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Projektbeschreibungen: Geistige Entwicklung

Der Einfluss von Sprache auf das Handlungsverständnis bei 18- und 24-monatigen Kindern

Wenn junge Kinder etwas über ihre Umwelt lernen wollen, so ist es für sie eine gute Strategie, mit erfahrenen Bezugspersonen zu kommunizieren. Erfolgreiche Kommunikation beinhaltet dabei das Verständnis von gesprochener Sprache ebenso wie das Verständnis von gezeigten Handlungen. Wenn eine Bezugsperson einem Kleinkind eine neue Handlung vormacht, so wird sie diese Handlungsdemonstration nicht isoliert ausführen, sondern sie wahrscheinlich auch mit Sprache begleiten. Neue Handlungen und dazugehörige sprachliche Äußerungen treten also in der täglichen Lernumwelt der Kleinkinder häufig gekoppelt auf. In der Kleinkindforschung gibt es Hinweise darauf, dass diese beiden Domänen – die Sprachdomäne und die Handlungsdomäne – miteinander in Verbindung stehen (Fukuyama & Yamakoshi, 2013; Matatyaho-Bullaro, Gogate, Mason, Cadavid & Abdel-Mottaleb, 2014). Dennoch wissen wir noch nicht sehr viel darüber, auf welche Weise Kleinkinder diese verschiedenen Informationen integrieren und nutzen.


Ziel unseres Projekts soll sein herauszufinden, ob sprachliche Äußerungen während der Handlungsdemonstration das Handlungsverständnis der Kinder beeinflussen. Dies ist insbesondere deshalb relevant, da das Handlungsverständnis der Kinder eine wichtige Grundvoraussetzung für soziale Interaktionen oder das Lernen neuer Fähigkeiten darstellt. Tieferes Wissen über diese komplexen Vorgänge ist somit wichtig, um die Einflussfaktoren von frühen sozialen Kognitionen zu verstehen.

In Imitationsstudien sehen Kinder im Alter zwischen 18 und 24 Monaten Demonstrationen neuartiger Handlungen an neuen Objekten. Dabei wird das Ausmaß variiert, mit dem die Handlungen verbal begleitet werden, und nach dieser Demonstration bekommen sie dann die Möglichkeit, selbst mit den Spielzeugen zu interagieren. Anhand des Imitationsverhaltens können wir dann ableiten, auf welche Weise die sprachliche Information von den Kindern aufgenommen, verarbeitet, erinnert und für die Ausführung der demonstrierten Handlung genutzt wird.

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Elsner, Dipl.-Psych. Maurits Adam
Fördermittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG (FOR 2253, TP 3)


Die Wahrnehmung von Grenzmarkierungen in Sprache und Verhalten: Parallelen in der Segmentierung kontinuierlicher Informationen

Kinder können Informationen mental in überschaubare Blöcke zergliedern, um sie schneller und effizienter verarbeiten zu können. Gleichzeitig müssen Kinder die einzelnen Informations“happen“ aber auch wieder zusammensetzen können, statt jeden Teil separat zu betrachten, um die zugrunde liegende Bedeutung zu erfassen. Während des Spracherwerbs lernen Kinder beispielsweise, dass die Silben „BAY“ und „BEE“ zusammengehören, und formen das Wort „Baby“, statt die Silben getrennt zu verarbeiten. Wir interessieren uns dafür, wie Kinder lernen, welche Informationsstücke zusammen gehören und welche nicht. Dabei verfolgen wir den neuen Ansatz zu untersuchen, ob Kinder nicht-sprachliche Information auf vergleichbare Weise zergliedern wie sie es mit Sprachreizen tun. Wir interessieren uns dafür, wie Kinder Sequenzen von Handlungen wahrnehmen und mental zergliedern, um zu überprüfen, ob Kinder Handlungen auf vergleichbare Weise mental zergliedern wie Silben und Sätze.

