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Kerstin Hoffmann

Projektmanagerin bei Dimension Data

Mentee von August 2007 bis Juli 2008

Mentor*in: Arnold Kuttruff, (ehem.) Geschäftsführer Mercedes-Benz Autohaus Potsdam

Studium und Abschluss: BWL-Diplom, Marketing-MBA

wichtigste berufliche Stationen: Projektmanagerin im Marketing der Biotronik SE & Co. KG. Projektmanagerin und Teamlead bei The unbelievable Machine Company.

Wofür schlägt dein Herz, was ist dein ganz persönliches Lebensmotto? Beruflich ist mein Motto "Make it happen". In meiner ersten Station im Berufsleben habe ich verstanden, dass die Entschuldigung, keine Zeit, kein Budget oder keine Unterstützung bei einer Aufgabe zu haben, keine Gründe für Mitgefühl oder gar für Misserfolg sind. Privat strebe ich ständig nach Selbstverbesserung. Oft erreiche ich das durch sportliche Ziele, wobei ich gern neue Sportarten ausprobiere, mir aber auch Auszeiten gönne. Mein Herz schlägt für eine stabile, herzliche Partnerschaft und einen kleinen, engen Freundeskreis. So sehr mich das Schließen neuer Bekanntschaften begeistert und mich gute Gesellschaft bereichert, ist mir am Ende des Tages mein Zuhause mit meinen Lieben das Wichtigste.

 

Wenn du dich an deine Studienzeit zurück erinnerst, welche Fragen hattest du im Kopf?

An zwei große Fragen erinnere ich mich lebhaft. Bei allem, was ich in der Theorie gelernt hatte, war mir die Arbeitsgestaltung im Büro nicht für jeden Job klar. Ich denke an meinen Kommilitonen Marcel, der aus dem Arbeitsleben an die Uni kam und mir von seinem Job als Projektmanager erzählte. Ich konnte den konkreten Inhalt nie erfassen und verstand nicht, worin seine spezielle Aufgabe bestand, während ich mir unter den Aufgaben eines Buchhalters oder Logistikers mehr vorstellen konnte. Die Antwort auf diese Frage findet man zwingend im Job. Geduld und Beobachtung lohnen sich hier. Vielleicht beruhigt es, wenn ich sage, dass es auf Problemlöseverhalten und Leistungswillen mehr ankommt, als darauf zu wissen, wie die Prozesse im Unternehmen funktionieren. Diese nimmt man meist "aus Versehen" durch learning-by-doing mit.

Ein weiteres großes Thema ergab sich aus meiner Anstellung als Werkstudentin, in der ich von einer langjährigen Mitarbeiterin ohne ersichtlichen Grund Steine in den Weg gelegt bekam. Junge, engagierte und vor allem selbstbewusste Frauen können eine Bedrohung für alteingesessene Mitarbeitende sein, wenn sie deren Leistungen oder Leistungswillen sichtbar übertreffen. Das verstand ich erst spät und nur mit großer Unterstützung meines Mentors, dem ich unter anderem für die dazugehörige Weisheit sehr dankbar bin: "Kerstin, Sie können nicht alles im Leben alleine schaffen." Ich möchte jeder Berufseinsteigerin raten: Sucht euch im Job nicht nur Kollegen für gesellige Mittagspausen, sondern baut auch nichtprivate Bande zu starken oder höherrangigen Ansprechpartner*innen auf, die ihr in solchen Fällen um ihre professionelle Meinung bitten könnt.

Gab es während deiner ersten Berufsjahre Krisen oder Rückschläge? Was oder wer hat dir bei der Bewältigung dieser geholfen?

