhaupt nicht mehr denkbar. Im E-Learning-Zusammenhang bezeichnet das Forum ein Kommunikations-, Strukturierungs- und Organisations-Werkzeug mit vielen Einsatzmöglichkeiten für unterschiedliche Lehrveranstaltungstypen. Im Zentrum stehen Kommunikation und Austausch. Die E-Learning-Plattform Moodle unterscheidet zwei Typen: das Nachrichten- und das Diskussionsforum. Das Nachrichtenforum gehört zur Basisausstattung eines Moodle-Kurses. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, an gezielter Stelle Diskussionsforen einzurichten.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Nachrichtenforen: Ideen für die Praxis

Schwarzes Brett
Empfehlenswert ist die Nutzung des Nachrichtenforums als „Schwarzes Brett“ für offizielle Mitteilungen der Dozent/-innen an die Studierenden. Eingetragene Kursteilnehmer/-innen erhalten eine Mitteilung über neue Nachrichten per E-Mail. Wichtige Ankündigungen gehen also an niemandem mehr vorbei.

FAQ-Sammlung
In klassischen Lehrveranstaltungen muss oft viel Zeit dafür verwendet werden, organisatorische Fragen zu klären. Mit der Nutzung eines Forums lassen sich Aspekte, die nicht unmittelbar zum Thema der Lehrveranstaltung gehören, auslagern. Die Mitteilungen im Nachrichtenforum erreichen alle Kursteilnehmer/-innen. Häufig wiederkehrende Fragen (Frequently Asked Questions; FAQ) können auch innerhalb eines Forums gesammelt, beantwortet und im nächsten Kurs wieder verwendet werden. (Idee: Häfele, Maier-Häfele 2005.)

[bearbeiten] Diskussionsforen: Ideen für die Praxis

Gruppenarbeit
Ein Diskussionsforum bietet sich im Zusammenhang mit Gruppenarbeit allgemein als Kommunikationsplattform an: Es lassen sich dadurch Räume schaffen, in denen kooperatives Arbeiten organisiert werden kann. Gruppen erhalten mit einem Forum einen virtuellen Raum zur Koordination der Arbeit, zur Diskussion und zum Austausch von Dokumenten.

Prüfungsvorbereitung
Zum fachlichen und organisatorischen Austausch vor Prüfungen kann ein Forum ebenfalls eingesetzt werden. Studierende werden „zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Lernstoff angeregt, wenn sie sich gegenseitig Antworten auf die Fragen geben müssen". (Idee: E-Learning-Baukasten „ELBA“ der ETH Zürich, http://www.elba.ethz.ch/).

Fachdiskussion
Ein Diskussionsforum kann allgemein dazu genutzt werden, fachbezogene Diskussionen zu führen, für die während der Präsenzveranstaltung keine Zeit mehr bleibt. Die Lernenden erhalten eine Plattform für ihre eigenen Beiträge zu der Lehrveranstaltung. Kursleiter/-innen sollten darauf achten, die Struktur solcher Foren im Auge zu behalten, damit das Ganze nicht unübersichtlich wird. Das stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar.

Kontroverses
In Foren ist auch Platz für neue, aktuelle Diskussionsimpulse, die das jeweilige Themengebiet betreffen. Studierende und Lehrende können im Forum kontroverse Diskussionen aufwerfen und führen (Idee: ELBA der ETH Zürich). Definiert man entsprechende Rechte, können die Teilnehmenden auch selbst Foren einrichten, über deren Fokus sie entscheiden. Auf der Moodle-Plattform kann ihnen das ermöglicht werden, indem sie den Status virtueller Lehrassistent/-innen erhalten.

Rollenspiel
Annette Friedmann (Dozentin für Drehbucherstellung an der HFF Potsdam) schlägt die Nutzung des Forums für ein Rollenspiel im Rahmen einer Lehrveranstaltung zur Einführung in das Drehbuchschreiben vor. Die Studierenden sollen aus der Perspektive eines beteiligten Akteurs (Redakteur/-in, Dramaturg/-in, Produzent/-in) Diskussionen über die im Entstehen begriffenen Drehbuchtexte führen. Ein Rollenspiel kann auch eingesetzt werden, um unterschiedliche oder gegensätzliche Theorieansätze klar zu machen. In einem simulierten "Theorienstreit" nehmen die Teilnehmer/-innen unterschiedliche Blickwinkel ein, beispielsweise "Darwinismus" und "Intelligent Design". Die Methode kann die Studierenden dabei unterstützen, Zugang zu zunächst vor allem kompliziert erscheinenden Theorien zu finden.

