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Methoden der Entwicklungspsychologie

Denken vor dem Sprechen – Studien zur geistigen Entwicklung von Säuglingen im Potsdamer BabyLAB

Bis noch vor einigen Jahrzehnten waren Forscher überzeugt davon, dass die Gedankenwelt von Babies sehr arm ist. Immerhin können Säuglinge uns ihre Gedanken nicht mitteilen, und Erwachsene erleben ihr eigenes Denken meist als „inneren Monolog“, der an die Fähigkeit zu sprechen gekoppelt ist. Heutzutage machen sich Säuglingsforscher die Tatsache zu Nutze, dass man aus dem beobachtbaren Verhalten von Babies darauf schließen kann, was in ihren Köpfen vorgeht. So beginnen wir zu entdecken, wie reichhaltig das Denken von Babies ist: Wie sie ihre Umwelt sehen, welche Aspekte für sie besonders spannend sind, und was sie lernen, wenn sie ihre Umgebung und die Menschen darin beobachten.

Die Studien zur kognitiven Entwicklung, die im BabyLAB der Universität Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Birgit Elsner durchgeführt werden, erforschen bestimmte Aspekte des Denkens von Säuglingen und Kleinkindern. Der Schwerpunkt der Forschung liegt darauf, wie Babies die Menschen in ihrer Umgebung wahrnehmen: Was und wie lernen Kinder aus der Beobachtung des Verhaltens anderer Personen für ihr eigenes Handeln? Erkennen Säuglinge, dass es in unserer Umwelt belebte und unbelebte Dinge gibt, und dass nur die belebten Dinge eigenständig handeln können? Können bereits Babies das Verhalten Anderer als sinnvoll interpretieren? Wissen Kinder, dass unseren Handlungen geistige Zustände zugrundeliegen, wie Wünsche oder Absichten, die man von außen nicht beobachten kann?

Um diese Fragen zu beantworten, laden wir Eltern mit ihren Kindern in unser BabyLAB ein. Abhängig von der jeweiligen Fragestellung untersuchen wir Kinder in bestimmten Altersgruppen, zwischen ca. 6 Monaten und 2 Jahren. In einigen Projekten werden auch Kinder im Vorschulalter in die Untersuchungen mit einbezogen. In den Studien bringen wir die Kinder spielerisch in bestimmte Situationen, indem wir beispielsweise Bilder oder Filme präsentieren oder Handlungen mit für das Kind unbekannten Objekten vorführen (siehe Untersuchungsverfahren). Das per Videokamera aufgezeichnete Verhalten des Kindes wird anschließend genau analysiert: Wie lange schauen die Kinder auf bestimmte Bilder? Wie machen die Kinder gesehene Handlungen nach? Was finden Kinder in bestimmten Altersgruppen interessant? Aus diesen Daten schließen wir darauf, was in den Köpfen der Babies vorgegangen sein mag. Unsere bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Säuglinge die Menschen in ihrer Umgebung genau beobachten und dass sie aus diesen Beobachtungen sehr viel für ihr eigenes Handeln lernen. Was genau, und wie sich die kindlichen Fähigkeiten in den ersten zwei Lebensjahren entwickeln, das werden weitere Studien zur kognitiven Entwicklung im BabyLAB der Universität Potsdam zeigen.

Wenn Sie Interesse haben, mit Ihrem Kind an unseren Studien teilzunehmen, finden sie hier weitere Informationen zum Ablauf der Studien und ein Anmeldeformular.