Wo wir beim Thema "knitterfrei" sind - auch Krisen gehören zum Berufsleben. Ich bedaure, dass ein großer Krisenauslöser - die Kündigung - ein Tabuthema ist. Ihr werdet, falls überhaupt, erst Erfahrungsberichte aus erster Hand hören, sobald ihr über eure Kündigung sprecht. Bei der Abwicklung meiner Kündigung, relativ am Beginn meiner Karriere, half mir ein Arbeitsrechtsanwalt. Auch der Betriebsrat kann ein erster Anlaufpunkt sein. Nutzt die Beratung in jedem Fall, bevor ihr eine Kündigung unterschreibt! Meine tatsächliche Krise lag jedoch in der Jobsuche, die mich das kommende halbe Jahr beschäftigte. Mir fehlte der intensive geistige Austausch und die Problemlösung im Team. Keine gemeinsamen Arbeits- und Erfolgserlebnisse zu haben, machte meinen Alltag zäh. Freunde, Familie und Partner unterstützen mich moralisch, eine neue Anstellung fand ich allerdings über eine klassische Stellenanzeige. So schwer die Zeit ist, es gibt keine Abkürzung. Lasst euch von Freunden helfen, reaktiviert alle Kontakte im Netzwerk, telefoniert jeder passenden Stellenanzeige hinterher, aber vergesst nicht - auch während der Jobsuche habt ihr einen Feierabend.

Welchen Bezug hat deine aktuelle Stelle zu deinem Studium?

Projektmanagement ist keine Rolle, die Wirtschaftswissenschaftler*innen vorbehalten ist. Die Fähigkeit, Zeit, Kosten und Qualität eines Auftrags in Balance zu halten, bringen Absolventen aller Fachrichtungen mit. Entscheidend ist, in welcher Branche oder in welchem Unternehmen man diese Organisationsfähigkeit einsetzt. Dennoch hilft es insbesondere im Kundenkontakt, einen kaufmännischen Hintergrund zu haben. Innerhalb des eigenen Unternehmens hilft es, gewinnbringende von kostenverursachenden Aufgaben oder Prozessen zu unterscheiden und Verbesserungsvorschläge zu machen, die vom Management wahr- und ernstgenommen werden. So macht ihr euch im Unternehmen sichtbar.

Work & Life – sind beide bei dir in Balance? Wenn ja, hast du einen Geheimtipp?

In einem TED Talk - eine Vortragsreihe, die ich sehr empfehlen kann - hörte ich letztens das Statement, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Lüge sei [1]. Nach meiner Mentoring-Erfahrung hätte mich das entrüsten müssen, doch das Gegenteil war der Fall - es entlastete mich. Alle arbeitenden Mütter - in den Medien, in meinem Freundeskreis sowie meine eigene Mutter, wenn sie von früher erzählt - fühlen sich, als hätten sie zu wenig Zeit für mindestens einen der beiden Bereiche. Ich finde es schwierig sich in dem Spannungsfeld einzurichten. Die Gesellschaft erwartet von der Frau, Mutter zu sein. Single-Frauen verdienen sich prompt ein gutgemeintes "Dabei ist mit dir doch alles in Ordnung!". Mütter auf der anderen Seite erfahren im Management oft eine Abwertung, wenn sie "schon wieder" beim kranken Kind zu Hause geblieben sind. Wie soll man so in beiden Bereichen gleichzeitig einen guten Job machen. Es braucht ein Umdenken, dass z.B. nicht 10 Stunden pro Tag im Büro Erfolg bedeuten, sondern effiziente Arbeit.

Unterm Strich bestimmt die Work-Life-Quote, so möchte ich sie nennen, in welchem Bereich man sich aktuell mehr engagiert. Die Entwicklung eines jeden Kindes kann man nur einmal miterleben und die Karrierechancen sind mit Anfang 30 vielfältiger als mit Mitte 40. Wir entscheiden uns immer für das eine oder das andere. Die Work-Life-Balance bleibt so für mich ein unerreichbares Ziel, aber eines auf das wir für kommende Generationen hinarbeiten können.

[1] https://www.ted.com/playlists/152/what_is_success (ab Minute 12:25)

Was sind deine nächsten Pläne/Ziele im Leben?

Mein Lebenstraum sind eine stabile Partnerschaft und eine kleine Familie.

Hast du „sonst noch Wünsche?“

Ich wünsche mir mehr Gelassenheit. Bei allem, was ich erreicht habe, habe ich immernoch nicht das Gefühl, wirklich erfolgreich zu sein. Allen, die sich darin wiedererkennen, empfehle ich folgenden Artikel: www.huffingtonpost.com/wait-but-why/generation-y-unhappy_b_3930620.html

(November 2016)