[bearbeiten] Didaktische Funktionen von Foren

  • Das Nachrichtenforum bietet die Möglichkeit, Arbeitsabläufe zu koordinieren, organisatorische Fragen zu klären und Mitteilungen zu veröffentlichen.
  • Ein Diskussionsforum kann dazu beitragen, selbstgesteuertes Lernen zu fördern. Was dort diskutiert wird, weist über den Rahmen des Seminars hinaus.
  • Diskussionsforen können Plattformen für den Austausch von Interessen, Ideen und Fragen der Teilnehmer/-innen darstellen. Durch die Einbindung von Foren werden sie integriert, sie können sich an der Erstellung von Inhalten beteiligen und Lehrveranstaltungen damit inhaltlich ergänzen.
  • Fachbezogene und organisatorische Debatten werden im Forum archiviert und bleiben daher nachvollziehbar. Auch darin liegt ein nicht zu unterschätzender Wert der Anwendung.
  • Schriftlich geführte Auseinandersetzungen charakterisieren sich grundsätzlich durch bestimmte Vor- und Nachteile. Die Notwendigkeit der Verschriftlichung kann bewirken, dass die Beiträge länger durchdacht werden, als das in einer mündlich geführten Diskussion möglich wäre. Diskursverläufe bleiben für längere Zeit präsent und abrufbar. Der Anspruch, Gedanken in schriftlicher Form auszuformulieren, kann für manche Teilnehmer/-innen aber auch die Hemmschwelle zur Beteiligung erhöhen.

[bearbeiten] Beachtenswertes

  • Stichwort Aufwand

Die Erstellung von Diskussions- und Kommunikationsforen ist nicht aufwendig. Einen ausführlichen Leitfaden können Sie unseren How-to-Dokumenten zu Moodle-Foren entnehmen (Webseite der AG eLEARNiNG, Menüpunkt „E-Learning-Plattform „Moodle“).

  • Stichwort Teilnehmer/-innen-Kompetenz

Wenn Sie die Funktion in Ihren Lehrveranstaltungen nutzen möchten, sollten Sie sich vergewissern, ob alle Teilnehmenden dazu in der Lage sind, Beiträge in Foren zu verfassen und eventuell auch selbst Foren einzurichten. Hilfestellung bei der Vermittlung finden Sie in den oben erwähnten How-to-Dokumenten.

  • Stichwort Moderationsaufgaben

Die Moderation von Nachrichten- und Diskussionsforen stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar, deren Aufwand nicht unterschätzt werden darf. Es ist sinnvoll, bestimmte Regeln für die Kommunikation festzulegen. Regeln können zur Beachtung der Rechtschreibung ebenso formuliert werden, wie für die zeitlichen Abstände, in denen Fragen von den Lehrenden beantwortet werden. Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel „E-Moderation“ von Katja Bett und Birgit Gaiser auf der Informationsplattform e-teaching.org.

  • Stichwort Forenkommunikation

Kommunikation in Foren erfolgt asynchron. Das hat den Vorteil, dass man nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt festgelegt ist, um zu kommunizieren. Gleichzeitig können sich unangenehme Begleiterscheinungen einstellen, zum Beispiel die, dass Diskussionen „verschleppt“ werden, Fragen unbeantwortet bleiben oder Beiträge „überlesen“ werden. Es empfiehlt sich, die Teilnehmenden für diese Charakteristika zu sensibilisieren.

[bearbeiten] Weitere Möglichkeiten, Alternativen

Ein Wiki bietet ähnliche Funktionen hinsichtlich Kommunikation und Austausch von Dokumenten. Hier stehen allerdings weniger die Diskussionen als „Wege zum Ziel" im Vordergrund, sondern vielmehr die jeweiligen Arbeitsergebnisse, die kooperativ entwickelt werden. Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel Wikis in der Lehre. FAQs lassen sich in Moodle auch mit der Aktivität "Glossar" erstellen. Statt einzelner Begriffe werden Fragen eingetragen und entsprechend beantwortet, so dass hier eine alphabetisch geordnete FAQ-Liste entstehen kann.

Foren gehören zur Grundausstattung von E-Learning-Plattformen. In Bezug auf Autorisierungsfragen existieren unterschiedliche Konzepte. Es gibt Plattformen, bei denen grundsätzlich alle Nutzer ein Forum einrichten können (Beispiel: sTeam, Universität Paderborn). Moodle ermöglicht eine solche Einstellung durch einen "Trick": Man verleiht den Teilnehmer/-innen den Status virtueller LehrassistentInnen.

Mehr Informationen zur "Glossar"-Aktivität und zum Thema „Rollenzuweisung“ in Moodle finden Sie im Artikel Gestaltung virtueller Kursräume.

[bearbeiten] Links und Literaturhinweise

  • Gaiser, Birgit, Bett, Katja: E-Moderation, 2004. | Link
  • Panke, Stefanie: Unterwegs im Web 2.0. Charakteristiken und Potenziale, 2007. | Link
  • Rinn, Ulrike, Meister, Dorothee M. (Hrsg.): Didaktik und Neue Medien - Konzepte und Anwendungen in der Hochschule, Münster u. a. 2004.
  • Winteler, Adi: Professionell lehren und lernen – ein Praxishandbuch, Darmstadt 2008.


Zu weiteren Moodle-Funktionen:

Persönliche Werkzeuge
AG eLEARNiNG