In unserer Abteilung für Entwicklungspsychologie werden derzeit drei Arten von Studien durchgeführt. Wir beschäftigen uns mit der Imitationsforschung, der Blickzeitforschung sowie mit Baby-EEG-Studien. Alle drei Verfahren werden hier kurz dargestellt:

Imitationsstudien

Maß für die Entwicklung wichtiger Lern- und Denkprozesse

Das Imitationsverhalten von Säuglingen, Kleinkindern und Vorschulkindern findet in entwicklungspsychologischen Forschungsprojekten viel Beachtung. Die Imitation (Nachahmung) dient als Maß für die Entwicklung wichtiger Lern- und Denkprozesse. Durch das Nachahmen von Verhaltensweisen anderer Personen können sich Kinder komplexe Verhaltensmuster innerhalb kurzer Zeit aneignen. Ergebnisse zum Imitationsverhalten ermöglichen uns, Rückschlüsse auf die erstaunlichen geistigen und motorischen Fähigkeiten von Kindern zu ziehen. In Imitationsstudien führen wir Kleinkindern meistens mit Spielzeugen verschiedene Bewegungen vor, welche dann anschließend von den Kindern spielerisch nachgeahmt werden. In Begleitung eines Elternteils nehmen die Kinder einzeln an einer oder mehreren Erhebungen teil, welche in unseren Räumen der Universität Potsdam stattfinden. Für die Auswertung der Daten wird das Verhalten des Kindes per Videokamera aufgezeichnet.


Blickbewegungsmessung (Eyetracking)

Erforschung von Aufmerksamkeit und Denkprozessen

Unter Eyetracking, zu Deutsch Blickbewegungsmessung, versteht man Verfahren, die den Blickverlauf einer Person beim Betrachten eines Bildes oder Filmes registrieren und festhalten. Dabei wird der Blickort sowie die Blickdauer des Auges aufgezeichnet. Es wird also gemessen, wann, wo und wie lange die Versuchsperson einen bestimmten Bereich des Bildschirmes betrachtet. Man schließt aufgrund der so gewonnenen Daten auf kognitive Prozesse, die beim Verarbeiten der dargebotenen Information beim Probanden stattfinden, z.B. ob das passende Bild angeschaut wird wenn man ein bestimmtes Wort hört, oder ob die Kinder in der Lage dazu sind, das Ziel einer Handlung mit ihren Blicken vorherzusagen. Wir zeichnen die Blickbewegungen Ihres Kindes auf, während es die Bilder oder Videos auf einem Bildschirm anschaut und dazu beispielsweise Sätze oder Wörter hört.Der Eyetracker sieht aus wie ein normaler Flachbildschirm. Wir benutzen Geräte der Firma SMI (SensoMotoric Instruments). In das Gehäuse ist eine Infrarot-Lichtquelle integriert und eine Kamera. Die Reflektion des infraroten Lichts auf dem Auge wird vom Gerät erfasst genauso wie die Pupillenposition. Aus diesen Informationen wird ca. alle 4-20 Millisekunden die Blickposition errechnet. Ihr Kind ist also nicht an Geräte angeschlossen und die Messung der Blickbewegungen wird gar nicht bemerkt. Das Infrarotlicht ist absolut unbedenklich.


Baby–EEG–Studien

Erforschung von Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsprozessen

Bei allen Vorgängen – wie z.B. Wahrnehmung, Sprache, Bewegung oder Schlaf – entsteht durch die Aktivität der Gehirnzellen elektrische Spannung. Die Übertragung von sehr schwachen Strömen ermöglicht es den 10 Billionen Neuronen in unserem Gehirn, miteinander zu kommunizieren und Informationen auszutauschen. Mit Hilfe der Elektroenzephalographie (kurz EEG) können wir diese Spannungsschwankungen auf der Kopfoberfläche messen und graphisch darstellen. Dazu verwenden wir eine elastische Kappe, die sich wie eine Schwimmkappe an den Kopf Ihres Kindes schmiegt. In diese Kappe sind kleine Mess-Plättchen eingebettet, die die Spannungsschwankungen – ähnlich der Messung der Körpertemperatur - erfassen können. Auf diese Weise lässt sich erkennen, welche Bereiche des Gehirns in bestimmten Situationen besonders aktiv sind. Das EEG ist eine Mess-Methode, die in zahlreichen  Forschungszentren in der ganzen Welt angewendet wird.