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Elsner, Dr. Matt Hilton

Fördermittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG (FOR 2253, TP 2)


Der Einfluss sozial-pragmatischer Hinweise auf das Verständnis von Handlungsabsichten in der frühen Kindheit

In diesem Projekt wird der Einfluss sozial-pragmatischer Hinweise auf das frühkindliche Handlungsverständnis untersucht. Das erste Teilprojekt befasst sich mit dem Einfluss von Emotionen darauf, wie Kleinkinder eine objektgerichtete Handlung verarbeiten und im eigenen Verhalten umsetzen. In Nachahmungsstudien wird Kleinkindern verschiedener Altersgruppen eine Handlung an einem unbekannten Spielzeug demonstriert, und gleichzeitig drückt eine Person entweder eine positive oder negative Emotion in Bezug auf die Handlung aus. Wir untersuchen dabei, ob sich das Nachahmungsverhalten der Kinder unterscheidet, je nachdem, welche Emotion vorher gezeigt wurde. Dieses Teilprojekt wird in Kooperation mit dem Infant Action and Cognition Lab (Leitung: Dr. Petra Hauf) der St. Francis Xavier University in Antigonish, Nova Scotia, Kanada, durchgeführt.

Das zweite Teilprojekt untersucht, ab wann und in welcher Form Kleinkinder beginnen zu verstehen, dass sich zwischenmenschliche sprachliche Kommunikation auf geistige Zustände wie Handlungsabsichten beziehen kann. In Nachahmungsstudien schauen 18 und 24 Monate alte Kinder dabei zu, wie ein Erwachsener eine Handlung an einem Gegenstand ausführt und diese sprachlich ankündigt. Dabei stimmt die sprachlich angekündigte Handlung nicht immer mit der ausgeführten überein, d.h. es entsteht ein Konflikt zwischen der verbal angekündigten Handlung und der tatsächlich ausgeführten Handlung. Wir möchten untersuchen, wie Kinder mit solch einem Konflikt umgehen. Konkret interessiert uns, ob sie sich am Gesagten oder Gesehenen orientieren, wenn sie selbst an der Reihe sind mit dem Objekt zu interagieren. In einer EEG-Studie mit 18 Monate alten Kindern sind wir bestrebt neuronale Maße für die Verarbeitung solcher im Konflikt stehenden Informationen zu identifizieren. Aus aktueller Forschung ist bekannt, dass bereits das EEG-Signal von Kleinkindern, ähnlich wie bei Erwachsenen, mit einer bestimmten neuronalen Reaktion (sog. N400) antwortet, sofern ihre Erwartungen verletzt werden (z. B., Friedrich & Friederici, 2004). In einer Eyetrackingstudie soll das Blickverhalten von 20 Monate alten Kindern genauer betrachtet werden, um festzustellen, wie solch ein Konflikt zwischen Sprache und Verhalten auf das Blickverhalten der Kinder wirkt. Wir untersuchen z.B., ob Kinder auf der Basis der sprachlichen Handlungsankündigung den Zielort dieser Handlung mit ihrem Blick antizipieren können. 


Die Entwicklung des Werkzeuggebrauchs im Kleinkindalter

Menschen gebrauchen Werkzeuge – nicht nur in Werkstatt und Garten, sondern auch zum Essen, Telefonieren oder Schreiben. Kinder beginnen schon früh, mit Werkzeugen umzugehen, und sie lernen dabei erstaunlich schnell. In verschiedenen Studien untersuchen wir, wie Kinder ab dem 2. Lebensjahr mit Werkzeugen umgehen: Welche Lernstrategien wenden sie an, welche Informationen sind ihnen wichtig, welchen Einfluss haben Erwachsene als Modelle? Weiterhin interessiert uns, ob und wie Kinder einmal erworbenes Werkzeug-Wissen auf andere Situationen übertragen. Wir gehen davon aus, dass dieser Transfer sowohl vom ursprünglichen Lernkontext als auch von den Merkmalen des jeweiligen Werkzeugs beeinflusst wird. Da auch das Alter der Kinder bzw. ihre Vorerfahrung mit Werkzeugen einen Einfluss haben können, werden Kinder im Vorschulalter in die Studien mit einbezogen.